Die Schlacht um Midway war eine Seeschlacht während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg. Vom 4. bis zum 7. Juni 1942 kämpften bei den Midwayinseln große Verbände der Kaiserlich Japanischen Marine und der United States Navy. Die Schlacht, die mit der Versenkung von vier japanischen Flugzeugträgern bei nur einem versenkten US-Träger endete, gilt als Wendepunkt des Pazifikkriegs. Fortan befanden sich die japanischen Streitkräfte in der Defensive.

Auslösende Faktoren Seit das Kaiserreich Japan im Dezember 1941 die USA in Pearl Harbor angegriffen hatte, führten die kaiserlichen Streitkräfte erfolgreiche Feldzüge zur Eroberung der britischen Kolonien und niederländischen Kolonien in Südostasien. Als sich im Frühjahr 1942 die Operationen zur Eroberung der rohstoffreichen Gebiete in British Malaya und Niederländisch-Indien ihrem Ende näherten, gab es im japanischen Oberkommando (Daihon’ei) Diskussionen über das weitere Vorgehen.

Eine Fraktion wollte weiter nach Westen in Richtung Britisch-Indien und des Suezkanals vorstoßen und dort die Verbindung mit dem deutschen Afrikakorps herstellen. Eine andere Fraktion favorisierte ein Vorstoßen in Richtung Fidschi–Samoa, um die Verbindungslinien der Alliierten zwischen Australien und den USA zu unterbrechen.Walter Lord: Midway: The Incredible Battle. Wordsworth Editions Ltd., 2000, ISBN 1-84022-236-0. Nach dem amerikanischen Luftangriff auf Tokio am 18. April 1942 (Doolittle Raid) änderten sich die japanischen Pläne. Bis zu diesem Zeitpunkt war die nach dem Angriff auf Pearl Harbor geschwächte US-Pazifikflotte als keine ernstzunehmende Bedrohung erschienen, und da es im Zentralpazifik keine Ziele gab, deren Eroberung sich lohnte, waren die Japaner seit der Eroberung von Wake und der Schlacht um Guam nicht weiter in dieses Gebiet vorgestoßen. Nach dem Angriff auf Tokio erklärte Admiral Yamamoto Isoroku die Vernichtung der verbliebenen US-Flotte – insbesondere ihrer Flugzeugträger – zur höchsten Priorität. Dies sollte weitere Angriffe gegen Japan unmöglich machen, jede denkbare Bedrohung durch US-Streitkräfte ausschließen und einen Verhandlungsfrieden mit den USA begünstigen.

Die Midwayinseln sind nach dem kleinen Kure-Atoll die westlichsten der Nordwestlichen Hawaii-Inseln und waren damals der westlichste Vorposten der US-Amerikaner im Zentralpazifik. Der strategische Wert der Inseln selbst war gering; wegen ihrer geringen Größe eigneten sie sich nur als Aufklärungsstützpunkt, aber nicht als größere Basis. Als Auftankstation für die aus Pearl Harbor gegen Japan operierenden U-Boote erwiesen sie sich allerdings als nützlich – die Boote konnten so erheblich länger im Einsatzgebiet bleiben, da Hin- und Rückweg zwischen Pearl Harbor und Midway zusammen über 3500 Kilometer ausmachen. Pläne zur Eroberung von Midway gab es auf Seiten der Japaner zwar schon seit dem Beginn des Krieges, sie waren jedoch nie ausgeführt worden, weil der Aufwand zur Versorgung der eroberten Inseln als größer erachtet wurde als ihr Nutzen als Aufklärungsbasis.

Aufgrund der relativen Nähe zu Pearl Harbor, dem einzigen als große Flottenbasis verwendbaren Hafen, der den US-Streitkräften abseits der Häfen an der US-Westküste im Pazifik zur Verfügung stand, konnten die Amerikaner es sich nicht leisten, die Insel ohne Weiteres zu verlieren. Eine Invasion von Midway bot die Möglichkeit, die US-Pazifikflotte trotz ihrer Schwäche zu einer Entscheidungsschlacht zu zwingen.

Die japanische Strategie mini|Das Midway-Atoll 1941 Während des Angriffs auf Pearl Harbor im Dezember 1941 wurde das Midway-Atoll von den japanischen Zerstörern Sazanami und Ushio beschossen (der sogenannten „Midway-Neutralisierungseinheit“), um den Rückzug der Kidō Butai von Hawaii zu sichern. Auf der Insel befanden sich zu dieser Zeit allerdings keine US-Streitkräfte, die den japanischen Schiffen, die Pearl Harbor angegriffen hatten, Schaden hätten zufügen können.

Erst am 25. Dezember wurde das Geschwader VMF-221 nach Midway geflogen, das ursprünglich für den Einsatz auf Wake vorgesehen war. Das Atoll wurde danach noch am 25. Januar sowie am 8. und 10. Februar 1942 von japanischen U-Booten beschossen, die aber keinen Schaden verursachten.

Die japanische Planung Die Operation MI war als Ergänzung zu dem japanischen Erfolg geplant, der die Schlachtschiffstärke der US-Pazifikflotte in Pearl Harbor eliminiert hatte. Die Japaner wollten US-Flugzeugträger und andere noch existierende große Kriegsschiffe ausschalten.

Der Plan sah vor, die beiden kleinen Atoll-Inseln (Sand Island und Eastern Island) einzunehmen und dort eine eigene Luftbasis aufzubauen. Dies sollte die Amerikaner veranlassen, ihre Trägerflotte nach Midway in Marsch zu setzen. Die kampferprobte japanische Übermacht wollte sie dort angreifen und möglichst alle feindlichen Träger vernichten. Als (letztlich erfolgloses) Ablenkungsmanöver war gleichzeitig ein Schlag gegen die Aleuten im nördlichen Pazifik geplant (vgl. Schlacht um die Aleuten).

Der Angriff sollte zugleich eine Vergeltungsmaßnahme für den Luftangriff auf Tokio im April 1942 sein. Er sollte auch der Vorbereitung dienen auf mögliche gegnerische Angriffe gegen die Inselgruppe der Fidschis und Samoa während der geplanten Operation FS und damit verbundene Unternehmen sowie gegen die hawaiianische Inselgruppe selbst.

Nach einem Sieg wäre die Übermacht der Japaner im Pazifik so groß geworden, dass man, so die japanische Hoffnung, eventuell einen Friedensvertrag hätte aushandeln können, der die aktuellen Grenzen festschrieb – wie es die japanische Endsieg-Strategie vorsah.

Ausgangslage Nach der Schlacht im Korallenmeer am 7. und 8. Mai 1942, bei der der Flugzeugträger Lexington der Amerikaner verloren gegangen und der Träger Yorktown schwer beschädigt worden war, verhielten sich die Japaner abwartend. Die Führungsebene der amerikanischen Marine vermutete, dass der Gegner seine Kräfte sammle, um eventuell die Invasion Australiens vorzubereiten. Als weiteres mögliches Ziel fasste man Port Moresby auf Neuguinea ins Auge. Je länger die japanische Flotte verborgen blieb, desto stärker richtete sich der Verdacht auf einen bevorstehenden Angriff auf die Flottenbasis in Pearl Harbor. Als nächstes Ziel erschien das Midway-Atoll als Ausgangsbasis für weitere Angriffe der Japaner plausibel. Die Japaner wiederum nahmen an, die USA seien bereits kriegsmüde.

Funkaufklärung Ein wesentlicher Faktor im Vorfeld der Schlacht von Midway war die Entzifferung des japanischen JN-25-Marinecodebuchs und die vereinte Funkaufklärung amerikanischer, britischer, australischer und niederländischer Kräfte. Zu nennen sind die Stationen HYPO auf Hawaii und CAST auf den Philippinen, die Gruppe Op‑20‑G in Washington, die britischen Stationen in Hongkong und Singapur, die Gruppe in Bletchley Park sowie niederländische Kräfte im ost-indischen Batavia. Ungenannt bleiben die Posten, die das Abfangen und die Weiterleitung der Nachrichten übernahmen. In der Literatur wird bezüglich der Midway-Codes oft die Arbeit von Joseph Rochefort betont, der 36-Stunden-Schichten schließlich im Bademantel durcharbeitete, während die maßgeblichen Ideen zur Positionsbestimmung von Midway als Angriffsziel von Jasper Holmes stammten.

Die US-Funkaufklärung Op‑20‑G empfing einige Tage nach der Korallenmeerschlacht eine Nachricht, die an alle großen japanischen Flugzeugträger gerichtet war und einem Einsatzbefehl glich. Kurz danach erging ein weiterer Funkspruch an die Goshu Maru, in dem von einem Zielkürzel AF die Rede war. Den Amerikanern war bekannt, dass solche Kürzel für diverse Ziele im Pazifikraum benutzt wurden. So stand beispielsweise RZP für Port Moresby, R für Rabaul, PS für Saipan und AH für Oʻahu. Da einige der A-Kürzel Hawaii und umliegende Inseln bezeichneten, vermuteten einige Funkaufklärer Midway als AF.

Die amerikanischen Funker auf der Insel Corregidor in der Bucht von Manila hatten schon im März AF als Midway identifiziert, aber durch die japanische Besetzung der Philippinen bestand kein Kontakt mehr zu ihnen. Admiral Chester W. Nimitz entschied sich recht schnell für Midway und ließ am 18. Mai Admiral Ernest J. King, der zunächst noch an die Aleuten als Angriffsziel dachte, über den geplanten japanischen Großangriff unterrichten.

Zur Absicherung ihrer Vermutung zum Funkkürzel AF bedienten sich die Amerikaner einer List. Über Seekabel wurde Midway angewiesen, einen Funkspruch im Klartext (unverschlüsselt) an das Oberkommando zu senden, in dem angegeben wurde, dass die Destillationsanlage für die Trinkwassergewinnung defekt sei und man sehr bald unter Wassermangel leiden werde. Das Oberkommando funkte anschließend auch im Klartext zurück, dass mit Wasserlieferungen Abhilfe geschaffen werde. Nun lag es an den Japanern, ob sie die Funksprüche abgehört hatten und wie sie darauf reagieren würden. Kurz danach sendete Tokio den täglichen Geheimdienstreport an alle Schiffe. Eine der Nachrichten lautete, dass auf AF das Wasser knapp werde. Damit war Midway eindeutig identifiziert, und Nimitz beorderte sofort alle Träger zurück nach Pearl Harbor.

Gegen Ende Mai gelang es den Amerikanern anhand von Funksprüchen der Japaner, auch den vorgesehenen Angriffstag zu identifizieren. Er war für den 4. Juni vorgesehen. Am 28. Mai änderten die Japaner die Kodierung ihres Funkverkehrs, so dass vorerst keine weiteren Meldungen mehr entschlüsselt werden konnten.

Verhinderung der japanischen Aufklärung Im März fand die japanische Operation K statt. Bei dieser Operation waren zwei Flugboote vom Typ Kawanishi H8K1 von Kwajalein zu den Marshall-Inseln gestartet. Die Flugboote hatten dann über Oʻahu Bomben abgeworfen und waren zu den French Frigate Shoals geflogen. Dieses Atoll liegt genau zwischen Hawaii und Midway. Dort wurden die Flugboote von U-Booten aufgetankt. Die enormen Langstreckenleistungen der Flugboote bei diesen letztlich nutzlosen Angriffen beeindruckten das US-Militär, doch waren es nun andere Faktoren, die diese sehr leistungsfähigen Flugboote ins Visier der US-Strategen brachten. Die US-Marine vermutete zu Recht, dass dieses Spiel wiederholt werde mit dem Ziel, die amerikanische Flotte durch die Kawanishi-H8K-Flugboote aufzuklären. Deshalb wurde ein US-Flugboot bei dem Atoll platziert. Das US-Flugboot machte auch prompt drei japanische U-Boot-Periskope aus. Vor den japanischen U-Booten war das US-Flugboot durch den Korallengürtel geschützt. Die Japaner mussten so auf die tatsächlich geplanten Aufklärungsflüge der H8K1-Flugboote verzichten und konnten sich daher kein Bild von der tatsächlichen Stärke der unterlegenen US-Kräfte machen. Allerdings bewerteten die Japaner dies nicht als großen Verlust, da sie in jedem Fall die mehrfache Überlegenheit hatten, auch besaßen sie die größere Erfahrung und ihre Besatzungen waren zudem besser ausgebildet und kampferprobt.

Flottenbewegung Die Japaner setzten den Trägerkampfverband Kidō Butai von Vizeadmiral Nagumo Chūichi mit vier Flugzeugträgern, dem Flaggschiff Akagi, der Kaga, der Hiryū und der Sōryū, in Richtung Midway in Marsch. Etliche hundert Meilen hinter diesen kamen die Schlachtschiffe des Oberkommandierenden Admirals Yamamoto Isoroku. Aus südwestlicher Richtung näherte sich die dritte japanische Welle unter Vizeadmiral Kondō Nobutake. Mit seinen Zerstörern und Kreuzern bildete er die Invasionsflotte für Midway. Allerdings fehlten Yamamoto zwei seiner Flugzeugträger, die er dringend vor Midway gebraucht hätte: Der Träger Shōkaku war in der Schlacht im Korallenmeer schwer beschädigt worden, während die Zuikaku einen Großteil ihres Bordgeschwaders verloren hatte. Zwei weitere Träger (Jun’yō und Ryūjō) waren zu einem Ablenkungsangriff im Nordpazifik abgezogen worden, um den Angriff auf die strategisch wertlosen Aleuten zu unterstützen. So konnte Yamamoto mit nur vier großen Trägern den Angriff auf Midway starten. mini|Die Yorktown bei Reparaturarbeiten im Trockendock in Pearl Harbor, 29. Mai 1942