Norderstedt ist eine Mittelstadt im Süden von Schleswig-Holstein. Hinsichtlich der Einwohnerzahl ist sie nach Kiel, Lübeck und Flensburg mit 84.119 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2023) die viertgrößte Stadt in Schleswig-Holstein sowie die größte Stadt im Kreis Segeberg. Im Jahr 2005 erhielt sie den Status einer Großen kreisangehörigen Stadt. Die Ursprungsgemeinden verteilten sich über ein großes Gebiet, so ist Norderstedt bezogen auf die Fläche die sechstgrößte Stadt Schleswig-Holsteins.

Geografie Lage Die Stadt Norderstedt liegt, nördlich direkt angrenzend von der norddeutschen Metropole Hamburg in deren umliegender Metropolregion. Naturräumlich lässt sich das Stadtgebiet dem Landschaftsraum Hamburger Ring der Schleswig-Holsteinischen Geest zuordnen.

Stadtteile mini|links|Die Stadtteile Norderstedts

Die Stadtverwaltung teilt in ihrem offiziellen Geoportal Norderstedt in fünf Stadtteile ein.Im Geoportal in dem Menü Themen/Hintergrundkarten ist es möglich, die Stadtteilgrenzen einzublenden. Verwaltungsrechtlich gesehen ist Norderstedt aber nicht in Stadtteile gegliedert. Post, Feuerwehr, Kirche und andere Institutionen und Behörden, selbst innerhalb des Rathauses, gliedern für ihre Arbeit die Stadt unterschiedlich, benutzen aber oft die alten Bezeichnungen. Der Hamburger Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung benutzt in seinem Geoportal der Metropolregion Hamburg in der Suchfunktion Daten der Post, die auch die Straßen, die durch mehrere Stadtteile führen (z. B. Ulzburger Straße oder Friedrichsgaber Weg) nur einem Stadtteil zuordnen. Die Ulzburger Straße bildet dort fälschlicherweise keine Grenze mehr, sondern gehört ganz zu Harksheide, Norderstedt-Mitte fehlt als Stadtteil, es gehört zu Garstedt. Auch andere benutzen diese fehlerbehaftete Adressdatenbank der Post. Die hier nachfolgend beschriebenen Wohngebiete beziehen sich auf die ehemaligen Gemeinden vor der Zusammenlegung zur Stadt Norderstedt und den neuen Stadtteil „Mitte“, wie sie im offiziellen Geoportal der Stadt Norderstedt eingezeichnet sind.

Garstedt mini|Altes Garstedter Rathaus

Garstedt wurde erstmals 1370 urkundlich erwähnt, das erwähnende Dokument entstammt den Archiven der Handelskammer Hamburg. Garstedt ist der älteste und wirtschaftlich stärkste Stadtteil. Ursprünglich am westlichen Rand des Harksheidemoors gelegen, profitierten die Bauern von einer deutlich besseren Bodenqualität als in den benachbarten Dörfern.

Im Zuge der Verkoppelung (einer umfassenden Landreform) im Jahr 1794 vergrößerte sich Garstedt (auch genannt Garstedter Hagen) um Garstedter Feld (heute die Region um die Garstedter Feldstraße und die Kohfurth). In dieser Region siedelten sich die ärmeren Dorfbewohner an, die hauptsächlich von der Torfgewinnung lebten, als einfache Handwerker oder als Tagelöhner arbeiteten. Danach begann der Aufstieg zu einem Handwerksort. Im Jahr 1887 wurde die erste Windmühle gebaut (am Möhlenbarg) und 1889 wurden Garstedt und Harksheide zu einer unabhängigen Kirchengemeinde mit einem kleinen baulichen Ensemble aus Kirche, Pastorat und Friedhof auf dem Gelände zwischen Kirchenstraße Nr. 12 und der Ochsenzoller Straße Nr. 43. Zur Jahrhundertwende 1900 wurden bereits 1327 Einwohner gezählt. Der erste Kirchenbau der noch jungen Christus-Kirchengemeinde zu Garstedt wurde im Jahr 1906 errichtet. Der in der äußeren Erscheinung sehr ansprechende Jugendstilbau wurde jedoch in den 1960er Jahren zugunsten einer sehr viel größeren Kirche abgebrochen und durch einen schlichten Klinkerbau (Entwurf: Joachim Matthaei (1911–1999)) mit separatem Kirchturm ersetzt. Bis zum Jahr 1939 hatte sich die Zahl der Einwohner auf 4869 fast vervierfacht.

Große Bedeutung für die Region hatte von Beginn an der Ochsenzoll, eine Zollgrenze zwischen Hamburg und der Grafschaft Holstein Schauenburg. Vom 15. bis in das frühe 19. Jahrhundert hinein wurden Ochsen auf dem Nord-Süd-Handelsweg von Jütland durch das Harksheidemoor getrieben, das bis dahin die größte Heide- und Moor-Landschaft in Holstein bildete. Die Ochsen mussten an der Grenze zum Stadtstaat Hamburg verzollt werden. Bis 1840 wurde der Zoll in Garstedt entrichtet (am Ende der Ulzburger Straße), danach in einer Zollstation in Harksheide (am Beginn der Langenhorner Chaussee). Der Straßenname Schmuggelstieg westlich davon erinnert noch heute daran. Als Schleswig-Holstein 1867 den Status einer preußischen Provinz bekam, wurde die Zollstation geschlossen.

Der Handelsweg, auf dem die Ochsen seit dem 15. Jahrhundert durch das Harksheidemoor getrieben wurden, bildete auch die Grenze zwischen den westlich gelegenen landesherrlichen Ämtern Pinneberg, zu dessen Herrschaftsbereich Garstedt gehörte, und dem östlich gelegenen Tremsbüttel, zu dem der heutige Norderstedter Stadtteil Harksheide gehörte. Der Weg bleibt als Verwaltungsgrenze zwischen Garstedt/Friedrichsgabe (Kreis Pinneberg) und Harksheide (Kreis Stormarn) bis zur Stadtgründung 1970 erhalten. Zu dieser Zeit hatte Garstedt 21.184 Einwohner (zum Vergleich 1957: 10.012 Ew.).Garstedt, auf norderstedt.de

Harksheide Harksheide wurde erstmals 1374 urkundlich erwähnt. Das Gebiet des heutigen Stadtteils liegt direkt nordöstlich des Ochsenzolls. Bis 1876 gehörte Harksheide zum Kanzleigut Tangstedt und war ein Vorwerk von Tremsbüttel, bis es 1693 zu einem eigenen Gut wurde. 1867 wurde es zur preußischen Landgemeinde im Kreis Stormarn. Im Rahmen der Einführung der preußischen Kommunalverfassung wurde das Dorf 1889 dem Amtsbezirk Tangstedt zugeordnet.

Durch die lange verwaltungstechnische Zugehörigkeit zu Tangstedt (Stormarn) hatte Harksheide kein Ortszentrum entwickelt, sondern bildete von Anfang an nur eine lose Ansammlung von Gebäuden. So betiteln Dokumente aus dem 19. Jahrhundert die Ortschaft auch häufiger als Ansiedlung denn als Dorf. Neben der Landwirtschaft bildete die Torfgewinnung die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerungszahl beständig ab, ein Trend, der erst mit Anschluss an den Hamburger Nahverkehr umgekehrt werden konnte.

Mit dem Bau der Langenhorner Bahn bis zum Ochsenzoll entwickelte sich Harksheide zur Hamburger Vorstadtsiedlung. Aufgrund des Bevölkerungszuwachses – der Ort hatte 1939 bereits 2800 Einwohner – wurde Harksheide 1938 amtsfreie Gemeinde.

Von 1934 bis 1939 betrieb die zionistische Jugendorganisation „Hechaluz“ (hebräisch: der Pionier) auf dem „Brüderhof“ nördlich von Harksheide eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte (siehe Hachschara), in der junge Juden auf die Auswanderung nach Palästina und die Arbeit im Kibbuz vorbereitet wurden. Für die Juden war dies eine Möglichkeit, den zunehmenden Repressalien im Deutschen Reich zu entfliehen. Für das nationalsozialistische Regime war es eine Maßnahme, mit der die Vertreibung der Juden vorangetrieben wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Bevölkerung durch Zuzug ausgebombter Hamburger und Vertriebener. Auf dem Gelände des früheren SS-Übungs- und Schießplatzes wurden ab 1955 die Gartenstadt Falkenberg und das Gewerbegebiet Stonsdorf (Ansiedlung einer Kräuterlikörfabrik aus Stonsdorf in Schlesien, vgl. Stonsdorfer) errichtet. Zum 1. Januar 1970 ging Harksheide in der neu gegründeten Stadt Norderstedt auf und wechselte damit auch in den Kreis Segeberg. Harksheide hatte damals rund 20.000 Einwohner.

Mit dem Bau der „Gartenstadt Falkenberg“ erhielt Harksheide ein Zentrum, den Harksheider Markt in unmittelbarer Nähe zu der in den 1950er Jahren erbauten Harksheider Kirche. An diesem Markt wurde das Harksheider Rathaus errichtet, das bis zum Bau des Norderstedter Rathaus im neuen Zentrum in den 1980er Jahren auch das Rathaus von Norderstedt war. Um das Rathaus herum siedelten sich verschiedene Geschäfte an und es entstand ein Wochenmarkt, die den täglichen Bedarf des wachsenden Ortes befriedigten.Harksheide, auf norderstedt.de

Glashütte mini|Wittmoor

Glashütte gehörte ursprünglich unter der Bezeichnung „Tangstedter Heide“ (Kreis Stormarn) zum Kanzleigut Tangstedt. Es bestand aus einzeln liegenden Bauernstellen des Gutes. Cyrill von Wich, der als Schwiegersohn von Magnus von Wedderkop in den Besitzes des Guts gelangt ist, ließ im Glasmoor um 1740 eine Glashütte anlegen, deren Betrieb aber bereits 1774 wieder eingestellt werden musste. 1876 wurde Tangstedterheide eine vom Kanzleigut eigenständige Landgemeinde, die im Rahmen der Einführung der preußischen Kommunalverfassung zum Amtsbezirk Tangstedt kam. Wirtschaftlich lebte das Dorf neben der Landwirtschaft vor allem von der Abtorfung der teilweise im Gemeindegebiet gelegenen Moore Glasmoor und Wittmoor, so wurde 1869 eine Presstorffabrik eröffnet. 1896 erfolgte die Umbenennung in Glashütte, um der Eigenständigkeit auch im Namen Rechnung zu tragen. 1917 kaufte Hamburg das Glasmoor, um dort eine Justizvollzugsanstalt einzurichten (JVA Glasmoor, 1922 eröffnet), deren Insassen beim Torfabbau eingesetzt wurden. Mit der Verlängerung der Hamburger Hochbahn von Ohlsdorf über Langenhorn bis zum Ochsenzoll begann 1921 der Bevölkerungszuwachs, der bis zum Kriegsbeginn 1939 zu einer Bevölkerung mit 1300 Einwohnern führte. Vom März bis Oktober 1933 bestand in Glashütte im Wittmoor eines der ersten, nach dem Machtantritt der NSDAP installierten Konzentrationslager, das KZ Wittmoor: 140 Gegner des nationalsozialistischen Regimes wurden dort festgehalten, drangsaliert und zur Arbeit im Torfabbau gezwungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Glashütte zunächst zum Amt Tangstedt im Kreis Stormarn, bevor es zum 1. Januar 1970 in der neu gegründeten Stadt Norderstedt aufging und damit auch in den Kreis Segeberg wechselte. Glashütte hatte damals 6800 Einwohner.Glashütte, auf norderstedt.de

Seit 2014 führt ein Geschichtspfad mit 17 Tafeln durch den Stadtteil.

Friedrichsgabe mini|Friedrichsgabe 2021 mit den Grenzen von 1969, Karte von Openstreetmap

Friedrichsgabe ist die jüngste der vier Ortschaften, die zu Norderstedt zusammengefasst wurden. Friedrichsgabe wurde 1821 von Johann Daniel Lawaetz, einem Manufakteur und Händler aus Altona als Armenkolonie gegründet. Lawaetz erhielt das Land auf der Pinneberger Harksheide vom Landesherrn Friedrich (Frederik) VI., dänischer König und Herzog von Holstein. Zur Erinnerung an die Freigiebigkeit des Königs erhielt die neue Ortschaft, deren Gebiet rechtlich weiter zu Quickborn gehörte, den Namen Frederiksgabe. Ursprünglich war das Gebiet zur Aufforstung vorgesehen. In dem ursprünglich von Moor und Heide geprägten Gebiet haben die Moorbek, ein linker Nebenfluss der Mühlenau, und die Gronau ihre Quellen.Eckhard Wallmann: Zur Geschichte Friedrichgabes. In: Peter Reimann, Eckhard Wallmann (Hrsg.): Friedrichsgabe – Aufsätze zur Geschichte. Heimatbund Norderstedt 2021, S. 8. Vor der Gründung gab es auf dem heutigen Gebiet Friedrichgabes je einen Bauernhof in Dreibeken und Meeschensee, die schon im 18. Jahrhundert nachweisbar sind. Der dritte größere Bauernhof Krückmann am Friedrichsgaber Weg 530 wird auf 1838 datiert.Eckhard Wallmann: Friedrichgabe-Mitte. Das neue Zentrum Friedrichgabes der fünfziger Jahre. In: Peter Reimann, Eckhard Wallmann (Hrsg.): Friedrichsgabe – Aufsätze zur Geschichte. Heimatbund Norderstedt 2021, S. 78.

Armenkolonie Frederiksgabe mini|links|Friedrichsgabe 1835, Blick auf die heutige Quickborner Straße