mini|300px|Blick aus der Altstadt auf die Neustadt
Arnsberg () ist eine große kreisangehörige Stadt im Sauerland in Nordrhein-Westfalen und Sitz der Bezirksregierung des Regierungsbezirks Arnsberg. Bis zur kommunalen Neugliederung 1975 war Arnsberg Kreisstadt des Kreises Arnsberg und gehört seitdem zum Hochsauerlandkreis. Auch die Struktur der heutigen Stadt geht auf die kommunale Neugliederung zurück. Durch das Sauerland/Paderborn-Gesetz (§ 5) wurden Neheim-Hüsten, Arnsberg und eine Reihe weiterer Gemeinden zu einer neuen Stadt zusammengeschlossen.
Geographie Lage Die Stadt liegt im Norden des Rheinischen Schiefergebirges im Tal der Ruhr, von der die Stadt wesentlich geprägt wird. Im Stadtgebiet münden die kleineren Flüsse Röhr und Möhne in die Ruhr. In den Tälern dieser Flüsse liegen die wesentlichen Siedlungsschwerpunkte der Stadt. Besonders charakteristisch ist die große Ruhrschleife, die die Altstadt von Arnsberg auf zwei Seiten einschließt. Begrenzt werden die Flusstäler von meist bewaldeten Erhebungen. Unmittelbar nördlich des Stadtgebietes erheben sich die Höhen des Naturparks Arnsberger Wald, im Süden verlaufen die Ausläufer vom Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Das Stadtgebiet der Stadt Arnsberg liegt auf einer Höhe von 146 bis 448 Metern über NN. Es ist 193,72 Quadratkilometer groß. Mit 121,10 Quadratkilometern sind damit 63 Prozent des Gebiets Waldfläche. 18 Prozent der Gesamtfläche Arnsbergs werden landwirtschaftlich genutzt, Siedlungs- und Verkehrsflächen machen ebenfalls einen Anteil von 18 Prozent aus.aus dem Flächennutzungsplan der Stadt Arnsberg, Stand 2010
Geologie Arnsberg liegt, geologisch betrachtet, auf einem östlichen Ausläufer des Remscheid-Altenaer Sattels. Innerhalb des Stadtgebietes stammen die Gesteinsformationen überwiegend aus dem Pennsylvanium. Man kann Namur-Schiefer und Grauwacken sehr gut am Ruhr-Uferweg betrachten, wenn man sich, beginnend am Osthang des Lüsenberges, in Richtung Südosten bewegt. Hier tauchen die sehr stark gefalteten Erdschichten etwa in einem Winkel von 45 Grad nach Ost-Nord-Ost ab. Geht man von hier aus etwa 1,5 Kilometer nach Südwesten ans Westufer der Ruhr unterhalb des Parkhotels, so sieht man, dass hier die Faltung der gleichen Gesteinsarten genau in die entgegengesetzte Richtung erfolgt ist.
Gut einen Kilometer nördlich davon schiebt sich, aus West-Süd-West kommend, ein etwa einen Kilometer breiter Keil mit Kulm-Plattenkalken aus dem Mississippium in Richtung Nordosten und endet etwa zwei Kilometer östlich der nördlichen Ruhrschleife. Auf dieser Schicht liegt der Arnsberger Schlossberg, von dem aus man einen weitläufigen Blick über die Doppelschleife der Ruhr erhält.
Auf der Straße nach Rumbeck, etwa am südöstlichen Rand der Stadt Arnsberg, kann man sehr gut die verschiedenen älteren Ruhrterrassen beobachten. Die höchsten und ältesten Terrassenschotter liegen bis zu 100 Meter über dem heutigen Flussniveau. Auf dem Sporn südlich des Lüsenberges findet man mehrere Reste davon. Drei jüngere Terrassen befinden sich nördlich von Rumbeck, 40 bis 50 Meter, 25 Meter und 15 Meter über der jetzigen Talsohle.Franz Lotze (Hrsg.): Sammlung Geologischer Führer. Band 39. Sauerland. bearbeitet von Hermann Schmidt und Werner Pleßmann, Berlin 1961, S. 36f, 60–62.
Ausdehnung des Stadtgebiets Der Nord-Süd-Durchmesser der Stadt beträgt etwa 13 Kilometer, der Ost-West-Durchmesser etwa 24 Kilometer. Die Stadt erstreckt sich von Osten nach Westen im Wesentlichen entlang der Ruhr. Der östlichste Stadtteil ist Oeventrop, der westlichste Voßwinkel.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Norden an die Gemeinden Ense, Wickede (Ruhr) und Möhnesee und die Stadt Warstein, im Osten an die Stadt Meschede, im Süden an die Stadt Sundern und im Westen an die Städte Balve und Menden.
Stadtgliederung mini|Stadtteile von Arnsberg Die Stadt Arnsberg besteht aus folgenden Stadtteilen (Einwohner – Stand 31. Dezember 2019) (PDF; 36 kB) Neheim (22.955 Einwohner) Arnsberg (18.650) Hüsten (10.708) Oeventrop (6.198) Herdringen (3.861) Bruchhausen (3.188) Müschede (2.797) Voßwinkel (2.385) Holzen (2.001) Niedereimer (1.897) Rumbeck (1.145) Wennigloh (967) Bachum (886) Uentrop (319) Breitenbruch (227)
Klima mini|Klimadiagramm 1961–1990 mini|Klimadiagramm 2005–2015 In der Auswertung zwischen den Jahren 1961 und 1990 war der Juli durchschnittlich der wärmste Monat in Arnsberg. Er erreicht Durchschnittswerte von 16,2 °C. Der Niederschlag war in Arnsberg im Juni und Dezember am größten. Er betrug in diesen Monaten im Durchschnitt 103 Liter pro Quadratmeter.
Die Jahresmitteltemperatur in Arnsberg betrug 8,4 °C und es fällt pro Jahr durchschnittlich eine Niederschlagsmenge von 1029 Liter pro Quadratmeter.
Geschichte Mittelalter Im 11. Jahrhundert baute Graf Bernhard II. von Werl auf dem Römberg die Alte Burg. Eine zweite Burg ließ Graf Friedrich der Streitbare gegen Ende des Jahrhunderts auf dem gegenüberliegenden Adlerberg (Aarberg) bauen. Erstmals erwähnt wurde der Bau 1102. In diesem Jahr wurde sie erstmals durch Erzbischof Friedrich I. von Köln zerstört, da sich Graf Friedrich während des Investiturstreits auf die Seite von Kaiser Heinrich IV. gestellt hatte. Neben den Grafen von Arnsberg sind mit den Rüdenbergern auf der Rüdenburg und den Edelherren von Arnsberg zwei weitere mittelalterliche Adelsgeschlechter in der unmittelbaren Nähe bekannt.
mini|hochkant|links|Burg Arnsberg um 1570 Diese eigentliche Burg Arnsberg wurde zur Keimzelle der späteren Stadt.Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 55–57. Förderlich für die Entwicklung war, dass die Grafen ihren Hauptsitz nach Arnsberg verlegten und sich allmählich auch als Grafen von Arnsberg bezeichneten. Im Schutz dieser Burg entwickelte sich eine Siedlung. Im Jahr 1114 stellten sich die ersten 14 freien Familien unter den Schutz des Burgherren. Bereits in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde die Altstadt befestigt. Der heutige so genannte Glockenturm bildete damals den südlichen Torturm.
Im Jahr 1166 wurde unter der Herrschaft von Graf Heinrich I. die Burg von Truppen Heinrichs des Löwen nach dem Mord des Grafen an seinem Bruder erneut erobert. In der Folge stiftete Graf Heinrich I. das Prämonstratenserstift Wedinghausen (1170/1173) in einiger Entfernung von der Stadt. Die Klosterkirche war auch die Pfarrkirche für die Siedlung.
Die Bevölkerung Arnsbergs wuchs vergleichsweise rasch an, so dass unterhalb des Glockenturms seit Beginn des 13. Jahrhunderts eine weitere Siedlung entstand. Beide hatten zusammen etwa 1000 Bewohner. Im Jahr 1238 umschloss ein neuer Mauerring beide Siedlungsbereiche und auch das Kloster Wedinghausen. Trotz der Befestigungsmaßnahmen erfolgte 1366 die Eroberung und Einäscherung der Stadt während einer Fehde zwischen Graf Gottfried IV. und dem Grafen Engelbert III. von der Mark. 1238 erfolgte die Verleihung des Stadtrechtes.
Graf Gottfried IV. war der letzte Graf von Arnsberg, denn er verkaufte seine Grafschaft 1368 an den Kurfürsten von Köln, was das dortige Erzbistum in seinem Bemühen stärkte, ein geschlossenes rheinisch-westfälisches Territorium zu schaffen. Die Stadt war zur Zeit der kurkölnischen Herrschaft Residenz der Kölner Erzbischöfe im Herzogtum Westfalen und Tagungsort der Landständeversammlung. Daneben war die Stadt mit Sitz des Oberfreistuhls ein Zentrum der frühneuzeitlichen Rechtspflege (Feme). Dort wurden Regeln auch für die übrigen Freistühle in Westfalen erlassen. Doch mit der Soester Fehde der Jahre 1444 bis 1449 fanden diese Bemühungen ein Ende.
Für eine gewisse wirtschaftliche und politische Bedeutung spricht die Zugehörigkeit zur Hanse, deren Westfälisches Drittel von Dortmund geführt wurde. Soest, die zweite Stadt, bezeichnete 1554 neben Arnsberg auch Attendorn, Brilon, Lippstadt, Rüthen und Werl als seine Beistädte. Arnsberg wiederum unterstanden Allendorf, Balve, Eversberg und Hirschberg sowie die sieben Freiheiten, Bödefeld, Freienohl, Hachem, Hagen, Hüsten, Langenscheid und Sundern.Bernhard Gurk: Die Hanse und Westfalen. Ein Aufbruch nach Europa, Wartberg, 2000, S. 100.
Frühe Neuzeit mini|Arnsberg um 1588 Die ökonomische Entwicklung und mit ihr die Stadtentwicklung blieben seit dem Beginn der kurfürstlichen Herrschaft eng begrenzt. Über Jahrhunderte hinweg lag die Einwohnerzahl deutlich unter 2000 Personen. Nachteilig wirkte sich auch ein Stadtbrand im Jahr 1600 aus, der bis auf elf Häuser die gesamte Stadt vernichtete. Dabei ging auch das städtische Archiv verloren. Nach dem Brand wurde das Stadtrecht rekonstruiert.vergl. Kühlwetter: Das Arnsberger Statutarrecht, eine vorl. Abhandlung. Berlin, 1835 (Digitalisat) Während des Dreißigjährigen Krieges drohte die Stadt mehrfach eingenommen zu werden. Den ersten vergeblichen Versuch unternahm 1634 der gebürtige Arnsberger Eberhard Beckermann, der zu dieser Zeit in schwedischen Diensten stand. Die Errettung der Stadt wurde nicht zuletzt dem Heiligen Norbert von Xanten zugeschrieben. Zum Dank wird seit 1646 alljährlich eine Norbertusprozession abgehalten.Horst Conrad, Gunnar Teske (Hrsg.): Sterbzeiten. Der Dreißigjährige Krieg im Herzogtum Westfalen. Münster 2000, S. 227f. Im Jahr 1643 besetzten kaiserliche Truppen das Schloss und legten der Stadt hohe Kontributionen auf. Als der Kurfürst plante Soldaten in die Stadt zu legen, baten die Bürger ihn darauf zu verzichten, weil die Stadt die Soldaten nicht unterhalten könne und viele Bürger würden die Stadt verlassen. Die Preise für Nahrungsmittel stiegen stark an. Insgesamt nahm die Bevölkerung deutlich ab. Im Jahr 1633 hatte sie noch 1026 Einwohner, im Jahr 1640 waren es noch 810. Neben Kriegsfolgen war auch eine Pestwelle für die Entwicklung verantwortlich. Danach nahm die Bevölkerung wieder zu, hatte aber auch 1685 noch nicht wieder den Stand von 1633 erreicht.Werner Freitag: Westfalen. Geschichte eines Landes, seiner Städte und Regionen im Mittelalter und früher Neuzeit. Aschendorff, Münster 2023 S. 563
Das Prämonstratenserstift Wedinghausen blieb auch während der frühen Neuzeit ein geistliches Zentrum und erfuhr im Zuge der Gegenreformation eine wieder wachsende Bedeutung. Für die Stadt bedeutend war die Gründung des Gymnasiums Laurentianum im Jahr 1643. Die Stadt selbst dehnte sich nur langsam aus und blieb, von einigen Bauten wie dem Landsberger Hof abgesehen, durch Fachwerkkonstruktionen geprägt.
In der Zeit der Hexenverfolgungen ab 1621 leitete Hexenkommissar Heinrich von Schultheiß die Hexenprozesse in Arnsberg. Dieser war außerdem an der Gründung des Gymnasiums beteiligt. Von den Hexenprozessen war auch der Arnsberger Bürgermeister Henneke von Essen betroffen, der unter der Folter nicht gestand und am 14. August 1631 im Gefängnis starb.
Während der Gegenreformation kam es zur Ansiedlung einer Jesuitenmission.
In den ersten Jahrhunderten der Kurkölner Herrschaft blieb auch die Residenzfunktion relativ schwach ausgeprägt. Das änderte sich erst, als am Ende des 16. Jahrhunderts die Burg in mehreren Bauabschnitten in ein repräsentatives Schloss umgewandelt wurde.vgl. dazu: Katrin Liebelt: Die Sozialstruktur der Residenzstadt Arnsberg im 17. Jahrhundert. Dortmund 1996, ISBN 3-925227-38-5. Dieses wurde während des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1762 durch Kanonenbeschuss zerstört und ist seither eine Ruine.Zerstörung des Schlosses Arnsberg auf Wikisource, zeitgenössischer Bericht Auch die Stadt selber wurde dabei weitgehend zerstört. Damit endete auch die kurze Hochzeit als Residenzstadt wieder, wenngleich Arnsberg weiterhin politisches Zentrum des Herzogtums Westfalen blieb. In diesem Zusammenhang wurde 1784 ein Zuchthaus aus den Steinen des zerstörten Schlosses erbaut. Im Jahr 1799 wurden durch Brand erneut Teile der Stadt in Mitleidenschaft gezogen. Ein Plan zum Wiederaufbau sah danach eine geänderte Bebauung vor. An die Stelle der engen Gassen traten breitere Straßen.
19. Jahrhundert