Hierarchie (gesprochen [] oder []) ist die RangordnungGerhard Köbler, Etymologisches Rechtswörterbuch, 1995, S. 188. der Menschen, Tiere oder Sachen untereinander. Das Komplement ist die Heterarchie.

Hierarchie ist eine stufenmäßig auf Überordnung und Unterordnung beruhende Rangordnung. Die Elemente dieser Ordnung sind in vertikaler Reihung nach absteigender Bedeutung für die Entscheidungsmacht, Kompetenzen und Rang positioniert. Bei der Monohierarchie ist dabei jedem Element höchstens ein anderes Element unmittelbar übergeordnet, während bei einer Polyhierarchie mehrere übergeordnete Elemente vorhanden sind. Bei der Monohierarchie stehen die Klassen in hierarchischer Beziehung zueinander und zudem besitzt jede Klasse nur eine Oberklasse (Tumor als Oberklasse hat beispielsweise nur den gutartigen und bösartigen Tumor als Unterklasse). Mathematisch betrachtet bedarf eine Hierarchie einer Ordnungsrelation, die einen Baum (Monohierarchie) oder gerichteten azyklischen Graphen definiert (Polyhierarchie).

Die Einteilung (Klassifizierung) oder Einordnung (Klassierung) von Objekten in eine Hierarchie impliziert häufig eine Wertigkeit, die bereits in der Rangordnung, nach der die Objekte geordnet werden, enthalten ist. Grundsätzlich sind sie allerdings einfacher als komplexe Netzwerkstrukturen zu erfassen.

Etymologie und Geschichte Das Wort Hierarchie stammt aus dem altgriechischen , zusammengesetzt aus („heilig“) und („Führung, Herrschaft“) und bezog sich zunächst lediglich auf die Religion. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts erschien es durch Pseudo-Dionysius Areopagita als hierarchiain den Traktaten („Über die himmlische Hierarchie“) und („Über die kirchliche Hierarchie“) für das Amt des Hohepriesters (zu „Tempelpriester“).Hermann Paul, Deutsches Wörterbuch: Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes, 2002, S. 473. Die Priester waren in 24 Priesterklassen und Wochenabteilungen (Singular ) eingeteilt, wobei ihre Reihenfolge und ihr Priesterdienst zufällig bestimmt wurden . In der Engellehre des Pseudo-Dionysius Areopagita spielte die hierarchische Ordnung der Engel ebenfalls eine große Rolle. Das kirchenlateinische „hierarchia“ erschien erstmals 1685 bei Veit Ludwig von Seckendorff als „die Hierarchie oder das Priester-Regiment in der Römischen Kirche“.Veit Ludwig von Seckendorff, Der Christenstaat, Band I, 1685, S. 450. Auf die Engelhierarchie wies 1727 noch einmal Sperander hin.Friedrich Gladov (Sperander), A la Mode-Sprach der Teutschen, 1727, S. 290.

Soziale Systeme Formale Kommunikation findet in sozialen Systemen mit Linienorganisation (etwa bei Behörden oder Unternehmen) auf dem Dienstweg, dem organisatorisch dafür vorgesehenen Linienweg, statt.Ottmar Schneck (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 2015, S. 394 Informationen oder Nachrichten werden auf dem Linienweg von oben nach unten (Top-down) oder umgekehrt (Bottom-up) durch Kommunikationsmittel ausgetauscht. Hierüber gibt ein Organigramm Auskunft.Reinhard Voßbein, Organisation, 1989, S. 180 Die Querinformation ist in diesem Sinne eine informelle Kommunikation. Bereits Konrad Mellerowicz gab 1952 zu bedenken, dass eine Organisation bei tief gegliederter Leitungsspanne schwerfällig wird, wenn für die gesamte Kommunikation der Linienweg gewählt würde.Konrad Mellerowicz, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Band 1, 1952, S. 133 Er schlug deshalb vor, nur den Befehlsweg festzulegen und den Vorschlags- und Mitteilungsweg überhaupt nicht zu regeln.

Das Idealbild einer hierarchischen Struktur geht davon aus, dass mit der Struktur eine Methodik für Menschenführung und Kooperation definiert ist, die eine bestimmte Strategie der bidirektionalen Kommunikation nutzt. Damit verbunden sind Filterkonzepte, die ein Überborden der Information von unten nach oben (bottom-up) verhindern. Damit wird die Fiktion behindert, die oberen Hierarchien wüssten um Details. Hingegen muss ein Konzept der Eskalation für Konflikte definiert sein, das Informationen von unten nach oben befördert oder den Zugriff auf Information von oben nach unten erlaubt.

Menschen Urform ist die Hierarchie in der Familie, deren soziale Beziehung sich bereits in der Antike als Patriarchat oder Matriarchat zeigte.Andreas Müller, Lexikon des Kirchenrechts und der römisch-katholischen Liturgie, Band 4, 1839, S. 269. Erstere ist durch die Herrschaft der Väter und Männer () geprägt. Ulpian bezeichnete im römischen Recht als Familie „mehrere Personen, welche der Natur nach oder rechtlich der Gewalt eines Einzelnen unterworfen sind, wie zum Beispiel dem Hausvater (), der Mutter (), dem Haussohn (), der Haustochter () und wer auch immer diesen auf gleiche Weise folgt“.Ulpianus 46 ad edictum, Digesten, 50, 16, 195, 2. Diese trafen entsprechend ihrem Status in vertikaler Arbeitsteilung alle wichtigen Entscheidungen, der Rest der Familie musste sich fügen und danach handeln. Die Familie kennzeichnete einerseits Autorität () und Gehorsam (), andererseits ist aber auch die Zuverlässigkeit und Fürsorgepflicht ein wichtiger Bestandteil.Dominik Goder, Die „Familia“ im Verhältnis zum Lebensstil des Heiligen in der Antike, 2012, S. 4. Während der Sklaverei waren Sklaven bzw. im Feudalismus Leibeigene ihrem Besitzer unterworfen. Wichtige Autoritäten waren zudem der Dorfälteste, Häuptling, Pfarrer und später die Lehrer. Das sich aus Familien zusammensetzende Volk wiederum war der Untertan der Adligen (Könige, Kaiser, Herzöge, Fürsten). Wer sich als Untertan nicht an die Erlaubnisse, Gebote oder Verbote Höhergestellter hielt, musste mit Sanktionen rechnen (Insubordination).

Das religiös begründete Kastensystem (, „Rasse“) des indischen Subkontinents ist streng hierarchisch gegliedert und hat in Indien bis heute kulturelle und soziale Auswirkungen auf viele Lebensbereiche. Die Kaste bestimmt den gesellschaftlichen Status eines Menschen und auch seine eigene Wahrnehmung und Erwartungen vom Leben.Karin Holm/Uwe Schulz (Hrsg.), Kindheit in Armut weltweit, 2002, S. 171 f. Die Kaste () ist eine soziale Gruppe, die miteinander speist, endogam heiratet und einer gleichen Berufstätigkeit nachgeht. Eine gängige Einteilung gibt es in Priester/Staatsbeamte/Richter/Ärzte (), Schreiber (), Kriegsadel (), Händler und Angestellte (), Handwerker/Dienstpersonal (), Kuhhirten und Bauern ().

Personenvereinigungen Mit Aufkommen der künstlich geschaffenen Personenvereinigungen (Vereine, Kirchen, Korporationen, Unternehmen, Militär, politische Parteien) schuf man auch bei diesen Hierarchien, die auf dem System von Befehl und Gehorsam aufbauen. In der Arbeitswelt gibt es die auf Hierarchie beruhende „vertikale Arbeitsteilung“. Die strengsten Hierarchien bestehen bei Militär und öffentlicher Verwaltung, sie sind sogar durch Gesetze festgelegt. Furcht spielt in allen hierarchischen Institutionen und Organisationen notwendigerweise eine große Rolle.Vladimir Shlapentokh: Fear in Contemporary Society. Palgrave Macmillan, New York 2006.

Unternehmen Günter Wöhe definierte die betriebliche Hierarchie als die Über- und Unterordnung von Organisationseinheiten.Günter Wöhe/Ulrich Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, 2013, S. 107. Weisen diese Organisationseinheiten in einem Betrieb gleiche Funktionen, Kompetenzen und Verantwortung auf, liegt eine Neben- oder Gleichordnung vor. Leitungsspanne und Leitungstiefe tragen zur Hierarchiebildung bei. Je kleiner die Leitungsspanne, desto größer ist – bei gleicher Beschäftigtenzahl – die Leitungstiefe (Zahl der Hierarchie-Ebenen).Günter Wöhe/Ulrich Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, 2013, S. 108. Besonders in Großunternehmen gibt es unterhalb des Vorstands oder der Geschäftsführung als oberster Hierarchie-Ebene weitere, zur Hierarchie gehörende Management-Ebenen wie Abteilungsleiter, Referatsleiter, Gruppenleiter, Teamleiter bis hin zum Sachbearbeiter. In Deutschland gibt es allgemein fünf Ebenen der Betriebshierarchie, und zwar Leitung, Hauptabteilung, Abteilung, Gruppe und Untergruppe.Hermann Funke, in: Arbeitskreis Dr. Krähe der Schmalenbach-Gesellschaft, Aufgaben- und Abteilungsgliederung in der industriellen Unternehmung, 1952, S. 21. Dabei nimmt von unten nach oben die Zahl der Personen pro Hierarchie-Ebene ab, während die Funktionen, Kompetenzen und Verantwortung gleichzeitig zunehmen.Herbert Schmid/Dominik Brückner/Isolde Nortmeyer/Oda Vietze, Deutsches Fremdwörterbuch, Band 7, 2010, S. 247. Hierarchien bestehen auch innerhalb der Arbeiter (Vorarbeiter, Hilfsarbeiter) und Angestellten (leitender Angestellter, Sachbearbeiter).

Auch die Stimmverteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wie auch die Stimmverteilung der Weltbank richtet sich nach zur Verfügung gestellten Beitragshöhen. „Die Ablehnung immer vorhandener Hierarchien führt nur zu deren Verschleierung und macht sie damit auch unangreifbar.“Egbert Steiner, Ludwig Reiter: Zum Verhältnis von Individuum und sozialem System (PDF; 240 kB), S. 3.

Befehlshierarchie ist der Ausdruck für die disziplinarische Durchsetzung von Anordnungen nach Entscheidungen von oben nach unten; Leitungshierarchie ist die bürokratische Organisationsform, die durch zunehmende Delegation gekennzeichnet ist.Fritz Neske/Markus Wiener (Hrsg.), Management-Lexikon, Band II, 1985, S. 540. Wegen der hohen Gemeinkosten versuchen Personenvereinigungen, durch flache Hierarchien (Leitungsspanne) oder Lean Management (Leitungstiefe) Personalkosten einzusparen. Dennoch ist der Aufstieg innerhalb dieser Ebenen mittels Karriere durch Beförderung möglich, ein Abstieg ist durch Degradierung oder Entlassung nicht auszuschließen. Hierarchie-Stufen werden oft auch über die Berichtsebene definiert, womit diejenigen Stellen in der Aufbauorganisation (Linienorganisation) gemeint sind, die Informationspflichten (Berichtspflichten) gegenüber einer übergeordneten Stelle wahrzunehmen haben.

Öffentliche Verwaltung Die öffentliche Verwaltung ist organisatorisch und personell streng hierarchisch gegliedert. Diese Hierarchie besteht zum Beispiel aus obersten Bundesbehörden, Bundesoberbehörden, Bundesmittelbehörden und Bundesunterbehörden.Franz-Joseph Peine, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2008, S. 16. Die Verwaltungsgliederung in Deutschland ist an den föderalen Ebenen (Bundesebene, Länder und Gemeinden) ausgerichtet und unterscheidet zwischen bundeseigener Verwaltung (unmittelbare Bundesverwaltung durch oberste Bundesbehörden sowie mittelbare Bundesverwaltung insbesondere durch bundesunmittelbare Körperschaften) und landeseigener Verwaltung (unmittelbare Landesverwaltung durch Landesbehörden sowie mittelbare Landesverwaltung insbesondere durch kommunale Körperschaften). Zu den Obersten Bundesbehörden gehören beispielsweise neben der Bundesregierung oder den 14 Bundesministerien auch das Bundespräsidialamt oder das Bundeskanzleramt, zu den Oberen Bundesbehörden die Bundesnetzagentur oder das Bundesverwaltungsamt. Die Bundesmittelbehörden stehen zwischen den obersten Bundesbehörden und der unteren Verwaltungsebene, die Bundesunterbehörden sind den Mittelbehörden nachgeordnet und nur für eine kleinere Region zuständig. So sind beispielsweise dem Bundesministerium der Finanzen als oberster Bundesbehörde das Bundeszentralamt für Steuern als Bundesoberbehörde, die Oberfinanzdirektionen als Mittelbehörden der Landesfinanzbehörden (diese in Auftragsverwaltung bei Bundessteuern für die Bundesfinanzverwaltung, Abs. 3 GG) und die Finanzämter als örtliche Behörden ( Abs. 1 FVG) unterstellt. Bundesoberbehörden werden meist unter Zusatz ihres Fachgebiets als Bundesanstalt oder Bundesamt bezeichnet,Reinhold Sellien/Helmut Sellien (Hrsg.), Gablers Wirtschafts Lexikon, Band 1, 1988, Sp. 994. Bundesmittel- und Bundesunterbehörden stellen den so genannten Verwaltungsunterbau.Franz-Joseph Peine, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2008, S. 16.

Personell werden Behörden vom Behördenleiter oder Dienststellenleiter geführt (auch: Präsident oder Amtsvorsteher).

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