mini|Der Ätna bei Sonnenaufgang von Osten gesehen

Der Ätna ( oder auch ) ist mit rund 3403 Meter (2024)Bulletin des INGV Catania über dem Meeresspiegel der höchste aktive Vulkan Europas. Er liegt auf der italienischen Insel Sizilien in der Verwaltungseinheit der Metropolitanstadt Catania. Im Juni 2013 hat die UNESCO den Ätna in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen.Mount Etna and the Mountains of Pamir inscribed on World Heritage List alongside El Pinacate and Gran Desierto de Altar, UNESCO World Heritage Center vom 21. Juni 2013. Der Ätna gehört zu den aktivsten Vulkanen der Welt.

Etymologie Im Italienischen heißt der Vulkan Etna (Maskulinum). Die lokale Bevölkerung bezieht sich auf den Vulkan aber im Femininum, das sich erhalten hat aus der antiken Magna Graecia, als der Name der sizilischen Nymphe Αἴτνη (Aitne) auf den Berg übertragen wurde.Nach Scholion zu Theokrit 1.65 war Aitne in der griechischen Mythologie eine Tochter von Uranos und Gaia. Ausführlicher: Aetna in William Smith, Dictionary of Greek and Roman Biography and Mythology. Der Name wird etymologisch in der Regel aus dem indogermanischen *aidh- („brennen“) hergeleitet. Da die Lautverschiebung des „dh“ zu „t“ weder aus der Sprachgeschichte des Griechischen (Name ) noch aus der des West-Italischen hergeleitet werden kann, wird vermutet, dass das Wort der älteren Sprachschicht der ursprünglichen Bewohner Siziliens (Sikanen) vor der Besiedlung durch die Griechen entstammt. In der Umgangssprache hat der Ätna auch den Namen „Mongibello“, abgeleitet aus (davon ) und arabisch „djebel“ (), was beides einfach „Berg“ bedeutet.Für die Bezeichnung im 14. Jahrhundert siehe Petrarcas Canzoniere, 42, 5-8: ; für einen Beleg eingangs des 16. Jahrhunderts siehe Ariosts Orlando furioso, Cantus I, XL:

Geografie mini|Gipfel des Ätna von Süden gesehen mini|Die Südflanke des Ätna mit Nebenkratern Der Ätna, dessen vulkanische Produkte eine Fläche von etwa 1170 Quadratkilometern und ein Volumen von rund 530 Kubikkilometern einnehmen, ist Europas größter tätiger Vulkan. Der nach allen Seiten hin freistehende Berg erhebt sich bis auf die dreifache Höhe der ihn umgebenden Gebirgszüge. Naturgemäß bleibt seine Höhe nicht konstant. Sie liegt je nach den Folgen der vorangegangenen Aktivität zwischen 3300 und 3403 Metern.

Der Ätna hat vier Gipfelkrater: den Hauptkrater, den direkt daneben liegenden Krater „Bocca Nuova“ (neuer Schlund) von 1968 sowie den Nordostkrater von 1911 und den Südostkrater von 1979, die etwas abseits des Hauptkraters liegen.

Der Ausstoß von Lava bei einem Ausbruch erfolgt aber meistens nicht über die Gipfelkrater, sondern an den Flanken des Bergkegels. Im Laufe der Jahrtausende haben sich dadurch mittlerweile etwa 400 Nebenkrater gebildet, wie 1892 die Silvestri-Berge.

Geologie

Der Ätna liegt in einer Zone hoher vulkanischer und seismischer Aktivität, die durch die Subduktion der afrikanischen unter die europäischen Kontinentalplatten verursacht wird. Andere Beispiele für von diesem tektonischen Prozess hervorgerufenen Vulkanismus sind der Vesuv und die Liparischen Inseln. Während die Geohistorie des Gebietes im Detail unklar ist, erscheint es als sicher, dass sich die vulkanische Aktivität in Sizilien seit dem mittleren Pleistozän auf den Bereich des heutigen Ätnas am Schnittpunkt dreier Bruchlinien der erwähnten Subduktionszone konzentriert.

Hier entstand vor etwa 500.000 Jahren der Ätna. Damals begann der Vulkanismus im Bereich des heutigen Ätna. Die vulkanischen Aktivitäten erstreckten sich über einen Zeitraum von rund 300.000 Jahren und dauern bis heute an. Die vulkanische Tätigkeit begann zunächst mit submarinen Vulkanausbrüchen, die Hyaloklastite und Kissenlaven produzierten. Der Festlandssockel, auf dem sich heutzutage der Ätna erhebt, war zu dieser Zeit eine große Meeresbucht. Erst später hob sich das Land.Evoluzione geologica del Monte Etna – Fase delle Tholeiiti Basali (dt.: Geologische Entwicklung des Vulkans Ätna – Phase Tholeiiti), Zugriff: 14. Juni 2011

Der Aufbau des eigentlichen Stratovulkan-Komplexes jedoch begann erst vor etwa 100.000 Jahren. Das ältere Mongibello-Stadium, in dem der ältere Teil des heutigen Ätna entstand, wird im ausgehenden Pleistozän vor etwa 10.000 bis 8000 Jahren angesetzt. Das jüngere Mongibello-Stadium des heute noch tätigen Vulkans begann vor spätestens 3000 Jahren. Diese Zeitangaben beruhen überwiegend auf Radiokohlenstoffdatierungen von verschütteten organischen Materialien.

Der heutige Ätna liegt dabei einem isostatisch aufsteigenden Sockel aus Sedimenten auf, die kreidezeitlichen bis quartären Alters sind. Sie werden auf der Nordwest-Flanke des Berges erst in 1150 bis 1300 Meter Meereshöhe von Vulkaniten überdeckt. Demnach beträgt die relative Höhe des Vulkans nur etwa 2000 Meter. Der Ätna liegt auf der Westseite einer großen Nordost-Südwest streichenden regionalen Störungszone, die als Messina-Verwerfung bezeichnet wird. Dieses alte Lineament ist tektonisch noch aktiv und verursacht nicht nur den Vulkanismus des Ätna, sondern auch die häufigen starken Erdbeben in dieser Region. 1693 wurden Catania und 1908 Messina durch Erdbeben in Trümmer gelegt.

Den Flanken des Bergs sitzen mehr als 300 Parasitär-, Adventiv- oder Flankenvulkane auf. Weitaus die meisten entstanden im jüngeren Mongibello-Stadium. Auch heute entstehen bei größeren Eruptionen immer wieder neue Flankenvulkane. Die meisten liegen im Höhenbereich zwischen 700 und 2500 Metern, wobei die Höhenlage um 1800 Meter am dichtesten besetzt ist. Der tiefst gelegene Kegel befindet sich in 370 Metern Höhe.

mini|Blick auf den Ätna von Südwest

Typisch für den Ätna sind Eruptionen längs aufreißender Spalten. Mit Ausnahme der auf den Gipfelbereich beschränkten Dauertätigkeit des Vulkans waren nahezu alle historischen Ausbrüche an solche Eruptionsspalten gebunden. Die Länge dieser Spalten variiert von einigen hundert Metern bis zu mehreren Kilometern. Im Laufe einer Eruption reißen die Spalten zumeist nach unten zu immer weiter auf, wobei in höher gelegenen Bereichen meist reine Schlackenkegel entstehen, in tiefer gelegenen Bereichen dagegen Lava ausfließt.

Die basische Lava des Ätna ist durch einen geringen Kieselsäureanteil meist relativ dünnflüssig. Dadurch können die in ihr enthaltenen Gase entweichen und bauen keinen Überdruck auf, der sich in einer Explosion entladen könnte. Daher zählt der Ätna nicht zu den explosiven Vulkanen wie beispielsweise der Vesuv. Allerdings hat man diese Meinung in letzter Zeit relativieren müssen und festgestellt, dass auch der Ätna in der Vergangenheit explosive Ausbrüche wie etwa denjenigen von 122 v. Chr., eine Plinianische Eruption, produziert hat.Mount Etna volcano, Sicily (englisch) (dt.: Der Vulkanberg Ätna, Sizilien) Zugriff: 14. Juni 2011

Höhlen mini|Die Lavaröhre Grotta dei Lamponi Durch die relativ dünnflüssige Lava des Ätna entstanden Lavaröhren, eine Besonderheit unter den Vulkanen am europäischen Festland. Sie entstehen durch einen an seiner Oberfläche schnell abkühlenden Lavastrom, während die Lava in seinem Inneren noch abfließt. So entstehen Höhlen, die eine Länge von mehreren hundert Metern erreichen können. Besonders viele Lavaröhren gibt es an der Nordseite des Ätna, darunter die Grotta dei Lamponi (Himbeergrotte) mit einer Länge von fast einem Kilometer, die extrem verzweigte Grotta del Labirinto und die Grotta del Gelo (Eisgrotte), die einen fossilen Gletscher enthält. Ähnliche Grotten findet man auch auf Island, beispielsweise die Surtshellir.

Massenbewegungen

Vor ca. 8300 Jahren führte ein gewaltiger Erdrutsch am Ätna zu einer verheerenden Katastrophe im östlichen Mittelmeer. Eine ganze Flanke des Vulkans sackte ins Meer ab und brachte Ablagerungen vor der Küste Siziliens ins Rutschen. Der dadurch ausgelöste Tsunami rollte durch das gesamte östliche Mittelmeer. Dabei verschwand ein großer Teil des Berges im Meer und das Tal Valle del Bove entstand, ein hufeisenförmiger Einschnitt an der Ostseite des Vulkans. Auch in jüngster Zeit wird es von der Westflanke her immer wieder von Lava überflossen. Ebenfalls hat die Ostflanke des heutigen Vulkans eine Tendenz, nach Osten ins Meer abzurutschen, und wird diesbezüglich überwacht.Gravitational collapse of Mount Etna’s southeastern flankPopulärwissenschaftliche DarstellungGravitational Sliding of Mt. Etna massif along a sloping basement 2018

Ausbrüche

mini|Ausbruch des Ätna am 13. Januar 2011

Der Ätna ist ständig aktiv. In der folgenden Aufstellung sind die wichtigsten Ausbrüche des Ätna dargestellt.

Vor unserer Zeitrechnung

Geologische Untersuchungen wiesen eine gewaltige Eruption des Ätnas um 1500 v. Chr. nach. Laut Diodorus Siculus veranlasste ein Ausbruch des Ätna vor dem Troianischen Krieg die Sikaner, den Osten Siziliens zu verlassen und sich ins Landesinnere zurückzuziehen. Die ehemals sikanischen Siedlungsplätze sollen danach Sikeler eingenommen haben, die vom italienischen Festland einwanderten.Diodor, Bibliothéke historiké 5, 6, 3. Giuseppe Gemellaro datierte Mitte des 19. Jahrhunderts diese Eruption in das Jahr 1226 v. Chr. Aber bereits George F. Rodwell bezeichnete diese Berechnung – sowie von Gemellaro angegebene Daten zweier angeblicher Eruptionen im 12. Jahrhundert v. Chr. – 1878 als „wertlos“, da ausschließlich auf Auswertungen antiker Mythen basierend.G. F. Rodwell, Etna: A History of the Mountain and Its Eruptions (1878), Nachdruck Cambridge University Press 2011, S. 79 f. Die modernere archäologische Forschung fand heraus, dass sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts v. Chr. an der Ostküste Siziliens ein einschneidender kultureller Bruch ereignete, der mit der Ankunft der Sikeler zu verbinden ist.Moses I. Finley, Das antike Sizilien. Von der Vorgeschichte bis zur Arabischen Eroberung (Beck, München 1979), S. 31 f. Ob damit auch der Ausbruch, den Diodorus Siculus schildert, in die Mitte des 13. Jahrhunderts v. Chr. zu datieren ist, muss offen bleiben, da andere antike Quellen keinen zeitlichen Zusammenhang einer Ätna-Eruption mit der Einwanderung der Sikeler nennen.

Der exzentrische Ausbruch (Monpilieri, südlich Nicolosi) von 693 v. Chr. ist die erste schriftlich überlieferte Eruption des Ätna. Bei diesem Ausbruch wurde die 729 v. Chr. gegründete Stadt Catania zum ersten Mal zerstört. Weitere erwähnenswerte Ausbrüche sind aus den Jahren 475, 425Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges III,116: „Der Feuerstrom ergoß sich in diesem selben Frühjahr aus dem Ätna wie früher schon. Er verwüstete ein Stück Land von Katania, das am Fuß des Ätna liegt, des größten Berges in Sizilien. Es heißt, es seien fünfzig Jahre gewesen vom früheren Ausbruch bis zum jetzigen, und im ganzen habe es drei Ausbrüche gegeben, seit Sizilien von Hellenen besiedelt ist.“ (Übersetzung von Georg Peter Landmann) und 394 v. Chr. bekannt.

In römischer Zeit sind größere Ausbrüche in den Jahren 350, 141, 135 und 126 v. Chr. überliefert.

Fürs Jahr 122 v. Chr. wurde ein explosiver Ausbruch der Stärke VEI 5 am Gipfel ermittelt. In Catania wurden hierbei viele Gebäude durch ausgeschleuderte Tephra beschädigt. Vermutlich bildete sich damals eine neue Caldera. 44 v. Chr. wurde ein großer Ausbruch registriert. Die Asche verdunkelte den Himmel in Rom. Als Folge des Temperatursturzes gab es Missernten im Mittelmeerraum bis Ägypten und bis nach China. Weitere historisch belegte Aktivitäten sind die Ausbrüche von 38 und 32 v. Chr.

Siehe auch: Ätna-Tsunami

Bis 1900 Sicher überliefert ist der Ausbruch von 252 bis 253. Die Lava aus dem Monpeloso (nordöstlich Nicolosi) zerstörte Catania ein weiteres Mal und floss als 3 Kilometer breiter Strom ins Meer. Größere Aktivitäten gab es 812 und 1169. In jenen Jahren gab es am Ätna gewaltige Eruptionen und verheerende Erdbeben im gesamten Osten Siziliens, bei denen etwa 15.000 Menschen ums Leben kamen.

mini|Ausbruch des Ätna 1766 (Eruzione dell'Etna del 1766), Alessandro D'Annamini|Thomas Cole: Mount Etna, 1842