Straßburg (amtlich , im Straßburger Dialekt Strossburi []Deutsches Ortsnamenbuch. Hrsg. von Manfred Niemeyer. De Gruyter, Berlin / Boston, Mass. 2012, ISBN 978-3-11-018908-7, S. 615, doi:10.1515/9783110258028 (kostenpflichtig).) ist eine Stadt im Elsass, einer Landschaft im Osten Frankreichs nahe der Grenze zur Region Baden in Deutschland. Die Stadt ist Hauptort des Départements Bas-Rhin, das seit Januar 2021 auch Mitglied der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass ist, und Sitz des Regionalrats und des Regionspräfekten der Region Grand Est. Die Präfektur verwaltet auch das Arrondissement Strasbourg, das aus 33 Gemeinden besteht.
Mit Einwohnern (Stand ) in der Kernstadt und 790.000 Einwohnern in der Aire urbaine auf französischem BodenComparateur de territoireAire urbaine de Strasbourg (partie française) (009). In: insee.fr, 19. September 2019; abgerufen am 3. Januar 2020. ist Straßburg mit Abstand die größte Stadt im Grand Est.Populations légales en vigueur à compter du 1er janvier 2020. (PDF; 13 MB) insee.fr, 30. Dezember 2019; abgerufen am 3. Januar 2020.
Straßburg ist Sitz zahlreicher europäischer Einrichtungen, unter anderem Europarat, Europaparlament, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Europäischer Bürgerbeauftragter und Eurokorps. Aufgrund dessen versteht sich die Stadt als „Hauptstadt Europas“. In: peap.fr, abgerufen am 24. Juni 2016 (französisch).
Teile der Innenstadt, die mittelalterliche Altstadt auf der Grande-Île und die Neustadt sind unter dem Titel Straßburg: von der Grande-Île zur Neustadt, eine europäische Stadtszenerie UNESCO-Weltkulturerbe.
Name der Stadt Die römische, aus einer keltischen Siedlung entstandene Vorgängersiedlung hieß Argentorate, zu gallisch Argento-, wahrscheinlich ein Flussname, und -rate ‚Befestigung‘. Mittellateinische Namensformen wie Argentoratum und Argentina finden sich noch bis ins 16./17. Jahrhundert (Frans Hogenberg, Matthäus Merian, Hartmann Schedel).
Der erstmals im Jahr 589 bezeugte Name Straßburg setzt sich aus und althochdeutsch ‚befestigte Stadt‘ zusammen und bedeutet damit ‚befestigter Ort an der Heeresstraße aus Innergallien‘. Frühe Nennungen finden sich bei Gregor von Tours als ad Argentoratensem urbem quam nunc Strateburgum vocant (589) und Stradeburgum (590), bei Nithard als Strazburg (842) sowie auf merowingischen Münzen als Stradiburg und Stradeburgo.Eine Zusammenstellung zahlreicher Belegstellen findet sich in Ernst Förstemann: Altdeutsches Namenbuch. Zweiter Band: Orts- und sonstige geographische Namen. Nachdruck der dritten, völlig neu bearbeiteten […] Auflage, hrsg. von Hermann Jellinghaus. Olms, Hildesheim / Zürich / New York 1983, 2. Teil, Sp. 904 f. Eine angebliche Nennung schon um 400: [civitas Argentoratensium] id est Strateburgum ist wohl ein Zusatz aus der Zeit um 600.
Geographie Lage mini|Höhenmarke (144,665 m) am Straßburger Münster
Die Stadt liegt am Fluss Ill, der sich im Stadtgebiet verzweigt, auf einer Höhe von 139 bis 141 m über dem Meeresspiegel. Auf der von beiden Illarmen umflossenen Grande Île (Große Insel) liegt die historische Altstadt. Die östlichen Stadtteile mit dem Hafen grenzen an den Rhein. Am gegenüberliegenden östlichen Rheinufer liegt auf deutscher Seite die Stadt Kehl. Beide Städte sind durch die Europabrücke für den Straßenverkehr sowie eine Eisenbahn- und eine Fußgängerbrücke verbunden. Seit dem 29. April 2017 besteht auch eine Straßenbahnverbindung zwischen Straßburg und Kehl: Die Linie D der Straßenbahn Straßburg verbindet das Kehler Rathaus mit dem Zentrum Straßburgs und überquert dabei den Rhein über die Beatus-Rhenanus-Brücke. Straßburg ist der Endpunkt des Rhein-Marne-Kanals.
Stadtteile Straßburg ist in folgende 14 Stadtteile (Quartiers) gegliedert:
Stadtteil Anzahl Einwohner Centre (deutsch: Innenstadt) 17.798 Conseil des XV – Orangerie – Contades 25.312 Cronenbourg (deutsch: Kronenburg) 21.462 Elsau 6.000 Esplanade – Bourse – Krutenau 23.605 Gare – Halles – Tribunal – Porte de Schirmeck 24.000 Hautepierre (deutsch: Hohenstein) 17.305 Koenigshoffen (deutsch: Königshofen) 16.119 Meinau 16.627 Montagne verte (deutsch: Grüneberg) 12.149 Neudorf – Musau – Port du Rhin 40.706 Neuhof 19.658 Poteries 7.305 Robertsau – Wacken – Cité de l’Ill 19.557
Klimaübersicht
Geschichte mini|Das römische Argentoratum auf einem Plan von Straßburg, 18. Jahrhundert mini|Straßburg in der Schedelschen Weltchronik 1493 mini|Straßburg (Argentina), Matthäus Merian 1644
Antike
Das Straßburger Becken weist eine mehr oder weniger ständige Besiedlung seit circa 1300 v. Chr. auf. In Straßburg befand sich bereits eine gallische Siedlung.
Der römische Feldherr Drusus gründete Straßburg im Jahre 12 v. Chr. als militärischen Außenposten namens Argentoratum in der späteren Provinz Germania superior. Unter Trajan und nach dem Brand im Jahr 97 hatte Argentoratum seine größte Ausdehnung und stärkste Befestigung erreicht.Zu Straßburg im Altertum: Robert_Forrer: Strasbourg-Argentorate: préhistorique, gallo-romain et mérovingien. 2 Bände. Istra, Strasbourg 1927; Jean-Jacques_Hatt: Argentorate – Strasbourg. Presses Universitaires de Lyon, Lyon 1993, ISBN 2-7297-0471-X (französisch); Des origines à la Pax Romana. In: argentoratum.com, abgerufen am 23. Juni 2016.
Claudius Ptolemäus trug es in seiner Geographike Hyphegesis zwar in realitätsnahen Nord-Süd-Abständen zu Agrippinensis (Köln, 2,42° südlich, real 2,36°) und Mogontiacum (Mainz, 1,50° südlich, real 1,41°) ein, aber 0,42° nördlich von Breucomagus (Brumath), statt real 0,25° südlich. Und in Straßburgs realen Lagebeziehungen zu Besançon (1,34° nördl., 1,73° östl.), Bregenz (1,09° nördl., 2,00° westl.) und Kehlheim (0,34° südlich, 4,12 westlich) platzierte er Argentovaria (1,33° nördl. 1,83° östl. zu Visontium, 1,33° nördl. 2,14° westl. zu Brigantium, 0,17° südl. 4,17° westl. zu Alcimoennis). Dieses wird allgemein mit der archäologischen Fundstätte Oedenburg Altkirch 0,54° südlich von Straßburg identifiziert, bei Ptolemaios liegt Argentovaria 1,42° südlich von Argentoratum.Ulrich Lamm: Die zusammengestückelte Karte des Klaudios Ptolemaios (Academia.edu)
Straßburg war wahrscheinlich ab dem 4. Jahrhundert Bischofssitz: 1956 wurden unterhalb der heutigen Église Saint-Étienne Überreste eines Apsidenbaus aus dieser Zeit ausgegraben. Im Jahr 357 fand in der Umgebung die Schlacht von Argentoratum statt. Im 5. Jahrhundert hatten Alamannen, Hunnen und Franken die Stadt erobert.
Im Jahr 842 wurden hier die Straßburger Eide geschworen und – abgesehen von Latein – auch in den Sprachen der jeweiligen Gefolgsleute festgehalten, in Althochdeutsch und Altfranzösisch, wodurch dies das älteste Dokument in einer frühen französischen Sprache darstellt. Die Sprache von Stadt und Region war damals Althochdeutsch.
Mittelalter, freie Reichsstadt, Frühneuzeit mini|Familienwappen von Müllenheim
Die Stadt Straßburg gehörte vom Mittelalter bis zu ihrer Kapitulation in der Neuzeit am 30. September 1681 nach Einschließung in FriedenszeitenElsass-Lothringen. Anhang zu: Hermann Schulze: Lehrbuch des deutschen Staatsrechtes. Zweites Buch: Das deutsche Reichsstaatsrecht. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1886, S. 354–389, insbesondere S. 355 (). durch Truppen des Königreichs Frankreich zum Heiligen Römischen Reich.Eine bis ins 14. Jahrhundert reichende Stadtchronik hat der Theologe Jakob Twinger von Königshofen (1346–1420) verfasst: Chronik des Jakob Twinger von Königshofen, abgerufen am 23. Juni 2016. In: Karl Gustav Theodor Schröder: Die Chroniken der oberrheinischen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert. Teilband 1 (= Die Chroniken der oberrheinischen Städte. Band 8). Hrsg. von Karl Hegel. Salomon Hirzel, Leipzig 1870, ; 2., unveränd. Auflage, photomechan. Nachdruck (= Die Chroniken der oberrheinischen Städte. Band 8–9). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1961, . –Das Straßburger Stadtrecht findet sich in: Ernst Theodor Gaupp: Deutsche Stadtrechte des Mittelalters. Erster Band: Die Stadtrechte von Straßburg, Hagenau, Molsheim, Colmar, Annweiler, Winterthur, Landshut in Bayern, Regensburg, Nürnberg, Eger, Eisenach und Altenburg. Max, Breslau 1851, S. 36–93 (); Neudruck, Scientia-Verlag, Aalen 1966, .Statistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen (Hrsg.): Die alten Territorien des Elsaß nach dem Stande vom 1. Januar 1648. Mit Ortsverzeichniß und zwei Karten-Beilagen (= Statistische Mitteilungen. Band XXVII). DuMont-Schauberg, Straßburg 1896, S. 113–119 ().Maximilian du Prel: Die Deutsche Verwaltung in Elsass-Lothringen 1870–1879. Denkschrift mit Benutzung amtlicher Quellen. Karl J. Trübner, Straßburg 1879, S. 8, Ziffer 6 ().
Die Familie Müllenheim (die vom benachbarten Müllheim im Breisgau nach Straßburg zog) und die Familie Zorn waren im Mittelalter die bedeutendsten Straßburger Patriziergeschlechter, deren Rivalität um die Vormacht in der Reichsstadt (1262 bis 1681) in regelrechten Straßenschlachten ausgetragen wurde. So erhielt das Rathaus z. B. extra zwei Eingänge, einen für die Müllenheim und einen für die Zorn. Auch die beiden Ufer der Ill wurden nach diesen Familien benannt; das eine heißt Quai Müllenheim (Müllenheimstaden), das andere Quai Zorn (Zornstaden). Weitere Familien, die an der Regierung oft beteiligt waren, sind Boecklin de Boecklinsau, die zwischen 1450 und 1737 109 mal den Stettmeister stellten, und die Familie Bock, die zwischen 1357 und 1764 21 mal den Stettmeister stellten. mini|Engelpfennig der bischöflichen Münze Straßburg, um 1300 geprägt, Engel trägt Kreuz