mini|Blick auf Wetzlar mini|Dom, Alte Lahnbrücke und Altstadt mini|Der Kornmarkt in der Altstadt Wetzlar ist eine Stadt in Mittelhessen und ehemalige Reichsstadt. Sie ist die zwölftgrößte Stadt in Hessen mit Einwohnern (). Wetzlar ist die Kreisstadt des Lahn-Dill-Kreises und – wie sechs weitere größere Mittelstädte im Land Hessen – eine Stadt mit Sonderstatus. Sie übernimmt Aufgaben des Landkreises und gleicht in vielen Bereichen einer kreisfreien Stadt. Die Hochschulstadt ist als wichtiges Kultur-, Industrie- und Handelszentrum eines der zehn Oberzentren im Land Hessen. Von 1689 bis 1806 war die Stadt der letzte Sitz des Reichskammergerichtes.
Wetzlar und das unweit östlich liegende Gießen sind die beiden Kerne des mittelhessischen Verdichtungsraums mit seinen etwa 200.000 Einwohnern; die urbane Agglomeration zählt etwa 275.000 Einwohner.Urbane Agglomeration Gießen-Wetzlar auf citypopulation.de, abgerufen am 31. Juli 2019 Mit dem nahen Rhein-Main-Gebiet bestehen enge Verflechtungen.
Wetzlars wirtschaftliche Bedeutung beruht auf seiner optischen, feinmechanischen, elektrotechnischen und stahlverarbeitenden Industrie. Wetzlar ist als Sportstadt mit bedeutenden Sportlern, Sportveranstaltungen und -vereinen bekannt. Es spielen einige Mannschaften in den jeweiligen Bundesligen. Zur sportlichen Förderung sind mehrere überregionale Leistungszentren und Stützpunkte angesiedelt. Das Stadtgebiet liegt am Zusammenfluss von Dill und Lahn.
Geographie mini|Am Mühlgraben Lage Wetzlar liegt an der Lahn knapp oberhalb der Einmündung der Dill. Die Stadt erstreckt sich auf einer Höhe von 148–402 Metern auf meist hügeligem Terrain bis auf die Anhöhen beiderseits des Lahntals. Sie liegt am Trennungspunkt hessischer Mittelgebirge: Südlich der Lahn liegt der Taunus; nördlich der Lahn und westlich der Dill beginnt der Westerwald; nördlich der Lahn und östlich der Dill beginnt das Gladenbacher Bergland, das naturräumlich dem Westerwald zugeordnet wird. Der höchste Punkt des Stadtgebiets ist der Stoppelberg mit einer Höhe von 402 Metern, den tiefsten Punkt bildet die Lahn mit 148 Höhenmetern.
Die nächstgelegenen größeren Städte sind nordwestlich Siegen (50 km) und Dillenburg (30 km), nordöstlich Marburg (40 km), östlich Gießen (lahnaufwärts, von Zentrum zu Zentrum etwa 12 km), südlich Frankfurt am Main (60 km) sowie westlich Koblenz (80 km) und lahnabwärts Limburg an der Lahn (40 km).
In den Tälern von Lahn (Osten und Westen) und Dill (Norden) grenzen dichtbebaute Nachbargemeinden an, die teilweise in Wetzlar übergehen. Die die Stadt im Nordwesten, Nordosten und Süden umgebenden Mittelgebirge sind waldreich und dünn besiedelt.
Geologie mini|Wetzlar, eingebettet in die Landschaft (November 2016) Wetzlar liegt am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges. Der Untergrund besteht aus geologisch jungen Sedimenten der Lahn und wesentlich älteren devonischen und karbonischen Gesteinen zweier geologischer Haupteinheiten des Schiefergebirges, der Lahnmulde und im Südosten der sogenannten Gießener Decke. Den nordwestlichen Teil des Stadtgebietes unterlagern im Lahntal Schluffe, Sande und Kiese, die nur wenig verfestigt sind. Sie wurden von der Lahn abgelagert, deren dort noch bis zu einem Kilometer breites Tal nach Westen immer schmaler und zunehmend tiefer wird. Der Hauptteil der Stadt ist auf teilweise intensiv verfalteten, gestörten und geschieferten Tonschiefern, Sandsteinen, Quarziten und Kalksteinen errichtet. Sie wurden in Devon und Karbon in einem von Inselketten, Vulkanen und Atollen geprägten Meer abgelagert, das während der variszischen Gebirgsbildung zusammengeschoben und von einer durch diese verfrachteten tektonischen Decke überlagert wurde.Roland Walter u. a.: Geologie von Mitteleuropa. 5. Auflage. Schweizerbarth’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1992, ISBN 3-510-65149-9. Die aus den Meeresablagerungen entstandenen Gesteine finden sich im Stadtbild wieder, da sie vielfach als Baumaterial verwendet wurden.
Nachbargemeinden mini|hochkant|Nachbargemeinden, Stadtteile und Stadtbezirke Wetzlars Wetzlar grenzt im Nordwesten an die Stadt Aßlar (Lahn-Dill-Kreis), im Norden und Nordosten an die Gemeinden Hohenahr (Lahn-Dill-Kreis) und Biebertal (Landkreis Gießen), im Osten an die Gemeinden Lahnau (Lahn-Dill-Kreis) und Heuchelheim an der Lahn (Landkreis Gießen) sowie an die Stadt Gießen, im Süden an die Gemeinden Hüttenberg und Schöffengrund sowie im Westen an die Stadt Solms (alle Lahn-Dill-Kreis).
Stadtgliederung Der alte Kernstadtbereich von Wetzlar mit 31.107 Einwohnern ist unterteilt in zwölf Stadtbezirke: Altstadt, Neustadt, Hauserberg, Büblingshausen, Sturzkopf, Stoppelberger Hohl, Nauborner Straße, Silhöfer Aue/Westend, Altenberger Straße, Dalheim, Dillfeld und Niedergirmes. Niedergirmes ist mit über 6000 Einwohnern der größte Stadtbezirk.
Weiterhin gibt es acht Stadtteile, die erst mit der Auflösung der Stadt Lahn 1979 zu Wetzlar kamen, aber bis auf Blasbach, Dutenhofen und Münchholzhausen schon lange fest mit der Stadt verwachsen waren. Dies sind östlich der Kernstadt Naunheim (3733), Garbenheim (2241), Münchholzhausen (2344) und Dutenhofen (3071). Nauborn (3987) liegt südlich der Kernstadt und Steindorf (1683) schließt sich westlich an die Kernstadt an. Nördlich der Kernstadt liegen Blasbach (975) und Hermannstein (4085) (Einwohnerzahlen jeweils in Klammern, Stand 31. Dezember 2020).
Wappen Stadtteil Einwohner Beschreibung Blasbach 975 6 km nördlich vom Stadtkern WetzlarVom 31. Dezember 1971 bis zum 1. Januar 1977 war Blasbach Ortsteil von Hermannstein. Beide gingen bis zum 31. Juli 1979 in der neugegründeten kreisfreien Stadt Lahn auf und wurden mit Wirkung vom 1. August 1979 Stadtteile von Wetzlar. Dutenhofen 3071 5,5 km östlich vom Stadtkern Wetzlar 40px|zentriert|Wappen von Garbenheim Garbenheim 2241 2,5 km nordöstlich vom Stadtkern Wetzlar 40px|zentriert|Wappen von Hermannstein Hermannstein 4058 3 km nordwestlich vom Stadtkern Wetzlarhistorische Namensform: Mühlheim Münchholzhausen 2344 4,5 km östlich vom Stadtkern Wetzlar 40px|zentriert|Wappen von Nauborn Nauborn 3987 2,5 km südlich vom Stadtkern Wetzlar 40px|zentriert|Wappen von Naunheim Naunheim 3733 3 km nordöstlich vom Stadtkern Wetzlar Steindorf 1683 3 km westlich vom Stadtkern Wetzlar
Klima Wetzlar weist ganzjährig ein gemäßigtes Klima der mittleren Breiten auf. Aus den Talverläufen und unterschiedlichen Geländehöhen ergeben sich unterschiedliche kleinklimatische Verhältnisse. Die Tagesmitteltemperatur liegt im Sommer bei ungefähr 17 bis 18 °C und im Winter etwa 1 bis 2 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt 600 bis 700 Millimeter und liegt damit leicht unterhalb des Durchschnitts in Deutschland. Auf den Anhöhen südlich und nördlich des Lahntals regnet es mit 800 Millimetern genau den Durchschnittswert.Umweltatlas Hessen. In: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 2005. Die niederschlagsreichsten Monate sind Juni und Dezember mit 74 und 73,3 Millimetern, der regenärmste Monat ist der Februar mit 49,1 Millimetern.
Geschichte
Vor- und Frühgeschichte, Früh- und Hochmittelalter Bereits in der Altsteinzeit war die Wetzlarer Region besiedelt, so auch im Bereich des Stadtteils Dalheim (Wüstungen Dalheim und Wanendorf). Durch die vom Klima begünstigte Lage blieb die Besiedlung in der Würmeiszeit vor rund 50.000 Jahren.August Schoenwerk: Geschichte von Stadt und Kreis Wetzlar. 2. überarb. u. erw. Auflage. von Herbert Flender. Pegasus Verlag, Wetzlar 1975, ISBN 3-87619-005-3, S. 14.
Ausgrabungen längs der Lahn in Wetzlar-Dalheim haben größere, 7500 bis 7000 Jahre alte Siedlungsreste einer größeren, linearbandkeramischen-Kultur hervorgebracht. Weitere Siedlungen germanischen Ursprungs in der unmittelbaren Nähe wurden freigelegt. Sie stammen zum Teil aus der Zeit um Christi Geburt und waren für die Dauer von zirka 1400 Jahren kontinuierlich besiedelt. Auf der Gemarkung Wetzlars bestanden zudem drei keltische Siedlungen. Weitere Hausgrundrisse sowie Speichergruben einer bronzezeitlichen Siedlung auf dem Gebiet hinter dem Dom wurden dokumentiert, ein Beleg für die frühe vorgeschichtliche Besiedlung um 3500 v. Chr. auf diesem exponierten Gelände.epaper.mittelhessen.de
Schon aus der keltischen Latènezeit ist die Eisenerzgewinnung und -verhüttungIn: Schmiedewerkstätte, Markus Balbach in und um Wetzlar nachgewiesen. Somit hat die Eisenverarbeitung dort eine rund 2500-jährige Tradition. Für Kupfer, Silber und Gold gab es in und um Wetzlar, wenn auch viel später, Grubenfelder.porezag.de
In Waldgirmes, unmittelbar an der östlichen Stadtgrenze, befand sich eine zivile römische Siedlung im Aufbau, siehe Römisches Forum Lahnau-Waldgirmes und in Dorlar gab es im ersten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts n. Chr. ein römisches Militärlager.
Der Name Wetzlar entstand möglicherweise bis zum 3. Jahrhundert,Gregor Berhorst: Die Siedlungslage der Ortsnamen des Bonner Raumes / Naturraum, Toponymie und Siedlungsgründung. Bonn 1990. die Endsilbe -lar weist darauf hin (Näheres in der Geschichte der Stadt Wetzlar), nachweislich besteht die Stadt seit dem 8. Jahrhundert.
Zu einem unbekannten Zeitpunkt erwarb Wetzlar das Marktrecht und damit das Recht, Marktzoll zu erheben. Im Laufe der Jahre entstand auf einem Hügel, dem ursprünglichen Burgberg und späteren Domhügel mit dem Marienstift, eine Marktsiedlung. Sie war Anziehungspunkt für Händler und Handwerker. Zum ersten Kirchenbau vor 897 war es möglicher Treffpunkt für gläubige Christen.
mini|Burgruine Kalsmunt
Jüngste umfangreiche Ausgrabungen in der Altstadt hinter dem Dom zeigen die Existenz einer bisher nur vermuteten früheren Stadtbefestigung aus dem 12. Jahrhundert, eine Turmkonstruktion sowie die Überreste eines an die gut erhaltenen Mauerreste angebauten Gebäudes. Durch die hohe Funddichte und ein großes Fundspektrum wird ein starker Aufschwung der Stadt und der damit verbundene Wohlstand bestätigt. So gibt es nicht nur Keramik- und Glasfragmente, Trachtbestandteile, Handwerksgeräte, sondern auch Speiseabfälle und Münzen, weiterhin die Aufdeckung von mehreren Flachdarren zur Flachsverarbeitung sowie zwei Kalkbrennöfen aus dem 13. Jahrhundert, die zur Herstellung von Mörtel im ehemaligen Stiftsbezirk dienten und auf eine rege Bautätigkeit verweisen.
Die alte Reichsburg Kalsmunt: Nach Karl MetzKarl Metz: Der Kalsmunt, Früh- und spätrömische Forschung über Aliso – Halisin – Solisin und den Ursprung der Stadt Wetzlar. Stadt Wetzlar, 1940. soll diese Burg bzw. dieses Schloss bereits eine frühe römische Gründung gewesen sein. Für ZedlerJohann Heinrich Zedler, Johann Peter von Ludewig, Carl Günther Ludovici: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste… S. 1451–1478, hier S. 1477. hat dieses Schloss Karl der Große um das Jahr 785 erbaut, um die demnach bereits bestehende Stadt dadurch besser im Zaume halten zu können. Sie soll von ihm „Carols Mons“ (Carlmund oder Carlmont) genannt worden sein, die heutige Benennung wird folgendermaßen gedeutet: Kals- (Karls) und -munt (Vasall), d. h. ein Lehensmann des Fränkischen Hofes. Andere Quellen halten den Namen für vorgermanisch oder keltisch wie: „The name Kalsmunt is of Celtic origin and means ‚barren hill‘“, mit der Bedeutung nutzlos/fruchtlos/unfruchtbarer Hügel. Auf der Reichsburg Kalsmunt wurden die kaiserlichen Münzen für Wetzlar geprägt. König Rudolf von Habsburg bestellte Graf Adolf von Nassau im Jahr 1286 zum Burghauptmann auf der Burg Kalsmunt. Adolf behielt das Amt, bis er selbst zum König des Römisch-Deutschen Reiches gewählt wurde. Bereits 1292 übertrug er das Amt des Burghauptmanns an Gottfried von Merenberg.Spielmann: Geschichte der Stadt und Herrschaft Weilburg; Stadt Weilburg, 1896 (Neuauflage 2005) S. 35–55
Als eine frühe urkundliche Ersterwähnung der Stadt gilt eine Schenkung Ingolds an das Kloster Lorsch aus dem Jahre 832 im Lorscher Codex (Urkundenabschrift Nr. 3146).