mini|Mädchen als Aufsicht bei der Pioniereisenbahn Budapest (1973) Pioniereisenbahnen waren schmalspurige Eisenbahnen in den Ländern des Ostblocks, die von Kindern und Jugendlichen betrieben wurden. Ihren Namen erhielten sie von den Pionieren, den Mitgliedern der jeweiligen Jugendorganisationen. Ein großer Teil dieser Bahnen wird mit der unpolitischen Bezeichnung Parkeisenbahn oder Kindereisenbahn unverändert weiterbetrieben.

Allgemein mini|Heutige Kindereisenbahn Budapest (2010) Die Bezeichnung Pioniereisenbahn stammt daher, dass die Bahnen weitestgehend durch Mitglieder der Jugendorganisation der jeweiligen kommunistischen Partei betrieben wurden, die in vielen Staaten die Bezeichnung „Pioniere“ führte. Das geschah nach Betriebsvorschriften, die der Eisenbahn des öffentlichen Verkehrs entsprachen. Umgangssprachlich ist die Bezeichnung Pioniereisenbahn nach wie vor geläufig. Die ehemaligen Pioniereisenbahnen der DDR heißen aufgrund ihrer Lage alle Parkeisenbahn, in den anderen Ländern oft Kindereisenbahn.

Pioniereisenbahnen der DDR mini|Dresdner Parkeisenbahn mini|Martens’sche Einheitsliliputlok der Parkeisenbahn am Leipziger Auensee 1950 wurde im Großen Garten in Dresden zum „Tag des Kindes“ mit einfachen Mitteln eine Kindereisenbahn eröffnet,40 Jahre, S. 6. die nur ein Jahr bestehen sollte. Genutzt wurde Material der Vorkriegszeit, das für Ausstellungsbahnen konzipiert und seinerzeit für einen ähnlichen Zweck verwendet worden war. Die Anlage blieb bestehen und wurde am 1. Mai 1951 zur ersten Pioniereisenbahn in der DDR. Im Laufe der Jahre folgten in weiteren Städten elf Bahnen mit ähnlichem Konzept. Im Gegensatz zu anderen Bahnen dieser Art wie in Ungarn und der Tschechoslowakei, wo teilweise ein musealer Betrieb realisiert wurde, sollten die Strecken in der DDR eher modern sein. Obwohl etwa die Pioniereisenbahn Berlin mit Fahrzeugen der früheren Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn aufgebaut wurde, ignorierte man die Traditionen und setzte bewusst auf einen Betrieb mit modern wirkenden Diesellokomotiven. Einzig die Pioniereisenbahn Cottbus setzte alte Dampflokomotiven der Waldeisenbahn Muskau vor ihren Zügen ein.

Grundlage für Bau und Betrieb der Pioniereisenbahnen war seit 1980 die Bau- und Betriebsordnung für Pioniereisenbahnen (BOP). Sie „regelt die Entwicklung, Vorbereitung und Bauausführung von Neubauten, Erweiterungen und Veränderungen, die Instandsetzung von Bahnanlagen und Fahrzeugen sowie die Durchführung des Betriebsdienstes, Qualifizierung und Dienstausführung der Betriebsangehörigen“. § 45 (5) BOP regelte, wer mitmachen durfte: „Pioniereisenbahner können Kinder und Jugendliche des 4. bis 12. Schuljahres und Lehrlinge bis zum 18. Lebensjahr werden. Sie müssen tauglich, ausgebildet, geprüft und für ihre Tätigkeit eingewiesen sein. Pioniereisenbahner dürfen nur unter der Kontrolle eines Betriebseisenbahners tätig sein.“

In der DDR gehörten die Bahnen den Städten – mit Ausnahme der zeitweise zur Deutschen Reichsbahn (DR) gehörenden Berliner Parkeisenbahn. Betrieben wurden sie von den Mitgliedern der Pionierorganisation. Diese wurden dabei von der DR unterstützt. Die Strecken sind mit Ausnahme eines Abschnittes in Dresden alle eingleisig, verlaufen oft im Kreis oder haben bei der Eisenbahn sonst untypische Wendeschleifen.

Vor dem Beginn der Tätigkeit waren die Erlaubnis der Eltern und ein Schulzeugnis erforderlich. Nach einer theoretischen Grundausbildung durften die Kinder und Jugendlichen als Zugschaffner, Aufsicht, Schrankenwärter, Sperre am Ein- und Ausgang, am Fahrkartenschalter, Fahrdienstleiter und Zugführer arbeiten. Ab der 9. Klasse konnten interessierte Schüler die Qualifikation zum Brigadeleiter oder in Technischen AGs zum Loktechniker erwerben. Die Uniformen entsprachen mit Abweichungen denen der Deutschen Reichsbahn. Die jüngeren Pioniereisenbahner durften kurze Hosen tragen. Ein „P“ auf den Schulterklappen stellte den Unterschied zum Eisenbahner der DR her. Für jeweils zwei Dienstjahre gab es einen Streifen für die Schulterklappen.

Pioniereisenbahnen dienten der Heranführung der Kinder und Jugendlichen an den Eisenbahnbetrieb und sollten für eine spätere Berufswahl zugunsten der Bahn vorbereiten. Schüler aus den älteren Jahrgängen wurden teilweise vom Berufsberatungskabinett (BBK) der DR zur Parkeisenbahn vermittelt. Nicht wenige Pioniereisenbahner wählten einen Beruf bei der Eisenbahn oder anderen Verkehrsbetrieben. In den Wintermonaten stand die Aus- und Weiterbildung im Vordergrund.

Bis auf die Bahnen in Magdeburg und Prerow sind alle ehemaligen Pioniereisenbahnen der DDR erhalten, einige mit unregelmäßigem Betrieb. Bei manchen der Bahnen gibt es nur wenige oder auch keine Kinder und Jugendliche als Eisenbahner. Das längste Streckennetz hat die Berliner Parkeisenbahn mit 7,5 km.

Ort Spur-weitemm Länge km Antrieb von bis Betriebdurch Artikel Bemerkungen Berlin, Wuhlheide 600 7,5 DampfDiesel 10.06.1956 BPE Berliner Parkeisenbahn gGmbH Parkeisenbahn Wuhlheide Bernburg, Krumbholzallee 600 1,9 Diesel 01.06.1969 Bernburger Freizeit GmbH Parkeisenbahn Bernburg Chemnitz, Küchwald 600 2,3 DampfDiesel, Akku 13.06.1954 Parkeisenbahn Chemnitz gGmbH Parkeisenbahn Chemnitz Cottbus Eliaspark – Fürst-Pückler-Park Branitz 600 3,2 DampfDiesel 01.06.1954 Cottbusverkehr Parkeisenbahn Cottbus Crispendorf, Ferienland 600 1,485 Akku 1954 Ferienlandeisenbahn Crispendorf Webseite, mit Fotos Dresden, Großer Garten 381 5,6 DampfAkku 01.06.1950 Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gemeinnützige GmbH Dresdner Parkeisenbahn erste Pioniereisenbahn der DDR Gera, Tierpark 600 0,8 (etwa) DieselAkku, Dampf (nur 1 Jahr) 06.09.1975 Parkeisenbahn Gera hat mit 2,9 Prozent den steilsten Streckenabschnitt aller Pioniereisenbahnen Görlitz, An der Landskronbrauerei 600 0,67 Diesel 01.06.1976 Parkeisenbahn Görlitz Halle, Peißnitzinsel 600 2,0 DieselAkku 12.06.1960 HAVAG Parkeisenbahn Halle Lauchhammer-Süd, Puschkinpark 500 0,4 AkkuDiesel 01.05.1952 1959 Braunkohlenwerk „Freundschaft“ Parkeisenbahn Lauchhammer Lauchhammer-West, Schlosspark 500 1,0 Diesel 03.07.1955 Stadtverwaltung Lauchhammer Parkeisenbahn Lauchhammer Leipzig-Wahren, Auensee 381 1,87 DampfAkku 05.08.1951 Parkeisenbahn Leipzig Magdeburg, Rotehornpark 600 Dampf (nur 1 Jahr)Diesel14.08.1955 Ende 1967 Pioniereisenbahn Magdeburg Plauen, Syratal 600 1,1 elektrisch Oberleitung 220 Volt, 15 A, Diesel seit 2007 07.10.1959 Parkeisenbahn Plauen einzige mit Oberleitung betriebene Parkeisenbahn Deutschlands Prerow 600 2,0 Diesel Anfang Juli 1954 31.08.1954 Pioniereisenbahn Prerow Vatterode, Vatteröder Teich 500 1,3 Akku 03.07.1967 August 2008 (2016 wiedereröffnet)parkeisenbahn-vatterode.de Kreisbahn Mansfelder Land (1990 - 2008), Privatperson (seit 2016) Parkeisenbahn Vatterode

Pioniereisenbahnen in anderen Ländern mini|Fahnenappell bei der Pionierbahn Budapest, 1988 Die erste Pioniereisenbahn wurde 1932 in Moskau eröffnet, allerdings im Jahr darauf wieder eingestellt. Die erste dauerhaft in Betrieb genommene Pioniereisenbahn wurde am 24. Juni 1935 in Tbilissi in Georgien eröffnet.40 Jahre, S. 5. Zum Ende der Sowjetunion gab es im ganzen Land insgesamt 52 solcher Bahnen, die oft noch in Betrieb sind. In der Regel hatten sie eine Spurweite von 750 mm und wurden von der Sowjetischen Staatsbahn betrieben.

Nach sowjetischem Vorbild wurden in Ungarn im Jahr 1945 Pioniereisenbahnen zur Nachwuchsausbildung der MÁV eröffnet. In den Budaer Bergen entstand eine 11,2 km lange Strecke, die 1948 eröffnet wurde. 1990 wurden diese und weitere Bahnen, wie in Debrecen, Pécs oder Tiszakécske, in Gyermekvasút (Kindereisenbahn) umbenannt.

Auf ähnliche Weise entstanden auch in den anderen Ostblockstaaten Pioniereisenbahnen.