mini|Luftaufnahme aus Richtung Süden, Autobahn im Vordergrund, Gewerbegebiet hinten links
Elz ist eine Gemeinde mit Einwohnern () im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Elz liegt an der Grenze zum Land Rheinland-Pfalz.
Geographie Geographische Lage Elz liegt im Limburger Becken, wobei das Gemeindegebiet in dessen westliche Randhöhen und damit in den Bereich des Niederwesterwaldes (Elzer Wald) hineinreicht. Von Norden nach Süden wird es vom flachhängigen Tal des Elbbachs durchquert, der im Hohen Westerwald entspringt, in Elz vom Erbach gespeist wird und in die südlich der auf 110 bis gelegenen Ortschaft fließende Lahn mündet.
Geologie Der recht breite Unterlauf des Elbbachs folgt einem tektonisch angelegten Grabenbruch (Elzer Graben), der sich nordwärts bis in den Bereich der Gemeinde Dornburg erstreckt. Der devonische Gesteinsuntergrund ist vor allem westlich des Elbbachs mit mächtigen Grabenfüllungen aus dem Tertiär überdeckt (Tone, Sande, Kiese), wovon besonders die Vorkommen an Quarzsand wirtschaftliche Bedeutung in der Region erlangten. Darüber lagern eiszeitliche Lößdecken, die die Grundlage für eine ertragreiche Landwirtschaft bilden.
Nachbargemeinden Elz grenzt im Norden an die Gemeinde Hundsangen (im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz) und die Stadt Hadamar, im Osten und Süden an die Stadt Limburg (beide im Landkreis Limburg-Weilburg), sowie im Westen an die Gemeinden Hambach (im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz), Görgeshausen, Niedererbach und Obererbach (alle drei im Westerwaldkreis).
Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in zwei Ortsteile (hier mit Einwohnerzahl, Stand: 31. Dezember 2021): Elz (7666) und Malmeneich (327).
Der Ortsteil Elz ist nach der Kernstadt von Limburg an der Lahn die zweitgrößte Ansiedlung im Landkreis Limburg-Weilburg und war lange Zeit die größte Gemeinde in Hessen, bei der es sich um keine Stadt im kommunalrechtlichen Sinn handelte. Der Anteil von ausländischen Staatsbürgern beträgt mit 990 Personen 13,94 % der Gesamtbevölkerung.
Klima Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt in Elz 8,5 °C und in Malmeneich 7,9 °C. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt in Elz 600 bis 650 mm und in Malmeneich 720 mm. Klimatische Bedingungen: Frühlingsanfang in Elz im Durchschnitt: 29. April bis 5. Mai.Website Gemeinde Elz – Zahlen, Fakten und Statistik: Klimatische Bedingungen
Geschichte
Ortsgeschichte Der Ortsname leitet sich vermutlich von der Erle ab. Elz taucht, soweit bekannt, erstmals in der – heute nicht mehr erhaltenen – Wiltrud-Urkunde von 933 auf. Die älteste erhaltene Urkunde stammt aus dem Jahr 1145.
Älteste menschliche Spuren findet man aus fast allen vorgeschichtlichen Epochen in der Elzer Gemarkung: der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit (ausgedehntes Hügelgräberfeld nahe der heutigen Autobahn), der römischen Kaiserzeit und der fränkischen Zeit. Der Hügel einer Niederungsburg im Tal der Mordschau im Elzer Gemeindewald weist auf eine frühe Besiedlung im Mittelalter hin.
Das Dorf lag an der wichtigen strata publica, der Hohen Straße zwischen Frankfurt am Main und Köln, und zeigt bis heute im Kern die charakteristische Form eines Straßendorfs. Im Mittelalter stand es zunächst unter königlicher Herrschaft und war am Anfang des 14. Jahrhunderts für kurze Zeit an die Herren von Limburg verlehnt. 1322 ging es zunächst als Pfand, spätestens 1406 mit dem Aussterben des Hauses Limburg als Besitz an das Kurfürstentum Trier über. Das Umland gehörte jedoch den Grafen von Nassau, was zu jahrhundertelangen Grenzstreitigkeiten führte.
Eine Kirche wurde im Jahr 1218 erstmals erwähnt.
Im Jahr 1436 verpfändete Kurfürst Raban von Helmstatt Elz zusammen mit anderen umliegenden Besitzungen für 22.000 rheinische Gulden an die Landgrafschaft Hessen. Am 1. September 1442 verlieh König Friedrich IV. Elz die Stadtrechte. Die Stadtrechtsurkunde hatte der Trierer Erzbischof Jakob I. von Sierck erwirkt. Die Originalurkunde ist heute verloren, aber im Landeshauptarchiv Koblenz werden drei beglaubigte Abschriften von 1442 und 1443 bewahrt (Bestand 1 A, Nr. 8101–8103). Die bald errichtete Stadtbefestigung wurde von den Grafen von Nassau wieder abgerissen. Der Straßenname Gräbengasse erinnert heute noch an die ungefähre Position eines Teils der Wehranlagen.
Die komplizierten Besitz- und Pfandverhältnisse führten zu weiteren Streitigkeiten zwischen der Landgrafschaft Hessen, Kurtrier und Nassau. Nassau sah sich durch die Stadtrechte und den damit verbundenen Bau von Befestigungen in unmittelbarer Nachbarschaft bedroht, überfiel Elz im Winter 1456 und zerstörte die neu errichteten Stadtmauern. Kurtrier und die Landgrafschaft setzten einen gemeinsamen Schultheißen ein. Häufig hatten Angehörige der Familie Staudt dieses Amt inne. Sie erbauten auch den repräsentativen Fachwerkhof, der noch heute als Rathaus dient. Ein Mitglied der Familie, das sich latinisiert Justus Studaeus Elsanus nannte, wurde Rechtsgelehrter an der Universität Marburg, war zeitweise deren Rektor, ab 1546 Kanzler des Fuldaer Fürstabts Philipp Schenk zu Schweinsberg, ab 1563 Frankfurter Bürger und Mitglied der Patriziergesellschaft Alten Limpurg.
Während der Hexenverfolgung wurden 1590 acht Frauen aus Elz in Limburg verbrannt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort hart getroffen. Am Ende der Kämpfe sollen nur noch sieben Familien in Elz gewohnt haben. Der 1759 in Elz geborene Heinrich Arnoldi wurde Hofkaplan des letzten Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen.
Die ersten Anordnungen der Verhütung eines Brandes im Zusammenhang mit häuslichen Feuerstätten in Textform im Kurfürstentum Trier vom 9. Mai 1721 führten auch in Elz zu erheblichen Verbesserungen der Bauweise der Gebäude.
Mit der Säkularisation 1802 endete die Herrschaft Kurtriers und Elz kam an das Fürstentum Nassau-Weilburg. Von 1806 an gehörte es zum Herzogtum Nassau, das 1866 von Preußen annektiert wurde.
Im 19. Jahrhundert war Elz, wie zahlreiche Dörfer des Westerwalds, vom Pauperismus, der frühindustriellen Massenarmut, betroffen. Ähnlich wie die Bewohner der umliegenden Orte waren auch viele Elzer dazu gezwungen, ihren Unterhalt im Reisegewerbe zu verdienen. Dabei waren viele Einwohner von Elz (beispielsweise Cyrillus Bioneck, * 28. März 1797, und die Söhne Josef, Cyrillus, Philipp, Johann und Georg Bioneck) vor allem als Musiker in ganz Europa unterwegs.Quelle: Diözesanarchiv des Bistums Limburg aus den Geburts- und Sterbebüchern der Stadt Hadamar (Gemeinde Elz) bis 1874 und dem Standesamt Elz ab 1874. Diese Tradition der „Elzer Musikanten“ wird noch heute gepflegt. Am 17. September 1850 fiel ein Großteil des Orts einem Feuer zum Opfer. Im Jahr 1896 wurde das „St. Josefshaus“ als Krankenhaus errichtet; heute dient es als Altenzentrum.
Im Ersten Weltkrieg fielen 117 Elzer, im Zweiten rund 200, währenddessen auch zwei Luftangriffe auf den Ort geflogen wurden. Auch wurden im Zweiten Weltkrieg etliche Juden und andere Verfolgte deportiert. Am 17. Mai 2017 wurden zur Erinnerung daran die ersten Stolpersteine im Ort verlegt.Jüdische Geschichte in Elz (Westerwald) (Kreis Limburg-Weilburg)
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 31. Dezember 1971 wurde der Zentralort Elz im Zuge der Gebietsreform in Hessen um den Nachbarort Malmeneich durch freiwillige Eingemeindung vergrößert. Im selben Jahr siedelte das erste Unternehmen im neuen Gewerbegebiet am nordwestlichen Ortsrand an der Bundesstraße 8. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Elz angehört(e):
vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Trier, Unteres Erzstift, Amt Limburg, Gericht Elz ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Usingen,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Amt Limburg ab 1816: Herzogtum Nassau,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Amt Hadamar ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HadamarAbtrennung der Justiz (Justizamt Hadamar) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Hadamar ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, OberlahnkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Hadamar) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Limburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Limburg ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Limburg-Weilburg
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Elz 8049 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1551 Einwohner unter 18 Jahren, 3348 zwischen 18 und 49, 1506 zwischen 50 und 64 und 1641 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 817 (10,2 %) Ausländer, von denen 240 aus dem EU-Ausland, 476 aus anderen europäischen Ländern und 101 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 14,6 %.) Die Einwohner lebten in 3306 Haushalten. Davon waren 1002 Singlehaushalte, 939 Paare ohne Kinder und 1062 Paare mit Kindern, sowie 149 Alleinerziehende und 54 Wohngemeinschaften. In 708 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2253 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Religion Katholische Pfarrei Sankt Johannes der Täufer
Historisches
Bis ins 13. Jahrhundert gehörte Elz mit bis zu 20 anderen Orten zur bedeutenden Pfarrei Dietkirchen. Überlieferungen zufolge ist Elz seit dem Jahr 1234 schon eine eigenständige Pfarrei.Gerhard Kleinfeld, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum. (Schriften XVI 1937, S. 144 f.) Vor der heutigen Pfarrkirche „Sankt Johannes der Täufer“, die wesentlich das Dorfbild prägt, stand an gleicher Stelle eine kleinere Kirche, deren genaue Ausmaße und Aussehen nur vage bekannt sind. Es sind Angaben von einem romanischen Bauwerk mit einer Länge von rund 13,50 m und einer Breite von 9,30 m zu finden.Erhard Weimer: Elzer Chronik. Seite 136 Der heute westlich verlagerte Friedhof lag zu damaliger Zeit rund um die alte Pfarrkirche. Im Jahr 1846 stürzte das Dach der alten Kirche ein. Die Freiheitsbewegung des Jahres 1848 hatte zur Folge, dass die Elzer Katholiken wieder viele Jahrzehnte zur Wallfahrtskapelle Maria Hilf in Beselich pilgerten und dort eindrucksvoll ihren Glauben kundgaben.
Die heutige Pfarrkirche