Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben H beginnende Phrasen.
150px|ohne|rahmenlos|Initiale H
Habeas/Habeat Habeas corpus. „Man soll den Leib [sc. die Person] festhalten.“
Eine Inhaftierung muss begründet werden. Mit diesen beiden Wörtern beginnen mehrere mittelalterliche englische Gesetzestexte, etwa in dem Sinne, dass ein Inhaftierter in persona einem Gericht zugeführt werden muss. Kodifiziert wurde dieser Rechtsgrundsatz in der Habeas-Corpus-Akte von 1679 unter König Karl II. von England.
Habeas tibi. „Behalt es für dich.“ – Plautus, Stichus 615.
Habeat sibi. „Er mag es seinen [Willen] haben.“ – „Meinetwegen!“ – Terenz, Andria IV.1.
„Soll sie es [das Pfand] für sich behalten!“ – Vulgata, (bei Luther wörtlich: „Sie habs jr“ [= ihr])Bibeltext.com: 1.Mose 38:23 (siehe unter „Modernisierter Text“). – Juda hat einer vermeintlichen Hure ein Pfand überlassen und will es nun mit einem Ziegenbock auslösen. Die Frau ist aber nicht mehr aufzufinden, und Juda sagt diesen Satz.
Habemus/Habent
Habemus confitentem reum. „Wir haben einen geständigen Angeklagten.“ – Cicero, Pro Ligario 2.
Habemus papam. „Wir haben einen Papst.“
Mit dieser Formel wird eine erfolgreiche Papstwahl durch den Kardinalprotodiakon verkündet. Vollständig heißt sie (sofern der gewählte neue Papst ein Kardinal der römischen Kirche ist):
Habent sua fata libelli „Büchlein haben ihre Schicksale.“ – Terentianus Maurus.
Vollständig lautet das Zitat:
Habes/Habet Habes, habeberis. „Hast du was, so giltst du was.“ – Petron, Satyricon, 77,6.
Habet. „Er hat“ – Einer Legende zufolge soll früher der Papst seine Männlichkeit einem Vertrauten enthüllt haben, um zu zeigen, dass er keine Frau ist. Der Vereidigte bestätigte seine Beobachtung auf dem berühmten Stuhl mit dem Wort „Habet“ – „Er hat“ (siehe Päpstin Johanna).
Siehe aber auch Hoc habet.
Habet aliquid ex iniquo omne magnum exemplum, quod contra singulos utilitate publica rependitur. „So enthält jede große Aktion teilweise auch Ungerechtigkeit, die gegenüber dem einzelnen durch den Nutzen für die Allgemeinheit aufgewogen wird.“ – Tacitus, Annales 14,44.
Dieser Satz entspricht der Rechtsregel „Privatum incommodum publico bono pensatur.“ („Ein persönlicher Schaden wird durch das Gemeinwohl aufgewogen.“)
Habet sua quemque dies. „Einen jeden ereilt sein Tag.“ – Gaius Valerius Flaccus, Argonautica.
Hac/Haec Hac itur ad astra. „Auf diesem Weg geht man zu den Sternen.“ – Seneca, Briefe an Lucilius 73,15.
Anders als bei Vergil („Sic itur ad astra.“ – „So geht es zu den Sternen.“)Vergil, Aeneis 9,641. ist hier nicht die Rede vom Weg zu Ruhm und Ehre, sondern von der Entwicklung des Menschen zum vollkommenen Weisen, also um den Aufstieg in die Sphäre des Göttlichen. Seneca entnimmt auch nicht selbst dieses etwas abgewandelte Zitat der Aeneis, sondern zitiert seinerseits einen seiner Lehrer, den stoischen Philosophen Quintus Sextius, und bezieht sich auf dessen Lehre: „Vertrauen wir also Sextius, der den schönsten Weg weist und ausruft: ‚Auf diesem Weg geht man zu den Sternen‘, auf dem an der Genügsamkeit, auf dem an der Mäßigung, auf dem am Starkmut ausgerichteten.“ Dieser Weg führt nicht nur zu den Göttern, sondern „sie laden ein und nehmen uns beim Aufstieg an der Hand. Du staunst, dass der Mensch zu den Göttern geht? Gott kommt zu den Menschen.“
Schon früher hatte Seneca den Ausdruck Vergils „sic itur ad astra“ aufgenommen;Seneca, Briefe an Lucilius 48,11. auch dort fährt er unter Bezug auf die stoische Philosophie fort: „Denn dies ist es, was mir die Philosophie verheißt, nämlich dass sie mich Gott gleich macht; dazu bin ich berufen, dazu komme!“
Haec olim meminisse iuvabit. „Daran werden wir uns einmal gerne erinnern.“
Aus Vergils Aeneis (1,203),Vergil: Aeneis, 1. Buch (lateinischer Originaltext und deutsche Übersetzung), Navicula Bacchi (Egon Gottwein). wo es heißt: „Forsan et haec olim meminisse iuvabit.“ („Vielleicht werden wir uns auch daran einmal gerne erinnern.“)
mini|Philipp Friedrich v. Hetsch – Cornelia, die Mutter der Gracchen (1794) Haec ornamenta sunt mea. „Das sind meine Schmuckstücke.“ – Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia, 4,4.
Dies sagte Cornelia, die Mutter der Gracchen, zu einer Frau, die bei ihr zu Gast war und ihren herrlichen Schmuck vorzeigte. Cornelia hielt sie hin, bis ihre beiden Söhne aus der Schule heimkamen, und bezeichnete diese als ihre Schmuckstücke.
Der Maler Philipp Friedrich von Hetsch setzte diese Szene in ein Bild um.
Haec placuit semel, haec decies repetita placebit. „Dieses hat einmal gefallen, dieses [andere] wird bei der zehnten Wiederholung noch gefallen.“ – Horaz, De arte poetica 365.
Horaz stellt in diesem Abschnitt eine Ähnlichkeit zwischen Gedichten und Bildern fest: „ut pictura poesis“ (361).
Haec tamquam cygnea fuit eius vox et oratio. „Das war gleichsam sein Schwanengesang.“
Ein verkürzt zitierter Satz von Cicero.Cicero: De oratore 3,6. Korrekt lautet er folgendermaßen: „Illa tamquam cycnea fuit divini hominis vox et oratio.“
Hannibal Hannibal ante portas „Hannibal [steht] vor den Toren.“ – Bei Cicero eigentlich: „Hannibal ad portas“ („Hannibal an den Toren“), der diese Phrase metaphorisch als Warnung vor Marcus Antonius gebrauchte.
Heute meist verkürzt zu ante portas.
Hic Hic Abdera. „Hier ist Abdera.“
Cicero charakterisierte in einem Brief an seinen Freund und Verleger AtticusCicero, Ad Atticum 4,16,6 eine Szene im römischen Senat mit den Worten: „Hic est Abdera non tacente me.“ („Hier war Abdera, und ich konnte nicht mehr schweigen.“)
Abdera war das antike Schilda. Christoph Martin Wieland lokalisierte seinen satirischen Roman Die Abderiten in Abdera und stellte die Narrheit der Abderiten als menschliche Grundkonstante dar.
Hic aqua haeret. „Hier stockt das Wasser.“ – Nach der schon von Cicero als Sprichwort („ut aiunt“ – „wie man sagt“) zitierten Redewendung „aqua haeret“ („das Wasser bleibt stehen“)Cicero, De officiis 3,117. im Sinn von „Dabei/So geht es nicht weiter“.
Hic et nunc. „Hier und jetzt.“ Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, 1904: Hic et nunc.
Hic futui bene. „Hier habe ich gut gevögelt.“ – Graffiti in verschiedenen Lupanaren.
mini|hochkant|Hic habitat felicitas. Hic habitat felicitas. „Hier wohnt das Glück.“ – Häufiges Graffito als Hinweis auf ein Lupanar.
Hic habitat felicitas, nihil intret mali. „Hier wohnt das Glück, nichts Schlimmes trete ein.“ – Mosaikspruch in der Eingangshalle einer römischen Villa, gefunden 1842 bei den archäologischen Grabungen am Mozartplatz in Salzburg, als das Mozartdenkmal aufgestellt wurde.
Hic iacet … „Hier liegt …“ – Aufschrift auf Grabsteinen.
Hic latet anguis in herba. „Hier verbirgt sich eine Schlange im Gras.“ – Auf Vergil, Ekloge 3,93 zurückgehend, wo es heißt: „Fugite hinc, latet anguis in herba.“ („Weg von hier! Eine Schlange verbirgt sich im Gras.“)
Hic locus est, partis ubi se via findit in ambas. „Hier ist die Stelle, wo sich der Weg zweiteilt.“ – Zitat aus der Aeneis (6,541–543) des Dichters Vergil. Der rechte Weg führt ins Elysium, der linke in den Tartarus.
Hic locus est, ubi mors gaudet succurrere vitae. „Hier ist der Ort, an dem der Tod sich freut, dem Leben zu helfen.“
Aufschrift in Versform (Hexameter) an vielen anatomischen Instituten und Museen, zum Beispiel an der Anatomie der Pariser Sorbonne und der Humboldt-Universität zu Berlin.
Hic Rhodus, hic salta. „Hier ist Rhodos, hier springe!“
Die Worte stammen aus der Fabel „Der Prahlhans“ von Aesop und galten als Aufforderung an einen Fünfkämpfer, der immer wieder auf seine Leistungen beim Weitsprung auf Rhodos hingewiesen hatte. Als seine Gesprächspartner genug von seiner Prahlerei hatten, forderten sie ihn auf, den Sprung an Ort und Stelle zu wiederholen.
Hic sepultus … „Hier liegt begraben …“
Hic situs est … „Hier liegt …“
Hic sunt dracones.Hic sunt leones. Hic sunt leones: „Hier sind die Löwen.“ – Mit diesen Worten wurden zu Zeiten des Römischen Reiches die Gebiete jenseits der Grenzen bezeichnet. Auch auf alten Landkarten im Sinne von „terra incognita“ oder „nullius terra“.
Hic sunt dracones: „Hier sind Drachen.“ – Neuzeitliche Variation zum antiken „Hic sunt leones“.
Hinc Hinc illae lacrimae „Daher die Tränen.“
Dieses geflügelte Wort wird verwendet, wenn eine nicht auf der Hand liegende Erklärung angegeben wird. In der Komödie Andria („Das Mädchen von Andros“) des Dichters Terenz bezieht sich Simo auf die Tränen seines Sohns Pamphilus beim Begräbnis einer Nachbarin. Zunächst dachte er, das sei Ausdruck einer besonderen Teilnahme. Als er aber feststellte, dass im Leichenzug die hübsche Schwester der Verstorbenen mitging, wurde ihm klar, wieso sein Sohn die Rührung vorspielte. Diese Wendung wird bereits von Cicero (Pro Caelio 25,61) und Horaz (Epistulae I,19,41) angeführt.
Hinc omne principium, huc refer exitum. „Von hier aller Anfang, hierauf bezieh’ das Ende.“ – Horaz, Carmina 3,6,6.
Der Dichter verweist hier darauf, dass die Römer für die „delicta maiorum“ (V. 1 – „die Schuld der Väter“) büßen müssen, weil sie die Götter vernachlässigen: Ihnen ist der segensreiche Anfang Roms zu verdanken, ihnen auch alles gegenwärtige Unglück.
Hinc robur et securitas. „Von hier [stammen] Stärke und Sicherheit.“
Motto der Schwedischen Reichsbank. In der Variante Hic robur et securitas („Hier [sind] Stärke und Sicherheit“) Inschrift auf der Rückseite der Bernischen Reformationsmedaille 1928 von Hans Frei zu Ehren von Niklaus Manuel.
Hirundines Hirundines aestivo tempore praesto sunt, frigore pulsae recedunt. Ita falsi amici. „Die Schwalben sind im Sommer gegenwärtig, von der Kälte vertrieben, ziehen sie sich zurück. So auch die falschen Freunde.“
Dieses Diktum geht zurück auf den anonymen Verfasser eines Rhetorikhandbuchs, den sogenannten Auctor ad Herennium. In 4,61 bringt er den vollständigen Satz als Beispiel für eine richtig aufgebaute Analogie (similitudo):
Historia Historia magistra vitae. „Die Geschichte, die Lehrerin des Lebens.“ – Cicero, De oratore 2,36.
Dort lauten die Prädikationen der Geschichte vollständig: „Historia testis temporum, lux veritatis, vitae memoriae, magistra vitae, nuntia vetustatis“ („Die Geschichte, die Zeugin der Zeiten, das Licht der Wahrheit, das Leben der Erinnerung, die Lehrmeisterin des Lebens, die Verkünderin alter Zeiten“).Übersetzung: Raphael Kühner: Marcus Tullius Cicero Vom Redner, München(Goldmann) oh. J. (= Goldmann Tb 850–851).
Hoc Hoc decet, hoc leges duxque pudorque iubent. „So ziemt es sich, so befehlen es die Gesetze, der Fürst und das Schamgefühl.“ – Ein Pentameter aus Ovid, Ars amatoria (3,614).
Hoc erat in votis. „Das war der Inhalt meiner Gebete.“ – Mit diesen Worten bedankt sich Horaz (Sermones 2,6,1–3), als ihm sein Gönner Maecenas ein Landgut in den Sabiner Bergen schenkte. Der ganze Satz lautet:
Hoc erat in votis: modus agri non ita magnus, hortus ubi et tecto vicinus iugis aquae fons et paulum silvae super his foret. Das war in meinen Gebeten: Ein Stück Land, nicht so groß, wo ein Garten wäre und neben dem Haus ein beständiger Wasserquell und obendrein ein wenig Wald.
Hoc est enim corpus meum. „Denn dies ist mein Leib.“ – Aus den Konsekrationsworten der Messe. Aus diesen leise zu sprechenden, also nur undeutlich zu vernehmenden Worten entstand angeblich das Wort Hokuspokus.
mini|hochkant|Todesstoß bei einem Gladiatorkampf – Relief einer römischen Feldflasche Hoc habet. „Das [sc. dieser Hieb] sitzt!“ – Manchmal auch verkürzt nur „Habet!“ (Nicht zu verwechseln mit Habet.)
Diese geläufige Redensart kommt in der lateinischen Literatur öfter vor; zum Beispiel bei Plautus, Mostellaria 715 (übertragen von einer List gesagt); Vergil, Aeneis 12,296; Seneca, Agamemnon 901 (mit dem Zusatz „peractum est“ – „es ist vollbracht“).
Auch die Gladiatoren verkündeten mit diesem Satz, dass sie ihren Gegner tödlich getroffen hatten.
Hoc Herculi, Iovis satu edito, potuit fortasse contingere, nobis non item.