Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben M beginnende Phrasen.
150px|ohne|rahmenlos|Initiale M
Magister Magister alius casus. „Ein anderer Lehrer ist der Zufall.“
Unkorrekt zitiert aus Plinius der Ältere, Naturalis historia 17,24, wo es heißt:
„Casus magister alius et paene numerosior.“ („Der Zufall ist ein anderer und fast häufigerer Lehrer.“ Gemeint, zu ergänzen: … als die Natur).
Magister artium liberalium (M. A.) „Lehrer der freien Künste“
Im Mittelalter waren Magisterium und Doktorat noch gleichrangig und unterschieden sich nur nach den Disziplinen. Die freien Künste („Septem artes liberales“) sind ein in der Antike entstandener Kanon von sieben Studienfächern, die nach römischer Vorstellung die „einem freien Mann“ ziemende Bildung darstellten. Im mittelalterlichen Lehrwesen galten sie als Voraussetzung für die höheren wissenschaftlichen Studienfächer Theologie, Jurisprudenz und Medizin.
Magister Legum Europae „Lehrer des europäischen Rechts“ – ein europäischer Magisterabschluss, der den zunehmenden Auswirkungen der europäischen Integration auf die Rechtswissenschaften Rechnung trägt.
Magister est prioris posterior dies. „Der folgende Tag ist der Lehrer des vorigen.“ – Spruch auf einer Sonnenuhr in Ligurien.
Bei Publilius Syrus (Sentenzen D 1) lautet der Spruch jedoch: „Discipulus est prioris posterior dies“ („Der folgende Tag ist der Schüler des vorigen“).
Magistra/Magistrum Magistra vitae philosophia. „Lehrmeisterin des Lebens ist die Philosophie.“
Magistrum memet ipsum habeo. „Ich habe mich selbst zum Lehrer.“
Magna
Magna Charta Libertatum „Großer Freibrief“
Die meist nur kurz als Magna Charta bezeichnete Urkunde ist eine von Johann Ohneland zu Runnymede in England am 15. Juni 1215 unterzeichnete Vereinbarung mit dem revoltierenden englischen Adel. Sie gilt als die wichtigste englische verfassungsrechtliche Rechtsquelle.
Magna cum laude „Mit großem Lob“ – entspricht bei der Doktorarbeit der Wertung der zweithöchsten Stufe: „sehr gut“.
Magna est veritas „Groß ist die Wahrheit“ – Motto der University of Miami.
Magna est veritas et praevalebit. „Groß ist die Wahrheit und sie wird sich durchsetzen.“
Angeblich zum ersten Mal von Thomas Brooks (1662) erwähnt.
Magna ingenia conspirant. „Große Geister stimmen überein.“
Magna Mater „Große Mutter“
„Magna deum mater Idaea“ („Große Mutter der Götter vom Berg Ida“) war eine Göttin, welche 204 v. Chr. in Rom eingeführt wurde und der ursprünglich aus Phrygien stammenden Göttin Kybele entsprach.
Magna res libertas. „Die Freiheit ist eine große Sache“ oder „Etwas Großartiges ist die Freiheit.“ – Inschrift auf der polnischen Freiheitssäule am Polenmuseum Rapperswil.
Magni Magni constant regum amicis bona consilia. „Teuer zu stehen kommen den Freunden der Könige gute Ratschläge.“
Wohl nach Seneca, De ira 3.14, wo die Lehre aus einer Anekdote (über den Perserkönig Kambyses II.) lautet: „Accessit itaque ad numerum eorum qui magnis cladibus ostenderunt quanti constarent regum amicis bona consilia.“ („Damit reihte er sich in die Zahl der Menschen ein, deren große Reinfälle zeigten, wie teuer den Freunden der Könige ihre guten Ratschläge zu stehen kommen.“)
Magni fures parvum ducunt. „Große Diebe führen einen kleinen [Dieb] ab.“ – Diogenes Laertius, Vitae philosophorum 6,45 (hier aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt) in der Biographie des Kynikers Diogenes: Dieser habe den Satz ausgesprochen, als er sah, wie der Dieb einer goldenen Schale abgeführt wurde.
Aulus Gellius überliefert in seinen Noctes Atticae (11,18,18) einen ähnlichen Ausspruch auch von dem Römer Cato. Dieser habe in seiner Rede „Über die Beuteverteilung an die Soldaten“ (De praeda militibus dividunda) gesagt: „Fures privatorum furtorum in nervo atque in compedibus aetatem agunt, fures publici in auro atque in purpura.“ („Die Diebe privaten Eigentums verbringen ihre Tage an Händen und Füßen gefesselt, die Diebe staatlichen Eigentums in Gold und Purpur.“)
Magni nominis umbra „der Schatten eines großen Namens“ – Lucan, Pharsalia 1,134
Der Dichter sagt über Pompeius: „Stat, magni nominis umbra, / qualis frugifero quercus sublimis in agro“ („Er steht da, eines großen Namens Schatten, wie auf fruchtbarem Boden eine hohe Eiche“), quasi mit lockeren Wurzeln und kahlen Ästen ohne Laub, schwankend, ein Opfer des nächsten Sturms.
Magno/Magnum/Magnus Magno (cum) gaudio „mit großer Freude“
Im Evangelium des Matthäus ist die übergroße Freude der drei Weisen beim Anblick des Sterns kaum mehr steigerbar ausgedrückt: „Gavisi sunt gaudio magno valde.“ („Sie wurden von sehr großer Freude erfüllt.“), .
Magnum opus „großes Werk“ – Meisterstück
Magnum timoris remedium clementia est. „Ein großartiges Heilmittel gegen Furcht ist Milde.“ – [Pseudo-]Seneca, Octavia 440.
In dieser dem Seneca zugeschriebenen Tragödie wird dieser Satz von dem in persona auftretenden Seneca gegenüber Nero geäußert, der darauf antwortet: „Extinguere hostem maxima est virtus ducis“ („Den Feind zu vernichten ist die größte Leistung eines Fürsten“).
Magnus inter opes inops „Ein Großer ist mitten im Reichtum arm.“
Auch in der Form magnas inter opes inops („inmitten großen Reichtums arm“).
Maior/Maiorem Maior omni laude „größer als alles Lob“
Dem Lauda Sion Salvatorem – um 1264 von Thomas von Aquin verfasst – entnommenes Motto
Maiorem hac dilectionem „eine größere Liebe als diese“ – Johannesevangelium (, ).
Der vollständige Satz lautet: „Maiorem hac dilectionem nemo habet ut animam suam quis ponat pro amicis suis.“ („Eine größere Liebe als diese hat niemand, dass er sein Leben für seine Freunde einsetzt.“)
Diesen Satz findet man auf vielen Kriegerdenkmälern. Seine ersten drei Wörter sind der Anfang eines Motu proprio von Papst Franziskus.
Mala/Male Mala „(Prognose) schlecht“ – medizinischer Fachausdruck; siehe auch Prognosis
Mala fide „Bösen Glaubens“ – wissentlich etwas Unrechtes tun oder zu Unrecht besitzen; in böser Absicht.
Mala mali malo mala contulit omnia mundo. „Der Kinnbacken des Bösen brachte mit dem Apfel der Welt alles Böse.“
Dieser Hexameter als lateinisches Wortspiel findet sich am Portal der evangelischen St.-Laurentius-Kirche in Altdorf bei Nürnberg.
Das Wortspiel beruht darauf, dass sich die drei Wörter („Kinnbacken“), („Apfel“) und („schlecht, übel, böse“) sehr ähneln und in einigen Fällen nur über die Länge des Vokals unterscheiden. Der Hexameter zum besseren Verständnis mit Markierung der Längen und Kürzen:
Mālă mălī mālō mălă cōntŭlĭt ŏmnĭă mŭndō.
Nur das Versmaß: Mit den senkrechten Strichen sind die einzelnen Wörter abgetrennt; die zwei in Klammern gesetzten Metren sind nur positionslang, das heißt in den entsprechenden Silben sind die Vokale selbst kurz.
Mala malus mala mala. „Ein schlechter Apfelbaum [trägt] schlechte Äpfel.“ – Entspricht unserem Sprichwort „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“
Ein Wortspiel, das auf der Ähnlichkeit von („Apfel“), („Apfelbaum“; im Lateinischen Femininum!), und („schlecht“), beruht, die sich in einigen Fällen nur über die Länge des Vokals unterscheiden. Der Spruch zum besseren Verständnis mit Markierung der Längen und Kürzen:
Mălă mālŭs mălă mālă.
(Mit den senkrechten Strichen sind die einzelnen Wörter abgetrennt.)
Male captus, bene detentus „rechtswidrige Habhaftwerdung, rechtmäßige Haft“
Danach steht eine illegale Festnahme (zum Beispiel durch Geheimdienste im Ausland) einem Gerichtsverfahren nicht entgegen.
Male secum agit aeger, qui medicum heredem facit. „Schlecht dient sich der Kranke, wenn er den Arzt als Erben einsetzt.“ – Publilius Syrus, Sententiae M 24.
Male parta male dilabuntur „Übel Erworbenes geht übel zu Ende“ – römisches Sprichwort.
Maledictus Maledictus piscis in tertia aqua. „Verdammt [sei] der Fisch im dritten Wasser!“ – Erst schwimmen, dann kochen, aber dann nicht auch noch Wasser dazu trinken.
Mali/Malis/Malum Mali corvi malum ovum „Schlechten Rabens schlechtes Ei“ – vergleiche „faules Ei“ als Redewendung.
Malis avibus „mit schlechten Vögeln“ – mit schlimmem Vorzeichen aus der Vogelschau
mini|Das Urteil des Paris von Rubens zeigt, wie Paris den Zankapfel überreicht. Malum discordiae „Apfel der Zwietracht“
Gemeint ist damit der Zankapfel, den die Göttin der Zwietracht mit der Aufschrift „Der Schönsten“ (griechisch: []) unter die versammelten Götter warf und der letzten Endes den Trojanischen Krieg auslöste.
Malum in se „übel in sich“ – übel unabhängig von den Umständen und gesetzlichen Bestimmungen; Gegensatz: „Malum prohibitum“
Malum prohibitum „verbotenes Übel“ – etwas, das nur durch den derzeitigen Konsens der Gesellschaft oder durch die momentanen Gesetze schlecht ist, aber nicht durch seine eigene Natur (siehe auch Tabu); Gegensatz: „Malum in se“
Malleus mini|hochkant|Titelseite des „Malleus maleficarum“, Lyon 1669 Malleus maleficarum „Hexenhammer“ – Buch, das der Dominikaner Heinrich Kramer 1486 in Speyer veröffentlichte und das maßgeblich für die Hexenverfolgung war.
Malleus manubrio sapientior. „Der Hammer will klüger sein als der Handgriff.“ – Nach Plautus.
Mantua Mantua me genuit, Calabri rapuere, tenet nuncParthenope. cecini pascua, rura, duces. „Mantua hat mich geboren, Kalabrien dahingerafft. Jetzt hält mich Neapel.Besungen habe ich Weiden, Äcker und Helden.“
Grabinschrift des römischen Dichters Vergil, der aus der Stadt Mantua stammte. Das Epigramm umschreibt auch die Themen der Werke Vergils: pascua („Weiden“): die Hirtengedichte Bucolica, rura („Äcker“): die Bücher vom Landbau Georgica, duces („Helden“): das Epos Aeneis.
Manu/Manum/Manus mini|hochkant|manu propria in Gitterform Manu propria (m. p.) „mit eigener Hand“ – eigenhändig
War vor allem wichtig, als es noch keine technischen Kopierverfahren gab und Schriftstücke von Hand kopiert wurden, um den Namenszug durch einen Kopisten von der eigenhändigen Unterschrift zu unterscheiden. Die eigenhändige Unterschrift ersetzte zu Beginn der Renaissance das Siegel. In Dokumenten des 16. und 17. Jahrhunderts wurde die „m.p.“-Abkürzung gern in Form von kalligraphischen Schleifen, im 18. Jahrhundert als gitterförmiges Ornament an die Unterschrift angehängt.
Manu scriptum „mit der Hand geschrieben“ – daher das Wort Manuskript
Manum de tabula. „Die Hand von der Tafel!“
Sprichwörtliche Redewendung, zum Beispiel im Satyrikon (76,9) des Petronius: „Nachdem ich anfing, mehr zu besitzen, als meine ganze Heimatstadt besitzt – manum de tabula!“
Auch bei Cicero (Ad familiares 7,25,1) liest man das Sprichwort: „Heus tu! Manum de tabula! Magister adest citius quam putaramus.“ („Heda du! Die Hand von der Tafel! Der Lehrer ist schneller da als wir gedacht hatten.“)
Ursprünglich war weder das Rechenbrett noch die Schreibtafel gemeint, sondern die hölzerne Bildtafel des Malers. Denn das Sprichwort geht zurück auf eine Anekdote, die Plinius der Ältere (Naturalis historia 35,80) über Apelles erzählt: Der Maler habe seinen Kollegen Protogenes als ebenbürtig bezeichnet, habe diesem gegenüber aber den Vorzug beansprucht, dass er selber rechtzeitig die Hand von der Bildtafel zu nehmen wisse, weil allzu große Gründlichkeit oft schade („quod manum de tabula sciret tollere“).
Manum in pallio habere „Die Hand im Mantel halten.“ – Die Fäuste ballen und tatenlos zusehen.
Manum tendere „die Hand darreichen“
Manus manum lavat „Eine Hand wäscht die andere.“ – Petronius, Satyricon 45,13.
Manus mortua „Tote Hand“ – Unveräußerliches Kirchengut oder Eigentum von bürgerlichen Stiftungen, die für die weltliche Gewalt, den Staat, unangreifbar waren – gleichsam tot.
Mare Mare apertum „das offene Meer“
Mare caelo miscere „das Meer mit dem Himmel vermischen“
Heftigen Sturm erregen nach Vergil, Aeneis 5,790 f. Dort heißt es in einer Bitte der Venus an Neptun: „maria omnia caelo miscuit“ („Meere und Himmel brachte sie [sc. Juno] durcheinander“).
Mare clausum