mini|Olli Dittrich, 2017 Oliver Michael „Olli“ Dittrich (* 20. November 1956 in Offenbach am Main) ist ein deutscher Schauspieler, Komiker, Komponist und Musiker. Bekannt sind seine vielfach prämierten Parodien prominenter Persönlichkeiten und Darstellungen von Kunstfiguren.. N24.de, 17. März 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011. In: Berliner Zeitung, abgerufen am 28. Dezember 2011. Einem breiten Publikum wurde Dittrich durch die Comedy-Sendung RTL Samstag Nacht bekannt, deren Ensemble er von 1993 bis 1998 angehörte. Popularität erlangte er dort vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Wigald Boning in der mit dem Adolf-Grimme-Preis 1995 ausgezeichneten Interview-Persiflage Zwei Stühle – eine Meinung sowie als musikalisches Nonsens-Duo Die Doofen, das mit der Single Mief! (Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke!) und dem Album Lieder, die die Welt nicht braucht im Jahr 1995 die Spitze der Charts erreichte und alle wichtigen deutschen Musik- und Medienpreise erhielt.
Mit Olli, Tiere, Sensationen und Blind Date präsentierte Dittrich zu Beginn der 2000er Jahre seine ersten eigenen Sendereihen. Anhaltenden Erfolg verzeichnete er mit dem Improvisationskammerspiel Dittsche, das von 2004 bis 2021 im WDR Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die gleichnamige Figur eines arbeitslosen, biertrinkenden Imbissbuden-Philosophen aus Hamburg, der in seinem Bademantel über das Leben und die Welt schwadroniert, entwickelte sich zu seiner bekanntesten Figur.Die Dittsche-Autobiografie: Das wirklich wahre Leben. In: Hamburger Abendblatt, 17. März 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011. Seit den 2010er Jahren produziert er zudem jedes Jahr eine Mockumentary, die um Weihnachten in der ARD ausgestrahlt wird. Artikel auf SWR.de am 28. 12. 2021, Version vom Tage darauf im Internet Archive.
Biografie Jugend und musikalische Anfänge Olli Dittrich wurde als zweiter von drei Söhnen des Journalisten Kurt Dittrich und der Malerin und Modezeichnerin Gisela Dittrich geboren. Bis zu seinem 3. Lebensjahr lebte er in Offenbach am Main, danach zog die Familie nach Hamburg. Zunächst vier Jahre im Stadtteil Niendorf wohnhaft, verbrachte Olli Dittrich den Rest seiner Kindheit in Hamburg-Langenhorn. Sein Vater war unter anderem in der Chefredaktion der Welt am Sonntag und der Berliner Morgenpost tätig. In den 1980er Jahren leitete er zudem die Journalistenschule des Axel-Springer-Verlags. Olli Dittrich besuchte zunächst die Suederschule Langenhorn und wechselte im weiteren Verlauf auf das Gymnasium Alstertal. Infolge schlechter Zensuren wiederholte er zwei Klassen und wurde in Klasse 9 auf die Realschule Eschenweg versetzt. Dort erlangte er 1975 die Mittlere Reife. In seiner Jugend betrieb Olli Dittrich Leistungssport und war Außenstürmer beim TuS Alstertal. Nachdem er zunächst Gitarren- und Schlagzeugunterricht erhielt, erlernte er von Ulf Krüger, Gründungsmitglied der Hamburger Jazz-Pop-Gruppe Leinemann, das Rhythmusinstrument Waschbrett zu spielen. Im Alter von 16 Jahren gründete Dittrich die Skiffle-Band Abbey Tavern Skiffle Company, mit der er vier Jahre lang musikalisch aktiv war und in Hamburger Clubs auftrat, darunter in der Fabrik und im Onkel Pö. 1977 veröffentlichte er seine von Ulf Krüger produzierte und dem Schlagergenre zuzuordnende Debütsingle Ich bin 18. Im selben Jahr erschien unter dem Künstlernamen Die Affenbande eine von Dittrich verfasste Version des Kinderlieds Wer hat die Kokosnuss geklaut?
Nach Beendigung der Schullaufbahn ließ sich Olli Dittrich von 1975 bis 1978 an der Hamburgischen Staatsoper zum Theatermaler ausbilden. Im Anschluss war er sieben Jahre in der Plattenfirma Polydor tätig, in der er sich vom Packer zum Produktmanager emporarbeitete. Parallel dazu versuchte er sich weiter auf musikalischem Gebiet zu entfalten und publizierte 1982 mit seiner Gruppe Der kleine Olmidi und seine Freunde eine Sequencerversion des Titellieds zur Fernsehserie Flipper. Auf dem Album Tokyo Twist des Synthie-Pop-Trios Tone Band war er zudem als Komponist, Gastsänger und Coverzeichner beteiligt. 1985 gab er seine Anstellung in der Plattenfirma auf und geriet in die Arbeitslosigkeit. Mehrere Jahre am Rande des Existenzminimums lebend, schrieb er in dieser Zeit etwa 250 Lieder, unter anderem für James Last, Annette Humpe und Die Prinzen. 1989 nahm er unter dem Künstlernamen TIM sein erstes eigenes Album mit dem Titel Modern Guy auf. Das von Udo Arndt produzierte Debüt mit Gastmusikern wie Peter Weihe und Curt Cress blieb mit etwa 300 verkauften Exemplaren jedoch kommerziell erfolglos. In Edinburgh und London entstand im November 1989 ein Videoclip zur einzigen Single-Auskopplung Happy New Year, produziert von der Londoner Firma Limelight/The Unit, die u. a. Peter Gabriels Sledgehammer hergestellt hat. Dittrich arbeitete hier mit dem australischen Regisseur Jeff Skinner sowie dem damals noch weitgehend unbekannten Kameramann John Mathieson zusammen.
In Hamburger Schlagerbands wie Tina und die Caprifischer. tinascaprices.de, abgerufen am 28. Dezember 2011 und Susis Schlagersextett war Dittrich als Sänger, Percussionist, Keyboarder und Conférencier tätig. Gemeinsam bestritten sie jährlich etwa 150 Shows. Mit Stephan Zacharias am Bass und Jon Flemming Olsen an der E-Gitarre trat Dittrich ab 1992 auch als Schlagzeuger in der Beatles-Revival-Band Die Bietels auf.
Film und Fernsehen 1990er Jahre – Durchbruch als Komiker mit RTL Samstag Nacht mini|hochkant|Olli Dittrich nach einer Aufzeichnung von RTL Samstag Nacht Über Ulf Krüger lernte Dittrich 1991 den Komiker Wigald Boning kennen. Für die täglich auf Premiere ausgestrahlte Kolumne Bonings Bonbons drehte das Duo daraufhin rund 100 gemeinsame Spots. Als Wigald Boning und Die Doofen veröffentlichten sie 1992 das Album Langspielplatte sowie die Singles Fiep, Fiep, Fiep und Ich bin ganz aus Lakritz gemacht, die jedoch keine Chartplatzierungen erzielten. Im selben Jahr trat Dittrich im neu gegründeten Hamburger Quatsch Comedy Club auf und verkörperte auf der Bühne erstmals seine selbst erdachte Figur Dittsche, die er im Laufe der Jahre weiterentwickelte.
Bundesweite Bekanntheit erlangte Dittrich durch die unter anderem mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnete Comedy-Sendung RTL Samstag Nacht, deren Ensemble er in insgesamt 158 Ausgaben von November 1993 bis Mai 1998 angehörte. Inspiriert durch die von Heino Jaeger interpretierte Sportreportage Einmarsch der Nationen berichtete Dittrich in seiner Rubrik Neues vom Spocht in Form von Wortspielen über fiktive Sportmeldungen, die jedoch häufig einen Bezug zu real existierenden Profisportlern aufwiesen. Darüber hinaus verulkte er Filmklassiker in seiner Kinorubrik Olliwood und parodierte wiederkehrend Fernsehmoderator Jean Pütz mit dessen alltagswissenschaftlicher Informations-Sendereihe Hobbythek. In den Sketchreihen Kentucky schreit ficken und Senen einer Zehe, die ihren Wortwitz aus Spoonerismen bezogen, war er regelmäßiger Darsteller als Kunde und Ehemann. An Popularität gewann Dittrich jedoch vor allem durch die Interview-Persiflage Zwei Stühle – eine Meinung, die mit zahlreichen Ausgaben einen festen Bestandteil der Sendung bildete. Im Rahmen der Gesprächsrunde, in der Wigald Boning als Moderator fungierte, stellte sich Dittrich dessen wochenaktuellen Fragen, indem er in nahezu täuschend echten Masken und Kostümen prominente Personen wie Automobilrennfahrer Michael Schumacher, Tennisspieler Boris Becker, Erotik-Unternehmerin Beate Uhse, Opernsänger Luciano Pavarotti oder Musikproduzent Dieter Bohlen parodierte. Zudem entstanden Kunstfiguren wie der aus Hamburg-St. Pauli stammende Zuhälter Mike Hansen, der intellektuell eingeschränkte Boxer Butsche Roni, der Zigarillo rauchende Kunst- und Kulturkritiker Hajo Schröter-Naumann, der tuntige Modeschöpfer Jaques Gelee oder der überschwänglich gut gelaunte Skilehrer Gigi Hofleitner. Für ihre Darstellung erhielt das Duo im Jahr 1995 den Adolf-Grimme-Preis. Dittrich schrieb den Großteil seiner Gags selbst.
mini|Wigald Boning (links) und Olli Dittrich (rechts) als Die Doofen (1996) Nach musikalischen Auftritten bei RTL Samstag Nacht schlossen sich Boning und Dittrich erneut als Nonsens-Gruppe Die Doofen zusammen. Es folgten die Veröffentlichung der Single Mief! (Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke!) und des Albums Lieder, die die Welt nicht braucht,Doof, dämlich, erfolgreich. In: Focus, Nr. 17/1995, 24. April 1995, abgerufen am 28. Dezember 2011. mit denen das Duo im Sommer 1995 die Spitzenposition der Charts erreichte. Im selben Jahr traten sie neben Van Halen und Slash’s Snakepit im Vorprogramm der Stadion-Tournee von Bon Jovi auf. 1996 publizierten sie ihr zweites Album Melodien für Melonen und die Single-Auskopplungen Prinzessin de Bahia Tropical, Zicke Zack Tsatsiki und Lach doch mal. Insgesamt verkauften Die Doofen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ca. 1,5 Mio. Tonträger. Anlässlich ihres Erfolges wurden sie mit den wichtigsten deutschen Musik- und Medienpreisen ausgezeichnet, darunter dem Echo, der Goldenen Stimmgabel und dem Bambi.
Nach dem Ende von RTL Samstag Nacht wirkte Dittrich in Markus Imbodens Filmkomödie Frau Rettich, die Czerni und ich (1998) mit. Kurz darauf übernahm er die Rolle von Redakteur Wollner in Helmut Dietls Komödie Late Show (1998). Von Oktober 1998 bis März 2001 war Dittrich als Moderator der Außenwette bei der ZDF-Samstagabendshow Wetten, dass..? engagiert. Zudem verkörperte er in kurzen Einspielern den fiktiven Zuschauer Karl-Heinz Brinkmann, der absurde Wettangebote unterbreitete und diese auch sofort umzusetzen versuchte. Anlässlich der letzten Ausgaben mit Thomas Gottschalk im Oktober und Dezember 2011 stellte sich Olli Dittrich noch zwei weitere Male als Moderator der Außenwette zur Verfügung. rhein-zeitung.de, 7. Oktober 2011, abgerufen am 4. November 2012.5000 erlebten in Ischgl spektakuläre „Wetten, Dass..?“-Außenwette. In: Tiroler Tageszeitung, 3. Dezember 2011, abgerufen am 4. März 2020.
2000er Jahre – Festigung als Improvisations- und Verwandlungskünstler Olli, Tiere, Sensationen Mit Olli, Tiere, Sensationen lief von März 2000 bis Mai 2001 im ZDF Dittrichs erste eigene Sendung an, in der er sich auf Alltagsbeobachtungen konzentrierte und in Prominente und Kunstfiguren verwandelte. Häufige Szenenpartnerin war Mona Sharma. Während Charaktere wie Mike Hansen, Butsche Roni und Hajo Schröter-Naumann bereits aus Dittrichs Auftritten in RTL Samstag Nacht bekannt waren, wurde hier erstmals Dittsche der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Im Gegensatz zur Dittsche-Sendereihe dauerten die Clips jedoch nur wenige Minuten und behandelten statt tagespolitischer Themen eher Fragen der Art, ob Kartoffelbrei mit dem Löffel oder der Gabel gegessen werden sollte. Ab der zweiten Staffel wurden die Folgen vor Publikum aufgezeichnet und erste Blind-Date-Folgen gezeigt, ebenfalls nur wenige Minuten lang. Die Sendung hielt kein Drehbuch vor, viele Szenen waren improvisiert. Weil sie die Quotenvorgabe nicht erreichte, wurde die Produktion nach zwei Staffeln mit insgesamt sechzehn Folgen eingestellt.
Blind Date
Gemeinsam mit Anke Engelke trat Dittrich ab dem Jahr 2000 in lockerer Reihenfolge in der ZDF-Fernsehspielreihe Blind Date auf, die eine neue Erzählform des Films präsentierte: Zwei Darsteller treffen ohne vorheriges Drehbuch oder Kenntnis über die Rolle des Anderen aufeinander. Es entstanden die Episoden Blind Date 1 (2001), Taxi nach Schweinau (2002), Der fünfbeinige Elefant (2003), London-Moabit (2004) und Blaues Wunder (2005). 2003 erhielten Dittrich und Engelke den Grimme-Preis in Gold.„Wir müssen auch zeigen, wo Geschosse einschlagen und töten“. In: Der Standard.at, 22. März 2003, abgerufen am 28. Dezember 2011. Mit dem Ziel, neuen Wind in ihre Idee zu bringen, begegneten sich in „Tanzen Verboten“ (2006) zum ersten Mal zwei Figuren, die sich kennen. Das Konzept ohne Drehbuch und Absprachen blieb erhalten. Dieser sechste Teil blieb bislang der letzte.