Die slowakische Sprache (slowakisch ) gehört gemeinsam mit Tschechisch, Polnisch, Kaschubisch und Sorbisch zu den westslawischen Sprachen und damit zur indogermanischen Sprachfamilie. Slowakisch wird von rund fünf Millionen Menschen in der Slowakei und etwa zwei Millionen Auswanderern, davon ungefähr eine Million in Nordamerika (USA, Kanada) gesprochen. Seit dem 1. Mai 2004, dem Beitritt der Slowakei zur Europäischen Union, ist Slowakisch eine der Amtssprachen der Europäischen Union.

Tschechisch und Slowakisch

Slowaken und Tschechen verstanden einander über lange Zeit recht problemlos. Gefördert wurde dies durch die gemeinsame Geschichte in der Tschechoslowakei von 1918 bis 1992. Jedoch werden zunehmend Verständnisprobleme bei der jüngeren tschechischen Generation beobachtet, die nach der Trennung der Slowakei und Tschechiens aufgewachsen ist. Im Gegensatz zu den jüngeren Slowaken, die weiterhin tschechische Medien und Literatur konsumieren, hat der Kontakt mit der slowakischen Sprache insbesondere im Westen Tschechiens (Böhmen) stark abgenommen.Markéta Kachlíková: Slowakisch ist für junge Tschechen eine Fremdsprache, Beitrag von Radio Praha vom 27. Februar 2013, abgerufen am 6. Juni 2017 Offizielle Dokumente in der jeweils anderen Landessprache werden in Tschechien und der Slowakei automatisch anerkannt. Das Recht, im Amtsverkehr die andere Sprache zu verwenden, ist im slowakischen MinderheitensprachengesetzZákon č. 184/1999 Z. z.; Zákon o používaní jazykov národnostných menšín, Digitalisat und im tschechischen VerwaltungsordnungsgesetzZákon č. 500/2004 Sb.; Zákon správní řád, Digitalisat verankert. Fernsehsendungen in der jeweils anderen Sprache werden in der Slowakei fast immer und in Tschechien oft unübersetzt ausgestrahlt.

Geschichte mini|318x318px|Denkmal für Anton Bernolák mit dessen Aufforderung „Slováci, píšte po slovensky!“, deutsch „Slowaken, schreibt auf Slowakisch!“, in Trnava

Das Slowakische entstand im 10. Jahrhundert nach dem Untergang des Großmährischen Reiches aus der Sprache der slověne (ausgesprochen etwa [slowäne] (offenes e) oder [slowene] (mittleres e)), das heißt der Bevölkerung dieses Reichs (siehe unter Slawen), in Form mehrerer Dialekte. Vom 10. bis zum 19. Jahrhundert wurde im Königreich Ungarn (dessen Bestandteil die Slowakei im 11. Jahrhundert geworden war) als Amts- und Literatursprache vorwiegend Latein verwendet. Außerdem wurde zum Teil Deutsch und Ungarisch verwendet. Daneben begann vor allem das Bürgertum der Slowakei im 13. und 14. Jahrhundert, die eigene Sprache als (parallele) Amtssprache zu verwenden, wobei man allerdings schon bald (am Ende des 14. Jahrhunderts) dazu überging, in dieser Funktion und später auch als Literatursprache das Tschechische einzusetzen. Die Gründe hierfür waren anfangs vor allem, dass es sich um eine bereits „fertige“ Schriftsprache eines verwandten Landes mit einer berühmten Universität in Prag handelte, im 15. Jahrhundert auch der Einfluss tschechischer Hussiten in der Slowakei und später auch der Einfluss tschechischer protestantischer Emigranten in der Slowakei. Umgekehrt waren unter den vier wichtigsten Erneuerern der tschechischen Sprache im 18. und 19. Jahrhundert zwei Slowaken, Jan Kollár und Pavel Jozef Šafárik. Die tschechischen Texte wurden aber sehr oft (bewusst oder unbewusst) mit slowakischen Elementen versehen (so genanntes slowakisiertes Tschechisch, siehe auch Žilina). Im mündlichen Gebrauch wurden natürlich weiterhin die jeweiligen slowakischen Dialekte verwendet.

Obwohl es schon im 16. Jahrhundert Versuche gab, eine gemeinsame slowakische Schriftsprache zu etablieren, wurde die erste richtige einheitliche Schriftsprache erst 1787 von Anton Bernolák auf der Grundlage des westslowakischen Dialektes aus der Umgebung Trnavas festgelegt. Die heutige slowakische Schriftsprache wurde in den 1840er Jahren von Ľudovít Štúr auf der Basis eines mittelslowakischen Dialektes festgelegt (siehe Nationale Wiedergeburt der Slowaken). Die späte Kodifizierung der Sprache ermöglichte, wesentliche Bereiche des slowakischen Formensystems einfacher zu halten als das tschechische.

Grammatik

Slowakisch ist eine stark flektierende Sprache mit sechs grammatikalischen Fällen.

Aussprache Grundregeln: Im Slowakischen wird grundsätzlich die erste Silbe betont, aber nicht in allen Dialekten. Die mit dem „Dĺžeň“ (= Verlängerungszeichen) gekennzeichneten Buchstaben (á, é, í, ó, ú, ý, ĺ, ŕ) werden lang ausgesprochen. Die beiden seltenen Halbvokale ĺ und ŕ sind dabei deutlich lang auszusprechen. Lange und betonte Silben fallen nicht notwendigerweise zusammen, das heißt, es gibt auch unbetonte Längen. Die mit dem „Mäkčeň“ (= Weichheitszeichen) gekennzeichneten Buchstaben (ď, ň, ľ, ť) werden weich ausgesprochen, das heißt in der Regel mit einem Anklang an ein j hinter dem Konsonanten artikuliert. In der Phonetik ist dies als Palatalisierung bekannt und bezeichnet die Aussprache eines Konsonanten mit zum harten Gaumen angehobener Zungenmitte. Ferner werden mit diesem diakritischen Zeichen Zischlaute bezeichnet (č, dž, š, ž). Verwirrenderweise wird der Mäkčeň bei Großbuchstaben und bei kleinen č, dž, ň, š, ž stets als ˇ, nach kleinen ď, ľ, ť meist als zum Buchstaben gehörende allographische Variante des Apostrophs ’ geschrieben. Vor e und i werden d/l/n/t palatalisiert ausgesprochen, das heißt mit einem Anklang an ein j hinter dem Konsonanten artikuliert. Die Zunge geht dabei zum vorderen Gaumen. Von dieser Regel gibt es eine Reihe von Ausnahmen, vor allem in Fremdwörtern (zum Beispiel wird das Wort telefón wie auf Deutsch ausgesprochen), aber auch in einer kleineren Gruppe einheimischer Wörter wie teraz „jetzt“.

Die meisten Buchstaben werden ausgesprochen wie im Deutschen. Anders gesprochen werden (zum Teil aufgrund der vorstehend genannten Grundregeln):

Aussprache der slowakischen Laute Aussprache im Deutschen mit Beispielen á, é, í, ó, ú, ý

langes a, e, i, o, u, i áno, pekné, slovník, móda, kultúra, nový Wahrheit, Mähne, Liebe, englisch all, Huhn, Liebe ä oder sehr offenes e oder einfach ä päť ungefähr wie Kälte in Norddeutschland ô [u̯o] uo stôl zusammengesprochenes uo, ein Diphthong c

stimmloses tz, z ceruzka z (Zimmer) dz

stimmhaftes dz, z medza italienisch organizzare, altgriechisch dzügos č

stimmloses tsch slečna tsch (deutsch) ch

stimmloses ch, auch am Wortanfang chlieb wie dt. ch in Bach, Nacht dž

stimmhaftes dsch džem dsch (Dschungel) s

stimmloses s slovník weiß z

stimmhaftes s zošit s (Rose) š

stimmloses sch škola sch (Schule) ž

stimmhaftes sch žena französisch garage ď

palatalisiertes (weiches) d ďakujem ungefähr wie in Nadja ť

palatalisiertes (weiches) t robiť ungefähr wie in Katja ň

palatalisiertes (weiches) n deň französisch Avignon, spanisch ñ oder ungenau wiedergegeben Tanja ľ

palatalisiertes (weiches) l učiteľ wie gli... im Italienischen oder ll im kontinentaleurop. Spanisch l

hartes l neutral l mit stark gesenkter Zungenmitte (ähnlich wie in zahlreichen deutschen Dialekten, z. B. Schweizerdeutsch oder Kölsch) r

immer Zungen-r ryba reden (Zungen-r) v

stimmhaftes w váza w (Wasser)

Noch zu beachten: e und o sind im Gegensatz zum Deutschen immer etwa halboffen v wird am Ende der Silbe wie ein bilabiales u [u̯] ausgesprochen, zum Beispiel dievča [ďieu̯ča] h wird immer ausgesprochen (nicht wie gähnen) und nähert sich im Silbenauslaut an das ch ck = c + k (nicht wie Hacke, sondern wie erzkatholisch) sch = s + ch (nicht wie Schule, sondern wie bisschen) sp = s + p (nicht wie speziell, sondern wie Raspel) st = s + t (nicht wie Stunde, sondern wie Wurst) eu = e + u (nicht wie Europa, sondern wie Museum)

Die rhythmische Kürzung Die als „rhythmische Kürzung“ bekannte Regel ist für das Slowakische charakteristisch. Gemäß dieser Regel dürfen im Slowakischen zwei lange Silben nicht aufeinander folgen. Wenn zwei lange Silben aufeinander folgen sollten, wird meistens die zweite gekürzt, zum Beispiel: krátky – normalerweise würde das „y“ auch mit Dĺžeň geschrieben werden (Adjektivendung -ký), also *krátký, was aber durch die rhythmische Kürzung vermieden wird, denn krá ist schon eine lange Silbe biely – hier ist bie schon eine lange Silbe (ie ist ein Diphthong), somit kommt bei „y“ kein Dĺžeň vor

Es gibt allerdings auch eine Reihe von Ausnahmen, so etwa die Possessivadjektive auf -í (z. B. vtáčí / vtačí „zum Vogel gehörig“), Substantive mit den Suffixen -ie (z. B. prútie „Reisig“) u. a. m., außerdem wird die Endung der 3. Person Plural auf -ia nie gekürzt. Die Menge der Ausnahmen nimmt jedoch im Alltagsgebrauch und entsprechend bei jeder Neukodifizierung der Sprache ständig ab. So hieß es z. B. bis in die 1990er Jahre píšúci (schreibend), mliekáreň (Molkerei), kamzíčí (zur Gämse gehörend), seit etwa 1997 jedoch bereits píšuci, mliekareň, kamzičí usw.

Dialekte mini|Die drei großen Dialektgruppen der Slowakei: 1. Westslowakische, 2. Mittelslowakische und 3. Ostslowakische Dialekte

Das gesprochene Slowakisch zerfällt in zahlreiche Dialekte. Diese lassen sich jedoch in drei Hauptgruppen unterteilen: Ostslowakische Dialekte in den Regionen Spiš, Šariš, Zemplín und Abov Mittelslowakische Dialekte in den Regionen Liptov, Orava, Turiec, Tekov, Hont, Novohrad, Gemer und dem historischen Komitat Zvolen Westslowakische Dialekte in der Region Kysuce und den historischen Komitaten Bratislava, Nitra und Trenčín

Manchmal wird noch eine vierte Gruppe angegeben, die sogenannten Unterland-Dialekte (slowakisch dolnozemské nárečia), die im heutigen Südostungarn (rund um Békéscsaba), Vojvodina (Serbien), westlichen Rumänien und kroatischen Syrmien gesprochen werden, also außerhalb der Grenzen der heutigen Slowakei. Neben örtlichen Einflüssen weist der Dialekt Ähnlichkeiten mit dem Novohrad-Dialekt auf.

In einem langen Streifen durch die Südslowakei existieren verschiedene slowakische Dialekte zusammen mit dem Ungarischen (auf der Karte mit der Nr. 4 markiert).

Für eine genauere Beschreibung der Regionen siehe Liste traditioneller Regionen der Slowakei.

Die slowakische Schrift und ihre diakritischen Zeichen

Groß Unicode Beschreibung Klein Unicode BeschreibungÁ ÁA mit dĺžeňá áa mit dĺžeňÄ ÄA Umlautä äa UmlautČ ČC mit mäkčeňč čc mit mäkčeňĎ ĎD mit mäkčeňď ďd mit mäkčeňÉ ÉE mit dĺžeňé ée mit dĺžeňÍ ÍI mit dĺžeňí íi mit dĺžeňĽ ĽL mit mäkčeňľ ľl mit mäkčeňĹ ĹL mit dĺžeňĺ ĺl mit dĺžeňŇ ŇN mit mäkčeňň ňn mit mäkčeňÓ ÓO mit dĺžeňó óo mit dĺžeňÔ ÔO circumflexô ôo circumflexŔ ŔR mit dĺžeňŕ ŕr mit dĺžeňŠ ŠS mit mäkčeňš šs mit mäkčeňŤ ŤT mit mäkčeňť ťt mit mäkčeňÚ ÚU mit dĺžeňú úu mit dĺžeňÝ ÝY mit dĺžeňý ýy mit dĺžeňŽ ŽZ mit mäkčeňž žz mit mäkčeň

Sprachbeispiel Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1: Datei:Universal Declaration of Human Rights - slo - msed - Art1.ogg

Normierungstexte Die slowakische Sprache wird vom Jazykovedný ústav Ľudovíta Štúra SAV (Sprachwissenschaftliches Ľudovít-Štúr-Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften) reguliert, normiert und kodifiziert. Die jeweils aktuellen Auflagen folgender 4 Werke sind per Gesetz für jeglichen offiziellen Gebrauch der Sprache absolut verpflichtend: Ján Doruľa u. a. (spätere Auflagen von J. Kačala J., M. Pisarčíková u. a. redigiert): Krátky slovník slovenského jazyka. [Kurzwörterbuch der slowakischen Sprache] (Abk. KSSJ; dies ist ein Äquivalent des deutschen Duden – Deutschen Universalwörterbuchs): 1. Auflage: Veda, Bratislava, 1987 2. Auflage: Veda, Bratislava, 1989 3. Auflage: Veda, Bratislava, 1997 4. Auflage: Veda, Bratislava, 2003, Online-Version: slovnik.juls.savba.sk + slovnik.juls.savba.sk (PDF; 493 kB) 5. Auflage: Vydavateľstvo Matice slovenskej, Martin, 2020, keine Online-Version