mini|Kerstin Andreae im Deutschen Bundestag (2019) Kerstin Andreae (* 21. Oktober 1968 in Schramberg) ist eine ehemalige deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) und derzeit Lobbyistin. Sie war von 2002 bis 2019 Mitglied des Deutschen Bundestages und von Ende Februar 2012 bis Januar 2018 eine der fünf stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der Grünen. Andreae rückte für Fritz Kuhn nach; die anderen vier wurden am 18. Oktober 2011 gewählt: Bärbel Höhn, Josef Winkler, Frithjof Schmidt, Ekin Deligöz Seit dem 1. November 2019 ist sie Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft.
Leben Ausbildung und Beruf Kerstin Andreae war als Jugendliche im Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Schwarzwald aktiv. Nach dem Abitur 1988 am Gymnasium Schramberg studierte Andreae Politische Wissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 1996 wurde sie Diplom-Volkswirtin. Danach nahm sie eine Tätigkeit beim Unternehmen mediKUR – Agentur für Gesundheits- und Kurtechnologie in Hamm auf. 1998 wirkte sie als Pressereferentin und Wahlkampfkoordinatorin für Wilfried Telkämper. (Telkämper war 1987 im Rahmen der Rotation der grünen Parlamentarier ins Europaparlament nachgerückt.) Anschließend arbeitete sie am Sozialwissenschaftlichen Frauenforschungsinstitut der Evangelischen Fachhochschule Freiburg als Projektmanagerin. Von 2001 bis 2002 arbeitete sie beim Projektentwickler „Das Grüne Emissionshaus“.
Parteilaufbahn Nachdem sie schon 1990 in die Partei Die Grünen eingetreten war, gehörte Andreae von der Verbandsgründung 1991 bis 1993 dem Landesvorstand der Grün-Alternativen Jugend Baden-Württemberg an. Von 1992 bis 1999 amtierte sie als Mitglied des Kreisvorstands der Grünen in Freiburg im Breisgau und von 1999 bis 2001 im Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg.
Abgeordnetentätigkeit Ab der Bundestagswahl 2002 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Andreae zog stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Bundestag ein. Auf den Landesparteitagen im Oktober 2008 und im Dezember 2012 wurde sie zur Spitzenkandidatin gewählt. Außerdem trat sie als Direktkandidatin im Wahlkreis Freiburg an.
Bis Februar 2007 war sie Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen für Kommunalpolitik und von 2005 bis 2007 Obfrau der Fraktion im Finanzausschuss. Von März 2007 bis März 2012 wirkte sie als Sprecherin der Fraktion für Wirtschaftspolitik und Obfrau im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie., politik-kommunikation.de, 12. April 2012, abgerufen am 1. März 2013
Nach Fritz Kuhns Rücktritt als stellvertretender Fraktionsvorsitzender wurde die als Realo-Politikerin geltende Andreae am 28. Februar 2012 mit 41 von 58 Stimmen zu dessen Nachfolger gewählt.Grünen-Bundestagsfraktion: Kerstin Andreae folgt Fritz Kuhn als Fraktionsvize, spiegel.de, 29. Februar 2012, abgerufen am 16. November 2012
Nach der Bundestagswahl 2013 kandidierte Andreae für den Fraktionsvorsitz der Grünen im Bundestag. In einer Abstimmung am 8. Oktober 2013 unterlag sie mit 20 von 61 Stimmen der ebenfalls dem Realo-Lager zugerechneten Katrin Göring-Eckardt (41 Stimmen).Christina Hebel, Christoph Sydow: Fraktionsspitze: Göring-Eckardt gewinnt Kampfabstimmung bei Grünen. In: Spiegel Online, 8. Oktober 2013, abgerufen am 4. März 2014
Sie legte am 31. Oktober 2019 ihr Bundestagsmandat nieder, um zum Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft zu wechseln. Für sie rückte Charlotte Schneidewind-Hartnagel nach.
Politische Positionen Kerstin Andreae steht für eine wirtschaftsfreundliche Politik. Sie forderte u. a. 2016 eine steuerliche Forschungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen und eine „einfache und gerechte“ Erbschaftsteuer, bei der hohe Vermögen stärker als bislang besteuert werden. Zudem warb sie für eine neue „Gründungskultur“ in Deutschland und plädierte dazu u. a. für ein zinsfreies Gründungsdarlehen und für regulatorische Erleichterungen für Gründer.
Am 8. Juli 2015 stellte sie zusammen mit den Grünen Anton Hofreiter und Oliver Krischer sowie den beiden Gutachtern Hans Diefenbacher (FEST Heidelberg) und Roland Zieschank (FU Berlin) den Jahreswohlstandsbericht vor. Dies ist eine neue Form der Wirtschaftsberichterstattung, bei dem nicht nur das reine Wachstum, sondern auch soziale und ökologische Potenziale zentrale Parameter sind.
Andreae befürwortete 2013 die Frauenquote abgerufen am 4. März 2014, toter Link und 2012 den ESM.
Lobbytätigkeiten Am 5. August 2019 wurde bekannt, dass das Präsidium des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft Andreae zur Vorsitzenden der Hauptgeschäftsführung nominiert hat.Daniel Wetzel: Eine Grüne wird oberste deutsche Energie-Lobbyistin, WeltN24, 5. August 2019Robin Alexander: Die vernünftigen Grünen fliehen bereits in die Wirtschaft, WeltN24, 9. August 2019. Angebot aus der Wirtschaft: Grünenabgeordnete Andreae soll Energielobbyistin werden, Spiegel online, 5. August 2019. Am 13. August 2019 wurde sie durch den Vorstand berufen, sie trat dieses Amt am 1. November 2019 an. 2025 wurde sie mit dem E&M-Preis "Energiemanager des Jahres" ausgezeichnet.
Privates Andreae hat einen Sohn aus erster Ehe sowie eine Tochter und einen Sohn aus ihrer gegenwärtigen Ehe mit Volker Ratzmann, dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin. Ihre Schwester Susanne Andreae ist Ärztin und Autorin medizinischer Fachbücher. Kerstin Andreae ist evangelisch-lutherischer Konfession.bundestag.de: Abgeordnete. Biografien, abgerufen am 30. November 2019.
Literatur
Weblinks
Kerstin Andreae auf abgeordnetenwatch.de
Einzelnachweise
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