Die Frankfurt Lions waren eine professionelle Eishockeymannschaft aus Frankfurt am Main, die von 1994 bis 2010 ununterbrochen der Deutschen Eishockey Liga (DEL) angehörte. Die aus dem Frankfurter ESC hervorgegangene Mannschaft zählte zu den Gründungsmitgliedern der DEL und gewann in der Saison 2003/04 die deutsche Meisterschaft. Darüber hinaus erreichten die Lions mehrfach das Play-off-Halbfinale, belegten 2004/05 den ersten Platz der Hauptrunde und nahmen an der European Hockey League teil.

Über die sportlichen Ergebnisse hinaus entwickelten die Lions ein innerhalb des deutschen Eishockeys eigenständiges Clubprofil. Kennzeichnend waren die Vereinsfarben Türkis, Weiß und Schwarz, international zusammengesetzte Mannschaften, eine ab 1997 verbesserte Außendarstellung sowie die Verbindung von klassischer Stehplatzkultur mit Elementen moderner Sportinszenierung. Die Heimspiele in der Eissporthalle am Ratsweg wurden dadurch zu einem zentralen Bestandteil der öffentlichen Wahrnehmung des Clubs. Zwischen den Spielzeiten 2003/04 und 2008/09 kamen im Durchschnitt jeweils mehr als 6.100 Zuschauer zu den Frankfurter Heimspielen.

Der Meistertitel von 2004, die auffällige Farbgebung, langjährige Publikumslieblinge und das abrupte Ende des professionellen Spielbetriebs im Jahr 2010 prägten die spätere Erinnerung an die Mannschaft. Historische Trikots, Spielaufzeichnungen, Fanarchive und Veranstaltungen ehemaliger Spieler trugen dazu bei, dass die Lions auch nach dem Lizenzentzug als herausragende Epoche des Frankfurter Eishockeys wahrgenommen wurden.

Geschichte Vorgeschichte

Eishockey wird in Frankfurt mindestens seit den 1930er Jahren gespielt. Im Jahr 1959 gründete die Eintracht Frankfurt eine eigene Eishockeyabteilung. Nach deren Auflösung entstand im März 1991 der Frankfurter ESC „Die Löwen“. Als einer der ersten Eishockeyvereine weltweit wählte der neu gegründete Club Türkis als prägende Vereinsfarbe und prägte damit ein für den Eishockeysport völlig neuartiges Erscheinungsbild.

Im Zuge der Einführung der Profiliga Deutsche Eishockey Liga wurde am 25. März 1994 die Frankfurt Lions Eishockey GmbH gegründet.

Frankfurt Lions in der DEL

Gründung und erste DEL-Jahre

Zur Einführung der Deutschen Eishockey Liga wurde am 25. März 1994 die Frankfurt Lions Eishockey GmbH gegründet. Die Lions gehörten damit zu den Gründungsmitgliedern der neuen höchsten deutschen Spielklasse. Während des NHL-Lockouts 1994 verpflichtete der Club unter anderem den tschechischen Nationalspieler Robert Reichel. Zu den prägenden Akteuren der ersten Jahre gehörte außerdem Jiří Lála, der bereits für die Vorgängermannschaften in Frankfurt gespielt hatte und erneut zu den erfolgreichsten Scorern des Teams zählte.

In ihrer ersten DEL-Saison 1994/95 erreichten die Lions die Play-offs, in denen sie den Kassel Huskies nach fünf Spielen mit 1:4 Siegen unterlagen. Auch in der folgenden Spielzeit qualifizierte sich Frankfurt für die Endrunde, scheiterte jedoch erneut an Kassel. Die Saison 1996/97 verlief sportlich und wirtschaftlich schwieriger. Die inzwischen stark finnisch geprägte Mannschaft verpasste die Play-offs und sicherte den Klassenerhalt erst in den Play-downs gegen die Ratinger Löwen. Gleichzeitig gingen die Zuschauerzahlen zurück.

Neuaufbau unter Gerd Schröder

Nach einer sportlich und wirtschaftlich schwierigen Saison kam es Anfang 1997 zu einem grundlegenden Umbruch. Am 31. Januar 1997 übernahm der Unternehmer Gerd Schröder die Anteile der bisherigen Mitgesellschafter an der Frankfurt Lions Eishockey GmbH und wurde in der Folge deren Alleingesellschafter. Am 7. August 1997 wurde Bernd Kress zum Geschäftsführer bestellt. Unter Schröders Führung wurden Verwaltung, Vermarktung und sportliche Leitung neu geordnet.

Der Neuanfang war auch nach außen sichtbar. Die Gesellschaft bezog neue Geschäftsräume und führte ein grundlegend überarbeitetes Erscheinungsbild mit neuem Logo und veränderten Trikots ein. Damit vollzogen die Lions einen für das deutsche Eishockey jener Zeit ungewöhnlich umfassenden Neustart, der sportliche Neuorientierung und moderne Markenbildung miteinander verband.

Für die Zusammenstellung der Mannschaft verpflichtete Schröder den Kanadier Bernie Johnston als Manager. Johnston veränderte den Kader nahezu vollständig: Von der Mannschaft der Vorsaison blieben nur wenige Spieler, während 17 Neuzugänge verpflichtet wurden, darunter elf Kanadier. Zu ihnen gehörten unter anderem John Chabot, José Charbonneau, Henri Marcoux und der spätere langjährige Mannschaftskapitän Michael Bresagk. Johnstons öffentlich angekündigter radikaler Umbau brachte ihm in Frankfurt den Beinamen „Bulldozer-Bernie“ ein.

Der Neuaufbau zeigte bereits in der Saison 1997/98 Wirkung. Die Lions beendeten die Hauptrunde auf dem zweiten Tabellenplatz und gingen nach fünf Siegen in Folge in die Play-offs. Im Viertelfinale setzten sie sich gegen die Hannover Scorpions durch, ehe sie im Halbfinale dem späteren deutschen Meister Adler Mannheim unterlagen. Mit dem zweiten Platz qualifizierte sich Frankfurt zudem für die European Hockey League, den damals höchstrangigen europäischen Vereinswettbewerb. Die erste Halbfinalteilnahme in der DEL und der Einzug in den europäischen Wettbewerb bedeuteten den bis dahin größten Erfolg der Lions.

Auch die Saison 1998/99 begann erfolgreich, verlief jedoch zunehmend wechselhaft. Nachdem Trainer Bob Manno den Club im Oktober 1998 verlassen hatte, übernahm Manager Bernie Johnston zusätzlich das Traineramt. Von Mitte November 1998 bis Ende Januar 1999 führten die Lions die DEL-Tabelle an und lagen zeitweise elf Punkte vor dem Tabellenzweiten. Eine anschließende Serie von acht Spielen mit nur einem Sieg brachte die zunächst sicher erscheinende Play-off-Teilnahme jedoch noch in Gefahr.

Johnston wurde daraufhin als Trainer durch Rick Alexander ersetzt, blieb aber als Manager im Amt. Unter Alexander erreichten die Lions die Play-offs und gewannen das hart umkämpfte Viertelfinale gegen die Kölner Haie. Die Entscheidung fiel im fünften Spiel durch ein Penaltyschießen. Im anschließenden Halbfinale unterlag Frankfurt den Nürnberg Ice Tigers.

In der Saison 1999/2000 erreichten die Lions trotz zahlreicher Verletzungen und weiterer Veränderungen in der sportlichen Leitung erneut die Play-offs. Im Viertelfinale unterlagen sie den späteren deutschen Meistern, den München Barons, erst im entscheidenden fünften Spiel. Damit hatte Frankfurt in den ersten drei Spielzeiten nach dem Neuaufbau zweimal das Halbfinale und einmal das Viertelfinale erreicht und sich vorübergehend in der Spitzengruppe der DEL etabliert.

In den folgenden Jahren verlor die sportliche Entwicklung jedoch an Kontinuität. Die Spielzeiten 2000/01 und 2001/02 waren erneut von Wechseln auf den Trainer- und Managerpositionen geprägt. Unter B. J. McDonald stabilisierte sich die Mannschaft zwar gegen Ende der Saison 2000/01, verpasste als Tabellenzehnter jedoch die Play-offs. In der folgenden Spielzeit belegten die Lions den elften Rang.

Den Tiefpunkt dieser Entwicklung bildete die Saison 2002/03. Frankfurt schloss die Hauptrunde auf dem 13. und damit vorletzten Tabellenplatz ab und traf in den Play-downs auf die Schwenninger Wild Wings. Obwohl die Lions die Hauptrunde mit 25 Punkten Vorsprung vor Schwenningen beendet hatten, verloren sie die Serie mit 2:4 Siegen und standen damit erstmals als sportlicher Absteiger aus der DEL fest.

Da über das Vermögen der Schwenninger Wild Wings während der Saison ein Insolvenzverfahren eröffnet worden war und dem Club keine DEL-Lizenz für die folgende Spielzeit erteilt wurde, verblieben die Frankfurt Lions dennoch in der höchsten deutschen Spielklasse. Der nur auf wirtschaftlichem Wege erreichte Klassenerhalt bildete den unmittelbaren Ausgangspunkt für einen weiteren sportlichen Umbruch, der in der folgenden Saison zum Gewinn der deutschen Meisterschaft führte.

Meisterschaft und sportliche Hochphase

Aus dem beinahe vollzogenen Abstieg entwickelte sich innerhalb nur eines Jahres der größte Erfolg der Clubgeschichte. Nachdem die Frankfurt Lions 2003 lediglich infolge des Lizenzentzugs gegen die Schwenninger Wild Wings in der DEL verblieben waren, wurde die Mannschaft unter Trainer Rich Chernomaz umfassend neu zusammengestellt. Der zuvor sportlich abgestiegene Club ging dennoch nicht als Meisterschaftsfavorit in die Saison 2003/04.

Nach einer wechselhaften Hauptrunde belegten die Lions den fünften Tabellenplatz. In den Play-offs entwickelte sich die Mannschaft jedoch zum stärksten Team der Liga. Im Viertelfinale setzte sich Frankfurt mit 4:2 Siegen gegen die Kölner Haie durch. Im Halbfinale bezwangen die Lions die Hamburg Freezers nach einem zwischenzeitlichen Rückstand mit 3:2 Siegen und erreichten erstmals das Finale um die deutsche Meisterschaft.

Dort traf Frankfurt auf die favorisierten Eisbären Berlin. Nachdem die Lions bereits die ersten beiden Begegnungen gewonnen hatten, entschieden sie die Best-of-Five-Serie mit 3:1 Siegen für sich. Im vierten Finalspiel gewannen sie am 16. April 2004 vor heimischem Publikum mit 4:3. Damit wurden die Frankfurt Lions erstmals deutscher Eishockeymeister. Der Titelgewinn nur ein Jahr nach dem sportlichen Abstieg gilt als einer der außergewöhnlichsten Wendepunkte der DEL-Geschichte und bildete den Höhepunkt des Frankfurter Eishockeys.

Eine zentrale Rolle spielte der kanadische Stürmer Pat Lebeau. Er erzielte in der Hauptrunde 23 Tore und bereitete 46 weitere Treffer vor. Mit insgesamt 69 Punkten wurde er bester Scorer der DEL und zugleich als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet. Gemeinsam mit Spielern wie Jesse Bélanger, Dwayne Norris, Michael Bresagk und Torhüter Ian Gordon prägte Lebeau eine Mannschaft, die sich insbesondere durch ihre Geschlossenheit und ihre Leistungen in den Play-offs auszeichnete.

In der Saison 2004/05 bestätigten die Lions, dass die Meisterschaft keine einmalige Überraschung geblieben war. Als Titelverteidiger schlossen sie die Hauptrunde erstmals auf dem ersten Tabellenplatz ab. Im Viertelfinale setzten sie sich erneut gegen die Hamburg Freezers durch, ehe sie im Halbfinale nach fünf Spielen den Adler Mannheim unterlagen. Damit verpasste Frankfurt zwar die Titelverteidigung, gehörte aber zum zweiten Mal in Folge zu den vier besten Mannschaften der DEL.

Die Saison stand im Zeichen des Lockouts in der National Hockey League, durch den zahlreiche NHL-Spieler vorübergehend nach Europa wechselten. Für die Lions liefen unter anderem der kanadische Verteidiger Stéphane Robidas und der US-amerikanische Weltklassestürmer Doug Weight auf. Die Verbindung des bestehenden Meisterkaders mit international renommierten Spielern machte die Spielzeit zu einer der personell herausragenden Phasen der Clubgeschichte.

In der Saison 2005/06 konnten die Lions nicht an die beiden vorangegangenen Jahre anknüpfen. Die Mannschaft belegte den neunten Tabellenplatz und verpasste die Play-offs. Bereits in der folgenden Saison gelang jedoch die Rückkehr in die Endrunde. Als Tabellenachter traf Frankfurt in den Pre-Play-offs auf den amtierenden deutschen Meister Eisbären Berlin und gewann die Serie mit 2:1 Siegen. Das entscheidende Spiel endete mit einem deutlichen 6:0-Erfolg der Lions. Im Viertelfinale unterlagen sie anschließend dem späteren Meister Adler Mannheim.

Einen letzten großen Höhepunkt dieser Ära erlebten die Lions in der Saison 2007/08. Nach dem vierten Platz in der Hauptrunde trafen sie im Viertelfinale auf die Iserlohn Roosters. Die über die volle Distanz von sieben Spielen geführte Serie entwickelte sich zu einer der dramatischsten Play-off-Auseinandersetzungen der DEL-Geschichte.