Lichtenau ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie liegt im Bürener Land und gehört zum Kreis Paderborn.
Geographie Geographische Lage Lichtenau liegt im Süden des Naturparks Teutoburger Wald/Eggegebirge. Der größte Teil des Stadtgebiets gehört zur Paderborner Hochfläche, mit dessen nördlich der Stadt gelegenen Teilfläche Soratfeld, der östliche Randsaum zum Eggegebirge. Durchflossen wird es vom Altenau-Zufluss Sauer.
Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt mit etwa bei Henglarn, der höchste ist der Schneefelder Berg mit 1 km nordwestlich der Stadtwüstung Blankenrode. Die mittlere Höhe des gesamten Stadtgebiets beträgt etwa .
Geologie mini|Geothermische Ergiebigkeit des Stadtgebiets
Der Untergrund des Stadtgebiets besteht vorrangig aus Kalk- und Mergelstein der Oberkreide. Sie überdecken Sandstein aus der Unterkreide. Im Westen wird aus den kalkigen Gesteinen der Paderborner Hochfläche aufgebaut, die schwach nach Westen geneigt ist. Da die Gesteine unterschiedlich hart sind, hat sich infolge von Verwitterung eine Schichtstufenlandschaft mit den für diesen Landschaftstyp typischen Trockentälern und Erdfällen gebildet. Niederschläge versickern im klüftigen Kalkstein sehr schnell und lösen im tieferen Untergrund teilweise das Gestein. Die so entstehenden Hohlräume brechen nach, wodurch Erdfälle entstehen. Bei Kleinenberg treten Schichten des Buntsandsteins im beginnenden Erdmittelalter an die Oberfläche. Im Eggegebirge wurden die Gesteine durch gebirgsbildende Vorgänge verstellt und in Pultschollen zerlegt. Vereinzelt finden sich über den Festgesteinen Findlinge oder Löss als Ablagerung des Eiszeitalters.
Die sanft gewellte Hochfläche im Bereich von Lichtenau wird „Soratfeld“, also dürres Feld, genannt und ist – wie es der Name schon vermuten lässt – arm an Oberflächengewässern. Die Bäche, die in den klüftigen Sandsteinen des Eggegebirges entspringen, namentlich der Ellerbach, das Schmittwasser, der Odenheimer Bach und die Sauer, fallen nicht selten und nicht nur im Sommer schon nach kurzem Lauf wieder trocken. Das Wasser versinkt in den verkarsteten Kalksteinen der Oberkreide, setzt seinen Weg unterirdisch fort und tritt in den Karstquellen von Borchen und Paderborn nach zwei bis drei Tagen wieder zutage. Die meisten Gemeinden der Stadt beziehen ihr Trinkwasser über die Wasserwerke Kleinenberg und Herbram-Buchlieth aus den Sandsteinen der Unterkreide. Für Husen, Atteln und Henglarn erfolgt die Trinkwasserversorgung aus den Kalksteinen der Oberkreide durch das Wasserwerk Blindeborn. In Blankenrode wird das Trinkwasser aus einer 123 m tiefen Bohrung aus Gesteinen des Mittleren Buntsandsteins gefördert.
Die reichen Vorkommen an Steinen und Erden, vor allem die verschiedenen Sandstein- sowie Kalk-, Mergelkalk- und Kalkmergelsteinvorkommen, wurden früher für den Bau von Häusern und Scheunen, für den Straßen- und Wegebau sowie als Schüttmaterial verwendet; eine Nutzung findet derzeit jedoch nicht statt. Bis 1927 wurde südlich von Blankenrode im Tagebau Bleikuhlen Galmei abgebaut. Es sind noch geschätzte 15.000 t Zinkvorräte vorhanden, die aber keine wirtschaftliche Bedeutung mehr haben.
Auf der Schichtstufenlandschaft im Westen des Stadtgebietes haben sich großflächig mittelgründige Braunerden mit häufigen Löss-Beimischungen in den Oberböden entwickelt. Sie werden trotz ihrer mäßigen Dürregefährdung weitgehend ackerbaulich genutzt. Auf Steilhängen oder Kuppen, an denen das Kalkgestein fast bis an die Oberfläche reicht, haben sich flachgründige, steinige Rendzinen gebildet, vereinzelt auch tiefgründige, schluffreiche Braunerden und Parabraunerden. Kolluvien aus erodiertem humosem Boden haben sich in den Trockentälern gesammelt, während in den nichttrockenen Tälern der Altenau und ihrer Zuflüsse Gleye gebildet haben, die als Grünland genutzt werden. Im Nordosten des Stadtgebietes herrschen tiefgründige, basenarme Braunerden aus schluffigem Lehm und Podsol-Braunerden vor, die forstwirtschaftlich genutzt werden (Staatsforst Neuenheerse). Der Südosten weist einen kleinräumigen Wechsel verschiedener Festgesteine und Deckschichten mit unterschiedlichsten Böden auf. Im Gebiet finden sich auch die unter Naturschutz stehenden Moore Eselsbett und Schwarzes Bruch mit bis zu zwei Meter mächtigen Torfschichten (Hochmoor), vor allem aber weniger mächtigen Niedermoorböden.
Lichtenau eignet sich weitgehend gut und in Höhenlagen sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen. Vereinzelte Standorte eignen sich nicht (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Die als „große Landgemeinde“ klassifizierte Gemeinde bedeckt eine Fläche von 192,17 km². Den größten Flächenanteil nehmen Wald- und Landwirtschaftsfläche mit zusammen ca. 91,8 % ein. Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung ist ca. 19,1 km, in Ostwestrichtung ca. 19,6 km.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 95,03 81,47 5,13 7,97 1,31 1,05 0,26 Anteil an Gesamtfläche 49,44 % 42,38 % 2,67 % 4,15 % 0,68 % 0,55 % 0,14 %
Nachbargemeinden Beginnend im Osten im Uhrzeigersinn grenzen an Lichtenau die Städte Bad Driburg, Willebadessen und Warburg (Kreis Höxter), die Stadt Bad Wünnenberg, die Gemeinde Borchen, die Stadt Paderborn und die Gemeinde Altenbeken (Kreis Paderborn).Geographische Kommission für Westfalen (Hg.): Geographisch-Landeskundlicher Atlas von Westfalen, Themenbereich X Administration und Verwaltung, Doppelblatt staatliche und kommunale Verwaltungsgliederung. Münster 1990. Vgl. Gerhard Henkel: Geschichte und Geographie des Kreises Büren. Paderborn 1974, S. 101 f. und Kartenbeilage.
Stadtgliederung Einwohner (Stand: 31. Dezember 2025): Ortsteil Bevölkerung männlich weiblich Fläche(in km²) Bevölkerungs-dichte (in E./km²) Gliederung der Stadt Lichtenau Asseln 449 237 225 10,88 42,46 360px|zentriert| Atteln 1.555 745 713 15,44 94,43 Blankenrode 191 83 71 10,29 14,96 Dalheim 163 84 76 13,17 12,16 Ebbinghausen 260 128 138 4,41 60,32 Grundsteinheim 484 242 234 9,73 48,92 Hakenberg 191 100 107 8,06 25,68 Henglarn 1.066 521 519 11,33 91,79 Herbram 896 470 432 16,28 58,78 Herbram-Wald 210 101 75 0,33 533,33 Holtheim 943 477 442 15,85 57,98 Husen 1.025 548 535 15,13 71,58 Iggenhausen 203 112 106 4,88 44,67 Kleinenberg 1.306 660 676 23,85 56,02 Lichtenau 3.019 1.351 1.301 32,54 81,50 Gesamt: 11.961 5.879 5.800 192,17 60,13 Der Inhalt der vorstehenden Tabelle beruht auf Angaben der Stadt Lichtenau, die von denen des statistischen Landesamtes differieren können.Geographische Kommission für Westfalen (Hg.): Geographisch-Landeskundlicher Atlas von Westfalen, Themenbereich X Administration und Verwaltung, Doppelblatt staatliche und kommunale Verwaltungsgliederung. Münster 1990.
Klima
Lichtenau gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an und liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 7–8 °C, wobei anhängig vom stark gegliederten Relief erhebliche mesoklimatische Unterschiede auftreten können. Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der Lichtenau gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.
Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Auch in Bezug auf Niederschläge machen sich mesoklimatische Unterschiede deutlich bemerkbar. So fallen an der südlich von Lichtenau-Ort in nur rund 9 km gelegenen Messstation Blankenrode im langjährigen Mittel im Juli signifikant weniger Niederschläge als in Lichtenau-Ort.
Geschichte Allgemein mini|links|Gemälde der Stadt Lichtenau von Carl Ferdinand Fabritius
Die Stadt Lichtenau gehörte seit der Gründung zur weltlichen Herrschaft des deutschen Bistums Paderborn, ursprünglich im Herzogtum Sachsen. 1273 wurde die noch heute genutzte Pfarrkirche errichtet. Begonnen wurde sie wohl bereits 1233. Am 5. Februar 1326 wurde die Stadt Lichtenau mit der jetzt eingemeindeten Stadt Kleinenberg und der mittelalterlichen Stadt Blankenrode (heute wüst beim heutigen Stadtteil gleichen Namens – siehe Stadtwüstung Blankenrode) erstmals erwähnt (Lechtenauwe). Diese Städte wurden vom Paderborner Bistum zur Sicherung der Landesherrschaft gegen die Grafschaft Waldeck errichtet. Ab dem 14. Jahrhundert bildete sich das Territorium Hochstift Paderborn im Heiligen Römischen Reich, darin ab dem 16. Jahrhundert zum niederrheinisch-westfälischen Reichskreis. Die Ersterwähnung der Stadt steht im Zusammenhang mit spätmittelalterlichen Unruhen und Fehden. Als die 1 km nördlich gelegene Pfarrei Kerkdorf zerstört wurde, wurde das Patronat des Heiligen Kilian auf die Pfarrkirche Lichtenau übertragen. In das Gebiet des Deutschen Ordens ausgewanderte Lichtenauer Einwohner gründeten 1326 die Ortschaft Lichtenau (heute Lechowo) im Ermland, heute Teil der Stadt- und Landgemeinde Pieniężno (dt. Mehlsack). Die Menschen der Umgebung siedelten sich zunehmend um die neu befestigte bischöfliche Burg Lichtenau an. Die Stadt wurde 1394 in der Bengeler Fehde erfolglos belagert aber in Brand geschossen. Schutz bot der Ort nicht immer. Während der paderbornischen Krise musste Lichtenau in der Stiftsfehde 1411–15 vor den Gegnern des Paderborner Bischofs kapitulieren. 1474 überwältigte der Graf Otto IV. von Waldeck Lichtenau. Eine Reihe von Bürgern wurde getötet oder in Gefangenschaft verschleppt. Es war der Beginn eines längeren paderbornisch-waldeckschen Konfliktes.
Mit der Burg war Lichtenau eines der landesherrlichen Stützpunkte des Fürstbischofs, das Amtshaus. 1492 allerdings verpfändete Simon III. die Burg für ein Jahrhundert an die Herren von Westphalen. Fürstbischof Dietrich Adolf (1650–1661) löste die Verpfändung wieder ein. Die Burg war Sitz des Drosten des Amtes Lichtenau. Der adelige Drost war aber in der Spätzeit des Hochstifts nicht mehr in der Burg ansässig. Vielmehr sorgte ein bürgerlicher Amtsrentmeister für die Landessteuereinnahmen und organisierte das Polizei- und Gerichtswesen.
Im Mai 1545 brannte die Stadt bis auf das Amtshaus nieder. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1633 und 1642 von hessen-kasselschen Soldaten in Brand gesteckt. Regelmäßige Plünderungen wechselten mit Hungersnöten. 1636 wütete die Pest in der Stadt. Friedenszeiten waren ebenfalls Notzeiten: 1692, 1721 und 1745 waren größere Stadtbrände ausgebrochen. 1721 mussten sogar die paderbornischen Landstände für die fast vollständig zerstörte Stadt Aufbauhilfe leisten.
Hart traf Lichtenau der Siebenjährige Krieg. Sowohl alliierte als auch mit dem Stift verbündete französische Truppen zogen plündernd durch die Stadt. Hart traf es Lichtenau und Umgebung auch bei Einquartierungen.
Am 12. Dezember 1792 übernachtete Johann Wolfgang von Goethe im ehemaligen hochfürstlichen paderbornischen Posthaus (in den 1950er Jahren abgebrochen).
1802/03 wurde das Hochstift vom Königreich Preußen besetzt; die Verwaltungseinrichtungen des neuen Fürstentums Paderborn wurden zunächst beibehalten.
Lichtenau besaß schon in fürstbischöflicher Zeit eine jüdische Gemeinde. Für die 75 Juden (1800) wurde 1805 eine Synagoge errichtet.