mini|Hermann Burte beim Internationalen Dichtertreffen in Badenweiler 1954
Hermann Burte (* 15. Februar 1879 in Maulburg als Hermann Strübe; † 21. März 1960 in Lörrach) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Maler. Zu seinen bekanntesten literarischen Werken zählen der 1912 veröffentlichte Roman Wiltfeber, der ewige Deutsche und die 1914 veröffentlichte Tragödie Katte. Burte ist vor allem als alemannischer Mundartdichter bekannt. Burte war spätestens seit 1912 ein Verfechter der völkischen Ideologie und später ein Anhänger nationalsozialistischer Ideen.
Leben Hermann Strübes Vater Friedrich Strübe (1842–1912) war Kanzleigehilfe, die Mutter Elisabeth, geborene Kuhny, (1847–1917) führte zeitweise einen kleinen Laden. Ihr Sohn Hermann besuchte die Volksschule in Maulburg und die höhere Bürgerschule in Schopfheim. 1896 zog die Familie nach Lörrach, 1897 legte Strübe sein Abitur an der Oberrealschule in Freiburg im Breisgau ab. Danach besuchte er zunächst die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, wo er mehrere Preise errang. Anschließend studierte er wie auch später sein jüngerer Bruder Adolf Strübe an der Karlsruher Kunstakademie bei Ludwig Schmid-Reutte (1863–1909). Von 1900 bis 1904 unterrichtete Strübe stundenweise an der Kunstgewerbeschule. Für seine Leistungen erhielt er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in England.
Durch den engen Kontakt mit der englischen Literatur, besonders mit William Shakespeare, John Milton und William Wordsworth, wurde Strübe immer mehr zur Dichtung hingezogen, ohne jedoch die Malerei ganz aufzugeben. Bei einem anschließenden Aufenthalt in Paris nahm er 1905 an einem deutschen Preisausschreiben für einen „Volksroman“ mit dem Fragment „Der blonde Teufel“ teil und gewann einen Trostpreis. Strübe entschied sich daraufhin, Schriftsteller zu werden und wählte den Namen seines ersten Protagonisten als Pseudonym.
Jeremias Gotthelf, Friedrich Nietzsche und Carl Spitteler waren die literarischen Vorbilder von Hermann Burte. Der ideologische Einfluss Nietzsches und der „völkischen Bewegung“ ist – wie die allgemeine Grundstimmung in der deutsch-völkischen Kulturszene der ausgehenden wilhelminischen Epoche – schon im Roman Wiltfeber der ewige Deutsche. Die Geschichte eines Heimatsuchers (1912) unverkennbar. Darin schrieb Burte unter anderem: „Du bist ein Mann aus deutschem Blute, aber deutsch heißt völkisch, und arisch heißt herrisch …“.Vollständiges Zitat bei: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 90. Dieses Buch war ein durchschlagender Erfolg und wurde nach Ernst Klee zum „Kultbuch der völkischen Jugendbewegung“.Zitat aus: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 90. 1941 bemerkte der Dichter zu seinem Wiltfeber in Lebende Dichter um den Oberrhein S. 356: „Diese erste Ahnung von dem Hakenkreuze als dem Heilszeichen der Macht ist heute strahlende Wahrheit geworden in Deutschland und vor der Welt.“ 1913 wurde Wiltfeber rückwirkend mit dem Kleist-Preis für 1912 ausgezeichnet.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 90.
Die Zentralstelle für Auslandsdienst, eine Propagandabehörde des Deutschen Kaiserreichs, gegründet kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs, führte Hermann Strübe im Jahre 1916 als Mitarbeiter im Aufklärungsdienst.Bundesarchiv der Bundesrepublik Deutschland, 56075 Koblenz, Bestellsignatur R 901 / 72237
Burte wurde so schnell zum Verfechter völkischer Ideologie und schließlich auch Unterstützer des Nationalsozialismus, von dem er sich nach 1933 immer mehr vereinnahmen ließ. Das Hakenkreuz erscheint als „germanisches“ Heilssymbol bereits 1912, lange vor Hitler und ohne Bezug zu einer politischen Partei, im Wiltfeber.Wiltfeber. Sarasin, Leipzig 1912, S. 88. 1925 ließ er sich einen Schreibtisch mit Hakenkreuzmotiven nach eigenem Entwurf anfertigen.Markgräfler Jahrbuch 1939. S. 102.Ausstellung Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen des Deutschen Historischen Museums in Berlin im Jahre 2010; Ausstellung des Hakenkreuzschreibtisches von Burte im Original 1931 schrieb er noch als Deutschnationaler unter dem Titel Der Führer Weiheverse auf einen politischen Führer, den er später selbst als Adolf Hitler verstanden wissen wollte und die er später in Bühners Anthologie Dem Führer erneut abdrucken ließ.
Von 1924 bis 1932 trug Burte als Mitherausgeber und maßgeblicher Mitarbeiter der in Lörrach vierzehntäglich erscheinenden deutschnational-völkischen Zeitschrift Der Markgräfler zur Schwächung der Weimarer Republik und ihrer Institutionen bei. So lautete z. B. die Devise vom 15. Januar 1925: „Der Markgräfler bekämpft rücksichtslos und ohne Menschenfurcht den demokrätzigen Parlamentarismus […].“
Burte hatte als kirchlich geprägter Deutschnationaler zunächst eine ambivalente Haltung zum Nationalsozialismus und äußerte Vorbehalte. So schrieb der Kirchgänger Strübe-Burte sarkastisch am 12. Juni 1933 an seinen Parteifreund Herman Nohl: „Unter den jüdischen Büchern, die man am kommenden Sonntag in Karlsruhe fast amtlich verbrennt, fehlt – die Bibel!“Dass es sich hierbei um eine sarkastische Bemerkung handelt, zeigt Burtes anschließende Feststellung: „An den sechstausend Jahren gemessen, in deren Lauf Gottes Wort sich als wahr erwies, ist die jetzige Bewegung in Deutschland eine Episode. Die Deutschen haben völlig die Kampfmethoden ihrer Todfeinde – Todfeinde im Wesen! – angenommen!“ (Brief ausgestellt in der Sonderausstellung „Hermann Burte und der Nationalsozialismus“ im Museum am Burghof, Lörrach)
Burte war Mitglied der DNVP von 1919 bis zur Selbstauflösung der Partei im Juni 1933.Erich Will: Burte, Hermann. In: Bernd Ottnand (Hrsg.): Badische Monographien. Neue Folge Band II, Stuttgart 1987, S. 55. Im Januar 1936, gerade rechtzeitig vor der Verleihung des ersten Johann-Peter-Hebel-Preises an ihn am 10. Mai, beantragte Burte die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. April 1936 aufgenommen (Mitgliedsnummer 3.734.637).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/43700067 In seinem Werk Sieben Reden (1943) würdigte Burte Schiller, Grabbe und Hebel sowie den Dichter Adolf Bartels, einen bekennenden Antisemiten. Aber auch Hitler wurde von Burte mit Hymnen bedacht.Hermann Burte: Der Führer (Gedicht). In: Der Markgräfler, 15. März 1931. Markgräfler Jahrbuch 1940/41. S. 64. Der „Führer“ bedankte sich zum 65. Geburtstag mit 15.000 Reichsmark.Blümeli im Morast – Hermann Burtes alemannische Idyllen sind von seiner Ideologie korrumpiert. In: Der Sonntag. 8. Juli 2007. Burte – ein uneinsichtiger Verstrickter. In: Die Oberbadische. 14. Juli 2007.Bundesarchiv der Bundesrepublik Deutschland, Koblenz, Bestellsignatur R 55/377 sowie R 43-II/986 (Ehrengabe von Reichsminister Joseph Goebbels)
Selbst vor Spitzelberichten an den Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) schreckte Burte nicht zurück.Allmende. Nr. 64/65, S. 270–273. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Adolf Hitler im August 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Schriftsteller auf.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und neunmonatiger Internierung im Lörracher Gefängnis musste er sein Wohnrecht im „Flachsländer Hof“ aufgeben und kam bei Freunden in Efringen-Kirchen unter, wo er bis 1958 ansässig blieb. Im Zuge der Entnazifizierung wurde Hermann Strübe 1949 von der Freiburger Spruchkammer für politische Säuberung als „Minderbelasteter“ eingestuft. Ihm wurde eine zweijährige Bewährungsfrist auferlegt, außerdem wurden ihm politische Aktivitäten verboten. In dieser Zeit war er zunächst vorwiegend als Übersetzer französischer Gedichte tätig. Anschließend war er Ehrenmitglied beim rechtsextremistischen Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes.Braunes Gift in den Schulen – literarisch dosiert. S. 1–8; Dr. Rolf Dietrich Bäurle; Basel; 20. Juli 1959. Sein letzter Gedichtband, Stirn unter Sternen, enthielt erneut einige Gedichte, deren Deutung kontrovers diskutiert wurde, etwa Deutscher Wille, das revisionistisch interpretiert werden kann.Wolfgang Heidenreich: Der Burte – Neuvermessung des alemannischen Dichters, Redners und Malers Hermann Burte – Texte, Analysen, Gespräche. Manuskript der SWF-Radiosendung vom 19. November 1978, wiederholt am 10. Februar 1979. Wolfgang Heidenreich: Mein Alemannien. Notizen über einen Lebensraum mitten in Europa. In: Ji, Heft 12, 1998; ji.lviv.ua Während seiner letzten Lebensjahre lebte er in seinem Geburtsort Maulburg. Mit 81 Jahren starb Burte in Lörrach an einem Leberleiden; seine Beisetzung erfolgte in Maulburg.
Wirken mini|Selbstporträt Als Maler wie als Dichter hatte Burte dasselbe Ziel vor Augen: Gestaltung der Landschaft und des Menschen, seine Prägung durch die Heimat, aus der er wächst. Seinen Gedichten in alemannischer Mundart stehen die Gemälde gegenüber, zu denen ihn in erster Linie die Landschaft des Markgräflerlandes inspirierte, mit denen er aber auch die Veränderung und Zerstörung dieser Landschaft durch die industrielle Entwicklung dokumentierte.
Bleibend sind Burtes alemannische Gedichte, mit denen er einen Ruf als wirkungsstärkster Lyriker alemannischer Sprache nach Johann Peter Hebel erlangte, während seine Bekenntnisschrift Wiltfeber mit ihrer Claus-Ekkehard Bärsch: . In: theologie.geschichte. 3, 2008. ebenso wie seine Bühnenstücke nahezu vergessen sind. Beachtung finden auch seine Gemälde, wobei Burte selbst sein dichterisches Werk stets höher einschätzte als seine Malerei.
Beim Auftrag, ein Opern-Libretto aus Eichendorffs Novelle Das Schloß Dürande zu erstellen, war er „offensichtlich überfordert, die ambivalenten Figuren der Erzählung zu ebensolchen Opernfiguren zu entwickeln.“Wie befreit man eine Oper vom Gedankengut der Nazis? NZZ, 29. Mai 2018.
In der sowjetischen Besatzungszone wurde ab 1946 eine Liste der auszusondernden Literatur samt Ergänzungen bis 1953 herausgegeben, um die „Anordnungen der Militärregierung“ umzusetzen, „nach denen alle Schriften der Benutzung zu entziehen sind, die faschistischen oder militaristischen Inhalt haben, politische Expansionsgedanken enthalten, die nationalsozialistische Rassenlehre vertreten oder sich gegen die Alliierten wenden.“Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone: Vorbemerkung. In: dieselbe (Hrsg.): Liste der auszusondernden Literatur. Vorläufige Ausgabe nach dem Stand vom 1. April 1946, Zentralverlag, Berlin 1946, S. 2 (Hervorhebungen im Original). Burte war auf diesen Listen sechsfach vertreten: Volk und Kunst im Markgräflerland von 1934; die Auswahl Volk und Kunst sowie Vom Hofe, welcher unterging von 1935; Sieben Reden von 1943; Hermann Burte gegen John Masefield von 1944. Als auszusondern galt auch die Schrift Zum 60. Geburtstag des Dichters, die vom Oberbadischen Volksblatt 1939 herausgegeben worden war.Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone: Liste der auszusondernden Literatur. Zentralverlag, Berlin 1946; sowie dasselbe, Erster Nachtrag, Berlin 1947; dasselbe, Zweiter Nachtrag. Berlin 1948; abschließend: Ministerium für Volksbildung in der Deutschen Demokratischen Republik: Liste der auszusondernden Literatur. Dritter Nachtrag nach dem Stand vom 1. April 1952, VEB Deutscher Zentralverlag, Berlin 1953. Im Internet in den Ausgaben 1946, 1947, 1948 und 1953. Angaben zu den betreffenden Schriften Burtes: Burte, Hermann: Volk und Kunst im Markgräflerland. Poltier-Weeber, Lörrach 1934. Burte, Hermann: Volk und Kunst. Eine Ausw. Velhagen & Klasing, Bielefeld, Leipzig 1935. Burte, Hermann: Vom Hofe, welcher unterging. Diesterweg, Frankfurt am Main 1935 [Abschnitt aus dem Roman Wiltfeber]. Burte, Hermann: Sieben Reden. Hünenburg, Straßburg 1943. Burte, Hermann: Hermann Burte gegen John Masefield. Der Alemanne, Freiburg 1944. Hermann Burte. Zum 60. Geburtstag des Dichters am 15. Febr. 1939. Oberbad. Volksblatt, Lörrach 1939.