mini|Historischer Rosenkranz mini|Rosenkranzring

Ein Rosenkranz, lateinisch Rosarium (von ), veraltet auch Paternosterschnur, ist eine Zähl- oder Gebetskette, die für das Rosenkranzgebet verwendet wird. Er kann aber auch die Bezeichnung für das Rosenkranzgebet selbst sein. In seiner häufigsten Form werden eine regelmäßige Abfolge aus einem Vaterunser und je zehn Ave Maria mit der Betrachtung der Kindheit, des öffentlichen Wirkens, des Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi verbunden. Jedes dieser RosenkranzgesätzeDas Wort Gesätz leitet sich dabei aus der hymnischen Dichtung des Meistergesanges ab. schließt mit der Doxologie Ehre sei dem Vater ab. Der Rosenkranz kann heute als die am weitesten verbreitete katholische Andachtsform angesehen werden.Vgl. Andreas Heinz: Art. Rosenkranz. II. Im Christentum. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE), Band XXIX: Religionspsychologie – Samaritaner. De Gruyter, Berlin 1998, ISBN 3-11-016127-3, S. 403–407.

Begriffsherkunft Das Wort Rosenkranz stammt vom lateinischen Wort Rosarium, das mit ‚Rosengarten‘ übersetzt wird. Rosengewächse symbolisieren in der christlichen Ikonographie vor allem Maria, die Mutter Jesu. Das Motiv der Madonna im Rosenhag als Beispiel für einen Hortus conclusus steht für die Jungfräulichkeit Mariens. Auch ein Kranz aus Rosen auf dem Kopf ist ein Symbol der Jungfräulichkeit. In der Lauretanischen Litanei wird Maria als Rosa mystica („geheimnisvolle Rose“) angerufen.

Der kirchenlateinische Begriff Rosarium wurde später auf die Gebetskette übertragen und erscheint unter seiner deutschen Bezeichnung Rosenkranz erstmals im 15. Jahrhundert, wobei der genaue Zusammenhang bis heute nicht eindeutig geklärt werden konnte. Es wird angenommen, dass die Kette ursprünglich aus Rosenblüten bestand, die auf einer Schnur aneinandergereiht waren.Vgl. D. Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie – Lemma Rosenkranz.

Theologischer Gehalt Als „marianische Leben-Jesu-Meditation“ verbindet der Rosenkranz Marienverehrung und Christusfrömmigkeit, die Jesus Christus in seiner Entäußerung und seinem Leiden betrachtet. Der thematische Bogen der christologischen Meditationspunkte reicht von der Verkündigung des Herrn über Geburt, Wirken, Leiden und Sterben Jesu Christi bis zu seiner Auferstehung und der Herabsendung des Heiligen Geistes an Pfingsten.Andreas Heinz: Art. Rosenkranz. II. Im Christentum. In: Theologische Realenzyklopädie. Band XXIX. De Gruyter, Berlin 1998, S. 403–407, hier S. 404.

Struktur und Gebetsweise mini|hochkant|Gebetsweise des katholischen Rosenkranzes:(1) Kreuzzeichen,Glaubensbekenntnis(2) Vater Unser(3) drei Ave Maria, Ehre sei dem Vater(4) Vater Unser(5) fünf Gesätze mit je einem Vaterunser, zehn Ave Maria und einem Ehre sei dem Vater

Der Rosenkranz hat als Zählhilfe 59 Perlen oder Knoten, die auf einer Schnur aufgereiht oder mittels Kettengliedern verbunden sind. Die Eröffnung des Rosenkranzgebetes wird an einer am Kranz befestigten Kette mit einem Kreuz und drei kleinen Perlen gebetet, die von zwei großen Perlen gerahmt sind. Darauf folgen auf dem Kranz fünfmal zehn kleinere Kugeln (für die Ave Maria) und eine davon abgesetzte große (für das Vaterunser und Ehre sei dem Vater). Ein Vaterunser, zehn Ave Maria und ein Ehre sei dem Vater bilden ein Gesätz.

Verkleinerte Rosenkranzformen mini|links|Fingerrosenkranz

Verkleinerte Formen des Rosenkranzes sind der sogenannte Fingerrosenkranz (zuweilen auch als „Pfadfinderrosenkranz“ bezeichnet), der Rosenkranzring oder das Rosenkranzarmband. Diese auch Soldatenrosenkranz genannte Form entstand im Mittelalter im Zuge der Kreuzzüge. An einem solchen Rosenkranz wird ein Gesätz abgezählt; fünfmal gebetet ergibt er einen großen Rosenkranz. Es gibt auch Versionen, bei denen die Anzahl der Perlen auf nur fünf verkürzt ist. Dabei wird an jeder Perle ein Ave Maria gebetet, wobei jeweils ein anderes Geheimnis angefügt wird. Der Ring besteht aus einem Ring mit zehn Erhebungen beziehungsweise zehn kleinen Perlen und einem Kreuz.

Gebetsweise Siehe auch: Anleitung zum Rosenkranzgebet – Anleitung zum lateinischen Rosenkranzgebet

Gebetet wird der Rosenkranz wie folgt:

Kreuzzeichen, „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ () Apostolisches Glaubensbekenntnis, dabei wird das Kreuz in der Hand gehalten Ehre sei dem Vater und Vaterunser an der ersten großen Perle drei Ave Maria mit eingefügten Bitten um christliche Tugenden an den folgenden drei kleinen Perlen:Diese Gebete gehen auf Johannes Busaeus zurück (Manuale Sodalitatis B. Mariae Virginis siue Exercitium Spirituale Christianae Pietatis, Coloniae Agrippinae 1601, S. 84. google.ad; wieder in: Enchiridion Piarum Meditationum. Moguntiae 1605, S. 575. books.google.de); die abgewandelten heutigen Formulierungen stammen von Wilhelm Nakatenus (Coeleste Palmetum. Coloniae 1667, S. 343 f.; Ausgabe 1679, S. 344.), der sie zunächst noch wie bei Busaeus übernommen hatte (Thesaurus Sacrae Supellectilis, Augustae Trevirorum 1650, S. 346 f.; Ausgabe Coloniae 1678, S. 362 f.). Sie bezogen sich ursprünglich nur auf die freudenreichen Geheimnisse, während den schmerzhaften und glorreichen Geheimnissen an den drei Perlen eigene Gebete um weitere Gnaden zugeordnet waren. In der deutschen Ausgabe von Nakatenus’ Himmlischem Palm-Gärtlein fehlt die Anleitung zum Rosenkranz (Kurt Küppers: Das Himmlisch Palm-Gärtlein des Wilhelm Nakatenus SJ (1617–1682). Untersuchungen zu Ausgaben, Inhalt und Verbreitung eines katholischen Gebetbuchs der Barockzeit. Regensburg 1981 [= Studien zur Pastoralliturgie 4], S. 222 f.). {| class="wikitable" ! width="50%"|deutsch ! width="50%"|lateinisch |- |Jesus, der in uns den Glauben vermehre |Iesus, qui adaugeat nobis fidem |- |Jesus, der in uns die Hoffnung stärke |Iesus, qui corroboret nobis spem |- |Jesus, der in uns die Liebe entzünde |Iesus, qui perficiat in nobis caritatem

Doxologie und anschließend fünfzig Ave Maria, in Zehnergruppen (Gesätze) gegliedert. In jeder Zehnergruppe wird jeweils nach dem Wort „Jesus“ ein sogenanntes Rosenkranzgeheimnis eingefügt, ein Glaubenssatz, der das Leben und Sterben Jesu und seiner Mutter Maria betrifft.

Jedes Gesätz wird eingeleitet mit dem Vater unser (an der großen Perle) und abgeschlossen mit dem Ehre sei dem Vater (vor der nächsten großen Perle). Manchmal wird nach dem Ehre sei dem Vater noch das Fatima-Gebet eingefügt, das jedoch nicht Bestandteil des Rosenkranzes ist. Im Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche ist ein Schlussgebet formuliert:

℣: „Bitte für uns, heilige Gottesmutter.“ ℟: „Auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.“ ℣: „Lasset uns beten. Gott, dein eingeborener Sohn hat uns durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung die Schätze des ewigen Heiles erworben. Wir verehren diese Geheimnisse im heiligen Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria. Lass uns nachahmen, was sie enthalten, und erlangen, was sie verheißen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.“ ℟: „Amen.“

In Gemeinschaft kann das Rosenkranzgebet eingebettet sein in eine Rosenkranzandacht in einer Kirche oder Kapelle. Dabei wird das Gebet des ganzen Rosenkranzes oder einzelner Gesätze von passenden Liedern, marianischen Gebeten und meditativen Impulsen umrahmt. Den Abschluss des Rosenkranzes bildet oft eine marianische Antiphon, mancherorts die Lauretanische Litanei, im Rosenkranz für die Verschiedenen meist die Litanei für die Verstorbenen.

Rosenkranzgeheimnisse Derzeit gibt es – in Fünfergruppen aufgeteilt – zwanzig Geheimnisse, die beim Rosenkranzgebet betrachtet werden. Der Begriff und die inzwischen traditionellen fünfzehn Geheimnisse gehen zurück auf Louis-Marie Grignion de Montfort (1673–1716). Den fünfzehn Geheimnissen hat Papst Johannes Paul II. im Oktober 2002 anlässlich des 24. Jahrestages seiner Wahl zum Papst mit dem Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis MariaeVgl. eine vierte Fünfergruppe von Rosenkranzgeheimnissen, die lichtreichen Geheimnisse, hinzugefügt.Vgl. Johannes Paul II. 2002, Nr. 21

Die Geheimnisse werden traditionell als Schlusswendung (Clausula) in Form eines Relativsatzes an den ersten Teil des Ave Maria angefügt, z. B.: „…gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus – der von den Toten auferstanden ist“.

Freudenreiche Geheimnisse (gaudii mysteria) Die freudenreichen Geheimnisse (auch freudenreicher Rosenkranz) betrachten die Menschwerdung Gottes und das verborgene Leben Jesu.

{| class="wikitable" ! width="50%"|deutsch ! width="50%"|lateinisch |- |Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast |quem Virgo concepisti |- |Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast |quem visitando Elisabeth portasti |- |Jesus, den du, o Jungfrau, zu Betlehem geboren hast |quem Virgo genuisti. |- |Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast |quem in templo praesentasti |- |Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast |quem in templo invenisti

Schmerzhafte Geheimnisse (doloris mysteria) Die schmerzhaften Geheimnisse (auch schmerzhafter oder schmerzreicher Rosenkranz) betrachten die Passion Jesu Christi.

{| class="wikitable" ! width="50%"|deutsch ! width="50%"|lateinisch |- |Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat |qui pro nobis sanguinem sudavit |- |Jesus, der für uns gegeißelt worden ist |qui pro nobis flagellatus est |- |Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist |qui pro nobis spinis coronatus est |- |Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat |qui pro nobis crucem baiulavit |- |Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist |qui pro nobis crucifixus est

Glorreiche Geheimnisse (gloriae mysteria) Die glorreichen Geheimnisse (auch glorreicher Rosenkranz) betrachten die Auferstehung Christi.

{| class="wikitable" ! width="50%"|deutsch ! width="50%"|lateinisch |- |Jesus, der von den Toten auferstanden ist |qui resurrexit a mortuis |- |Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist |qui in caelum ascendit |- |Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat |qui Spiritum Sanctum misit |- |Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat |qui te, Virgo, assumpsit. |- |Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat In dieser Frau wird in der christlichen Frömmigkeitsgeschichte Maria, die Mutter Jesu gesehen. |qui te, Virgo, in caelis coronavit.

Lichtreiche Geheimnisse (lucis mysteria) Die lichtreichen Geheimnisse (auch lichtreicher Rosenkranz) betrachten einige besonders bedeutende Momente des öffentlichen Lebens und Wirkens Jesu, so seine Taufe im Jordan durch Johannes, das Wunder bei der Hochzeit zu Kana, die Verkündigung des Reiches Gottes, seine Verklärung auf dem Berg Tabor und die Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl in Jerusalem.

{| class="wikitable" ! width="50%"|deutsch ! width="50%"|lateinisch |- |Jesus, der von Johannes getauft worden ist |qui apud Iordanem baptizatus est |- |Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat |qui ipsum revelavit apud Canense matrimonium |- |Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat |qui regnum Dei annuntiavit |- |Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist |qui transfiguratus est |- |Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat |qui eucharistiam instituit

Eigene Formulierungen Außerdem ist es möglich, eigene Rosenkranzgeheimnisse zu formulieren. Ein Beispiel dafür bietet das katholische Gebet- und Gesangbuch Gotteslob (Nr. 4, Abschnitt 8) mit den trostreichen Geheimnissen des trostreichen Rosenkranzes, die das kommende Gottesreich betrachten:

{| class="wikitable" ! width="50%"|deutsch ! width="50%"|lateinisch |- |Jesus, der als König herrscht |qui rex regnat |- |Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt (herrscht) |qui in ecclesia sua vivit et regnat |- |Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit |qui iterum venturus est in gloria |- |Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten |qui iudicabit vivos et mortuos |- |Jesus, der alles vollenden wird |qui omnia perficiet