mini|U-Bahn Berlin:Größtes Netz im deutschsprachigen Raum sowie ältestes Netz Deutschlands mini|London Underground:Ältestes Netz der Welt sowie größtes Netz Westeuropas mini|Metro Shanghai:Netz mit der größten Streckenlänge weltweit mini|New York City Subway:Netz mit den meisten drei- und viergleisigen Abschnitten weltweit sowie größtes Netz in Amerika mini|U-Bahn Tokio:Netz mit den meisten Fahrgästen weltweit sowie ältestes Netz Asiens Eine U-Bahn oder Metro (Kurzform für Untergrundbahn bzw. abgeleitet von und ) ist ein Schienenverkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs, das vollständig unabhängig von anderen Verkehrsmitteln trassiert ist und hierzu häufig zu größeren Teilen oder auch vollständig im Tunnel geführt wird. Der Begriff wird gleichermaßen für das Gesamtsystem, seine Strecken und Linien und umgangssprachlich auch für die einzelnen Fahrzeuge (U-Bahn-Triebwagen, U-Bahn-Zug) verwendet.

Der deutschsprachige Begriff Untergrundbahn beschränkte sich in der Frühzeit des Verkehrsmittels auf unterirdisch trassierte Bahnen, erfuhr jedoch spätestens in den 1920er Jahren eine Bedeutungserweiterung und wird seitdem verallgemeinernd auch für Bahnen verwendet, die im Einschnitt, an der Oberfläche, auf Dämmen oder auf Viadukten verkehren. Vor diesem Hintergrund wird das U in der Kurzform U-Bahn teilweise auch mit der allgemeineren Bedeutung unabhängig verwendet.

Untergrundbahnen für den Güterverkehr wie Post-U-Bahnen sowie Grubenbahnen und Kasemattenbahnen weisen Gemeinsamkeiten mit U-Bahnen auf, dienen anders als diese jedoch nicht primär der Personenbeförderung.

Definition Internationaler Verband für öffentliches Verkehrswesen Der Internationale Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP) definiert den Begriff Metro wie folgt:

High capacity urban guided transport systems, mostly on rails, powered with electricity and running on an exclusive right-of-way, with trains composed of a minimum of two cars and with a total capacity of at least 100 passengers per train.

(dt. sinngemäß: Spurgeführte, in den meisten Fällen schienengebundene, Verkehrssysteme mit hoher Beförderungskapazität für den städtischen Raum, die elektrisch angetrieben werden und auf unabhängigem Bahnkörper verkehren und mit mindestens zweiteiligen Fahrzeugen mit einer Beförderungskapazität von mindestens 100 Fahrgästen betrieben werden.)

Der Begriff umfasst neben Bahnen, bei denen die Fahrzeuge mit Stahlrädern auf zwei Stahlschienen fahren, auch Bahnen mit Fahrzeugen auf Gummireifen, Sattelbahnen, das heißt Einschienenbahnen, deren Wagen auf einem Fahrweg fahren, und Magnetschwebebahnen, soweit sie jeweils die weiteren genannten Kriterien erfüllen (siehe auch hier). Hängebahnen, das heißt Einschienenbahnen, bei denen die Fahrzeuge unterhalb des Fahrwegs hängen, werden hingegen ausdrücklich nicht zu den Metros gezählt, auch wenn sie ansonsten alle genannten Merkmale erfüllen. Hochbahnen, die in Hochlage auf Viadukten, Dämmen o.ä. geführt werden, sind im Sinne der UITP ebenfalls Metros bzw. stellen eine mögliche Streckenführung einer Metro dar (siehe auch hier).

Der Verband grenzt hiervon Bahnen ab, die vorrangig der Verbindung von Stadt und Region dienen und nicht zwingend kreuzungsfrei trassiert sind (commuter railway, dt. wörtlich Pendlerbahn), sowie Straßenbahnen (trams) und mit deutschen Stadtbahnen vergleichbare Systeme (LRT), die wie U-Bahnen vorrangig dem städtischen Verkehr dienen, jedoch mindestens teilweise auf Sicht betrieben werden und auf Trassen verkehren, die mindestens teilweise auch von anderen Verkehrsmitteln genutzt werden.

Die nationalen Nahverkehrsverbände beispielsweise in DeutschlandVerband Deutscher Verkehrsunternehmen (Hrsg.): Der Straßenbahner – Handbuch für U-Bahner, Stadt- und Straßenbahner, Selbstverlag, Köln 2001 (siehe hier), den Vereinigten Staaten und Kanada definieren die genannten Verkehrsmittel im Wesentlichen identisch zur UITP.

Rechtliche Definitionen Die rechtliche Definition und die betrieblichen Bestimmungen für U-Bahnen sind international unterschiedlich ausgestaltet. Während U-Bahnen in Deutschland beispielsweise klar von Eisenbahnen abgegrenzt werden (siehe hier) und in Österreich eine eigene Klasse innerhalb der Eisenbahnen bilden, sind die Grenzen in anderen Ländern teilweise fließender oder es besteht keine rechtliche Differenzierung wie in der Schweiz, wo U-Bahnen wie andere Schienenbahnen einschließlich Straßenbahnen unter die Regelungen des Eisenbahngesetzes (EBG) fallen.

Ebenso kann sich die Definition beispielsweise am betrieblichen Merkmal der Geschlossenheit des Systems oder am Eigentum des Systems orientieren, da sich U-Bahnen – anders als Eisenbahnen – in der Regel in kommunalem Besitz befinden.

Übersicht der Städte mit U-Bahnen

Zum 31. Dezember 2023 gab es weltweit 237 U-Bahn-Systeme im Sinne der UITP-Definition, die über eine Gesamtstreckenlänge von 20.453 km verfügten und sich auf insgesamt 202 Städte bzw. Ballungsräume aufteilten. Diese Differenzierung berücksichtigt, dass verschiedene Städte über mehrere technisch-betrieblich und/oder organisatorisch-rechtlich getrennte U-Bahn-Systeme verfügen, beispielsweise Montreal mit Metro und REM und Tokio mit den Systemen von Tōkyō Metro und Toei und weiteren metromäßig ausgebauten Bahnen wie Tōkyō Monorail und Yurikamome, und eine größere Anzahl von Netzen das Gebiet mehrerer Kommunen bzw. Gebietskörperschaften bedient. Insgesamt beförderten sämtliche auf der Welt vorhandenen Systeme im Jahr 2025 knapp 60 Milliarden Fahrgäste.

Die globalen Regionen mit den höchsten Dichten von Systemen sind Ostasien, das heißt insbesondere das östliche China, Südkorea und Japan, Europa und Südasien. Weitere kleinere Cluster bestehen in der dichtbesiedelten Region östlich der Großen Seen (Megaregion Boswash in den Vereinigten Staaten und Québec-Windsor-Korridor in Kanada) und in Vorderasien. Sehr gering ist die Dichte auf dem afrikanischen Kontinent, auf dem nur eine sehr geringe Zahl der zahlreichen Millionenstädte über ein System verfügt.

Die Länder mit den größten Gesamtstreckenlängen waren Ende 2023 China mit rund 8788 km, was rund 43 % der zu diesem Zeitpunkt weltweit installierten Netzlänge entsprach, gefolgt von den Vereinigten Staaten (1359 km), Japan (973 km), Südkorea (926 km), Indien (881 km), Russland (646 km) und Spanien (532 km).

Zu den weltweit kleinsten Städten bzw. Ballungsräumen mit einer U-Bahn zählen Lausanne (rund 145.000 Einwohner in der Stadt, 430.000 in der Agglomeration, 1.320.000 in der Metropolregion), Brescia (rund 200.000 Einwohner in der Stadt), Rennes (rund 230.000 Einwohner in der Stadt, 335.000 in der Unité urbaine, 483.000 in der Métropole) und Lille (rund 239.000 Einwohner in der Stadt, 1.063.000 in der Unité urbaine, 1.205.000 in der Métropole). Zu den Megastädten, das heißt im Sinne der Definition des Programms der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen zusammenhängende urbanisierte Räume mit mindestens 10 Millionen Einwohnern, ohne U-Bahn zählen Karatschi und Kinshasa. Die nördlichste U-Bahn der Welt befindet sich in Helsinki, wobei Sankt Petersburg und Oslo nur unwesentlich weiter südlich liegen, die südlichste in Buenos Aires. Besonders weit von der nächsten U-Bahn entfernt sind die Systeme in Honolulu und Sydney. Honolulu ist dabei auch in großem Umkreis die einzige Millionenstadt, während die anderen Metropolen Australiens bislang über kein System verfügen.

In Deutschland verfügen die vier Städte Berlin, Hamburg, München und Nürnberg (siehe auch hier), in Österreich die Bundeshauptstadt Wien und in der Schweiz die Stadt Lausanne über ein U-Bahn-System.

Geschichte

mini|Darstellung der sieben Stationen der Metropolitan Railway in den Illustrated London News vom Dezember 1862, rund einen Monat vor Eröffnung der Strecke Die ersten U-Bahn-Systeme entstanden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Großstädten West- und Mitteleuropas und der Vereinigten Staaten. Nachdem sich die Zahl der Betriebe bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts weltweit auf rund zwei Dutzend Systeme beschränkt hatte, die im Wesentlichen in den genannten Regionen sowie in Japan lagen, erlebt der U-Bahn-Bau seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere seit den 1970er Jahren, in fast allen Teilen der Welt ein deutliches Wachstum.

Die erste unterirdische Eisenbahnstrecke der Welt war die Metropolitan Railway, die am 10. Januar 1863 den Betrieb zwischen den Kopfbahnhöfen Paddington und Farringdon in London aufnahm und später in den Sub-Surface-Linien der Londoner U-Bahn aufging. Nachdem die Metropolitan Railway noch bis ins frühe 20. Jahrhundert mit dampfbespannten Zügen bedient worden war, eröffnete am 4. November 1890 mit der City and South London Railway die erste elektrisch betriebene U-Bahn der Welt, die die Grundlage der heutigen Northern Line der Underground bildete. Ebenfalls im Vereinigten Königreich folgten die Systeme von Liverpool (1893) und Glasgow (1896).

Ausgehend von Großbritannien wurden rund um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert weitere Systeme in West- und Mitteleuropa und in den Vereinigten Staaten aufgebaut. Hierzu gehören Budapest (1896) als erste Stadt auf dem europäischen Festland, Paris (1900), Berlin (1902) und Hamburg (1912), in den Vereinigten Staaten entstanden Systeme in Chicago (elektrischer Betrieb ab 1896) und in den Ostküstenmetropolen New York (elektrischer Betrieb ab 1900), Boston (1901) und Philadelphia (1907). 1913 folgte mit der Subterráneos de Buenos Aires zudem die erste U-Bahn-Strecke der südlichen Hemisphäre und der Hispanität.Robert Schwandl: Schnellbahnen in Deutschland. Robert Schwandl Verlag, Berlin 2007.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs endete die erste Phase des U-Bahn-Baus, gleichzeitig hatte das Konzept U-Bahn in allen wesentlichen Komponenten, Technologien und Parametern (elektrischer Betrieb, Tunnelbauverfahren, Einführung der Rolltreppe u.a.) eine erste Reife erreicht, deren Erkenntnisse maßgeblich für den Ausbau bestehender und die Anlegung neuer Netze wurden. Zwischen den Weltkriegen gingen in Europa die Netze in Madrid (1919), Barcelona (1924) und Moskau (1935) in Betrieb. Außerhalb Europas wurden in Tokio (1927) und Osaka (1933) die ersten U-Bahnen Asiens in Betrieb genommen.Robert Schwandl: Metro + Tram Atlas Spanien. Robert Schwandl Verlag, Berlin 2015.

Während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ruhte der U-Bahn-Bau nahezu überall auf der Welt, wurde jedoch zügig wieder aufgenommen. In den beiden unmittelbaren Nachkriegsjahrzehnten beschränkten sich neue Netze weiterhin vorrangig auf die prosperierenden Staaten Europas, Nordamerikas und auf Japan mit neuen Systemen u.a. in Stockholm (1950), Toronto (1954), Rom (1955), Lissabon (1959), Mailand (1964), Montreal (1966), Mexiko-Stadt (1969), München (1971) sowie Nürnberg und San Francisco (beide 1972). Zudem wurden in der Sowjetunion und anderen RGW-Staaten zahlreiche neue Netze realisiert oder initiiert, darunter Leningrad (1955), Kiew (1960), Prag (1974), Bukarest (1979), Minsk (1984) und Warschau (1995).

Ab den 1970er Jahren erlebte der U-Bahn-Bau ein sprunghaftes Wachstum und umfasste neben den weiterhin wachsenden frühen U-Bahn-Regionen erstmals auch eine größere Zahl von Städten in Lateinamerika und Asien außerhalb Japans. Bedeutende technische Neuerungen dieser Zeit sind die Einführung des fahrerlosen Betriebs (z.B. Lille (1983); siehe auch hier) und die Entwicklung modularer, standardisierter Systeme wie des Véhicule automatique léger (siehe auch hier), die aufgrund geringerer Herstellungs- und Betriebskosten erstmals auch kleineren Ballungsräumen den Bau von U-Bahnen ermöglichten.