mini|Baptisterium San Giovanni in Florenz mini|Baptisterium San Giovanni und der Dom in Florenz

Das Baptisterium San Giovanni ist die Taufkirche des Doms von Florenz und ist neben San Miniato al Monte das zentrale Werk florentinischer Romanik, die mit ihrem auf die Antike rückgreifenden Stil auch als Protorenaissance bezeichnet wird. Die Entstehungszeit ist umstritten, die Kirche wurde im 11. Jahrhundert geweiht. Vorbild dürfte das Baptisterium von San Giovanni in Laterano gewesen sein.

Das Baptisterium steht gegenüber dem Dom Santa Maria del Fiore. Es trägt den päpstlichen Ehrentitel Basilica minor. Die drei künstlerisch bedeutsamen Bronzeportale der Kirche von Lorenzo Ghiberti und Andrea Pisano entstanden zwischen 1330 und 1452.

Lage mini|Vereinfachter Grundriss: Gegenüber dem Ostportal mit der Paradiespforte befindet sich der Dom Das Bauwerk befindet sich auf dem Domplatz im Zentrum von Florenz. Das Baptisterium und der Dom Santa Maria del Fiore stehen sich gegenüber, verbunden durch ihre Hauptportale. In der Verlängerung der Domfassade steht rechts mit kleinem Abstand der Glockenturm Giottos. Ursprünglich stand anstelle des Doms die Bischofskirche Santa Reparata, erst später, nach Beendigung der Mosaikdecke im Baptisterium, entschloss man sich, die Kirche zum Dom zu erweitern.

Der Apsis des Baptisteriums gegenüber befindet sich der alte erzbischöfliche Palast, gegenüber dem Südportal die Loggia del Bigallo. Zwischen dem Baptisterium und der damaligen Bischofskirche befanden sich zwei Porphyrsäulen, die die Pisaner der Stadt 1117 aus Dankbarkeit für die Hilfe im Balearenkrieg geschenkt hatten. An der Nordseite stand eine Säule zu Ehren des Heiligen Zenobius an der Stelle, an der der Legende nach eine trockene Ulme zu sprießen begann, als man seinen Leichnam in die Kirche trug. Das Dommuseum, das Museo dell’ Opera del Duomo, in dem viele Objekte der Geschichte des Baptisteriums ausgestellt sind, befindet sich hinter dem Dom, auf der schmalen Ostseite des Platzes.

Geschichte Entstehung, Baubeginn, Kontroverse

Die Frage nach den Ursprüngen des Baus ist weitgehend ungeklärt. Bis ins 18. und 19. Jahrhundert hinein glaubte man, das Baptisterium sei ein alter römischer Marstempel aus augusteischer Zeit. Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts fand man bei Ausgrabungen unter dem Boden und um das Baptisterium herum Reste alter römischer Gebäude und Mosaikfußböden aus der Zeit zwischen dem 1. und dem 3. Jahrhundert. Dies belegt, dass die Kirche auf den Fundamenten eines römischen Bauwerks entstanden ist. Bis heute ist jedoch ungeklärt, ob das Baptisterium an der Stelle eines früheren Kirchengebäudes aus den ersten Jahrhunderten des Christentums in Florenz steht. Die erste sichere Quelle stammt von 897, als eine ecclesia (Kirche) erwähnt wird, die Johannes dem Täufer geweiht war und gegenüber dem Bischofspalast stand. Der heutige Bau entstammt frühestens dem 11. Jahrhundert. Ob zum Zeitpunkt der Weihe durch Papst Nikolaus II. (vormals Bischof von Florenz) am 6. November 1059 der heutige Bau bereits fertiggestellt war oder erst später vollendet wurde, ist unklar. Die klassische Form des Gebäudes ließe sich mit der mittelalterlichen Neuorientierung an der Baukunst der römischen Antike erklären. mini|Die Laterne

Bauphasen Im Jahre 1128 wurde das Taufbecken aus der Basilika Santa Reparata, deren Reste noch heute unter dem Dom Santa Maria del Fiore zu besichtigen sind, in das Baptisterium gebracht. In der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die Laterne in Auftrag gegeben, die der Überlieferung Giovanni Villanis nach die bis dahin nach oben offene Kuppel abschloss. Finanziert wurde die Laterne von der Arte di Calimala,Nachfolgerin der Arti dei Mercanti der bedeutendsten Florentiner Zunft der Kaufleute und Tuchveredler, die im Gegenzug ihr Emblem, einen Adler mit einer Wollrolle in seinen Klauen, an mehreren Stellen außen an der Taufkirche anbrachte. Die Tuchveredler hatten bis zum Jahre 1770, als Leopold II. (HRR) die Florentiner Zünfte abschaffte, das Patronat des Baptisteriums (seit 1777 trägt das Dombauamt Santa Maria del Fiore die Verantwortung für das Gebäude). Im Jahr 1202 wurde die halbrunde Apsis durch eine noch heute bestehende rechteckige ersetzt. Zu der prunkvollen Marmorausstattung im Innern der Apsis gehörte auch ein Altar, der nach dem Abbau in der Barockzeit teilweise verloren ging. Im Jahr 1225 begann man das Kuppelinnere mit Mosaiken zu verkleiden. Die Arbeit der vielen Maler und Mosaikkünstler war so überzeugend, dass man die Mosaikverkleidung auch auf die Galerie, der Laufgang unterhalb des Kuppelrings, ausdehnte. Im Jahre 1288 beauftragte man den Architekten Arnolfo di Cambio, einen neuen Fußboden auf dem Platz um das Baptisterium zu verlegen. Dabei kam es zu einer Anhebung des umliegenden Straßenniveaus, wodurch die Proportionen des Baptisteriums verändert wurden, nun wirkt der Bau leicht „versunken“. Leonardo da Vinci wollte dem durch eine Anhebung des gesamten Baus begegnen, der Plan wurde jedoch wieder fallengelassen. Dem Biografen und Hofmaler der Medici Giorgio Vasari zufolge verkleidete Arnolfo di Cambio auch die Eckpilaster aus Sandstein mit der auch heute noch zu sehenden Streifenmusterung aus Marmor. Ob es sich dabei um eine erstmalige Streifeninkrustination handelte oder eine alte lediglich durch eine neue ersetzt wurde, war schon zu Zeiten Vasaris umstritten. Im Jahre 1370 baute man einen marmornen Taufbrunnen, der mit Darstellungen des Sakraments der Taufe geschmückt war und an der südöstlichen Wandseite aufgestellt wurde, wo er noch heute steht.

Erste Skulpturen und die Portale mini|Teil der Pisano Bronzetür Von 1309 bis 1320 wurden von Tino di Camaino mit Unterstützung der Arte di Calimala Skulpturengruppen oberhalb der Portale geschaffen. 1322 wurde Andrea Pisano mit einem vergoldeten Bronzeportal beauftragt, das er 1336 mit 20 Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers und acht Tugendenallegorien vollendete. Diese ursprünglich als Hauptportal für die Ostseite geschaffene Tür wurde 1424 zunächst durch das von Ghiberti geschaffene erste Portal, das heutige Nordportal, ersetztGiorgio Vasari: Das Leben des Lorenzo Ghiberti, neu übersetzt von Victoria Lorini, bearbeitet von Birgit Witte, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2011, ISBN 978-3-8031-5053-0, S. 33. und befindet sich heute an der Südseite. Als 1348 die Pest über die Stadt hereinbrach, wurden die Arbeiten am Baptisterium vorerst aufgegeben.

mini|Lorenzo Ghibertis Selbstporträt an der Paradiespforte

Wettbewerb und Konkurrenzreliefs des Nordportals Nach Jahren der ökonomischen Krise, Hungersnöten und Missernten begann Florenz wieder zu prosperieren und man plante eine Verschönerung des Baptisteriums. 1401 wurde durch die Arte di Calimala ein Wettbewerb ausgeschrieben, möglicherweise der erste Wettbewerb in der Geschichte der neueren Kunst,Hugh Honour, John Fleming: Weltgeschichte der Kunst. 5. Auflage. Prestel, München 1999, ISBN 3-7913-2094-7, S. 335. dessen Gewinner die anderen beiden Portale gestalten sollte.

Lorenzo Ghiberti setzte sich schließlich gegen sechs weitere Mitbewerber durch, darunter Filippo Brunelleschi, Francesco di Valdambrino, Jacopo della Quercia und Niccolò di Piero Lamberti. Duomo Firenze, Opera Magazine, il restauro della porta nord Die Wettbewerbsbeiträge sollten im Vierpassrahmen wie Pisanos Portal ausgeführt werden und die Opferung Isaaks zum Thema haben. Die meisten Beiträge sind verloren gegangen, nur die Bronzegüsse Brunelleschis und Ghibertis sind erhalten und im Museo nazionale del Bargello zu sehen.

Brunelleschi betonte in seiner Version die Dramatik der Handlung, Ghiberti wirkte im Vergleich dazu verhaltener, die Tat wird eher angedeutet, dafür verwendet er mehr Sorgfalt auf die dekorative Seite, auf die Darstellung der Landschaft, der Faltenwürfe der Gewänder und die Schönheit der Körper, vor allem dem des Isaak auf dem Opfertisch. Bei Brunelleschi ist die mörderische Handlung in vollem Gang und dominiert alle anderen Themen, während bei Ghiberti eine Art gleichmäßige Massenverteilung der einzelnen Themen vorliegt, die gegenüber dem Hauptthema deutlich eigenes Gewicht haben. Aus dem Wettbewerb von 1401 ging mit knappem Vorsprung Ghiberti als Sieger hervor mit seinem noch mehr gotischen und ganz auf Lichteffekte und weichen, dekorativen Rhythmus aufgebauten Werk.

Vielleicht hat eine Rolle gespielt, dass das Modell Ghibertis nur 18,5 kg wog im Vergleich zu den 25,5 kg bei Brunelleschi, was für die Konstruktion der gesamten Tür einen erheblich geringeren Verbrauch an Bronze bedeutete.Rolf Toman (Hrsg.): Die Kunst der italienischen Renaissance. Architektur – Skulptur – Malerei – Zeichnung. Könemann, Köln 1994, ISBN 3-89508-054-3, S. 177.

Ghiberti war im Umgang raffinierter als der verschlossene Brunelleschi und holte sich ausgiebig Rat bei anderen Künstlern und Bildhauern, von denen viele zufällig zur Jury gehörten.Ross King: Das Wunder von Florenz. Architektur und Intrige: Wie die schönste Kuppel der Welt entstand. 3. Auflage. Albrecht Knaus Verlag GmbH, München 2001, ISBN 3-8135-0160-4, S. 32. Brunelleschi, Goldschmied und Bildhauer, hat diese Niederlage nie verwunden, derentwegen er die Bildhauerei aufgegeben und sich ganz der Architektur gewidmet haben soll. Ab 1418 sind beide für die Domkuppel verantwortlich.

Portale Ghibertis Nach dem Wettbewerbssieg wurde Ghibertis Werkstatt mit der Herstellung eines Bronzeportals mit der Christuslegende in Anlehnung an Andrea Pisanos Portal beauftragt. Zeitweise waren über zwanzig Helfer an den Arbeiten beteiligt, die sie sich über Jahrzehnte hinzogen. Zum Osterfest 1424 wurde das Portal feierlich an der Ostseite angebracht.

Ein Jahr später erhielt Ghiberti den Auftrag für ein weiteres Portal. Ein Brief belegt, dass Leonardo Bruni, der Kanzler der Republik, sich ursprünglich für ein Portal zum Alten Testament einsetzte, nach dem Vorbild der bestehenden Türen mit 24 Tafeln. Ghiberti, der mittlerweile ein hohes Ansehen genoss, konnte seine eigenen künstlerischen Vorstellungen durchsetzen und entschied sich für 10 großformatige Tafeln. Im Jahre 1452 war die Arbeit an dieser zweiten Tür, der Porta del Paradiso, weitgehend abgeschlossen. Giorgio Vasari zufolge soll Michelangelo beim Anblick der Tafeln gesagt haben: „Sie sind so schön, dass sie sich gut an den Pforten des Paradieses ausnähmen.“ Die Bezeichnung „Paradiespforte“ wurde zuvor schon verwendet, da dem Getauften sich der Weg ins Paradies (die Erlösung) öffnete, der in die Kirche führte, wobei der Platz zwischen Taufkirche und Kathedrale zuweilen auch Paradies genannt wurde. So ist nicht bewiesen, dass diese Bezeichnung für das Portal tatsächlich auf Michelangelo zurückgeht.

Aufgrund seiner ausgesprochenen Schönheit und trotz seines alttestamentlichen Bildprogramms kam das neue Portal nicht auf die ursprünglich vorgesehene Nordseite, sondern man entfernte von dem dem Dom gegenüberliegendem Ostportal die erste Tür Ghibertis und versetzte diese nach Norden, so dass das neue Portal den Ehrenplatz auf der Ostseite erhalten konnte. Die Kunst Ghibertis hatte den Austausch seiner ersten Tür mit dem Erlöser Christi gegen die Paradiestür mit alttestamentlichen Themen und damit einen Bruch mit der Tradition bewirkt. „Denn erstmals gewann die Ästhetik als Kriterium für den Aufstellungsort eines Kunstwerkes Vorrang vor dessen Inhalt.“Rolf Toman (Hrsg.): Die Kunst der italienischen Renaissance. Architektur – Skulptur – Malerei – Zeichnung. Könemann, Köln 1994, ISBN 3-89508-054-3, S. 184.

mini|hochkant|Das Grabmonument für Johannes XXIII.

Grabmal für Johannes XXIII.