Möbiskruge ist ein Ortsteil der Gemeinde Neuzelle im Landkreis Oder-Spree des Landes Brandenburg.

Geographie Der Ort befindet sich etwa sechs Kilometer südwestlich von Eisenhüttenstadt im Land Brandenburg. Die L 431 führt von Möbiskruge in das rund drei Kilometer entfernte Neuzelle. Die L 43, welche Friedland mit Eisenhüttenstadt verbindet, verläuft ebenfalls durch den Ort.

Geschichte Namensdeutung Bereits im Mittelalter wurde der Weg von Friedland nach Neuzelle über Möbiskruge genutzt. Möglicherweise findet sich hier der Ursprung des Namens: Mewis Krug beziehungsweise Mebiß Krug als Abkürzung des Personennamens Bartholomäus in Form von Mewis oder Mebis. Es könnte sich somit um den ersten Eigentümer eines Kruges im Ort gehandelt haben.

Erste Erwähnung findet sich am 14. Februar 1318Emil Theuner: Urkundenbuch des Klosters Neuzelle und seiner Besitzungen (= Urkundenbuch zur Geschichte des Markgraftums Nieder-Lausitz, Band 1). Lübben 1897, S. 21 [30. 1318] Meuscruge, am 16. November 1329 findet sich die Schreibweise erneut: in Fṽnfechgen atque Meuscruge.Emil Theuner: Urkundenbuch des Klosters Neuzelle und seiner Besitzungen (= Urkundenbuch zur Geschichte des Markgraftums Nieder-Lausitz, Band 1). Lübben 1897, S. 24 [36. 1329] In den Jahren 1416 bis 1426 zu Mewskruge,Emil Theuner: Urkundenbuch des Klosters Neuzelle und seiner Besitzungen (= Urkundenbuch zur Geschichte des Markgraftums Nieder-Lausitz, Band 1). Lübben 1897, S. 121 [30. 1318] im Jahre 1575 Mewiskrüg, 1612 zue Meweß Kruegk, 1627 Mebißkrugk, 1700 Mebißkrug und 1705 zu Mewiskruge.Klaus-Dieter Gansleweit: Untersuchungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte der nordöstlichen Niederlausitz. Die Flur- und Ortsnamen im Bereich des früheren Stiftes Neuzelle (= Deutsch-slawische Forschungen zur Namenkunde und Siedlungsgeschichte, Band 34). Akademie-Verlag 1982, S. 244

Gewannflurnamen miniatur|1 Pfarre, 2 Lehnschulzengut, 27 Alecks Gut, 30 Krug, 39 Kirche und Kirchhof, 40 Schulmeister, 41 Schmiede, 42 Hirte, 44 Schäferei(1742) miniatur|Ehemaliger Jagenstein miniatur|Ehemalige Schule miniatur|Bei einem Rundgang durch das Dorf Möbiskruge besuchte die Abordnung auch den Kindergarten des Ortes. 3.v.r.: Werner Krolikowski, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, Besuch einer KPdSU-Delegation am 13. September 1989 miniatur|Bei einem Rundgang durch das Dorf Möbiskruge kam es auch zu einer herzlichen Begegnung mit der Bäuerin Meta Krüger (l.), Besuch einer KPdSU-Delegation am 13. September 1989 Siedlungen gab es bereits zu einer Zeit, bevor Heinrich der Erlauchte dem Kloster Neuzelle das Dorf verlieh. Heinrich Berghaus berichtet nach eigenem Augenschein: Im Neuzeller Stiftsgebiet finden sich einige Spuren von heidnischen Begräbnissen. So bei Neuzelle, Schlabe, Möbiskruge, Wellmitz, Breslagk. Alle diese Grabhügel, deren es bei Breslagk ehemals nicht mehr als 60 gab, sind mit großen Steinen belegt und der ganze Landstrich, der den gebirgigen Teil der Niederlausitz ausmacht, ist ein Fundort zahlreicher Versteinerungen meist mit Kalk und Feuersteinen.Dr. Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Geographisch-historisch-Statistisches Landbuch der Provinz Brandenburg und des Markgrafthums Niederlausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1. Band, Adolph Müller, Brandenburg 1854, Erläuterungen S. 199 (Google Books)

Die Gewannflurnamen sind fast alle deutschen Ursprungs: Hutberg, Maiselauch (Mäuselauch), Am See, Achterpläne, Fünfhirten, Dowevierten, Eierpfuhl, Kesselkeite (Bezeichnung für Einbruchstellen des Bodens, zum Beispiel durch Untertagebau verursacht), Krähenborn, Mäuseberg, Boskenhebbel.Niederlausitzer Mittheilungen. Zeitschrift der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde. 2. Band, Albert König, Guben 1892, S. 311 Die Hörnchen Flur ausgenommen, bildeten Gewanne mit deutschen Vermessungsbezeichnungen des Typs Achtruten den größten Teil der alten Gemarkung. Etwa zwei Kilometer südlich des Dorfes, beim Pfaffenlauch, lagen die Dorff-Stücken oder Dorff Städten (1691), deren Name auf eine ältere Siedlung deuten könnte.

Der Liäsck (Acker) bezieht sich jedoch auf den niedersorbischen Flurnamen Läsk von lěsk = kleiner Laubwald.:dsb:Wužywaŕ:Tlustulimu/Rěcna pomoc in der niedersorbischsprachigen Wikipedia Hier fließt auch der Läskefließ (Lawitzer Fließ).

Hörnchen Am sogenannten Hörnchen (Pastoracker, Pastorlauch) befand sich etwa 3 km nordwestlich von Möbiskruge eine alte Dorfstelle, welche Hörnchen oder Neu- bzw. Klein-Möbiskruge hieß. In einer Bestätigungsurkunde von Kaiser Karl IV. aus dem Jahre 1370 wird der Ort genannt: Hornichen limitibus et pertinentiis suis.Emil Theuner: Urkundenbuch des Klosters Neuzelle und seiner Besitzungen (= Urkundenbuch zur Geschichte des Markgraftums Nieder-Lausitz, Band 1). Lübben 1897, S. 44 Vor dem Hofe des ehemaligen Schulzen von Hörnchen soll bis etwa 1888 der große, sieben Schritt lange Stein gelegen haben, welchen man auf dem Grund und Boden der Königlichen Forst dicht an der Möbiskruger Grenze zersprengt hatte, um aus ihm Jagensteine herzustellen. Die Dorfbewohner erzählten sich, das auf dem Stein Schriftzeichen ausgekratzt waren, andere Bewohner berichteten einstimmig, dass nur eine Pferdetappe und eine Menschenhand darauf eingegraben waren. Nach ihren Erzählungen wurde das Dorf bereits im Hussitenkriege zerstört, ebenso, wie das mit dem Dorfe, welches auf Schlaubemüllers Dorfstelle gestanden hat, geschehen sei. Durch das Land zwischen Elbe und Oder soll kein Feind mehr hindurch gekommen sein, weil alles verwüstet war. 150 Städte und mehrere hundert Dörfer sollen zerstört worden sein.Niederlausitzer Mittheilungen. Zeitschrift der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde. 2. Band, Albert König, Guben 1892, S. 128 Über die bereits 1799Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der Churfürstlich- und Herzoglich-Sächsischen Lande. Band 4, Johann Amr. Barth, Leipzig 1806, S. 407 (Google Books) erwähnten Urnen mit heidnischen Blechmünzen aus der Möbiskruger Flur und eine Steinaxt mit beiderseits begonnener Vollbohrung sowie eine bronzezeitliche Siedlung südlich des Ortes ist nicht mehr viel bekannt. Ein Münzfund aus dem Jahre 1891 enthielt 114 Kleinmünzen aus der Zeit zwischen 1511 und 1612.Ernst Huth und Arthur Hering (Hrsg.): Societatum litterae. Verzeichniss der in den Publikationen der Akademieen und Vereine aller Länder erschienenen Einzelarbeiten auf dem Gebiete der Naturwissenschaften. VI. Jahrbuch, 1892, In Commission bei R. Priedländer & Sohn, Berlin 1892, S. 142 [Niederlausitzmagazin 3, S. 166/167]

Ortsgeschichte Das Patronatsrecht über die Kirche und ihre Besitzungen erhielt das Kloster Neuzelle im Jahre 1333Winfried Töpler: Das Kloster Neuzelle und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268–1817. (= Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Band 14). Berlin 2003, ISBN 3-931836-53-3, S. 62 Möbiskruge war ein Fundationsgut, es stellte als Besitz, gemeinsam mit den anderen, dem Kloster zugeschlagenen Dörfern, dessen Gründung sicher. Um 1420 hatte das Angerdorf 50 Hufen, davon gehörten dem Lehnschulzen vier und der Pfarre zwei. Zu den ersten bekannten Pfarrern des Dorfes gehörte der Mönch Lucas Gardian im Jahre 1506Winfried Töpler: Das Kloster Neuzelle und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268–1817. (= Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Band 14). Berlin 2003, ISBN 3-931836-53-3, S. 535 und der Mönch Valentinus Saltzenbrodt im Jahre 1550, ihm folgte 1554 Maternus von Zipperlingen.Winfried Töpler: Das Kloster Neuzelle und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268–1817. (= Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Band 14). Berlin 2003, ISBN 3-931836-53-3, S. 139 Im Dorf leben 21 Bauern und zehn Kossäten, nach dem Dreißigjährigen Krieg waren es noch fünf Bauern und vier Kossäten.Laurentius Mauermann: Das fürstliche Stift und Kloster Cisterzienser Ordens Neuzell bei Guben in der Niederlausitz. G. Joseph Manz, Regensburg 1840, S. 122 (Google Books) Auch der Pfarrer hatte es während dieser Zeit schwer, Pfarrer Georg Witzmann reichte im Jahre 1638 zusammen mit dem Fünfeichener und dem Göhlener Pfarrer eine Klage beim Landvogt gegen das Kloster ein, da das Kloster die Pfarrer nicht bezahlte und ihnen den Dezem für die unbesetzten Bauernstellen schuldig blieb. Doch wie schon in den Jahren zuvor, blieb diese Klage erfolglos, da das Kloster nach altem Recht von Zahlungen befreit war.Winfried Töpler: Das Kloster Neuzelle und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268–1817. (= Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Band 14). Berlin 2003, ISBN 3-931836-53-3, S. 254 Zum Mahlen des Getreides und zum Bretterschneiden mussten die Einwohner seit 1700 bis ins 19. Jahrhundert zur Kummeroer Mühle, dann errichteten die Mübiskruger eine Bockwindmühle südöstlich des Dorfes. An die Mahl- und Schrotmühle erinnerte nur noch ein Mahlstein auf Mellersch Berch (Müllers Berg), nachdem sie kurz vor dem Ersten Weltkrieg demontiert wurde. Es muss jedoch früher schon eine Mühle gegeben haben, da die Karte von 1742 die Mühl-Cavelln als Flurnamen führt.

Ein Hanß Welckischen...Ausgedinger auf Alecks Guthe zu Möbißkruge (später Lindenstraße 9), wurde 1765 auf Weisung des Neuzeller Abts Gabriel Dubau als Stöhrer der öffentlichen Ruhe und Aufrührer in Haft genommen. Dieser befürchtete einen Aufstand seiner Stiftsuntertanen auf Grund des aufhetzenden Rebellenbriefs des Welkisch. Jener hatte die Bauern des Stiftsgebietes in einem durch alle Dörfer geschickten Schreiben aufgerufen, bei der sächsischen Kurfürstin wegen verschiedener Angelegenheiten wider den Abt Beschwerde zu führen.Rudolf Lehmann: Quellen zur Lage der Privatbauern in der Niederlausitz im Zeitalter des Absolutismus. Akademie-Verlag, Berlin 1957 (= Schriften des Instituts für Geschichte / Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Reihe 2, Band 2; Veröffentlichungen des landesgeschichtlichen Forschungsstelle für Brandenburg, Band 1), S. 164 Der Abt griff entsprechend hart durch, da er bereits große Probleme mit dem Treppelner George Wollenberg hatte. Dubau war seit dem 18. Januar 1742 bis zu seinem Tod der Abt des Klosters Neuzelle.Joachim Fritz: Neuzelle. Festschrift zum Jubiläum der Klostergründung vor 700 Jahren: 1268–1968. St. Benno-Verlag, 1968, S. 66ff.

Nördlich des Kieselwitzer Weges, auf einem heute bewaldeten Hügel hinter dem Friedhof, bestand im 18. Jahrhundert eine Ziegelei. Im Jahre 1790 gab es im Ort einen Schulmeister und einen Katecheten.Winfried Töpler: Das Kloster Neuzelle und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268–1817. (= Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser. Band 14). Berlin 2003, ISBN 3-931836-53-3, S. 267 Bereits 1742 verzeichnet die Karte des Schulmeisters Stelle, eine Schule neben der Kirche. Ab 1833 wurde ein Mitschke aus Heinersdorf (Łęgowo) bei Züllichau der neue Küster und Schullehreradjunkt.Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a. d. Oder. Trowitzsch u. Sohn, Frankfurt a.d.O, 17. Juli 1833, S. 242 (Digitalisat)

Für den Chausseebau von Möbiskruge nach Neuzelle-Schlaben und vom Haltepunkt Coschen nach Bomsdorf erließ der preußische Staat am 20. Januar 1896 einen Erlass über das Enteignungsrecht des Landkreises Guben.Gesetzsammlung für die königlich preußischen Staaten 1896, Nr. 1 bis einschließlich 34., Berlin, Gesetz-Sammlungs-Amt, S. 36, Nr. 8 Um 1900 wurde das Schulhaus neu gebaut. In der Zeit der DDR wurde sie jedoch Sitz des Rates der Gemeinde und zeitweise war ein Kindergarten dort untergebracht. Die Schulkinder besuchen in der DDR die Polytechnische Oberschule in Neuzelle und fahren auch heute noch in die umliegenden Orte zum Schulbesuch.