alternativtext=|mini|Die Universität Heidelberg ist Deutschlands älteste Hochschule und zählt zu den renommierten in Europa

Universitäten (vom lateinischen universitas magistrorum et scolarium,vgl. Olga Weijers, Terminologie des Universités au XIIIe Siècle (Lessico Intellettuale Europeo XXXIX), Roma 1987, S. 15–45. „Gemeinschaft der Lehrer und Schüler“, später im Sinne Humboldts für universitas litterarum, „Gesamtheit der Wissenschaften“) sind Hochschulen mit Promotionsrecht, die der Pflege und Entwicklung der Wissenschaften durch Forschung, Lehre und Studium dienen,vgl. verschiedene aber ähnliche Formulierungen der Hochschulgesetze der Länder: Beispielsweise Bayerisches Hochschulgesetz v. 23. Mai 2006, Art. 2 Abs. 1; Hochschulgesetz Baden-Württemberg v. 1. Januar 2005, § 2 Abs. 1; Hochschulgesetz Nordrhein-Westfalen v. 30. November 2004, § 3 Abs. 1. aber ihren Studenten auch praxisorientiert Berufsqualifikationenvgl. Hochschulgesetze der Länder (teilweise für alle Hochschulen formuliert): Beispielsweise Bayerisches Hochschulgesetz vom 23. Mai 2006, Art. 2 Abs. 1; Hochschulgesetz Nordrhein-Westfalen v. 30. November 2004, § 3 Abs. 1. vermitteln sollen.

Als älteste Universität der Welt im modernen Sinne wird gemeinhin die Universität Bologna (1088) in Italien genannt; ein Prototyp war die Schule von Salerno. Die University of Oxford (belegt seit 1096) ist die älteste englische Universität. Als erste Hochschule Frankreichs gilt seit 1150 die Universität von Paris. Es folgte 1254 die Universität Salamanca im spanischen Sprachraum. Im Jahr 1348 wurde die Universität Prag in Böhmen im heutigen Tschechien gegründet, die auch als die älteste deutsche Universität gilt. Die Universität Wien begann 1365 als die zweitälteste deutsche Universität und als die älteste im heutigen Österreich; wohingegen die Universität Heidelberg (1386) die älteste im heutigen Deutschland und die Universität Basel (1460) die älteste der Schweiz ist. Die ältesten Universitäten auf dem amerikanischen Kontinent wurden 1551 in den spanischen Kolonien in Lima (Universidad Nacional Mayor de San Marcos) und Mexico gegründet, in den englischen 1636 in Cambridge (Harvard University) in den heutigen USA.

Begriff mini|Denkmal Wilhelm von Humboldts vor der Humboldt-Universität zu Berlin

Die Bezeichnung Universität (von ‚Gesamtheit‘) charakterisiert begrifflich im Wissenschaftsbereich ganz allgemein eine umfassende Bildungseinrichtung.Alfred North Whitehead weist auf eine gesellschaftliche Funktion von Universität hin: „Die Aufgabe einer Universität ist die Erschaffung von Zukunft…“; in: derselbe: Denkweisen. Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Stascha Rohmer, Suhrkamp, Frankfurt 2001, hier S. 199. An den damals neu gegründeten Institutionen von Bologna (gegründet 1088), Paris (gegründet um 1150) oder Oxford (gegründet im 12. Jahrhundert) studierte man im heutigen Sinne ein Studium generale. Es handelte sich um eine noch überschaubare Anzahl wissenschaftlicher Disziplinen (septem artes liberales ‚Sieben Freie Künste‘, ergänzt durch Theologie, Jurisprudenz und Medizin). Die Gesamtheit dieser Wissenschaften fasste man später unter der Bezeichnung universitas litterarum (‚Gesamtheit der Wissenschaften‘).

Vor allem durch Wilhelm von Humboldt, der die Einheit von Lehre und Forschung zum Grundprinzip universitärer Arbeit erhob, wurde dieser Begriff für die moderne Universität prägend. Daneben trat das ursprüngliche Verständnis von universitas, das aus den korporativen Organisationsformen mittelalterlicher Lehr- und Lerngemeinschaften (universitas magistrorum et scholarium ‚Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden‘) im Bereich bedeutender kirchlicher Bildungszentren erwachsen war, etwas in den Hintergrund. Es lebt aber im Begriff der Autonomie der Hochschulen weiter.

Mit der zunehmenden Ausdifferenzierung und Vermehrung der Wissenschaftsgebiete hat sich die an das Studium generale anknüpfende Begriffsfüllung überlebt, da heute keine einzelne Institution mehr die Gesamtheit der Wissenschaften vertreten kann. Insofern gilt der Begriff Universität in seiner ursprünglichen Bedeutung nur noch für die Gesamtheit sämtlicher, größtenteils spezialisierter, Hochschulen. Die auf die akademische Gemeinschaft ausgerichtete Begriffsfüllung hat ebenfalls ihren Sinn erweitert, da diese Bedeutung für alle Hochschulen, also beispielsweise auch für die Fachhochschulen, zutrifft.

Geschichte mini|Die Universität Basel (1460) als eine der Geburtsstätten des europäischen Humanismus

Die Universität entwickelte sich im Hochmittelalter aus den Bildungsinstitutionen des christlich geprägten Westeuropas. Ihre Wurzeln liegen in den Kloster- und Domschulen, die seit dem Frühmittelalter Wissen in Theologie und den freien Künsten vermittelten. Zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert entstanden in Städten wie Bologna, Paris und Oxford die ersten Einrichtungen, die als Universitäten gelten – gekennzeichnet durch Rechtsstatus, der das Recht zur akademischen Selbstverwaltung und das Recht, einen akademischen Grad zu verleihen, einschloss.

Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte passten sich die Universitäten den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen an. Während der Renaissance und der Reformation erweiterten sie ihre Fächerangebote, und im Zeitalter der Aufklärung entwickelte sich die Wissenschaft zunehmend unabhängig von kirchlichen Institutionen. Mit den Reformen des 19. Jahrhunderts, insbesondere dem Humboldt’schen Universitätsmodell, wurde auch die Forschung zu einer zentralen Aufgabe der Universität.

Nach 1945 führte das starke wirtschaftliche und demografische Wachstum in vielen Ländern zu einem Ausbau des Hochschulwesens. In der Bundesrepublik Deutschland entstanden seit den 1960er Jahren zahlreiche neue Universitäten, häufig durch die Erweiterung bestehender Pädagogischer Hochschulen. Gleichzeitig wurde der Zugang zur akademischen Bildung breiter, und Universitäten entwickelten sich zu Massenhochschulen. Seit dem späten 20. Jahrhundert prägen Internationalisierung, Digitalisierung und Reformen wie der Bologna-Prozess die Hochschulentwicklung weltweit.

Charakteristika und Aufgaben mini|Die Schule von Athen, Raphael Santi, 1510/1511, Stanzen des Vatikans, Rom

Prägend für den Begriff der Universität sind seit dem europäischen Mittelalter die Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden (universitas magistrorum et scholarium), das Recht zur Selbstverwaltung mit der Möglichkeit der eigenständigen Erstellung und Ausführung von Studienplänen und Forschungsvorhaben (Akademische Freiheit) sowie das Privileg der Verleihung öffentlich anerkannter akademischer Grade (zum Beispiel Diplom oder Doktorgrad). Wesentlich ist auch, dass die Studenten ihren eigenen Stundenplan zusammenstellen und dieser nicht wie bei einer Schule oder Fachhochschule vorgegeben wird.

Die Universitäten im deutschen Sprachraum bieten Ausbildungsgänge nach der International Standard Classification of Education (ISCED), dem UNESCO-System zur Klassifizierung von Ausbildungssystemen, in den Leveln 5 und 6. Sie gehören zum tertiären Bildungsbereich.

Die ersten Universitäten in Europa entstanden im hohen Mittelalter. Mit dem Aufkommen der Universitäten wurde das Lehr- und Wissensmonopol der Klöster durchbrochen. Dennoch wurde die universitäre Lehre vor allem in Mittel- und Nordeuropa noch bis über den Beginn der Neuzeit hinaus von den geistlichen Orden und dem Klerus beeinflusst.

Seit der Einrichtung der Berliner Universität im Jahre 1810 (nennt sich seit 1949 Humboldt-Universität) setzte sich auch international das Humboldtsche Modell der Einheit von Forschung und Lehre durch, das besagt, dass die Lehrkräfte zusätzlich zu ihrer Lehrtätigkeit auch Forschung betreiben sollen, damit das hohe Niveau der Lehre erhalten bleibt und den Studenten wissenschaftliche Qualifikationen besser vermittelt werden können.

Einige Universitäten haben thematische Schwerpunkte wie Technik und stellen dies auch im Namen dar (Beispiel: RWTH Aachen). Einige Hochschulen wie die statusmäßig gleichgestellten Pädagogischen Hochschulen führen die Bezeichnung „university“ zur besseren Identifizierung im Untertitel, vor allem bei der internationalen Korrespondenz. Die früheren Hochschulen für Agrarwissenschaft und Forstwissenschaft wurden in der Regel mit klassischen Universitäten zusammengelegt, so dass diese Ingenieurstudiengänge heute an Universitäten angeboten werden.

mini|links|Filmuniversität Babelsberg

Kunsthochschulen sind künstlerische und künstlerisch-wissenschaftliche Hochschulen, die den Universitäten gleichgestellt sind. Darunter fallen neben den Kunsthochschulen im engeren Sinn, deren Fachbereiche die bildende Kunst, die visuelle Kommunikation und die Architektur umfassen, auch die Musikhochschulen, Hochschulen für Schauspielkunst und Filmhochschulen. Teilweise werden auch Sporthochschulen wie die Deutsche Sporthochschule Köln als „Sportuniversitäten“ bezeichnet.

Das Konzept der Gesamthochschule, das an mehreren Studienorten in Nordrhein-Westfalen und in Kassel (Hessen) umgesetzt wurde, sah eine Integration der Fachhochschul- und Universitäts-Studiengänge vor. Letzte Immatrikulationen waren zum Wintersemester 2005/2006 in Nordrhein-Westfalen möglich. Im Hochschulgesetz von Hessen ist als Zugangsvoraussetzung für die Bachelor- und Masterstudiengänge an Universitäten eine Immatrikulation mit Abitur oder Fachhochschulreife vorgesehen.

Eine Besonderheit ist das Prinzip der Fernuniversität, die ein Studium mit Hilfe von schriftlich an den Wohnort der Studenten zugestelltem Unterrichtsmaterial anbietet (im Gegensatz zur Präsenzuniversität). Dieses Angebot wird meist von Studenten genutzt, die bereits ein Studium absolviert haben, die Familie oder Kinder haben oder schon im Berufsleben stehen. Auch Strafgefangene können an der Fernuniversität studieren.

mini|Universität Wien, gegründet 1365

Es gibt in Deutschland zwei Universitäten der Bundeswehr (UniBw), eine in München und eine in Hamburg. Der Großteil aller Offizieranwärter der Bundeswehr studiert an einer dieser Universitäten, die nahezu die gesamte Bandbreite der bei der Bundeswehr benötigten Studienrichtungen abdecken können. Das sind vor allem technische, aber auch wirtschafts- und organisationswissenschaftliche Fächer sowie Pädagogik. An der Universität der Bundeswehr in München können auch Fachhochschulabschlüsse erworben werden. Die Offizieranwärter des Sanitätsdiensts, die Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin oder Pharmazie studieren, besuchen reguläre zivile Universitäten (siehe auch Geschichte der ehemaligen Offiziershochschulen der DDR).

Für Deutschland neu ist auch das Konzept der Stiftungsuniversität, das bis 2005 an drei Universitäten in Niedersachsen (Göttingen, Lüneburg, Hildesheim) zumindest teilweise umgesetzt wurde. Grundgedanke ist dabei, der Universität ein Stiftungskapital zur Verfügung zu stellen, aus dessen Erträgen sich die Universität finanziert. Dies soll die Universitäten von staatlichen Zwängen befreien und flexibler in ihren Entscheidungen machen. Traditionell existiert dieses Modell bereits in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die bekanntesten Universitäten verfügen dort über ein sehr großes Stiftungskapital, das vor allem aus eigenen Wirtschaftserträgen und Erbschaften sowie privaten Schenkungen resultiert.

mini|Siegel der Universität Bologna

Zunehmend werden auch in Deutschland Privatuniversitäten gegründet. Kleinere Stiftungs- und Privatuniversitäten, wie sie traditionell im angloamerikanischen Raum existieren, haben gelegentlich mit dem Problem zu kämpfen, finanziell in zu starke Abhängigkeit von einem bestimmten Sponsor zu geraten. Zudem bilden die Studiengebühren eine weitere Finanzierungsquelle in erheblicher Höhe, was zu einer finanziellen Auslese unter den Studieninteressierten führen kann.