mini|Gore Vidal (2009) Gore Vidal [] (* 3. Oktober 1925 als Eugene Luther Vidal jr. in West Point, New York; † 31. Juli 2012 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Schauspieler und Politiker. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Edgar Box, Cameron Kay und Katherine Everard., Pseudonym von Gore Vidal bei krimi-couch.de. 1960 und 1980 versuchte er, Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden.
Leben mini|Gore Vidal, fotografiert von Carl Van Vechten (1948) Gore Vidal stammte aus einer Politikerfamilie mit Verbindungen zur Familie Kennedy. Sein Großvater Thomas Pryor Gore war demokratischer US-Senator für Oklahoma. Gore Vidals Eltern waren der Sportler und Luftfahrtpionier Eugene Vidal sowie Nina Gore Vidal, geb. Gore.Jay Parini: Every Time A Friend Succeeds Something Inside Me Dies – The Life of Gore Vidal. Verlag Little, Brown, London, 2015, ISBN 978-1-4055-2536-7. Die Familie lebte im Haus des Senators in Washington, D.C.
Nach der Scheidung der Eltern heiratete die Mutter 1935 Hugh D. Auchincloss (1897–1976), einen der Miterben der Standard Oil Company. Gore Vidal wuchs fortan in Merrywood in McLean, Virginia nahe Washington auf, dem Herrensitz Auchincloss’ über dem Potomac River. Aus dieser Ehe sowie einer zweiten Ehe des Vaters stammten je zwei Halbgeschwister.
Die Beziehung Vidals zu seiner kapriziösen und alkoholabhängigen Mutter war von früh an schwierig. Nach erneuter Scheidung der Mutter, die ein langjähriges Verhältnis mit Clark Gable hatte,Gore Vidal; Point to Point Navigation, 2006, S. 135 heiratete der Stiefvater 1942 Janet Lee Bouvier, die Mutter von Jacqueline Kennedy Onassis, welche dadurch zur Stiefschwester von Gore Vidal wurde. Außerdem war er entfernt verwandt mit dem US-amerikanischen Vizepräsidenten von 1993 bis 2001, Al Gore.
Vidal bezeichnete sich selbst gerne als das „schwarze Schaf“ der Dynastie, womit nicht nur seine radikale Kritik an den politischen Verhältnissen in den USA gemeint war, sondern auch seine unverblümt gelebte und in Büchern geschilderte Homosexualität.
Als Vidal seinen Großvater im Alter von sieben Jahren zum Senat begleitete, wurde er Zeuge, wie die Bonus Army das Kapitol belagerte und ihr Auto von einem Steinwurf getroffen wurde. In seiner Autobiographie Point to Point Navigation führt er dies als ein für seine politischen Überzeugung prägendes Ereignis an.
Nach seiner Schulzeit in Washington, D.C. und New Mexico studierte Vidal von 1940 bis 1943 an der Phillips Exeter Academy. Er war Unterstützer des America First Committee, einer isolationistischen Bewegung, die 1940/41 die Teilnahme der USA am Zweiten Weltkrieg zu verhindern suchte. Anschließend trat er in die US Army ein, wo er vor allem Verwaltungstätigkeiten ausübte. Ab 1945 diente er als Erster Maat auf einem Transportschiff. Auf diesen Erfahrungen beruht sein Debütroman Williwaw (1946), der so erfolgreich war, dass Vidal 1947/48 nach Guatemala und Europa reisen konnte.US-Schriftsteller Gore Vidal ist tot. In: Der Tagesspiegel, 1. August 2012, abgerufen am 24. November 2013. 1950 zog Gore Vidal nach New York City, verfasste Drehbücher, darunter als Co-Autor für den Film Ben Hur, und schrieb Broadway-Stücke. Visit to a Small Planet wurde fast 400 Mal aufgeführt.
1960 bewarb sich Vidal mit dem Slogan „You’ll get more with Gore“ („Gore bietet Ihnen mehr“) als Kandidat der Demokraten erfolglos um einen Sitz im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten für den Bundesstaat New York; er unterlag dem Republikaner J. Ernest Wharton. Seine enge Beziehung zu seiner Stiefschwester „Jackie“ und deren Ehemann, Präsident John F. Kennedy, endete noch vor dessen Ermordung 1963, laut Vidals Memoiren aufgrund von Intrigen durch dessen Bruder Robert F. Kennedy, der wegen Vidals Lebenswandel Sorgen um das Image des First Couple gehabt haben soll.
Aufsehen erregte seine im Fernsehen übertragene Debatte mit William F. Buckley, Jr. anlässlich der Democratic National Convention von 1968. Als Vidal während dieser Auseinandersetzung Buckley als Krypto-Nazi bezeichnete, beschimpfte ihn dieser daraufhin als Queer.Roger Chapman, James Ciment: Culture Wars in America: An Encyclopedia of Issues, Viewpoints and Voices (2. Auflage). Routledge, New York City 2015, ISBN 978-0-7656-8302-1, S. 685 Die Dokumentation Best of Enemies von 2015 thematisierte dieses Ereignis.
1970 war Vidal Mitbegründer und einer der Vorsitzenden der linksliberalen People’s Party, die eine Alternative zu den beiden etablierten Parteien schaffen sollte. Bei der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1972 blieb ihr Kandidat Benjamin Spock jedoch chancenlos gegen Richard Nixon und George McGovern, woraufhin sich die People’s Party schnell auflöste.Dennis Altman: Gore Vidal's America. Polity Press, Cambridge 2005, ISBN 0-7456-3362-5, S. 75, 76 1982 trat er – abermals für die Demokraten – in Kalifornien zu Vorwahlen für den US-Senat an und kam auf Platz zwei hinter Jerry Brown. Vidal trat 2003/04 bei Kundgebungen gegen den Irakkrieg auf.Uwe Sörensen: bei famous-people.de.
Er war Kritiker des „nationalen Sicherheitsstaates“ USA, der NATO, des Kalten Kriegs, die er mangels Zustimmung oder gar Anweisung des amerikanischen Volkes für unzureichend legitimiert hielt. Die Folge seien 40 Jahre sinnloser Kriege gewesen, die eine Staatsverschuldung von 5 Billiarden Dollar schufen und Luftfahrtfirmen oder General Electric riesige Gewinne verschafften.Gore Vidal - eine Polemik: Amerika im "Mond der Pause" - Wozu diente der Kalte Krieg? Wer braucht die Nato? Warum lassen die Europäer sich herumkommandieren?, Die Woche, 17. Juli 1998, S. 24.
mini|Gore Vidal (2008) Nachdem Vidal mit Timothy McVeigh, dem Attentäter von Oklahoma, mehrere Jahre brieflich verkehrt hatte, gehörte er zu den fünf Augenzeugen, welche McVeighs Hinrichtung am 11. Juni 2001 beiwohnten. McVeigh verstand den Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City von 1995 als „Rache für Waco“, wo bei einer Aktion der US-Bundespolizei FBI 1993 rund 80 Sekten-Mitglieder ums Leben gekommen waren. Gore Vidal kritisierte ebenfalls die Waco-Vorgänge und schrieb für das Magazin Vanity Fair über die Hinrichtung McVeighs.The Meaning of Timothy McVeigh, Vidals Artikel auf der Homepage des Magazins Vanity Fair von September 2001.
1996 gehörte Vidal zu den Unterzeichnern eines offenen Briefs an den damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl, demzufolge Mitglieder der Sekte Scientology diskriminiert würden wie die Juden im Dritten Reich., Veröffentlichung des offenen Briefes an Helmut Kohl auf der Homepage von Scientology vom Dezember 1996. Allerdings gehörte er auch zu den namhaften Kritikern von Scientology. Über Sektengründer L. Ron Hubbard sagte Vidal:
Vidal galt als einer der intelligentesten amerikanischen Schriftsteller. Er pflegte eine langjährige Rivalität mit Truman Capote. Berüchtigt waren seine humorvollen Gedanken und seine sarkastische Scharfzüngigkeit. Bekannt wurde unter anderem sein Ausspruch zu der 1989 gestellten Frage, was passiert wäre, wenn 1963 Nikita Sergejewitsch Chruschtschow und nicht John F. Kennedy ermordet worden wäre – Vidal antwortete lakonisch, dass die Witwe des ersteren sicher nicht eine Mrs. Onassis geworden wäre.Oxford Dictionary of Humorous Quotations, Ned Sherrin, Oxford University Press, 25. September 2008, S. 156.
Schon frühzeitig erwarb Vidal ein Haus in den Hügeln direkt oberhalb von Hollywood. Seit den 1970er Jahren lebte er mit seinem Lebensgefährten Howard Austen hauptsächlich in Rom und Ravello (Italien). Nach dessen Tod zog er 2004 zurück in die USA. Gore Vidal lebte danach in Los Angeles, wo er am 31. Juli 2012 in seinem Haus in den Hollywood Hills an den Folgen einer Lungenentzündung starb.
Gore Vidal als Autodidakt war stets skeptisch gegenüber den intellektuellen Ansprüchen im akademischen Umfeld („Teaching has killed more good writers than alcohol.“)Jay Parini: Gore Vidal vs. Academe. In: The Chronicle Review, 21. September 2015. und nahm nur vereinzelt Einladungen zu Reden an Universitäten an. Dennoch hinterließ er sein gesamtes Vermögen von rund 37 Mio. Dollar testamentarisch der Harvard-Universität.
Werke Seit den 1960er-Jahren zählte Gore Vidal zu den vielseitigsten Autoren der USA, deren Geschichte er umfassend in gut 20 historischen und satirischen Romanen, 12 Bänden mit Essays, Drehbüchern und Reden aufzuarbeiten trachtete. Seine Polemik gegen die McCarthy-Ära und die moralisierende Scheinheiligkeit vieler Zeitgenossen führten zu Skandalen, wie um den Homosexuellen-Roman The City and the Pillar (1948, dt. Geschlossener Kreis). Erst 1964 schrieb sich Gore Vidal mit Julian, einer Romanbiografie des letzten heidnischen römischen Kaisers Julian, in die Bestsellerlisten. In Myra Breckinridge griff er 1968 die Problematik der Geschlechtsumwandlung auf. Manche sahen Gore Vidal seiner Zeit weit voraus. So thematisierte Kalki die Gentechnologie und den Terroreinsatz von Biowaffen, der Essay Ewiger Krieg für ewigen Frieden warnte vor permanentem Krieg durch die USA.
Viele Romane behandeln historische Persönlichkeiten der USA und der Weltgeschichte: Aaron Burr in Burr (1973), Präsident Ulysses S. Grant in 1876 (1976), Abraham Lincoln in Lincoln (1984), Theodore Roosevelt und John Hay in Empire (1987), Woodrow Wilson und Warren G. Harding in Hollywood (1990) und Jesus in Live from Golgotha (1992).
Filmarbeit Gore Vidal war mehrfach in Nebenrollen zu sehen, unter anderem in den Spielfilmen Fellinis Roma von Federico Fellini, The Player von Robert Altman, Bob Roberts von Tim Robbins und Gattaca von Andrew Niccol.
In der Folge Das literarische Duett (OT: Moe’N’a Lisa; 6. Folge der 18. Staffel) der Trickserie Die Simpsons ist er als Gast auf dem Literaturfest Wortreich-Festival in Vermont zugegen, bis er zum Gehen aufgefordert wird, nachdem er damit prahlt, seine Buchtitel von Lebensmittelverpackungen und Kassenzetteln abzuschreiben. Auch in der Folge Stiefsohn Peter (OT: Mother Tucker; 2. Folge der 5. Staffel) von Family Guy hatte er einen Kurzauftritt.
Auszeichnungen 1955: Edgar-Allan-Poe-Preis 1982: American Book Critics Circle Award für The Second American Revolution 1993: National Book Award für United States: Essays 1952–1992 1999: Wahl zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters
Bibliografie (Auswahl) Narratives of Empire 1 Burr, Random House 1973, ISBN 0-394-48024-4 (spielt 1836) Burr, Bertelsmann 1975, Übersetzer Günter Panske, ISBN 3-570-02308-7 2 Lincoln, Franklin Library 1984 (spielt 1861–1865) Lincoln, Hoffmann und Campe 1985, Übersetzer Christian Spiel und Rudolf Hermstein, ISBN 3-455-07956-3 3 1876, Random House 1976, ISBN 0-394-49750-3 (spielt 1875–1877) 1876, Bertelsmann 1978, Übersetzer Dieter Dörr und Eric Burger, ISBN 3-570-05734-8 4 Empire, Random House 1976, ISBN 0-375-70874-X (spielt 1898–1907) Empire, Hoffmann und Campe 1989, Übersetzer Günter Panske, ISBN 3-455-07961-X 5 Hollywood, Random House 1990, ISBN 0-375-70875-8 (spielt 1917–1923) Hollywood, Hoffmann und Campe 1991, Übersetzer Günter Panske, ISBN 3-455-07830-3 6 Washington D.C., Little Brown 1967, ISBN 0-375-70877-4 (spielt 1937–1954) Washington D.C., Büchergilde Gutenberg 1969, Übersetzer Philip Weiler, 7 The Golden Age, Doubleday 2000, ISBN 0-385-50075-0 (spielt 1939–1954) Das goldene Zeitalter, Knaus 2001, Übersetzerin Silvia Morawetz, ISBN 3-8135-0181-7
Belletristik Williwaw, E. P. Dutton 1946, In a Yellow Wood, Cleis 1947, The City and the Pillar, E. P. Dutton 1948, überarbeitet 1965 Geschlossener Kreis, Droemer Knaur 1986, Übersetzer Peter Kobbe, ISBN 3-426-01399-1 The Season of Comfort, 1949, Dark green, bright red, Lehmann 1950, Death in the fifth position, 1952 Tod in der fünften Position, Rowohlt 1962, Übersetzerin Gesa Gross, Death before Bedtime, 1953 Tod vorm Schlafengehen, Rowohlt 1963, Übersetzer Kurt Wagenseil, Messiah, E. P. Dutton 1954,