mini|Blick zum Sulzenauferner

Das Stubaital, kurz das Stubai genannt, ist das größte Seitental des Wipptals und das Haupttal der Stubaier Alpen im österreichischen Bundesland Tirol.

Es erstreckt sich vom Alpenhauptkamm rund 30 km in nordöstlicher Richtung zum Wipptal, von diesem ist es leicht zugänglich. Das Tal liegt deutlich höher als das Wipptal oder das Inntal. Im Stubai gibt es in den hochalpinen Lagen mehrere Schutzgebiete, die auch Gletscher umfassen. Die wesentlichen Erwerbszweige im Tal sind Dienstleistungen, Tourismus und Gewerbe und Industrie. Land- und Forstwirtschaft spielt nur noch eine marginale Rolle.

Geografie

Lage Das Stubaital ist das größte Seitental des Wipptals, es mündet bei Schönberg, rund 10 km südlich des Inntals, ein. Das Stubaital ist rund 25 km lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 3,6 % auf, wobei die steilsten Anstiege im südlichsten Teil des Tals liegen. Das Stubaital liegt höher als das Unterinntal und das Wipptal, Fulpmes im nördlichen Bereich auf , Volderau bereits auf und reicht bis zum Alpenhauptkamm. Das Stubaital ist komplett von den Stubaier Alpen umgeben.

Beschreibung Das Tal liegt in den Stubaier Alpen, wesentliche Gipfel sind die Serles (), der Habicht (), der Wilde Freiger (), die Stubaier Wildspitze (), die Ruderhofspitze () und das Zuckerhütl (), der höchste Gipfel der Stubaier Alpen.

Im vorderen Bereich ist ein breiter Talboden, der sich auf einer Höhenlage von ca. 1000 m befindet. Im diesen Bereich wird das Tal beidseitig durch steilwandige Dolomitstöcke (Kalkkögel und Serleskamm) gerahmt. Im hinteren Abschnitt verengt sich das Tal zunehmend und findet mit dem Zuckerhütl einen markanten Abschluss.

Hauptfluss des Tales ist die Ruetz, die unterhalb der Brennerstraße bei der Stefansbrücke auf Seehöhe in die Sill mündet. Die größten Seitentäler sind das Schlick-, das Pinnis-, das Langen- und das Oberbergtal. Im Einzugsgebiet liegen knapp zwanzig größere und eine Anzahl kleinerer Gletscher, wodurch die Ruetz einen ausgeprägten Gletscherbach-Charakter aufweist, mit tages- und jahreszeitlich stark wechselnden Abflussmengen.

Siedlungen Politisch gehört das Tal zum Bezirk Innsbruck-Land. Im Stubaital liegen fünf Gemeinden (Einwohnerzahlen Stand ), die wirtschaftsstarken Hauptorte sind Fulpmes und Neustift im Stubaital, wobei Neustift das touristische Zentrum ist. Zusammen bilden die Gemeinden den Planungsverband Stubaital mit einer Fläche von 317,2 km², davon 25,5 km² Dauersiedlungsraum. Die Einwohner teilen sich auf die Gemeinden wie folgt auf, wobei durch die in Tirol charakteristische Streusiedlungen einzelne Gemeinden noch verschiedene Ortsteile umfassen (Stand Februar 2025):

+Gemeinde EinwohnerFulpmes Mieders Neustift im Stubaital Schönberg im Stubaital Telfes im Stubai Alle fünf Gemeinden des Tales haben Volksschulen, Neustift wegen der weit gestreuten Siedlungen sogar drei. Dort und in Fulpmes, den beiden einwohnerstärksten Gemeinden, befinden sich auch Mittelschulen, wobei jene in Neustift durch eine Skimittelschule ergänzt wird, eine Sonderform, bei der Skifahren eine bedeutende Rolle spielt. Die Mittelschule in Fulpmes nimmt auch die Kinder von Schönberg, Mieders und Telfes auf. Fulpmes hat zudem eine Höhere Technische Lehranstalt für Metallbearbeitung, die bis zur Matura führt.

Verkehr Das Stubaital ist über die Brenner Autobahn (A 13) gut erreichbar, zwei Kilometer südlich der Europabrücke liegt die Ausfahrt Schönberg/Stubai. Auch die Brennerstraße (B 182) führt an den Taleingang; dort zweigt die Stubaitalstraße (B 183) ab, die das komplette Tal durchquert und erst an der Mutterbergalm auf endet. Das Tal ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, die Stubaitalbahn beginnt am Innsbrucker Hauptbahnhof und fährt bis Fulpmes. Dies ist eine meterspurige Stichbahn, die bereits seit 1904 verkehrt. Sie hat 19 Stationen und bietet einen Stundentakt bis Fulpmes, einen Halbstundentakt bis Kreith. Die Gemeinden sind auch mit einer Autobuslinie der Innsbrucker Verkehrsbetriebe erreichbar. Damit ist insbesondere der vordere Talabschnitt gut an die Stadtregion Innsbruck angeschlossen, dies äußert sich im starken Siedlungszuwachs und einer hohen Auspendlerquote.

Schutzgebiete Im Stubaital sind ein Gebiet als Landschaftsschutzgebiet (Serles-Habicht-Zuckerhütl) und zwei Bereiche als Ruhegebiete (Stubaier Alpen und Kalkkögel) ausgewiesen.

Landschaftsschutzgebiet Serles-Habicht-Zückerhütl

Landschaftsschutzgebiete sind in Tirol „Gebiete, die zur Erhaltung der besonderen landschaftlichen Eigenart und Schönheit und des sich daraus ergebenden Erholungswertes unter Schutz gestellt werden. Der Schutz von Tieren und Pflanzen tritt hier in den Hintergrund. Die Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei werden kaum berührt.“ Ein Landschaftsschutzgebiet zielt nicht primär auf Arten- oder Biotopschutz ab, sondern soll das Erscheinungsbild schützen und erlaubt daher eine wirtschaftliche Nutzung. Diese beiden Punkte sind damit der wesentliche Unterschied zu einem Nationalpark, der Arten- und Biotopschutz in den Vordergrund stellt und den Verzicht auf wirtschaftliche Nutzung auf mindestens 75 % der Fläche vorsieht.

Im Stubaier Tal wurde das Gebiet Serles-Habicht-Zuckerhütl als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Es erstreckt sich über die drei namensgebenden Gipfel vom Serles-Massiv im Nordosten über den Habicht zum Zuckerhütl am Alpenhauptkamm. Es umschließt die landwirtschaftlichen Flächen sowohl in den Talniederungen als auch über die Hänge bis zu den Gipfeln. Das Gebiet umschließt eine Fläche von 180 km² und liegt auf einer Seehöhe von 990–3507 m. Im Gebiet liegen mehrere Gletscher, die 13 km² einnehmen, und einige Moore, z. B. bei der Laponesalm. Es wurde 1984 als Landschaftsschutzgebiet eingerichtet.

Ruhegebiete Stubaier Alpen und Kalkkögel Ruhegebiete sind in Tirol „Gebiete, die neben dem Schutz der Natur auch die Erholung in der freien Natur zum Ziel haben. Als Besonderheit der Ruhegebiete sind die absoluten Verbote zu nennen, so sind beispielsweise die Errichtung von Seilbahnen zur Personenbeförderung und die Errichtung von Straßen für den öffentlichen Verkehr nicht möglich“. In diesen Bereichen sind auch jegliche Arten von Bauarbeiten nicht gestattet, sei es für Geländeabtragungen oder -aufschüttungen oder für Stromleitungen. Damit ist ein umfassenderer Schutz möglich.

Das Ruhegebiet Stubaier Alpen umfasst einen Großteil der Stubaier Alpen (ausgenommen das Schigebiet Stubaier Gletscher) und erstreckt sich östlich des Ötztales bis Ranalt im Stubaital. Es grenzt im Nordosten an das Ruhegebiet Kalkkögel und im Südosten an das Landschaftsschutzgebiet Serles-Habicht-Zuckerhütl. Es umfasst eine Fläche von 352,2 km² und liegt auf einer Seehöhe von 1300 bis 3507 m. Im Gebiet befinden sich mehrere Gletscher, die rund 12 % der Fläche bedecken. Die größten Gletscher im Gebiet sind der Kraspesferner, der Grastalferner, der Bachfallenferner und der Sulztalferner. Der Großteil des Ruhegebiets liegt oberhalb der alpinen Waldgrenze. Im zentralen Bereich liegen einige Dreitausender, so z. B. der Breite Grießkogel (3287 m), die Westflanke der Stubaier Wildspitze (3341 m), die Ruderhofspitze (3474 m) und der Schrankogel (3497 m). Es gibt auch einige Hochgebirgsmoore, die besondere Lebensräume darstellen und gute Wasser- und Kohlenstoffspeicher sind. Typisch dafür ist das Hohe Moos, ein Überflutungsmoor, das sich in einer eiszeitlich ausgeschürften Wanne gebildet hat. Der Falbesoner Bach durchfließt das Moor aus dem Hochmoosferner kommend. Das Ruhegebiet wurde 1983 eingerichtet.

Das Ruhegebiet Kalkkögel liegt im nördlichen Teil des Stubaitals und schließt südwestlich an das Ruhegebiet Stubaier Alpen an. Es ist das kleinste der Schutzgebiete mit einer Fläche von 77,7 km² auf einer Seehöhe von 690 bis 3087 m. Es umschließt die Bergkette der Kalkkögel vom Hohen Burgstall bis zur Hohen Saile und das östlich gelegene Nederjoch mit Telfeser Berg sowie die westlich gelegenen Bergketten um das Innere Fotschertal. Die Gipfel bestehen aus Hauptdolomit, darunter liegen Schichten aus Wettersteindolomit, Knollenkalk und nordalpinen Muschelkalk. Der Unterbau besteht, wie bei den umliegenden Bergketten, aus Gneis des Ötztal-Stubai-Kristallins. Aufgrund dieser Unterschiede findet sich hier eine vielfältige Flora. Durch das Ruhegebiet fließt auch der Fotscherbach, der als Naturdenkmal ausgewiesen wurde. Das Ruhegebiet wurde 1983 eingerichtet.

Obwohl in einem Ruhegebiet keine Bauarbeiten erlaubt sind, wurde im Jahre 2014 die Bergbahnstudie im Auftrag des Tourismusverbandes Stubai und der Stadt Innsbruck erstellt. Diese kommt zum Schluss, dass die zukünftige Wirtschaftlichkeit der Nahe Innsbruck gelegenen Schigebiete nur gewährleistet wäre, wenn eine große Schischaukel zwischen den Schigebieten Axamer Lizum und Schlick 2000 geschaffen würde. Dies würde beträchtliche Bauarbeiten mit Aufstiegshilfen und Beschneiungsanlagen an Bergen im Schutzgebiet Kalkkögel bedeuten. Es formierte sich Widerstand gegen die Pläne, 33.400 Unterschriften für die Rettung der Kalkkögel wurden gesammelt. Als ein Gutachten von Anna Gamper der Universität Innsbruck zu dem Schluss kam, das das Vorhaben im Widerspruch zum Völkerrecht Alpenkonvention stehe, erteilte die Politik dem Vorhaben eine Absage.

Geschichte mini|Blick auf Schönberg ca. 1899 Frühgeschichte und Besiedlung Aus Orts- und Flurnamen sowie Bodenfunden ergeben sich die ältesten Hinweise zur Besiedlungsgeschichte lange vor schriftlichen Zeugnissen. Prähistorische Keramik- und Bronzegegenstände fand man an den Hängen beidseits der Ruetz im vordersten Talbereich. Sie werden in die frühe Bronzezeit (ca. 1800 bis 1300 v. Chr.) und in die daran anschließende Urnenfelderzeit (bis 1000 v. Chr.) datiert. Der Muiggnbichl bei Telfes und der Zauberbichl bei Schönberg waren demnach bereits von den Rätern besiedelt, die in der La-Tène-Zeit (450 bis 250 v. Chr.) von zuwandernden Kelten überlagert wurden. Der Stamm der Breonen, vom römischen Dichter Horaz benannt, wurde 15 v. Chr. von den vorrückenden römischen Legionen besiegt. Den Soldaten folgten römische Siedler, worauf zahlreiche romanische/lateinische Orts- und Flurnamen bis hinauf zur Almregion hindeuten: z. B. Gleins (collina/collis „Hügel“), Tschaffinis (ad cavinas „Wiese bei den Höhlen“), Tschafalles (ad cavalles „Rossweide“), Pfurtschell (forcella/furca, „Einsattelung“), Kampl (campiglia/campus „Feld“), Falbeson (val busana „Sacktal“), Ranalt (rovina alta „hohe Mure“), Schangelair (camp angulairu „eckiges Feld“), Kartnall (cortinale „kleiner Hof“)Ludwig Steub (1854): Zur rhätischen Ethnologie. Stuttgart (online).Noch heute wird im Spanischen mit cortinal ein gemeinschaftlich genutztes, meist eingefriedetes Stück Land in Dorfnähe bezeichnet. Im Bündnerromanischen entspricht curtinel heute dem deutschen "Hof" bzw. "Garten". Im Dolomitenladinischen hat sich die Bedeutung zu Friedhof verändert.Franz Prix (1888): Sprachliche Untersuchungen zu Columella. Baden, S. 18 (online)., Fagschlung (fossa longa „langer Graben“).

Ende des 6. Jahrhunderts n. Chr. begann die Landnahme durch die Bajuwaren und damit, vor allem im vorderen Stubaital, die Überlagerung mit der deutschen Sprache. Hermann Ignaz BidermannHermann Ignaz Bidermann: Die Romanen und ihre Verbreitung in Österreich. Graz 1877, S. 108 (online). berichtet 1877 darüber, dass sich, einer Sage nach, die deutschsprachige Bevölkerung noch im Hochmittelalter nicht mit den romanischen Stubaiern im hinteren Talbereich verständigen konnte. Der Name des Tals taucht unter der Bezeichnung „inter Alpes ad Stupeia“ („innerhalb des Gebirges im Stubaital“) um 993/94–1005 erstmals in einer Traditionsnotiz des Hochstifts Freising auf. Spätere urkundlich bezeugte Bezeichnungen sind Stubei, Stubaie oder Stubay.Christian Schneller: Ein onomatologischer Spaziergang durch Nord- und Mitteltirol. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Band 3/50 (1906), S. 115–135.