Die Ruhr ist ein 219,3 km langer, rechter und östlicher Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen (Deutschland) mit einem Einzugsgebiet von 4485 km².

Das Ruhrgebiet, die größte Agglomeration in Deutschland, wurde nach ihr genannt, weil die das Ruhrgebiet prägende Industrialisierung im ausgehenden 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert an der Ruhr begann, wo die Steinkohle dicht unter der Erdoberfläche gelagert ist. Eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung des Flusses liegt heute in der Trink- und Brauchwasserversorgung des Ruhrgebiets, für die der Ruhrverband zuständig ist, sowie in der Energiegewinnung.www.flussgebiete.nrw.de, abgerufen am 28. März 2026.

Im 19. Jahrhundert war die Ruhr zeitweilig die meistbefahrene Wasserstraße Deutschlands. Gegenwärtig findet Güterverkehr nur noch auf den letzten zwölf Flusskilometern zwischen dem Mülheimer Rhein-Ruhr-Hafen und dem Rhein statt. Das Tal der Ruhr ist ein Naherholungsgebiet für die Metropolregion Rhein-Ruhr.

Im Unterlauf beträgt die mittlere Abflussmenge der Ruhr am Pegel Mülheim 76 m³/s. Der natürliche, von wasserwirtschaftlichen Maßnahmen unbeeinflusste Abfluss beträgt an der Mündung im Mittel 81,6 m³/s; sie ist daran gemessen der sechstgrößte Nebenfluss des Rheins.

Geographie Verlauf

Quelle mini|hochkant|Von der Ruhr durchflossenes Rondell nahe der Ruhrquelle

Die Ruhr entspringt im hochsauerländischen Teil des Rothaargebirges auf dem Nordosthang des im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge liegenden Ruhrkopfes (). Die dortige Ruhrquelle befindet sich etwa 3 km nordöstlich von Winterberg und 1,5 km nordwestlich von dessen Stadtteil Elkeringhausen in einem morastigen Bereich auf etwa Höhe. Etwas unterhalb davon durchfließt das Quellwasser ein kleines Steinrondell ().

Oberhalb der Quelle verläuft über den Ruhrkopf die Rhein-Weser-Wasserscheide: Während die Ruhr in den westlich gelegenen Rhein mündet, fließt das Wasser der kurzen Bäche, die auf dem Südosthang des Ruhrkopfes entspringen, durch die etwas weiter östlich am Reetsberg quellende und überwiegend ostwärts verlaufende Orke und dann durch die Eder und Fulda letztlich nordostwärts in die Weser.

Die Kilometrierung der Ruhr bezieht sich weder auf die eigentliche Ruhrquelle noch auf das vorgenannte Steinrondell, sondern auf die Quelle () eines etwa 200 m langen Ruhr-Zuflusses. Sie beginnt rund 180 m ostsüdöstlich des Rondells auf Höhe, wobei eine Flusslänge von 219,3 km angegeben ist. Der Ruhrquelle entspringt allerdings nicht der längste Quellast: Sowohl der bei Ruhrkilometer 6,7 von rechts einmündende Hillebach, der 7,7 km lang ist, als auch die nach 16,8 km des Ruhrlaufes von links einmündende Neger, die 17,7 km lang ist (mit Namenlose 20,3 km), sind wasserreicher und länger.

Verlauf und Orte am Fluss mini|Die Verstädterung im Ruhrgebiet konzentriert sich auf die Region nördlich der Ruhr.

Die Ruhr fließt, mit Ausnahme der ersten zwanzig Kilometer, im Wesentlichen in Ost-West-Richtung; dabei wird sie beidseitig von Gebirgszügen des Rheinischen Schiefergebirges begrenzt.

Aus dem im Naturpark Rothaargebirge liegenden Quellbereich fließt die Ruhr zunächst nach Norden entlang der Bundesstraße 480 auf den Naturpark Arnsberger Wald zu, vor dem sie bei Olsberg in Richtung Westen abbiegt. Nach Olsberg schließen sich im Norden die südlichen Berge des zuletzt genannten Naturparks an, der bis in das Tal des Flusses reicht. Innerhalb der Gemeindegebiete von Bestwig und Meschede fließt das Ruhrwasser südlich des Hainbergs am dortigen Naturschutzgebiet vorbei weiter in Richtung Westen nach Arnsberg, dem Sitz der Bezirksregierung.

Weiter nordwestlich, zwischen Ense und Wickede (Ruhr), erreicht der Fluss die Südseite des Haarstrangs, knickt bei Wickede nach Westen ab und fließt von nun an zwischen dem Haarstrang und den Höhen des Sauerlandes nach Westen, vorbei an Fröndenberg/Ruhr, Menden (Sauerland), Holzwickede, Iserlohn und Schwerte. Auf der Strecke vor dem Haarstrang hat die Ruhr den größten Teil des von ihr zu überwindenden Gesamthöhenunterschiedes bereits hinter sich. Bei Fröndenberg hat der Fluss noch eine Höhe von .

mini|Die Altstadt der Freiheit Wetter über dem Harkortsee Das Gebiet Dortmunds reicht im Süden am steilen Hang des Ardey bis an die Ruhr. Die südlichen Stadtteile haben sich vielfach zu bevorzugten Wohnlagen entwickelt, so auch Syburg. Dort liegt hoch über der Ruhr jenes Bauwerk, mit dem Dortmund erste geschichtliche Erwähnung fand: die Hohensyburg. Am gegenüberliegenden Ufer, auf dem Stadtgebiet Hagens münden die Lenne und die Volme in die Ruhr. Mit der aus Süden kommenden Lenne nimmt die Ruhr hier ihren größten Nebenfluss auf, durch den sich ihr mittleres Abflussvolumen von 30 auf 55 Kubikmeter pro Sekunde fast verdoppelt. Kurz darauf passiert die Ruhr mit dem Hengsteysee den ersten großen Ruhrstausee, der vom Ruhrverband gebaut wurde und betrieben wird.

Herdeckes Zentrum befindet sich über einer Flussschleife, genau zwischen dem Hengstey- und dem Harkortsee, an dessen rechtem Ufer Wetter liegt. Durch ihre direkte Lage am Fluss waren Wetter und das etwas ruhrabwärts gelegene Witten wichtige Zentren der frühen Industrialisierung des Ruhrgebietes.

mini|links|Künstlich angelegte Stromschnelle an der Hattinger Ruhrschleife mini|links|Hattingens Altstadt im Ruhrtal mini|Ruhrbogen am Westhang des Ardeygebirges; Wittener Ruhr-Viadukt mit Wasserkraftwerk Hohenstein und Berger-Denkmal (rechts); links oben die Ruhr-Universität Bochum

Am Harkortsee macht die Ruhr einen markanten Bogen um einen Ausläufer des Ardeygebirges, um schließlich weiter durch das südliche Ruhrgebiet zu fließen. In Bochum stehen die Gebäude der Ruhr-Universität auf den Höhen über dem Kemnader See. Nahe bei Hattingen führt seit Jahrhunderten eine Brücke über den Fluss, die lange vom Hilinciweg genutzt wurde. Erst 2002 wurde fast an derselben Stelle eine neue Brücke in Richtung Bochum errichtet.

mini|Ruhr nach Hochwasser bei Essen-Steele mini|Luftaufnahme der Ruhrmündung bei Duisburg mini|Ruhrmündung mit der Skulptur Rheinorange

Von Dahlhausen nach Essen-Steele wendet sich die Ruhr nach Westen, fließt dann wieder südwestwärts um Essen-Überruhr herum durch den Baldeneysee, tangiert Essen-Werden, das mit seinem Kloster bis 1803 eine selbständige Reichsabtei war und seit dem 1. August 1929 zur Stadt Essen gehört, und wendet sich hinter dem Kettwiger See wieder nach Nordwesten. Kettwig (seit 1975 Stadtteil von Essen) hat einen historischen Fachwerkkern. Kettwigs Ruhrbrücke wurde 1282 erstmals urkundlich erwähnt. Die südlichen Stadtteile Essens liegen auf etwa 30 Kilometer Länge an der Ruhr.

mini|Leinpfad mit Uferbebauung in Mülheim an der Ruhr Bei der historischen Furt des Hellwegs in Mülheim an der Ruhr, nahe Schloss Broich, erreicht der Fluss das Niederrheinische Tiefland und ändert seinen Lauf ein letztes Mal in der Hauptrichtung nach Westen. Mülheim ist die einzige Stadt im Ruhrgebiet, deren Innenstadt vom Fluss durchquert wird. Der Rumbach mündet als letzter nennenswerter Zufluss in unmittelbarer Nähe der Mülheimer Innenstadt von rechts. Oberhausen wird lediglich an der Südgrenze des Stadtteils Alstaden vom Fluss berührt, bevor die Ruhr Duisburg erreicht, wo sie nördlich des Stadtzentrums in die Duisburg-Ruhrorter Häfen übergeht.

Mündung Nachdem das Ruhrwasser etwa 160 Brücken unterquert hat, mündet der Fluss auf bei Duisburg-Ruhrort in den Rhein. Die Ruhrmündung liegt bei Rheinkilometer 780 und ist durch die Landmarke Rheinorange gekennzeichnet. Diese 25 m hohe Stahlbramme stammt von dem Kölner Bildhauer Lutz Fritsch und wurde 1992 in Duisburg-Neuenkamp errichtet.

Unterteilung des Ruhrlaufs Der Ruhrlauf wird (u. a.) in Obere Ruhr, Mittlere Ruhr und Untere Ruhr unterteilt, wobei es indes, anders als beim Rhein, divergente Untergliederungen gibt.

Historische Unterteilung Johann Georg Kohl schrieb 1851:

Ähnlich beschrieb es auch Hermann Adalbert Daniel 1867: .

Die Mündung der Möhne, mit der der Abfluss sich um etwa 44 % vergrößert, leitet Kohl zufolge die mittlere Ruhr ein, die Mündung der Volme als des letzten großen Zuflusses die untere Ruhr. Die obere Ruhr wäre danach 81,9 km, die mittlere 49,8 km und die untere Ruhr 87,6 km lang.

Zu beachten ist dabei, dass die Stauseen im südlichen Ruhrgebiet im 19. Jahrhundert noch nicht existierten. Diese beginnen mit dem Hengsteysee unmittelbar unterhalb der Mündung der Lenne, welche den Abfluss der Ruhr verdoppelt, und oberhalb der Volme-Mündung.

Naturräumliche Einteilung Die naturräumliche Feingliederung des ehemaligen Instituts für Landeskunde teilte die Täler der Ruhr wie folgt auf: „Hochruhr“ bzw. Verlauf im Rothaargebirge (18,8 km) Nach dem Quellverlauf im Winterberger Hochland (333.5) erreicht die Ruhr oberhalb Wiemeringhausens das Hochsauerländer Schluchtgebirge (333.8), das, unter der abflussverdoppelnden Vereinigung mit der Neger, mit einem Durchbruchstal zwischen Heidkopf (O) und Wiedegge (W) ungefähr bei Ruhr-km 200,5 (Einfluss in einen kleinen Stausee) verlassen wird. „Oberruhr im engeren Sinne“ bzw. Verlauf innerhalb der Sauerländer Senken (30,4 km) Die bislang in Süd-Nord-Richtung fließende Ruhr ändert bald ihre Richtung nach Westen. Nach dem bis unmittelbar vor Meschede endenden Oberruhrgesenke (335.0) schließt sich die Mescheder Kammer (335.5) mit der Wennemer Ruhrtalweite (335.50) von unmittelbar westlich der Mescheder Innenstadt bis unmittelbar unterhalb Freienohls an. Kurz vor Ende dieses Abschnitts vergrößert die linksseitig zufließende Wenne den Abfluss um rund 44 % (s. u.); die Talweite endet ungefähr bei Ruhr-km 170,1 (Vereinigung zweier Ruhrarme). Oeventroper Ruhrtal (Mittelruhrdurchbruch; 21,9 km) Die Ruhr formt ein windungsreiches Durchbruchstal (334.1) durch das Nordsauerländer Oberland; die bereits kurz vorher angenommene Nordwest-Richtung führt das Tal über Oeventrop bis Arnsberg, wo es, nach einer nach Norden offenen, langgezogenen Schleife, ungefähr bei Ruhr-km 148,2 (Querung der Eisenbahn) eine deutliche Weitung erfährt. Neheimer Ruhrtal (17,5 km) Innerhalb des nunmehr durch das Niedersauerland, aber weiterhin nach Nordwesten führenden Talabschnittes (3372.5) vergrößert bei Neheim insbesondere die von rechts kommende Möhne den Abfluss der Ruhr um rund 44 % (s. u.). Der Talabschnitt endet in etwa bei Ruhr-km 130,7 in einer Talenge unter rechtsseitigem Zufließen des Bremer Baches. Mittelruhrsenke (37,3 km) Die Ruhr ändert ihre Fließrichtung nach Südwest; die Fröndenberg-Schwerter Ruhraue (3372.30) wird nach Norden unmittelbar vom Haarstrang begrenzt. Der Abschnitt endet nach dem Passieren von Fröndenberg und Schwerte ungefähr bei Ruhr-km 94,4 (Zusammenfluss zweier Ruhrarme), nur 1,7 km oberhalb der Lennemündung. Verlauf im Hagener Tälerkessel (14,6 km) Im Tälerkessel (3372.1) mit dem in der Hauptsache westsüdwestlich verlaufenden Hagener Ruhrtal (3372.10) bei Hagen fließen der Ruhr in der Lenne (Verdoppelung des Abflusses) und der Volme ihre letzten großen Nebenflüsse zu. Nach Norden begrenzt im Ardeygebirge wieder ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges das Tal der Ruhr, im Süden geht das Niedersauerland ungefähr ab unterhalb der Volmemündung in das Bergisch-Märkische Hügelland über. Die Ruhr ist in Hengstey- und Harkortsee gestaut. Der Abschnitt endet etwa bei Ruhr-km 79,8 (Talenge unterhalb Wetters, Knick von Nordnordwest nach Westnordwest), die Ruhr hat ihren Hauptverlauf bereits kurz vorher in Richtung Nordwest geändert. Ardeypforte (6,5 km) Die Ardeypforte (3371.4) zwischen dem Ardey und dem Bergisch-Märkischen Hügelland stellt, nach dem gemeinsamen Austritt von Ruhr und Neger aus dem Rothaargebirge und dem Mittelruhrdurchbruch um Oeventrop, das dritte Durchbruchstal der Ruhr dar. Der Abschnitt endet bei Witten, ungefähr auf Ruhr-km 73,3 (Zufluss des Borbachs bzw. eines rechtsseitigen Mühlgrabens). Ruhrtal zwischen Witten und Mülheim (59,4 km)