Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben L beginnende Phrasen.

150px|ohne|rahmenlos|Initiale L

Labor Labor absque labore „Arbeit ohne Mühe“ – Inschrift an der Laurenziana in Florenz

Labor est etiam ipse voluptas. „Arbeit selbst ist sogar ein Vergnügen.“ – Manilius, Astronomica 4,155.

Labor imperantis militum est securitas. „Die Sicherheit der Soldaten ist Aufgabe des Kommandierenden.“ – Caecilius Balbus, Sententiae (F) 103.

Labor ingenium miseris dat. „Not gibt den Unglücklichen Einfälle.“ – Manilius, Astronomica 1,80.

Entspricht dem deutschen Sprichwort „Not macht erfinderisch“.

Labor omnia vicit improbus. „Harte Arbeit bezwang alles.“ – Vergil, Georgica 1,145f.

Der Dichter beschreibt hier, wie sich nach dem Beginn der Herrschaft Jupiters das Leben der Menschen veränderte: Das Streben nach Eigentum und Besitz und die damit verbundene Gefahr der Not erzwingen nun harte Arbeit. Vollständig heißt der Satz: P. Vergili Maronis Georgicon Liber Primus (The Latin Library); hier als „labor omnia uicit improbus“.

„Labor omnia vicit improbus et duris urgens in rebus egestas.“ („Arbeit hat alles besiegt, rastlose, und in harten Umständen bedrängende Not.“)

In den Bucolica hatte Vergil noch geschrieben: „Omnia vincit amor“.

Labor omnia vincit. „Arbeit besiegt alles.“ – Sentenz, die weitreichende Verbreitung gefunden hat, darunter als Motto des US-Bundesstaates Oklahoma.

Der Satz ist Vergils Labor omnia vicit improbus entlehnt.

Siehe im Kontrast dazu „omnia vincit amor“, das ebenso von Vergil stammt.

Laborare/Laborat/Laboremus Laborare orare est. „Arbeiten ist Beten.“ – Sentenz mit Anklang an das Motto des Benediktiner-Ordens „Ora et labora“ („Bete und arbeite!“).

Laborare pugnare parati sumus. „Zu arbeiten oder zu kämpfen sind wir bereit.“ – Motto der California Maritime Academy.

Laborat magister docens tardos. „Geplagt ist ein Lehrer, der Schwachköpfe unterrichtet.“ – Augustinus, De musica 4.

Laboremus. „Lasst uns arbeiten.“ – „Ans Werk!“

Laut Überleiferung letzte Worte des Kaisers Septimius Severus.

Laboremus pro patria. „Arbeiten wir fürs Vaterland!“ – Motto der dänischen Carlsberg-Brauerei.

Labores Labores Herculis „Die Arbeiten des Herkules“ – Properz, Elegiae 2,23,7f.

Lacrima/Lacrimae Lacrima nihil citius arescit. „Nichts trocknet schneller als eine Träne.“ – Cicero, De inventione 1,109, wo der Satz als Ausspruch des Rhetors Apollonius (wohl der Redner des 2. Jahrhunderts v. Chr.)Vergleiche zitiert ist.

Bei dem anonymen Auctor ad Herennium (2,50) findet sich der Satz in der folgenden Formulierung: „Nihil enim lacrima citius arescit.“

mini|hochkant|Lacrimae Christi: Lacryma Christi del Vesuvio Lacrimae Christi „Tränen Christi“ – Wein von den Hängen des Vesuv, die für den guten Wein und die gesunde Luft berühmt sind.

Lacrimae nobis deerunt ante quam causae dolendi. „Eher werden uns die Tränen ausgehen als Anlässe zum Leiden.“ – Seneca, Ad Polybium de consolatione 4,2.

Lacrimae veniam non postulant et merentur. „Tränen fordern keine Verzeihung, und sie verdienen sie doch.“ – Ambrosius, Expositio evangelii secundum Lucam 10,88.

Laesa/Laeso Laesa maiestas „Majestätsbeleidigung“ – Das crimen laesae maiestatis ist in einer Monarchie die vorsätzliche Beleidigung oder Tätlichkeit, die gegen einen regierenden Monarchen verübt wird.

Laeso et invicto militi „Dem verwundeten, doch unbesiegten Krieger“ – Inschrift des Berliner Invalidenhauses aus dem Jahr 1748, einer der wohl ältesten Einrichtungen einer Art Kriegsopferfürsorge oder Kriegsopferversorgung im deutschsprachigen Raum, die angeblich auf den Marquis d’Argens zurückgeht.

Laetus Laetus sorte tua vives sapienter. „Zufrieden mit deinem Los lebst du klug.“ – Horaz, Episteln 1,10,44.

Lapidem/Lapis Lapidem, non hominem putas. „Für einen Stein, nicht für einen Menschen hältst du [mich].“ – Terenz, Hecyra 214.

Lapis philosophorum „Stein der Philosophen“ – Stein der Weisen

Lapsus Lapsus calami „Fehler des Schreibrohrs“ – Schreibfehler

Lapsus digiti „Fingerfehler“ – Tippfehler

Lapsus linguae „Fehler der Zunge“ – Versprecher

Lapsus memoriae „Fehler der Erinnerung“ – Erinnerungsfehler (Erinnerungsverfälschung und Konfabulation)

Lassus Lassus saepe foris maneat ne forte viator,id circo haec pateat sole cadente domus. „Damit nicht etwa ein müder Wanderer oft draußen bleibe,darum stehe bei sinkender Sonne dies Haus ihm offen.“

Inschrift (elegisches Distichon) am Juliusspital in Würzburg aus der Zeit um 1585.

Latet mini|Illustration der Aeneis mit dem Trojanischen Pferd Latet anguis in herba. „Es lauert eine Schlange im Gras.“ – Vergil, Eklogen 3,93.

Hinweis auf eine verborgene Gefahr; sprichwörtlich wohl schon durch den Mythos vom Tod der Eurydike infolge eines Schlangenbisses.

Latet error; equo ne credite, Teucri. „Dahinter steckt ein Betrug; traut nicht dem Pferd, Teukrer!“ – Vergil, Aeneis 2,48.

Mit diesen Worten warnt Laokoon vor dem Trojanischen Pferd. Der nächste Satz ist der berühmte Ausspruch Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.

„Teukrer“ ist ein anderer Name für die Trojaner nach ihrem ersten König Teukros oder Teucer.

Latinitas Latinitas culinaria „Küchenlatein“

Lauda Lauda Sion. „Lobe, Zion!“ – Sequenz des Fronleichnamfestes, die von Thomas von Aquin verfasst wurde.

Im deutschen Sprachraum im Wesentlichen als „Deinem Heiland, Deinem Lehrer“ bekannt.

Laudator

Laudator temporis acti „Lobredner einer vergangenen Zeit“ – jemand, der behauptet, dass früher alles besser war. – Zitat aus Horaz, Ars Poetica 173.

Laudetur

Laudetur Jesus Christus „Gelobt sei Jesus Christus.“

Grußformel unter katholischen Christen, insbesondere gegenüber Geistlichen, und (häufiger als das) Abschluss von Gebeten. Die Antwort darauf ist „In aeternum, Amen“ („In Ewigkeit, Amen“).

Laus Laus alit artes. „Lob nährt die Künste.“

Laus deo. „Gott Lob!“ (wörtlich: „Lob dem Gott.“) – „Gelobt sei Gott!“

Laus in ore proprio foetescit. „Lob im eigenen Mund stinkt.“

Entspricht dem deutschen Sprichwort „Eigenlob stinkt“.

Lavabo/Lavi mini|hochkant|Sich die Hände in Unschuld waschen: Nicolaes Maes – Christus vor Pilatus (1650) Lavabo inter innocentes manus meas. „Ich werde meine Hände unter Unschuldigen waschen.“ – ().

Von Luther als „Ich wasche meine Hände in Unschuld“ übersetzt (), siehe auch seine Hände in Unschuld waschen und das hier folgende „Lavi in innocentia manos meas“.

Lavi in innocentia manus meas. „Ich habe meine Hände in Unschuld gewaschen.“ – Pontius Pilatus nach der Verurteilung Jesu.

Dem voraus ging „Lavabo inter innocentes manus meas“.

Legatus Legatus a latere „päpstlicher Gesandter“ – Apostolischer Nuntius.

Lector/Lectori Lector benevole. „Geneigter Leser!“

Lector intende, laetaberis. „Merke auf, es wird zu lachen geben.“ (In der Übersetzung von August von Rode.)

Mit diesen Worten wendet sich Apuleius in Der goldene Esel zu Ende von Kapitel I,1 an den Leser.

Dieses Zitat wird gebraucht, um – so wie Apuleius – auf den humoristischen Charakter des Folgenden hinzuweisen, etwa bei Sammlungen von Stilblüten etc.

Lectori salutem. „Gruß dem Leser!“

Lege/Legem/Leges Lege artis „entsprechend dem Gesetz der Kunst“ – vorschriftsmäßig.

Bekannter in der Formulierung „nach den Regeln der Kunst“.

Hierunter versteht man, dass eine Handlung entsprechend den anerkannten Regeln und unter Anwendung aller Erkenntnisse und technischen wie personellen Fähigkeiten und Kenntnisse ausgeübt wurde. Der Begriff spielt im Haftungsrecht, insbesondere bei der Haftung von Mitgliedern der Freien Berufe (Arzt, Rechtsanwalt, Architekt und ähnliche) eine Rolle.

Legem brevem esse oportet. „Ein Gesetz muss kurz sein.“

Der ganze Satz des Poseidonios, den Seneca (Epistulae 94,38) – ihn ablehnend – zitiert, lautet:

„Legem brevem esse oportet, quo facilius ab imperitis teneatur.“ („Ein Gesetz muss kurz sein, damit es von Unkundigen umso leichter behalten werden kann.“)

In diesem Zusammenhang kann noch das folgende Iustinian-ZitatIustinian Inst. 3, 2, 3 gesehen werden:

„Simplicitas legibus amica.“ („Die Einfachheit ist die Freundin der Gesetze.“)

Leges humanae nascuntur, vivunt, et moriuntur. „Die menschlichen Gesetze werden geboren, leben und sterben.“

mini|Wappen der University of Pennsylvania Leges sine moribus vanae. „Gesetze ohne Moral sind nutzlos.“ – Motto der University of Pennsylvania.

Legi Legi, intellexi, condemnavi. „Ich las, begriff und verdammte.“

Worte aus einem Brief des römischen Kaisers Julian an die führenden Bischöfe, mit denen er die christliche Lehre verwirft. Er formulierte dies griechisch: ().

Legibus/Legum Legibus solutus „Von den Gesetzen entbunden“

Der Satz lautet in der ältesten überlieferten Version „princeps legibus solutus“ (Ulpian, Digesten 1,3,31) und beschreibt die Tatsache, dass die römischen Kaiser sich von einzelnen Gesetzen befreien lassen konnten. In der späteren Kaiserzeit wurde er so aufgefasst, dass der Kaiser überhaupt über den Gesetzen steht, und in dieser Intention wurde der Satz zur Maxime der Herrschaft im Absolutismus, eingeschränkt allerdings durch die Klausel, dass der Herrscher nur zum Wohl des Staates handeln darf.

Legum denique idcirco omnes servi sumus, ut liberi esse possimus. „Den Gesetzen gehorchen wir alle deswegen, um frei sein zu können.“ – Cicero, Pro Cluentio 53,146.

Legio Legio patria nostra. „Die Legion ist unser Vaterland.“ – Motto der Französischen Fremdenlegion.

Leo mini|hochkant|Wappen Südgeorgiens und der Südlichen Sandwichinseln Leo terram propriam protegat. „Der Löwe beschütze sein eigenes Land.“ – Motto im Wappen Südgeorgiens und der Südlichen Sandwichinseln.

Leti Leti mille repente viae. „Tausend Wege führen jetzt plötzlich in den Tod.“ – Zitat aus den Elegien des Dichters Tibull (1,3,50).

Levius Levius fit patientia, quidquid corrigere est nefas. „Leichter wird durch Geduld, was zu tadeln Frevel ist.“

Horaz (Carmina 1,24,19 f.) in einem Trostgedicht an Vergil zum Tod seines Jugendfreundes Quinctilius Varus.

Lex Lex dubia non obligat. „Ein zweifelhaftes Gesetz bindet nicht.“

Lex mihi ars. „Die Kunst ist mir Gesetz.“

Lex posterior derogat priori.Lex posterior derogat legi priori. „Späteres Recht bricht früheres Recht.“ – Lex-posterior-Regel.

Siehe auch Lex specialis derogat legi generali.

Lex posterior generalis non derogat legi speciali priori. „Allgemeines späteres Recht bricht nicht spezielles früheres Recht.“

Lex specialis derogat legi generali. „Spezielles Recht bricht allgemeines Recht.“ – Lex-specialis-Regel.

Siehe auch Lex posterior derogat priori.

Lex superior derogat legi inferiori. „Das höhere Gesetz hebt das niedere auf.“ – Bundesrecht bricht Landesrecht; in Deutschland nach Artikel 31 im Grundgesetz.

Lex talionis „Gesetz der Vergeltung“ – Vergeltungsrecht.

Ein Spezialfall davon ist der Ausdruck „Auge für Auge“.

Libenter Libenter homines id, quod volunt, credunt. „Gern glauben die Menschen das, was sie wollen.“ – Caesar.

Liber Liber divinorum operum „Buch der göttlichen Werke“ oder „Das Buch vom Wirken Gottes“ – die dritte visionäre Schrift der Benediktinerin Hildegard von Bingen.

Liber signatus septem sigillis „Ein Buch bezeichnet mit sieben Siegeln“ – abgewandeltes Zitat aus der Offenbarung des Johannes 5,1 (, ), dort im Akkusativ.

Liber vitae meritorum „Buch der Lebensverdienste“ – die zweite visionäre Schrift der Benediktinerin Hildegard von Bingen.

Libera libera res publica „Freistaat“ – Republik im modernen Sinn

Während res publica auch lediglich „Staat“ bedeuten kann, war die präzise Bezeichnung für die römische Republik libera res publica.

Libertas/Libertatem mini|hochkant|Wappen der Republik San Marino mit der Devise „Libertas“ Libertas academica „akademische Freiheit“

Libertas est potestas faciendi id, quod iure licet. „Freiheit ist die Möglichkeit, das zu tun, was nach dem Recht erlaubt ist.“ – Rechtssatz, Herkunft nicht belegt.

Libertas Securitas Iustitia