mini|hochkant=1.4|Schloss Beuggen mini|hochkant=1.4|Eingang am Torhaus der ehemaligen Deutschordens-Kommende Beuggen mini|hochkant=1.4|Luftbildaufnahme der Anlage Beuggen von Norden Schloss Beuggen, auch Buchem (1215), Buchein (1253), Bivcheim (1253), Büken (1266), Beukheim oder Beuken genannt,Bader: Badenia oder das badische Land und Volk, Bd. I, 1859, S. 131 ist ein 20 Kilometer östlich von Basel am baden-württembergischen Ufer des Rheins auf dem Gebiet der Stadt Rheinfelden (Baden) im Landkreis Lörrach gelegenes ehemaliges Wasserschloss. Die Anlage diente 560 Jahre lang als Sitz des Deutschen Ordens in der Ballei Schwaben-Elsass-Burgund; sie ist die älteste noch erhaltene Kommende dieses Ritterordens. Nach der Auflösung der Deutschordenskommende im Jahre 1806 wurde das Schloss während der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte zwei Jahre als Lazarett genutzt. Einer Theorie zufolge soll Kaspar Hauser, dessen Identität bis heute nicht geklärt ist, zwischen 1815 und 1816 anderthalb Jahre im Schloss gelebt haben. Ab 1820 bis 1980 war es ein Kinderheim. Bis Ende 2016 diente Schloss Beuggen als Tagungs- und Begegnungsstätte der Evangelischen Landeskirche in Baden sowie als Ort verschiedener Veranstaltungen.
Geschichte Der Deutsche Orden 1246–1806 mini|Wappen am Alten Schloss; von links nach rechts: Deutscher Orden, Landkomtur Ludwig von Landsee, Komtur Burkhard von Schellenberg. Zunächst datiert auf 1428, später auf 1438 korrigiert. mini|links|Kommenden der Deutschordens-Ballei Elsaß-Burgund im 13. Jahrhundert mini|Wappen am Hagenbacher Hof; von links nach rechts: Deutscher Orden, Landkomtur Johann Kaspar von Stadion
Das Schloss wurde 1268 vom Deutschen Ritterorden fertiggestellt und geht auf eine Schenkung vom Reichsministerialen Ulrich von Liebenberg vom Mai 1246 zurück.Schloss Beuggen. Geschichte – Gebäude – Gegenwart, Seite 7. Dieser erwarb das Herrschaftsrecht von einem Ritter Mangold von Beuggen, der die Burg BuckeinDie Schreibweise ist uneinheitlich: auch Bukein, Buchhein oder Bukhein. aufgrund hoher Schulden verkaufte. Die SchenkungsurkundeHauptstaatsarchiv Stuttgart B 343 U 521. nennt neben dem Hof Buckein eine „Kirche und seine Burg daselbst“. Mit der Kirche ist die alte Pfarrkirche St. Michael der Gemeinde Karsau gemeint. Der Standort der Burg ist unklar; vermutet wird, dass sie auf der Anhöhe nördlich von Beuggen stand,Baier: Schloss Beuggen, Seite 5. auf Höhe der dortigen Rheinbiegung. An die Burgstelle erinnert die auf diese Anhöhe führende Burstelstraße. Der Schenkung wohnten weltliche und geistliche Vertreter bei, wie der damalige Bischof von Basel, Lüthold II. von Rötteln. In der Nachfolge der Kommende Rouffach kam Beuggen vom Ende des 13. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts die führende Rolle in der Ballei Schwaben-Elsass-Burgund zu. Der Schenkung Ulrichs von Liebenberg folgte kurze Zeit darauf im Jahre 1247 Ita von Klingen, geborene von Tegerfelden, die ebenfalls ihre Besitzungen in Beuggen der Deutschordenskommende vermachte.J. A. Pupikofer: Geschichte der Freiherren zu Alten-Klingen, Klingnau und Hohenklingen in Thurgauische Beiträge zur Vaterländischen Geschichte, Bd. 10 Ita von Tegerfelden und Ulrich von Liebenberg scheinen miteinander verwandt gewesen zu sein. Dies lässt sich aus einer Urkunde vom 1. August 1248 schließen, worin Ulrich von Liebenberg auf alle seine Rechte an die der Kommende Beuggen übergebenen Erbe der Ita von Tegerfelden verzichtet.Kopialbuch der Deutschordenskommende Beuggen, Urkunde Nr. 17, Regeste in ZGORh. Bd. 28, S. 90
Vermutlich um 1443 oder 1444,eine genaue Jahreszahl existiert nicht. als Beuggen endgültig in das vorderösterreichische Territorium eingegliedert war, wählte man die Kommende Altshausen (→ Schloss Altshausen) zum Hauptsitz der Ballei. Wirtschaftlich waren die Einnahmen von Beuggen Anfang des 15. Jahrhunderts mit 1797 Gulden gegenüber denen von Altshausen mit 2155 Gulden ähnlich hoch; andere Kommenden in der Ballei waren weit abgefallen. Dass der Orden trotzdem die Verlagerung des Hauptsitzes von Beuggen nach Altshausen vornahm, hatte zwei Gründe. Zum einen war Altshausen geografisch weniger exponiert als Beuggen und damit von französischen Raubhorden nicht so gefährdet.Im 14. Jahrhundert wurden elsässische Deutschordenskommenden mehrfach zerstört und geplündert. Zum anderen erhielt Altshausen bereits 1389 die für die Festigung ihrer Macht wichtige Hohe Gerichtsbarkeit zugesprochen – Beuggen erhielt sie erst Ende des 18. Jahrhunderts.Brommer: Der Deutsche Orden und die Ballei Elsaß-Burgund, Seite 226.
Während der Bauernkriege wurde Schloss Beuggen im Mai 1525 erstürmt und geplündert. Dabei vernichteten die Bauern auch viele Dokumente ihrer Abhängigkeit. Der Komtur Ludwig von Reischach floh nach Basel und wurde dort evangelisch.Schloss Beuggen. Geschichte – Gebäude – Gegenwart, Seite 8 und J. Klentschi, Eugen Zeller: Das Deutschordenshaus Beuggen einst und jetzt. 1246–1894. Basel, 1894, S. 43 Google Digitalisat Aus der Erfahrung der Bauernkriege ließ Reischachs Nachfolger, Georg von Andlau, die Befestigungsanlage verstärken, den Burggraben vertiefen und mit Wasser aufstauen. Er ließ eine zweite Ringmauer mit fünf runden Wehrtürmen errichten und das alte Tor zugunsten des 1534 erbauten oberen Tors mit größerem Durchgang zumauern.Schloss Beuggen. Geschichte – Gebäude – Gegenwart, Seite 9 Zwischen 1585 und 1598 wurde das Neue Schloss erbaut. Auch während des Dreißigjährigen Kriegs war das Schloss immer wieder Ziel von Angriffen und Plünderungen. Die Schweden belagerten und eroberten zweimal 1633 und 1638 von Beuggen aus die Stadt Rheinfelden. Sechs Tage nach dem Westfälischen Frieden, am 30. November 1648, gab der elsässische Landkomtur Stain der Mergentheimer Ordensregierung einen umfangreichen Bericht ab. Neben Straßburg, Rufach, Mülhausen, Basel, Andlau, Gebweiler und Kaysersberg war auch die Kommende Beuggen lange Jahre als Besitz verloren. Die Ballei Elsaß hatte insgesamt 12.400 Gulden an Satisfaktionsgeldern an die Schweden abzuführen.Brommer: Der Deutsche Orden und die Ballei Elsaß-Burgund, Seite 124 mini|links|Vedute des Schlosses Beuggen aus dem Jahr 1775
Beuggen zählte zusammen mit Freiburg im Breisgau und Mülhausen zu den drei Balleihäusern, die den vorderösterreichischen Territorialhoheiten unterstellt waren. Diese habsburgische Vorherrschaft stand im Gegensatz zu den Ordensprivilegien und so versuchte der Deutschritterorden sich im 16. und 17. Jahrhundert dem unliebsamen habsburgischen Einfluss zu entziehen, was allerdings misslang.Brommer: Der Deutsche Orden und die Ballei Elsaß-Burgund, Seite 122
Von 1752 bis 1757 wurde das Schloss nach Entwürfen des Ordensbaumeisters Johann Caspar Bagnato im barocken Stil umgebaut und durch einen Erweiterungsbau ergänzt, wodurch es mehr als die doppelte Größe erlangte. Der Schlossgarten wurde ebenfalls barockisiert und erweitert, eine Orangerie wurde erbaut.
Zunächst noch von der Säkularisation im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 verschont, wurde 1806 auch der Deutsche Orden enteignet. Die Schlosskirche und die ehemalige Firmerie (Krankenstube) gingen in den Besitz der katholischen Pfarrgemeinde Karsau über. Der Rest der Anlage wurde der Großherzoglichen Badischen Domänenverwaltung übergeben. Der Schlossgarten ist seither nur noch in Grundstrukturen erhalten (Grundstücksgrenzen, Lindenallee und Gärtnerhaus am Rhein, ein altes Gartentor). Die Orangerie wurde abgebrochen, die Orangenbäume wurden nach Basel verbracht.
Liste der Komture in Beuggen AmtszeitKomturAmtszeitKomturAmtszeitKomtur 1248–1255 Ritter Gottfried von Ruffach 1386 Heinrich von Schletten 1587 Hans Hartmann Hallwyl 1257–1263 H. commendatorHugo von Tiefenstein? 1387 Vincenz von Bubenberg 1593–1595 Hans Hartmann von Hallwyl 1266–1267 Reinlo von Stottinsheim 1388 Rudolf von Randegg 1598–1599 Hans Hartmann von Hallwyl 1269 Rudolf von Ofmaningen 1389 Vincenz von Bubenberg 1602–1603 Hans Hartmann von Hallwyl 1269 Rudolf von Iberg 1391–1398 Marquart von Baden 1604–1608 Hans Heinrich von Schienen und Strotzburg 1272/76 Ulrich Walter von Klingen 1399 Adolf von Virminie 1609–1625 Johann Kaspar von Stadion 1281/84 Rudolf von Iberg 1400–1406 Marquart von Baden 1625 Hans Jakob Freiherr von Stain 1285 Konrad von Hagenbach 1407–1408 Stephan Ströwin 1626 Johann Kaspar von Stadion 1286/89 Ulrich von Jestetten 1409–1413 Marquart von Baden 1626–1629 Hans Jakob Freiherr von Stain 1291/97 Eberhard von Sulzberg 1416/19 Andreas von Mörsberg 1630–1650 Heinrich Schenk von Kastell 1299/1301 Albrecht von Klingenberg 1422/29 Pantaleon von Heidegg 1653–1660 Philipp Albrecht Freiherr von Berndorff 1305/07 Berthold von Buchegg 1432/40 Burkhard von Schellenberg 1660–1666 Johann Hartmann von Roggenbach 1316/31 Peter von Stoffeln 1444 Hans von Neuhausen 1666–1683 Johann Friedrich von Baaden 1334/36 Heinrich von Bingen 1450 Hans von Freiberg 1684–1688 Eberhart Truchseß von Rheinfelden 1345 Andreas von Herenken 1453 Wilhelm von Hailflingen 1688–1718 Johann Franz Freiherr von Reinach 1347/51 Heinrich von Ringgenberg 1457 Burkhard von Schellenberg 1721–1734 Konrad Karl Anton Freiherr von Pfirt 1358 Mangold von Brandis 1461 Hans Rudolf von Weiler 1736–1746 Johann Franz Karl Freiherr von Schönau 1369 Jakob von Reinach 1468–1490 Leonhard von Stetten 1747–1752 Baron Jakob Josef Ignaz Freiherr von Hagenberg 1370/72 Berchtold von Dankersweiler 1494 Reich von Reichenstein 1752–1757 Graf Christian Moritz Eugen Franz von Königsegg 1372–1373 Franz Senn von Münsingen, Freiherr von Buchegg 1499–1519 Georg von Homburg 1758–1762 Beatus Anton Eusebius Freiherr von Schauenburg 1373 Arnold von Schaler 1521–1526 Ludwig von Reischach 1764–1783 Johann Baptist Freiherr von Eptingen 1374 Dietrich von Venningen 1526–1540 Georg von Andlau 1784–1791 Franz Joseph Freiherr von Lerchenfeld 1379–1383 Vincenz von Bubenberg 1542–1551 Friedrich von HomburgZeitschrift für die Geschichte des Oberrhein, Band 27, 1875, S. 344ff 1792–1802 Christian Friedrich Truchsess Freiherr von Rheinfelden 1384 Heinrich von Schletten 1555–1581 Hans Kaspar von Jestetten 1802–1805 Friedrich Heinrich Karl Freiherr von Landsberg 1385 Vincenz von Bubenberg 1582–1583 Hans Hartmann von Hallwyl 1806–1810 Domänenverwalter Ignaz Streicher (kein Komtur)
Lazarettzeit 1813–1815 mini|hochkant|Krankenlager im Seminarraum auf Schloss Beuggen, Zeichnung von Otto Ubbelohde (1867–1922) In den Befreiungskriegen dienten ab Dezember 1813 die nach der Säkularisation zunächst leerstehenden Gebäude als Kriegslazarett für die österreichische Armee Schwarzenbergs. Schwarzenbergs böhmisches Heer, das zwischen Genf und Wissembourg lag, hatte sein Quartier in Lörrach aufgeschlagen (→ Lörrach zur Zeit der Befreiungskriege) und benötigte geeignete Unterkünfte hinter der Frontlinie. Das zu dieser Zeit verlassene und ungenutzte Schloss wurde von der österreichischen Armee zum Feldlazarett erklärt. In wenigen Wochen wurde das Schloss und seine Nebengebäude vollständig mit Kranken und Verwundeten gefüllt.
Die Verwundeten litten unter Typhus, Pocken und anderen Seuchen. Pfleger und Ärzte waren überfordert. Teilweise grassierten die ansteckenden Krankheiten bis in die benachbarten Ortschaften.Baier: Schloss Beuggen, Seite 52 Zudem reichten die Medikamente für die Kranken nicht aus. Da das Personal die Krankensäle nicht mehr betreten wollte, wurden an manchen Türen Öffnungen zum Hindurchreichen von Essen durchgebrochen. Diese Aussparungen sind an den Türen noch heute zu erkennen.
Etwa 3000 österreichische und 300 deutsche tote Soldaten aus diesem Lazarett wurden in einem Massengrab in der Nähe des Schlosses beigesetzt;Schloss Beuggen. Geschichte – Gebäude – Gegenwart, Seite 10 zum Gedenken wurde am 25. Juni 1911 ein Denkmal nahe der Bahnlinie errichtet, die etwa 100 Meter östlich der Anlage verläuft. Das Schloss blieb für fünf Jahre im Zustand völliger Verwahrlosung.
Angeblicher Aufenthalt Kaspar Hausers im Schloss Beuggen mini|links|Wappenzeichnungen von Kaspar Hauser