mini|144-MHz-Gruppenantenne zur Erde-Mond-Erde-Echokommunikation mini|Summits on the Air in Schottland unter Einsatz einer portablen Amateurfunkstation|alternativtext= mini|Griechische Amateurfunkstation SV8CRI mini|Reiserad mit Einspuranhänger, welches mit Amateurfunkgeräten und Antennen ausgerüstet ist.

Der Amateurfunkdienst (kurz Amateurfunk; englisch amateur radio service oder umgangssprachlich ham radio) ist im Sinne der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) ein Funkdienst, der von Funkamateuren (ordnungsgemäß befugten, an der Funktechnik interessierten Personen) ohne finanzielle Interessen zu Zwecken der Selbstausbildung, der gegenseitigen Verständigung und technischer Untersuchungen betrieben wird. Daneben gibt es den Amateurfunkdienst über Satelliten, der Weltraumfunkstellen an Bord von Erdsatelliten (Amateurfunksatelliten oder Raumstationen) zu denselben Zwecken nutzt.

International werden die Interessen des Amateurfunks von der International Amateur Radio Union (IARU) vertreten. In Deutschland wird der Amateurfunkdienst laut seiner Definition zusätzlich zu Zwecken der Völkerverständigung und zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen wahrgenommen ( Nr. 1 der Frequenzverordnung).

Grundlegendes mini|Gebäude (Club House) der amerikanischen Klubstation WAØFYA Funkamateure werden nach einer Prüfung zum Amateurfunkdienst zugelassen und betreiben das Funken als Hobby. Gewerbliche und wirtschaftliche Interessen werden ausdrücklich ausgeschlossen. Der Funkverkehr erfolgt ausschließlich zwischen Inhabern einer Amateurfunkgenehmigung. Nur in seltenen Ausnahmefällen wie bei Notfällen und Katastrophen dürfen Nachrichten von und für unbeteiligte Dritte übermittelt werden. Meinungsfreiheit in oder die Souveränität von Mitgliedsstaaten der ITU sollen durch den Amateurfunkbetrieb nicht berührt werden. In totalitären Regimen kam es historisch und kommt es in der Gegenwart immer wieder zu Einschränkungen des Amateurfunkbetriebs, da befürchtet wird, dass oppositionelle Meinungen verbreitet werden könnten. Dagegen soll der Amateurfunk nach dem Verständnis vieler Teilnehmer der Völkerverständigung dienen. Über nationalstaatliche, ethische, Sprach- und Religions-Grenzen hinweg kann der Amateurfunk zur Pflege von Freundschaften, der technischen Weiterbildung und der angewandten Forschung dienen. Bei einigen Funkamateuren befriedigt er auch die Sammelleidenschaft und hat sportliche Aspekte.

Das personalisierte Amateurfunkrufzeichen dient der eindeutigen Identifikation einer Sendefunkstelle und besteht aus einer alphanumerischen Kombination. Die ITU-Präfixe der Rufzeichen sind einzelnen Staaten, davon abhängigen oder unabhängigen Gebieten und internationalen Organisationen zugeordnet. Einige Länder haben mehrere Präfixe.

Dem Präfix folgt bei Amateurfunkrufzeichen stets eine Ziffer (Ø–9), gelegentlich auch „Numeral“ genannt, und daran anschließend ein zumeist zwei- oder dreistelliges Suffix aus Buchstaben (A–Z). Sowohl die Ziffer als auch Teile der Buchstaben des Suffix können eine regionale Bedeutung haben. In Deutschland ist das nicht der Fall.

In Österreich entspricht die dem Landespräfix OE folgende Ziffer dem Bundesland (siehe auch Amateurfunkrufzeichen in Österreich), während die Ziffer Null (meist geschrieben Ø, um Verwechslungen mit dem Buchstaben O vorzubeugen) an dieser Stelle von österreichischen Amateurfunkstationen in internationalen Gewässern, an Bord von Luftfahrzeugen und für Clubstationen verwendet wird. Steht unmittelbar nach der Ziffer der Buchstabe X, handelt es sich in Österreich um eine Club- oder Relaisfunkstelle.

Rechtlicher Rahmen und Genehmigungen mini|Amateurfunkzeugnis für die Klasse E in Deutschland (2007) … mini|… und für die Bewilligungs­klasse 1 in Österreich (2011) Der Empfang jeder Amateurfunkabstrahlung ist jedem erlaubt. Dagegen ist der Sendeempfangsbetrieb mit Funkgeräten von Land zu Land unterschiedlich reglementiert.

Das völkerrechtliche Vertragswerk der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) ist die Vollzugsordnung für den Funkdienst (in Österreich und Deutschland: VO Funk, in der Schweiz: Radioreglement, Ausgabe 2020). Dieser internationale Vertrag reglementiert den Sendeempfangsbetrieb aller Funkdienste, um gegenseitige Störungen an den Landesgrenzen und über diese hinweg auszuschließen. Das internationale Recht wird über Amateurfunkgesetze, Verordnungen und nationale Frequenzpläne in Landesrecht umgesetzt. Die jeweilige Landesverwaltung erlässt auch Vorschriften über die Ausbildung, Prüfung, Zulassung und Erteilung von Rufzeichen. Die Regeln unterliegen Änderungen, zum Beispiel ist die Morse-Prüfung in Deutschland seit 2003 im Amateurfunk nicht mehr zwingend erforderlich.Information von DK5KE.

In der VO Funk wird der Amateurfunkdienst wie folgt definiert: Amateur service: A radiocommunication service for the purpose of selftraining, intercommunication and technical investigations carried out by amateurs, that is, by duly authorized persons interested in radio technique solely with a personal aim and without pecuniary interest. Amateur-satellite service: A radiocommunication service using space stations on earth satellites for the same purposes as those of the amateur service.

Die Amateurfunk-Genehmigungen (in Deutschland Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst) sind entsprechend dem Schwierigkeitsgrad der abgelegten Prüfung in mehrere Amateurfunkklassen abgestuft mit Einschränkungen bei der Frequenznutzung, Sendeleistung, Modulationsart oder bei der Betriebsart. Zunächst wird eine Prüfung bei der zuständigen Landesstelle abgelegt. In Deutschland ist es die Bundesnetzagentur BNetzA, in Österreich das Fernmeldebüro, in der Schweiz das Bundesamt für Kommunikation BAKOM. In den USA prüft ausnahmsweise der Amateurfunkverband ARRL selbst. Nach der Prüfung kann der Inhaber des Prüfzeugnisses seine Genehmigung beantragen, sofern er das Amateurfunkrufzeichen nicht schon nach bestandener Prüfung erhielt.

Andere Funkdienste In Unterscheidung zum Amateurfunk, für den weltweit eine jeweilige Funkgenehmigung notwendig ist, existiert ebenso global der sogenannte Jedermannfunk. Er ermöglicht den Funkbetrieb mit einer Anzahl dafür zugelassener Geräte mit geringer Reichweite (CB-Funk, PMR-Funk, SRD-Funk). Die gehandelten Geräte bedürfen einer Konformitätserklärung, für die der verantwortliche Inverkehrbringer (Hersteller, Importeur oder Händler) haftet. Die Geräte dürfen für den Sendebetrieb nicht verändert werden. Reguliert werden in der Regel der Betriebsmodus, Leistung und Frequenzzuweisung der Geräte, so dass sie nur für die jeweilige Anwendung in Betrieb genommen werden können. Der Amateurfunkdienst ist streng zu trennen vom Betriebsfunk, Behördenfunk und Flugfunk. Es gelten dafür von Land zu Land unterschiedliche Benutzungskriterien und Abhörverbote.

Praxis mini|Französische Amateurfunkstation F6BLK mini|Deutsche Amateurfunkstation DJ4PI mini|Diese Kurzwellen­station im Schweizer Kanton St. Gallen in einer alten Scheune hoch über dem Bodensee wird über Mikro­wellen­link fern­ge­steuert, um dem Stör­pegel in der Stadt zu entgehen. Amateurfunk ist ein vielfältiges Hobby, da es Kenntnisse in Wissenschaft und Technik, Freude an Kommunikation, handwerkliches Geschick und Kreativität erfordert: Die eigentliche Funkverbindung ist das Gespräch mit anderen Funkamateuren auf der ganzen Welt Der reine Kurzwellenhörer (SWL) beobachtet die (Amateurfunk-)Frequenzbänder und erhält so interessante und kostengünstige Informationen. Selbstbau von Komponenten und der Antenne der Funkanlage selbst Sportliche Wettbewerbe, etwa Conteste oder Amateurfunkpeilen

Über spezialisierte Händler ist eine Vielzahl an kommerziell hergestellten Amateurfunkgeräten verfügbar. Die dort verwendete Technik ist häufig sehr kompliziert. Das Modifizieren dieser Geräte ist technisch zunehmend schwierig und mit mancher der länderspezifischen Amateurfunklizenzen auch nicht erlaubt.

Damit sich Funkamateure leichter mit der Technik auseinandersetzen können, bieten verschiedene Firmen und Funkamateure Bausätze an. Dieser Weg erspart die teilweise schwierige Bauteilbeschaffung und erleichtert mit den zugehörigen Unterlagen Aufbau, Erweiterung und Modifikation. Selbstbaugeräte besitzen häufig nur eine geringe Sendeleistung.

Das Funken mit geringer Leistung (bis 5 Watt Sendeausgangsleistung) nennt man QRP-Betrieb.

Die Funkanlage der Amateurfunkstelle wird auch Rig (engl. Anlage) benannt und der Funkraum des Betreibers operator Shack (engl. Bude, Hütte).

Den Funkamateuren stehen verschiedene Frequenzbereiche zur Verfügung, die sogenannten Amateurfunkbänder, zwischen 135 kHz und 250 GHz im Langwellen-, Mittelwellen-, Kurzwellen- und Ultrakurzwellen-Bereich. Auch im Gigahertz-Bereich, im optischen Bereich und im Bereich der Terahertzstrahlung sind Funkamateure aktiv und insbesondere im Letzteren auch aktiv an der Forschung beteiligt.

Alle Funkamateure haben einen gemeinsamen Verhaltenskodex, den so genannten Ham Spirit; exemplarisch ist der vom US-amerikanischen Verband ARRL zu Beginn des 20. Jahrhunderts publizierte Text.

Wegen der besonders zu Morse-Zeiten eher langsamen Übertragung hat sich eine ausgeprägte Kultur der Abkürzungen entwickelt.Telegrafie-Abkürzungen im Amateurfunkdienst Die Amateurfunkabkürzungen stammen größtenteils aus der englischen Sprache.Amateurfunkabkürzungen, abgerufen am 26. Juni 2019. Sie werden weltweit verwendet. Beispielsweise stehen die beiden Buchstaben OM („Old Man“) für einen männlichen Funkamateur, hingegen YL („Young Lady“) für eine Funkamateurin (in beiden Fällen jeglichen Alters).

Modulationsarten, Betriebsarten und Übertragungsarten

Zum Einsatz kommen traditionelle Modulationsarten und Betriebsarten wie Telegrafie und Telefonie, genauso wie Funkfernschreiben und moderne digitale Übertragungsverfahren wie Packet Radio, Pactor, APRS, FT8 oder PSK31, welche hauptsächlich für die Textübertragung Verwendung finden.

Auch Bild- und Videoübertragungen sind mit Betriebsarten wie FAX, SSTV (Slow Scan Television) und ATV (Amateurfunk-Fernsehen) möglich.

Weiters wurde eine Amateurfunk-Version des neuen digitalen Kurzwellenrundfunks Digital Radio Mondiale (DRM) entwickelt. Auch gibt es digitalen Sprechfunk, wie den in Japan entwickelten digitalen Übertragungsstandard D-STAR.

Seit den 1980er Jahren gewinnen digitale Amateurfunk-Betriebsarten immer größere Bedeutung. Ständig werden von Funkamateuren neue digitale Übertragungsverfahren erdacht, die dann weltweit mit anderen Funkamateuren ausprobiert werden.

Viele der im Digitalzeitalter dazugekommenen Betriebsarten lassen sich mit Hilfe von zum Teil kostenloser, von Funkamateuren entwickelter Software betreiben. Dazu verbindet man lediglich das Funkgerät mit der Soundkarte eines handelsüblichen PC, auf dem eine Software installiert ist.

Unmittelbar neben den in der WLAN-Technik genutzten ISM-Bändern bei 2,4 und 5,8 GHz gibt es Amateurfunk-Zuweisungen. Das macht es möglich, mit sehr preiswerter, nur geringfügig modifizierter WLAN-Ausrüstung breitbandige Richtfunkstrecken zu betreiben. Häufig werden dabei neben handelsüblichen WLAN-Komponenten lediglich Richtantennen mit hohem Gewinn benutzt. Unter der Bezeichnung HAMNET entsteht vor allem in Österreich eine breitbandige Richtfunk-Infrastruktur.

mini|Unterwegs auf der Suche nach Meteorscatter auf 144 MHz Kontakte sind mit direktem Funkkontakt, über Ionosphären-Reflexionen oder via Relaisstationen, Echolink, Amateurfunksatelliten (z. B. OSCAR) möglich. Funkamateure haben eigene Satelliten gebaut, die man als Relaisstation nutzen kann.

Besondere Herausforderungen sind die Erde-Mond-Erde-Reflexion, Meteorscatter, Reflexionen an Polarlicht-Auroren, die Reflexion von Funkwellen an Flugzeugen oder die Ausbreitung in Inversionsschichten (Tropo). Damit kann man auch auf den Frequenzbändern, mit denen ansonsten nur quasioptische Entfernungen bis 300 km erreicht werden können, zeitweise größere Entfernungen überbrücken.