mini|270px|Die älteste bekannte bayerische Aktie, von der Bürger-Ressource-Gesellschaft in Hof, 1804. mini|Die Dillinger Hütte war 1809 eine der ersten deutschen Aktiengesellschaften, hier jedoch eine Aktie aus dem Jahre 1906
Die Aktie () ist ein Wertpapier, das den Anteil an einer Aktiengesellschaft oder einer Kommanditgesellschaft auf Aktien verbrieft. Eine Aktie ist im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und des Kreditwesengesetzes ein Finanzinstrument.
Grundlagen: Aktienarten, Kennzahlen, Aktienmärkte
Die Aktie ist ein Finanzierungsinstrument für bestimmte Rechtsformen von Kapitalgesellschaften, nämlich der Aktiengesellschaft (AG), der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) oder der Europäischen Gesellschaft (SE). Sie können sich Eigenkapital (Grundkapital oder Kommanditkapital) beschaffen, indem sie ihre Aktien auf dem Aktienmarkt veräußern. Die Käufer werden so zu Aktionären, sie erhalten mit der Aktie ein Wertpapier, das verschiedene Rechte verbrieft, als Gegenleistung für eine Kapitaleinlage (zu Rechten und Pflichten der Aktionäre siehe den Abschnitt #Rechtsfragen). Der Inhaber einer Aktie wird Gesellschafter der AG oder KGaA – im Unterschied zum Inhaber von Unternehmensanleihen, der die Stellung eines Gläubigers hat.
Bei der Gründung einer Aktiengesellschaft wird festgelegt, in wie viele Aktien das Grundkapital aufgeteilt wird. Diese Aktien können als Globalurkunden vorhanden sein oder als „effektive Stücke“ gedruckt und herausgegeben werden (was heutzutage praktisch nicht mehr geschieht). Die Ausgabe von Aktien bezeichnet man in beiden Fällen als Emission. Eine weitere Emission ist auch im Rahmen einer Kapitalerhöhung möglich.
Der Anteil einer Aktie am Unternehmen kann in Form von Nennwert- oder Stückaktien verbrieft sein. Bei Nennwertaktien entspricht einer Aktie ein festgelegter Betrag des Grundkapitals. Dieses ist von Bedeutung, da das Grundkapital nicht zu gleichen Teilen über alle Aktien verteilt sein muss. So kann z. B. ein Grundkapital von 100.000 Euro auf 1.000 Aktien zu je 50 Euro und 50 Aktien zu je 1.000 Euro aufgeteilt sein. Nennwertlose Aktien (auch Quotenaktie oder Stückaktie) tragen keinen fixen Nennwert, sondern ihr Wert wird immer nur durch ihren Anteil an der gesamten Aktienanzahl bemessen. Bei 1.000 Aktien und 200.000 € Grundkapital entspricht eine Aktie also einem Anteil von 1/1000 oder 0,1 % am Grundkapital und damit am Unternehmen. Der theoretische Nennwert wäre beim gegebenen Grundkapital dann 200 € (1.000 (Aktien) × 200 € = 200.000 €).
Daneben können auch andere Kennzahlen pro Aktie angegeben werden. Beispielsweise kann das bilanzierte Eigenkapital der Firma auf einen Wert pro Aktie umgerechnet werden (Buchwert pro Aktie), daneben auch Gewinn pro Aktie, Cashflow pro Aktie etc.:
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Umgekehrt wird häufig ein „Börsenwert“ der Aktiengesellschaft berechnet, als eine Kennzahl, die den zuletzt gehandelten Kurs auf alle ausgegebenen Aktien hochrechnet (Marktkapitalisierung einer Aktiengesellschaft) – dieser Wert ist jedoch fiktiv, da der Handel einer größeren Anzahl von Aktien normalerweise den Kurs bewegen würde:
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Das Unternehmen kann die Aktionäre über Dividenden am Gewinn des Unternehmens beteiligen. Die Dividende ist eine pro Aktie geleistete Zahlung an den Aktionär. Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand vorgeschlagen (Gewinnverwendungsvorschlag) und von der Hauptversammlung des Unternehmens beschlossen.
Der Börsenkurs, die Dividendenrendite und anderen Kennzahlen sind wichtige Marktdaten, die die Handelsentscheidungen der Käufer und Verkäufer von Aktien beeinflussen. Die Dividendenrendite steht hierbei in Konkurrenz zum Marktzins anderer Anlageformen. Markttransparenz wird vor allem durch die Veröffentlichung der Börsenkurse (auch in Form eines Aktienindex zusammengefasst) sowie durch Veröffentlichung der Unternehmensdaten durch Emittenten geschaffen. Die Marktmechanismen bewirken eine Kursbildung durch Angebot und Nachfrage. Als Marktteilnehmer gibt es am Aktienmarkt Aktionäre, Anleger (institutionelle Anleger oder Privatanleger), Emittenten, Kreditinstitute sowie Börsenhändler und Börsenmakler (heute: Skontroführer). Das Handelsmotiv dieser Marktteilnehmer kann Geldanlage, Dienstleistung (Kreditinstitute mit Wertpapierorders ihrer Kunden), Arbitrage oder Spekulation sein.
Geschichte Entstehung des Begriffs
Das Wort Aktie entstand wohl ab 1472 in Bremen aus dem mittelniederdeutschen Wort „axie“ für „Anspruch“ oder „Anrecht“, das sich aus dem Begriff für den „Klageanspruch“ () ableitete.Gerhard Köbler: Etymologisches Rechtswörterbuch, 1995, S. 10 Zitiert wird die Aktie in Bremen wie folgt: „van Antworpe in der zone nicht mede wesen unde up erer axien stande bliven wolden“.Verein für Hansische Geschichte (Hrsg.), Hansisches Urkundenbuch, 1876–1916, Band X, S. 64 Im Jahre 1598 wird aus Wijk bij Duurstede zitiert: „So wie eine Anleihe, Obligation oder Aktie von jemand kauft…“ () Die holländische Niederländische Ostindien-Kompanie gab im März 1603 erstmals Aktien () aus, wobei das niederländische Wort als Vorbild für die deutsche Sprache gedient hat. Im deutschsprachigen Raum lässt sich die Bezeichnung Aktie im heutigen Sinne erstmals 1647 in der Wendung „…dieser brandenburgischer compagnien actien…“ nachweisen,Richard Schück: Brandenburg-Preußens Kolonial-Politik unter dem Großen Kurfürsten und seinen Nachfolgern 1647–1721. Band II, 1899, S. 3 1651 sprach der Autor von der „Verkaufung der Actionen“.Alfred Schirmer: Wörterbuch der deutschen Kaufmannssprache – auf geschichtlichen Grundlagen, 1991, S. 9 Aus dem Lateinischen leiten heute viele Sprachen ihren Aktienbegriff ab (, , ).Ulrike Köbler: Werden, Wandel und Wesen des deutschen Privatrechtswortschatzes, 2010, S. 580
Frühzeit des Aktienhandels
mini|Die erste Aktie: Anteil an der Stora Kopparberg Kupfermine aus dem Jahr 1288 Die erste Aktie überhaupt repräsentierte einen Anteil von 12,5 % an der im Juni 1288 erstmals urkundlich erwähnten schwedischen Kupfermine „Stora Kopparbergs Bergslags Aktiebolag“ in Falun.Heinz Duthel, Basel I, II, III – Kapital – Kreditrisiko/Kreditvergabe, 2013, S. 59 In dem von der East India Company im September 1599 geschlossenen Vertrag verpflichteten sich ihre Gründer zur Aufbringung eines Kapitalfonds von 30.133 £, der in 101 Aktien () zerlegt war.Ralf Mehr, Societas und universitas, 2008, S. 315 Es folgte die Vereinigte Ostindische Kompanie (VOC), deren Aktien erstmals am 3. März 1603 zwischen Jan Allertsz und Maria van Egmont gehandelt wurden.Lodewijk Petram, The World's First Stock Exchange, 2011, S. 16 Das aus sechs Kammern () bestehende Unternehmen war weltweit das erste, das Aktien an unternehmensfremde Aktionäre ausgab. Die erste Aktienbörse entstand mit der Amsterdamer Börse () im Jahre 1612. Sie gilt als erste Aktienbörse, die im 17. Jahrhundert einen dauerhaften Aktienhandel ermöglichte.Pravir Malik, Redesigning the Stock Market, 2011, o. S. Die Aktienbörsen fungierten von Beginn an nicht als Präsenzbörsen, denn Anbieter und Nachfrager ließen sich durch Börsenhändler vertreten, die standardisierten Handelsobjekte (Aktien) lagerten woanders, die Börsenkurse handelten nicht die Anbieter und Nachfrager untereinander aus, sondern überließen dies den Börsenmaklern.
Die erste deutsche Aktiengesellschaft entstand am 17. März 1682 mit der „Handels-Compagnie auf denen Küsten von Guinea“ nach dem Vorbild der VOC und sollte durch Überseehandel den Wohlstand Brandenburgs mehren. Sie rüstete die Schiffe „Morian“ und „Churprinz“ aus, die im Mai 1682 nach Afrika in See stachen. Die ersten deutschen Aktien gelangten 1785 an der Börse Berlin auf den Kurszettel. Sie handelte seit ihrer Gründung am 5. Juni 1739 zunächst ausschließlich mit Wechseln, bis die „Emdener Heringsfang-Company“ – die seit 1785 in Berlin ein „Comptoir“ (Niederlassung) unterhielt – an der Berliner Börse ihre Aktien handeln ließ.Hans Hauptmann, Das Bankgeschäft: Eine praktische Anleitung für Bank- und Waarengeschäfte, 1892, S. 5 Weitere deutsche Aktien erschienen nach 1810 auf dem Berliner Kurszettel, und zwar Aktien der „Zuckersiederey“ (gegründet 1749), „Seehandlungs-Societät“ (Oktober 1772), „Tabacks-Regie“ (November 1808) und „Assekuranz-Societät“.Georg Buss, Berliner Börse von 1685-1913: Zum 50. Gedenktage der ersten Versammlung im neuen Hause, 1913, S. 104 Bis 1850 kamen auch Eisenbahnaktien hinzu.Kurt Bösselmann, Die Entwicklung des deutschen Aktienwesens im 19. Jahrhundert, 1939, S. 29 f. Die Einführung von Aktien an der Wiener Börse begann 1818 mit der Aktie der Österreichischen Nationalbank.Thorsten Beckers, Europäische Finanzplätze im Wettbewerb, 2006, S. 99 Die Zahl der Aktien dort stieg von acht im Jahre 1848 auf 39 Ende 1867.
Aufschwung und Regulierung im 19. Jahrhundert
Das erste „Gesetz über die Aktiengesellschaften“ trat im November 1843 in Preußen in Kraft. Die Aktienbörsen in Deutschland erlebten im Rahmen der Gründerzeit mit dem industriellen Aufschwung eine rasante Marktentwicklung. Den Aktienhandel führten nun auch regionale Börsen wie die Börse München (gegründet im Dezember 1830) ein, im März 1844 berichtete die Kölnische Zeitung über den ersten Aktienkurs von 131 ½ der Köln-Bonner Eisenbahnen an der Kölner Börse, es folgten die Börse Stuttgart (Februar 1861), Frankfurter Wertpapierbörse (Aktienhandel seit 1871) oder die Börse Düsseldorf (Januar 1875). In der Gründerzeit zwischen 1871 und 1873 entstanden in Deutschland 928 Aktiengesellschaften mit einem Gesamtkapital von 2,78 Milliarden Mark, im selben Zeitraum gründeten sich auch 107 Aktienbanken mit einem Gesamtkapital von 740 Milliarden Mark.Christian E. Elger/Friedhelm Schwarz, Neurofinance: Wie Vertrauen, Angst und Gier Entscheidungen treffen, 2009, S. 21 Der Gründerkrach führte am 9. Mai 1873 zu einem ersten schwarzen Freitag und ließ den Kurswert der Aktien auf die Hälfte sinken; von den 107 Aktienbanken blieben Ende 1873 lediglich noch 34 übrig. Als Folge änderte die Regierung im Juli 1884 das Aktiengesetz und wollte durch diese Novelle die Kleinsparer von Aktien fernhalten.
Ab dem 20. Jahrhundert
Der börsliche Wertpapierhandel ruhte in Deutschland im Rahmen der deutschen Bankenkrise mit der Schließung der Börsen am 21. September 1931. Die Hamburger Börse nahm nach dem Zweiten Weltkrieg am 9. Juli 1945 einen „kontrollierten Freiverkehr“ wieder auf, am 11. März 1952 begann hier auch der amtliche Handel mit Aktien. In Ländern mit mehreren Aktienmärkten konzentrierte sich der Handel stark auf eine Börse, die dadurch zur Hauptbörse avancierte. Während auf die Pariser Börse 95 % der französischen Börsenumsätze entfallen, erreicht die New York Stock Exchange 80 % des Umsatzes aller US-Börsen. Auch in Deutschland verloren die regionalen Börsen an Bedeutung; die Frankfurter Wertpapierbörse entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum führenden Aktienmarkt Deutschlands, auf dem auch internationale Aktien gehandelt werden.Gabler Bank-Lexikon, 1988, Sp. 855 f.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte die Entwicklung dazu, dass Anteilseigner die Aktien in der Regel aus Kosten- und Sicherheitsgründen nicht mehr als einzelne Urkunden besaßen, sondern von einer Bank in einem Depot verwalten ließen. Bei den Depotbanken liegen heute meist keine effektiven Stücke vor, sondern es werden nur die Anteile verwaltet. Die sogenannte Sammel- oder Globalurkunde, in der die Aktien verbrieft sind, wird meist bei einer Wertpapiersammelbank (in Deutschland der Clearstream Banking AG) verwahrt. Die nicht mehr verwendeten effektiven Aktienstücke wurden zunehmend zu Sammlerobjekten – seien es schmuckvoll gestaltete alte Aktien, Schuldverschreibungen mit Zinsschein oder Erneuerungsscheine (Talons). Das Sammeln von historischen, wertlosen effektiven Wertpapieren (Nonvaleurs) wird Scripophilie genannt.