mini|James Watt(Gemälde von Henry Howard, um 1797) mini|klasse=skin-invert-image|James Watts Unterschrift
James Watt [] (* in Greenock; † 25. August 1819In der Literatur über James Watt wird oft der 19. August als Todesdatum genannt. Diese Angabe geht auf die Biographie The Life of James Watt (1858, S. 521) von James Patrick Muirhead zurück. Sie bezieht ihre (vermeintliche) Legitimation aus der Tatsache, dass Muirhead ein Neffe Watts war und daher ein besonders gut informierter Gewährsmann sein sollte. In Muirheads Nachlass (Muirhead papers) ist allerdings ebenfalls vom 25. August die Rede. Gleichlautend äußern sich zeitgenössische Zeitungsberichte über Watts Beisetzung sowie ein Abriss (abstract) und Zusatz (codicil) zu Watts Testament. (Im einschlägigen Bestattungsregister der St. Mary's-Kirche (Birmingham-Handsworth) ist der Tag von Watts Ableben dagegen nicht vermerkt.) in seinem Haus in Heathfield, Staffordshire) war ein schottischer Erfinder. Seine einflussreichste Erfindung war die 1769 patentierte Verbesserung des Wirkungsgrades der Dampfmaschine durch Verlagerung des Kondensationsprozesses aus dem Zylinder in einen separaten Kondensator. Watt selbst hielt das von ihm entworfene Gestänge, das Wattsche Parallelogramm, für seine größte Erfindung. Er stattete seine Dampfmaschinen mit den vom Windmühlenbau bekannten Fliehkraftreglern zur Konstanthaltung der Drehzahl bei Belastungsschwankungen aus.
Leben Watts Eltern waren James Watt (1698–1782), ein Kaufmann und Agnes Muirhead (1703–1755). Sie hatten um 1728 geheiratet. James war der älteste Überlebende von acht Kindern, fünf Geschwister starben im Kindesalter. Watts Großvater Thomas Watt (1642–1734) lehrte Mathematik, Navigation und Landvermessung.Jennifer Tann, Watt, James (1736–1819). Oxford Dictionary of National Biography 2004, https://doi-org.libproxy.ucl.ac.uk/10.1093/ref:odnb/28880 Die Eltern waren prominente Einwohner von Greenock: Der Vater war seit 1751 bailie (Amtsrichter) von Greenock und arbeitete auch als Schiffsbauer, Kerzengießer, Zimmermann und Tischler. Außerdem besaß er ein SchiffJennifer Tann, Watt, James (1736–1819). Oxford Dictionary of National Biography 2004, https://doi-org.libproxy.ucl.ac.uk/10.1093/ref:odnb/28880 und handelte mit Wein und Sklaven.Corinne Fowler, Our Island Stories. London, Penguin 2024, 300 Auch James' jüngerer Bruder John war im Sklavenhandel tätig. Unter anderem brachte er einen schwarzen Jungen namens Frederick nach Schottland, um dessen Weitervermittung zu den Brodies von Spynie sich James kümmerte, nachdem sein Bruder 1762 auf Jamaika ertrunken war.Corinne Fowler, Our Island Stories. London, Penguin 2024, 301
James war ein kränkliches Kind das unter chronischen Kopfschmerzen litt. Er wurde zuerst von seiner Mutter unterrichtet und besuchte später die Schule von M'Adam in Greenock und danach das Gymnasium des Ortes, wo er Latein und etwas Griechisch lernte. Er galt jedoch als „langsam“ und arbeitete nach dem Schulabschluss zuerst in der Werkstatt seines Vaters. Da sein Vater Teile seines Vermögens bei Spekulationen einbüßte, wurde James 1754 nach Glasgow geschickt, um das Handwerk des mathematischen Instrumentenbauers zu erlernen. Er lebte bei der Familie seiner Mutter. Dr Robert Dick, ein Verwandter mütterlicherseits, riet ihm, nach London zu gehen und gab ihm ein Empfehlungsschreiben an James Short, einen bekannten Hersteller von Teleskopen.Jennifer Tann, Watt, James (1736–1819). Oxford Dictionary of National Biography 2004, https://doi-org.libproxy.ucl.ac.uk/10.1093/ref:odnb/28880
Eine eigene Werkstatt konnte er wegen der nicht abgeschlossenen Ausbildung nicht eröffnen, da die Glasgower Zünfte Einspruch erhoben. Watt erhielt 1757 eine Stelle als Instrumentenmacher an der Universität von Glasgow. Dort fertigte und reparierte er für die Universität Instrumente wie Kompasse und Quadranten. Sein Einraum-Labor, welches er nach einem Jahr um einen zweiten, zur Straße gelegenen Raum mit Schaufenstern erweiterte, entwickelte sich schon bald zum Treffpunkt von Dozenten und Studenten. Watt fand an der Universität viele Freunde, obwohl er „nur“ ein Handwerker war. Unter anderem war er mit dem Ökonomen Adam Smith befreundet und wurde von seinen Zeitgenossen als außerordentlich bescheiden und liebenswürdig beschrieben. Zeitweise musste er seinen Lebensunterhalt anderweitig verdienen. So vermaß er 1773 in staatlichem Auftrag den Great Glen, das große Tal zwischen Fort William und Inverness, und erstellte eine Machbarkeitsstudie für einen Kanal zwischen den beiden Orten, den später gebauten Kaledonischen Kanal.Samuel Smiles: The Life of Thomas Telford; civil engineer with an introductory history of roads and travelling in Great Britain. John Murray, London 1867, S. 226 (Digitalisat auf archive.org [Project Gutenberg])
Am 16. Juli 1764 heiratete Watt seine Cousine, die 1736 geborene Margaret Miller. Margaret Watt starb 1773 bei der Geburt des sechsten Kindes (tot geboren). Von ihren gemeinsamen Kindern überlebte nur der 1769 geborene Sohn James. 1775 heiratete Watt Anne McGrigor († 1832).
Fortentwicklung der Dampfmaschine mini|hochkant|links|Original-Kondensator von Watt mini|Schematische Darstellung der von James Watt benutzten Apparatur zum Durchführen seiner Versuche zur Effizienzsteigerung von Dampfmaschinen, Encyclopaedia Britannica 1889. Legende: A Boiler, B Dampfleitung zum Zylinder, C doppelt wirkender Zylinder, D Kolben, E Gewicht, F Abdampf, G Kondensator, I Kolben der Vakuumpumpe, K Zylinder der Vakuumpumpe. mini|Nachbau einer Wattschen Niederdruckdampfmaschine (Freiberg) mini|Watts Werkstatt (Science Museum, London)
1764 erhielt Watt als Universitätsmechaniker den Auftrag, das Modell einer Dampfmaschine nach der Bauart von Thomas Newcomen zu reparieren. Watt erkannte, dass ein großer Teil des einströmenden Wasserdampfes verbraucht wurde, um nach jedem Zyklus erneut die Zylinderwandung aufzuheizen. Watt beschloss, die Maschine – basierend auf Vorarbeiten von Denis Papin – zu verbessern. Er lernte neben Französisch und Italienisch auch Deutsch, um deutsche Schriften zur Wärmetheorie zu lesen. Um das wechselweise Aufheizen und Abkühlen des Zylinders zu vermeiden, führte er zur Kondensation des Wasserdampfs einen separaten Behälter ein, den Kondensator. Zusätzlich umgab er den Zylinder mit einer sogenannten 'Steam Jacket' (Dampf-Doppelmantel). Der Zylinder wurde so mit Dampf umspült, um dessen Wärmeverluste zu verringern. Den Doppelmantel isolierte er mit senkrecht angebrachten Holzbrettern.
Watt gab seine Stelle an der Universität Glasgow auf, um sich stärker der Weiterentwicklung der Dampfmaschine zu widmen. Obwohl er nebenbei als Feldvermesser arbeitete, häufte er Schulden an. Auch war er häufig krank. 1769 fand er in dem Eisenfabrikanten John Roebuck (1718–1794) einen Finanzier und reichte am 5. Januar 1769 das englische Patent Nr. 913 „A New Invented Method of Lessening the Consumption of Steam and Fuel in Fire Engines.“ (dt.: Eine neu erfundene Methode zur Verringerung des Dampf- und Brennstoffverbrauchs bei Verbrennungsmaschinen.) ein, das am 29. April 1769 registriert wurde.James Watt Separate Condenser Patent (No. 913, 1769) (PDF) Watts Verbesserungen ermöglichten gegenüber der von John Smeaton optimierten Newcomen-Dampfmaschine eine Ersparnis an Steinkohle von über 60 Prozent.
Es gelang zunächst nicht, einen dampfdichten Zylinder herzustellen. Inzwischen wurde sein Förderer John Roebuck insolvent. Der Industriebaron Matthew Boulton erklärte sich bereit, Roebucks Nachlass zu übernehmen, wenn er die Verlängerung des Patentes um 25 Jahre bis zum Jahr 1800 erreichen könne. Nach erfolgreicher Lobbyarbeit wurde die Firma Boulton & Watt für die Dauer der Gültigkeit des Patents gegründet. Boulton sicherte sich für seinen Anteil 2/3 der Einnahmen. Die erste einsatzfähige Dampfmaschine nach dem Wattschen Prinzip wurde 1776 in der Fabrik von John Wilkinson installiert. Wilkinsons Firma war es gelungen, einen Zylinder aus Eisen in der erforderlichen Qualität zu fertigen: Er nutzte ein von ihm entwickeltes und patentiertes Verfahren zum präzisen Erweitern der Bohrung von Kanonenrohren, bei dem der Bohrmeißel an beiden Enden fixiert wird und sich der Zylinder um diesen dreht. In der Folge wurden Zylinder, Kondensator und Luftpumpe für 'Boulton & Watt' in Soho bei Birmingham hergestellt. Zusammengesetzt wurden die Dampfmaschinen erst beim Kunden. Wilkinson lieferte die Zylinder direkt an den Aufstellungsort, und weitere benötigte Materialien wurden vor Ort dazugekauft und angepasst. Anfangs wurden die Dampfmaschinen durch 'Boulton & Watt' nicht verkauft, sondern über die Patentlaufzeit vermietet. Als Nutzungsentgelt verlangten sie ein Drittel der gegenüber der optimierten Newcomen-Dampfmaschine gesparten Brennstoffkosten. Zu deren Berechnung konstruierte Watt eigens einen manipulationssicheren Zähler für die Kolbenbewegungen.
Drehbewegung statt Linearbewegung 1781 wandelte Watt den Kolbenhub mittels eines Kreisschubgetriebes in eine Drehbewegung um. 1782 konstruierte er eine Dampfmaschine, bei der der Kolben von beiden Seiten durch Dampf bewegt wird. Damit hatte James Watt nun eine Dampfmaschine entwickelt, bei der die komplette Arbeit vom Dampfdruck geleistet wurde. Zuvor war der Kolben durch den Unterdruck bewegt worden, der bei der Kondensation des Dampfs entsteht. Auf diese Weise wurden wesentlich stärkere Maschinen möglich. Bei den mit Dampfdruck arbeitenden Maschinen drückt der Kolben den Balancier nach oben und zieht ihn auch wieder nach unten. Damit diese in zwei Richtungen wirkenden Kräfte übertragen werden konnten, wurde statt einer Kette eine Kolbenstange benutzt. Zur linearen Führung der Kolbenstange am pendelnden Balancier erfand Watt 1784 das Wattsche Parallelogramm, das er selbst als seine größte Erfindung ansah.
Drehzahlregelung Seit 1788 stattete er seine Dampfmaschinen mit den bereits erfolgreich in Windmühlen benutzten Fliehkraftreglern aus, um die Drehzahl der Antriebsachse unter Belastungsschwankungen konstant zu halten. Auch führte er die Pferdestärke (PS) als Maßeinheit für die Leistung ein. Im selben Jahr wurde in Soho die Münzprägung begonnen, angetrieben von Watts Dampfmaschine.
Die Dampfmaschinen von Watt erreichten schließlich einen Wirkungsgrad von 3 %, das Dreifache der optimierten Newcomen-Dampfmaschinen. Die Umsetzung der Hochdruckdampfmaschine in die Praxis verzögerte sich wegen Watts Sicherheitsbedenken und seinem bis zum Jahr 1800 verlängerten Patent über die Dampfkondensation außerhalb des Zylinders.
Wettbewerber
Als Richard Trevithick (1771–1833) im Jahre 1804 eine auf Rädern und Schienen fahrende Hochdruckdampfmaschine konstruierte und mit fünffachem Atmosphärendruck betrieb, wünschte Watt ihm ob des Leichtsinns den Strick um den Hals.
Watt und Boulton behinderten während der Zeit, in der die Watt verliehenen Patente Gültigkeit hatten, erfolgreich die Weiterentwicklung der Dampfmaschine durch konkurrierende Ingenieure. So verklagten sie Jonathan Hornblower, dessen Verbunddampfmaschine einen höheren Wirkungsgrad möglich machte, wegen Patentverletzung und konnten so deren Weiterentwicklung stoppen.Ben Marsden: Watt’s Perfect Engine: Steam and the Age of Invention. Columbia University Press, 2004. mini|hochkant|James Watt (1806)
Lebensabend und Tod Watt stieg im Jahre 1800 aus seinem Unternehmen aus und übergab seine Anteile an seine Söhne James und Gregory. Er selbst zog sich in sein Haus Heathfield in Handsworth, Birmingham, zurück, wo er an diversen weiteren Erfindungen arbeitete, darunter Dingen, die eher dem Zeitvertreib als dem ernsthaften technischen Einsatz dienten. Er lebte äußerst gesellig und seine Gäste schwärmten, dass man sich mit ihm über alle Themen unterhalten könne. Der schottische Nationaldichter Walter Scott äußerte sich einmal erleichtert darüber, dass Watt Ingenieur geworden war. Dessen Talent zum Geschichtenerzählen hätte ihm sonst ernsthaft Konkurrenz gemacht.