mini|Anschlussstelle mini|A 5 Anschlussstelle Zeppelinheim (Deutschland, 1988) mini|130px|Zeichen 448 der deutschen StVO mini|130px|Signal 4.59: Nummerntafel für Anschlüsse (Schweiz)
Eine Anschlussstelle (Symbol in Deutschland: Symbol in Deutschland, Kurzbezeichnung AS, in Österreich ASt) ist ein mindestens zur Autobahn planfreier, überwiegend teilplanfreier Knotenpunkt, der Autobahnen mit dem nachgeordneten Straßennetz verbindet. PIARC Dictionary. Den Begriff verwendet man auch bei anderen kreuzungsfrei ausgeführten Straßen wie Autostraßen (autobahnähnlichen Straßen), Schnellstraßen oder solchen Teilstücken wie Umfahrungen und Tunneln.
Eine Anschlussstelle als Anbindung an das hochrangige Straßennetz verbessert die Verkehrsinfrastruktur eines Gebiets und ist somit ein wichtiger Standortfaktor für die Wirtschaft. Sie besteht aus einer Auffahrt (Autobahnauffahrt), auch Einfahrt (Autobahneinfahrt), und einer Ausfahrt (Autobahnausfahrt), auch Abfahrt (Autobahnabfahrt), an beiden Richtungsfahrbahnen und ist so angelegt, dass der fließende Verkehr auf der Autobahn nicht beeinträchtigt wird. Dazu gibt es bei der Abfahrt einen neben der Autobahn verlaufenden Verzögerungsstreifen, der den abfahrenden Fahrzeugen die Reduzierung der Geschwindigkeit ermöglicht, um die Abfahrt sicher zu durchfahren. Bei der Auffahrt dient ein Beschleunigungsstreifen zum Erreichen der auf der Autobahn gefahrenen Geschwindigkeit, damit sich einfahrende Fahrzeuge in den fließenden Verkehr einordnen können. Verzögerungs- und Beschleunigungsstreifen sind jeweils durch Fahrbahnmarkierungen von der Autobahn getrennt. In Baustellenbereichen und dicht bebauten Gebieten können Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen extrem verkürzt sein oder gar ganz entfallen.
Bezeichnungen In der Schweiz lauten die Bezeichnungen für eine Autobahn-Auffahrt Autobahn-Einfahrt (wie französisch entrée/italienisch entrata), die Abfahrt entsprechend Ausfahrt (wie französisch sortie/italienisch uscita). Der Begriff Auffahrt bezeichnet in der Schweiz den christlichen Feiertag Christi Himmelfahrt, Abfahrt eine Disziplin im Skisport oder den Zeitpunkt einer Wegfahrt (z. B. bei der Bahn).
Benennung und Nummerierung Benannt sind Anschlussstellen im deutschsprachigen Raum in der Regel nach einem nahen Ort oder Gemeinde (nicht zwingend dem baulich nächsten), vereinzelt auch nach angeschlossenen Regionen.
Zusätzlich ist jeder Anschlussstelle eine Nummer zugeordnet, was orts- oder sprachfremden Fahrern die Orientierung erleichtert.
In der Schweiz und in Deutschland hat jede Anschlussstelle eine sequenzielle Nummer (relative Nummerierung), die im Normalfall für jede Autobahn bei 1 beginnt, wobei auch Autobahnkreuze und Autobahndreiecke mitgezählt werden. Bei Doppelanschlussstellen oder Anschlussstellen innerhalb eines Knotenpunktes kann auch eine gemeinsame Nummer für mehrere Ausfahrten vergeben werden. Wird zwischen zwei bestehenden Anschlussstellen eine weitere errichtet, wird die Nummerierung mit nachgestellten Buchstaben erweitert (etwa 23 – 24a – 24b – 25 auf der A 27 zwischen Achim und Verden).
In Österreich, der Slowakei, Tschechien, Ungarn und anderen Ländern dagegen entspricht die Exit-Nummer dem laufenden Autobahnkilometer der Anschlussstelle (absolute Nummerierung). Das hat den Vorteil, dass man als Nutzer mit der Nummer der Anschlussstelle und zusätzlich mit der amtlichen Autobahnkilometrierung laufend über den Stand der zurückgelegten/zurückzulegenden Entfernungen informiert ist, auch muss das Nummerierungsschema für nachträglich errichtete Anschlussstellen nicht angepasst oder erweitert werden.
Bauformen
Es gibt verschiedene Bauformen von Anschlussstellen, die je nach den topografischen Voraussetzungen und dem Verkehrsaufkommen unterschiedlich ausfallen können. Meist führt der Autobahnzubringer über eine Brücke über die Autobahn, was die für die Fahrzeuge energieeffizientere Variante ist. Vor allem in dicht bebauten Gebieten führt manchmal die Autobahn über den Zubringer hinweg. Üblicherweise finden sich die Abfahrten auf der rechten Fahrbahnseite, selbst wenn die Abfahrt auf eine Straße führt, die nach links verläuft. Es gibt in Deutschland nur wenige Anschlussstellen, die nach links weggeführt werden. Die Wahl der Bauform beinhaltet Baukosten (Flächenverbrauch, Asphalt- und Brückenfläche), Verkehrssicherheit und die Kapazität (Verkehrsmengen je Richtung), ferner die Warte- und Fahrzeit je Fahrzeug sowie die damit verbundene wirtschaftliche und Umweltbilanz sowie Betriebskosten wie die Lebensdauer des Asphaltes und der Betrieb und die Instandhaltung von Ampelanlagen. Bei den in Deutschland vorkommenden Formen von Anschlussstellen dominieren diese, bei denen drei Verkehrsrichtungen im Konflikt stehen. Dementsprechend ist die Leistungsfähigkeit des Zubringers betroffen.
In Ballungsgebieten sind gelegentlich Anschlussstellen anzutreffen, die nur das Auf- oder Abfahren in eine Richtung erlauben. Das sind Halb- und unvollständige Anschlussstellen, sogenannte Teilanschlussstellen. Häufig sind an den beiden Richtungsfahrbahnen auch unterschiedliche Bauformen von Ab- und Auffahrt vorhanden. mini|Holländerrampen mini|Vier Direktrampen mit S-förmigen Kurven
Parallelrampen Die Abfahrt verläuft vor der Querung der Zubringerstraße. Auf der anderen Straßenseite führt die Auffahrt auf die Autobahn. Dadurch entstehen zwei Kreuzungen mit je einer Einbahnstraße auf dem Zubringer. mini|Silvia Park Mt Wellington Interchange(ein TUDI in Neuseeland) Diese Bauform findet oft dort Verwendung, wo das Gebiet neben der Autobahn keinen ausgedehnteren Ausbau ermöglicht. Im angelsächsischen Sprachraum wird die Variante aufgrund ihrer Rautenform im Grundriss als „Diamond“ bezeichnet. Auch die Richtlinien für die Anlage von Autobahnen (RAA 2008) bezeichnet diese Bauform als „Raute“. Verlaufen die Auf- und Abfahrten sehr nah und nahezu parallel zur übergeordneten Straße, nennt man diese Bauform auch „Holländerrampen“.
In Deutschland kommen sie auf der B 10 zwischen Stuttgart-Wangen und Esslingen sowie an der Anschlussstelle Schulzendorfer Str. an der A 111 bei Berlin-Heiligensee vor . Eine besonders enge und steile Variante der Holländerrampe findet sich an der Ausfahrt Oberlinxweiler der B 41. Echte Holländerrampen sind im Osten von Rotterdam auf der A 20 zum Capelseweg zu finden: .
Aus Sicherheitsgründen werden gerade Rampen nach Möglichkeit vermieden, da bei langer und schneller Fahrt das Gefühl für die Geschwindigkeit verloren geht und der Blick in die gegenüber liegende Rampe einen Streckenverlauf suggeriert. Durch Kurven werden die Verkehrsteilnehmer wieder auf ihre tatsächliche Geschwindigkeit aufmerksam gemacht.
U. a. in den USA und Dänemark werden die Rampen teilweise in einem Abstand von ca. 100 m von der Autobahn geführt. Das hat unter anderem den Grund, dass die Autobahn bei Bedarf später verbreitert werden kann und nachträglich indirekte Rampen, auch „Ohren“ oder „Schleifenrampen“ genannt, zur Entlastung des Zubringers eingebaut werden können. Die Anschlussstellen mit indirekten Rampen zählen zu den Kleeblättern (Teilkleeblatt). Ein weiterer Effekt der mit Abstand geführten Rampen ist die Verlängerung der Strecke zwischen den Kreuzungen auf dem Zubringer. Das verlängert die Fahrzeit der Fahrzeuge zwischen den beiden Kreuzungen und wirkt sich je nach Auslastung in jeder Richtung auf die Gesamtleistungsfähigkeit des Knotens hinsichtlich des Durchgangsverkehrs auf dem Zubringer (der die Autobahn nicht benutzt) aus.
In den USA wird die Bauform mit eng an der Autobahn geführten Holländerrampen in Verbindung mit zwei ampelgeregelten vierarmigen Kreuzungen auf dem Zubringer unter Verkehrsingenieuren als (kurz TUDI) bezeichnet. Bei einer TUDI (enger Raute) liegen die beiden Linksabbiegestreifen unmittelbar nebeneinander und auf der Brücke, so dass diese vierspurig ausgeführt werden muss. TUDIs in Deutschland sind auf den Stadtautobahnen von München zu finden.
Sind die Rampenenden etwas weiter von der Autobahn entfernt, wird die Brücke dreispurig, da die Linksabbiegestreifen hintereinander liegen. Bei sehr weiten Rampen kann eine zweispurige Brücke genügen, wenn die Linksabbiegestreifen außerhalb der Überwerfung in ausreichender Länge Platz finden.
Contra Flow Left Turn In Florida ist eine Sonderform der TUDI zu finden, bei der die Linksabbieger vor der ersten Zubringerkreuzung gesammelt werden und links von den Linksabbiegern des Gegenverkehrs über die Brücke geführt werden. Diese Bauform wird als „Contra Flow Left Turn“ (CFL) bezeichnet und ist am Lyons Creek Parkway zum Sawgrass Expressway (FL 869) bei zu finden.Indrajit Chatterjee, Siddharth Sharma: (PDF; 540 kB) Center for Transportation Research and Education at Iowa State University, 2007.Unconventional Arterial Intersection Design. Contraflow Left Interchange. University of Maryland, ATTAP, abgerufen am 11. Dezember 2013. CFL ermöglicht einer ursprünglichen TUDI das tangentiale Linksabbiegen wie in der SPUI.Indrajit Chatterjee, Siddharth Sharma: (PDF) Department of Civil and Environmental Engineering University of Missouri, Columbia, abgerufen am 20. Juli 2015.
Michigan Urban Diamond Interchange Um den Zubringer leistungsfähiger zu gestalten, wurde auch das Michigan Left in eine Anschlussstelle integriert, bezeichnet als Michigan Urban Diamond Interchange (MUDI) oder Median U-Turn Interchange (MUT). Dies erfordert weitere zwei Brücken für die Wenderampen. Ein Beispiel ist auf der Interstate 696, dem Walter P. Reuther Freeway in Southfield (Michigan) bei . Im italienischen Foligno sind an der Strada Statale Flaminia dreiarmige MUDI bei .
mini|Split Diamond Interchange („geteilte Raute“) mini|Hantel
Geteilte Raute Die „Split Diamond Interchange“ kann in etwa als „geteilte Raute“ bezeichnet werden. Ihre Grundlage ist die Town Center Intersection, die auf der Split Intersection basiert und bei der sich mit etwas Abstand geteilte Richtungsfahrbahnen des Zubringers mit den Rampen kreuzen und die ursprüngliche Kreuzung auf vier Knotenpunkte aufteilen, die dadurch nur zwei Konflikte aufweisen. Eine „geteilte Raute“ mit zwei Hauptrichtungen ist die Drei-Etagen-Raute, auch „Volleyball“ genannt. Frankenschnellweg AS Fürth-Poppenreuth (Poppenreuther Brücke) Neckartalstraße zur B 39 in Heilbronn A 661 AS Frankfurt Ost zur B 8 in Frankfurt am Main
Hantel Amerikanische Verkehrsingenieure sprechen von der , der Anschlussstelle in Form einer Hantel. Diese entspricht Holländerrampen mit dem Unterschied, dass die Kreuzungen auf dem Zubringer mit den Rampenenden durch Kreisverkehre ersetzt sind, die im Luftbild wie die Gewichte einer Hantel angeordnet sind. Diese Bauform kommt gehäuft im Vereinigten Königreich, Frankreich, den Emiraten, Spanien und Italien vor, in Deutschland, den USA und Australien vereinzelt bei Neubauten und Änderungen bei kleinerem Verkehrsaufkommen. In Deutschland ist als Beispiel die in den 2010er-Jahren erbaute Anschlussstelle Waldkappel an der Bundesautobahn 44 zu nennen: . Die Kreisverkehre können neben dem Zubringer noch andere Straßen mit anbinden. Die Vorzüge dieser Variante liegen in den geringeren Betriebskosten. Es wird keine Ampel und damit kein Elektrizitätsanschluss benötigt und der Asphalt von Kreisverkehren muss im Vergleich zu einer Ampelkreuzung weniger häufig erneuert werden. Bei Überlast können, sofern Platz vorhanden ist, dritte Rampen je Autobahnseite nachgerüstet werden, die den passierenden Fahrzeugen eine um 180° verkürzte Durchfahrt des Kreisverkehrs ermöglichen. Der Ausbau zu Turbokreisverkehren ist angewandte Praxis.
Einer oder beide Kreisverkehrsplätze in der Hantel können auch mit zusätzlichen Auf- bzw. Abfahrrampen versehen sein, um die Kapazität zu erhöhen. Ein gutes Beispiel für so eine „Turbo-Hantel“, die vor dem Bau der L14n ein halbes Kleeblatt war, findet man in Jülich ().
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