Die FARC-EP, kurz FARC (eigentlich F.A.R.C.-E.P., Abkürzung für ), ist eine linke bzw. sozialrevolutionäre Guerillabewegung in den Bürgerkriegen Kolumbiens. Durch einen inzwischen gebrochenen Friedensvertrag mit der Regierung wurde aus ihr heraus eine linksgerichtete kolumbianische Partei namens Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común gegründet, die sich selbst als marxistisch bezeichnet.

Seit 1964 führt sie mit Unterbrechungen (wie bspw. Friedenszeiten zwischen Juni 2016 und August 2019) einen bewaffneten Kampf gegen den kolumbianischen Staat, dessen Repräsentanten, die kolumbianischen Streitkräfte sowie gegen rechtsgerichtete paramilitärische Gruppen und Drogenkartelle. In der Vergangenheit machte sie aber auch Unbeteiligte und Zivilisten zum Ziel einiger ihrer gewalttätigen Aktionen.Lateinamerika Nachrichten, Nummer 327/328 - Sept./Okt. 2001: Die Politik der verbrannten Erde Etwa 220.000 Tote und Millionen Flüchtlinge hatte der über 50-jährige Bürgerkrieg bis zum Juni 2016 zur Folge.

Zu den wesentlichen Einnahmequellen der FARC-EP gehörten bisher Entführung, Erpressung der lokalen Drogenkartelle, Goldabbau sowie die Herstellung und der Schmuggel illegaler Drogen, wie Cannabis und Kokain.Colombia’s most powerful rebels. BBC News, 19. September 2003.War and Drugs in Colombia International Crisis Group 27. Januar 2005. Zu diesem Zweck hatten sich Fronten der FARC-EP mit einigen der mächtigsten Drogenkartelle der Umgebung verbündet, wobei sie zugleich gegen andere Kartelle und die kolumbianische Armee militärisch aktiv waren. In manchen Fällen wurden auch hohe Mitglieder dieser Drogenkartelle als Offiziere in die FARC-EP aufgenommen.

Am 22. Juni 2016 wurde der Abschluss eines endgültigen Waffenstillstand zwischen FARC-EP und den Vertretern der kolumbianischen Regierung bekanntgegeben. Die FARC-EP verpflichtete sich, innerhalb von 180 Tagen alle Waffen an Vertreter der Vereinten Nationen abzugeben. Außerdem war beabsichtigt, die verbliebenen geschätzt etwa 7.000 Aktivisten der FARC-EP schrittweise in die kolumbianische Zivilgesellschaft zu integrieren.

In einem – nicht bindenden – Referendum lehnte am 2. Oktober 2016 eine knappe Mehrheit von 50,22 % der Kolumbianer den Friedensvertrag ab.

Im März 2017 begann die FARC-EP, die Waffen niederzulegen. Ende Juni 2017 bestätigten die Vereinten Nationen, dass die Entwaffnung der FARC abgeschlossen sei.

Bis zu der Entwaffnung war die FARC die größte und aktivste Guerillaorganisation Lateinamerikas. Sie wurde von Kolumbien, den Vereinigten Staaten,Foreign Terrorist Organizations U.S. Department of State, Bureau of Counterterrorism, abgerufen am 24. November 2017. Kanada,Listed Terrorist entities: Currently listed entities Public Safety Canada, abgerufen am 24. November 2017. der EU,, siehe S. 6, Nr. 38. Neuseeland,Nueva Zelanda designa a las Farc y ETA como grupos terroristas semana.com, 12. Februar 2010. PeruPerú califica a FARC como „grupo terrorista“. ecodiario.eleconomista.es, Meldung der AFP, 20. Februar 2010. und ChileResolución de diputados de Chile declara a las Farc grupo terrorista eltiempo.com, 22. Dezember 2010. offiziell als terroristische Organisation eingestuft. Im November 2017 strich die EU die FARC von ihrer Liste der terroristischen Organisationen.

Ende August 2019 kündigte eine kleine Fraktion von ehemaligen FARC-Anführern die Wiederbewaffnung an und erklärte, die kolumbianische Regierung habe die Friedensvereinbarungen nicht eingehalten. Die kolumbianische Regierung reagierte darauf mit einem Militäreinsatz, bei dem mehrere FARC-Mitglieder, die zur Führung von Wiederaufrüstungsaktivitäten bestimmt waren, getötet wurden.Anfang Juli 2022 teilte Verteidigungsminister Diego Molano mit, dass Nestor Vera alias Ivan Mordisco sowie neun weitere Ex-FARC-Mitglieder im Südwesten Kolumbiens bei einem Armeeangriff getötet worden seien. Allerdings stellte sich das wenige Tage später als Falschmeldung heraus.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes sagte 2008, die kolumbianischen Guerillas seien für 12 % der Morde an Zivilisten im Rahmen des bewaffneten Konflikts verantwortlich, die rechtsextremen Paramilitärs für 80 % und die Regierungstruppen für 8 %.Constanza Vieira: COLOMBIA: International Criminal Court Scrutinises Paramilitary Crimes. Inter Press Service vom 27. August 2008, abgerufen am 17. Juli 2024 (englisch).

Entstehung und Ideologie Die ersten Fronten der FARC-EP entstanden im Kontext der seit 1948 andauernden gewalttätigen Auseinandersetzungen in Kolumbien, die zwischen den Anhängern der liberalen und der konservativen Parteien Kolumbiens (diese Unruhen wurden La Violencia genannt) und einigen Militanten der demokratischen oder kommunistisch-marxistischen Organisationen, wie der Kommunistischen Partei Kolumbiens (Partido Comunista Colombiano) und anderen Parteien, stattfanden. Während der Unruhen organisierten Mitglieder der liberalen oder konservativen sowie der kommunistischen Parteien Selbstverteidigungsgruppen und Guerillaeinheiten, die gegen die Einheiten der gegnerischen Parteien wie auch gegeneinander in Straßenkämpfen oder Guerillaaktionen kämpften. Während La Violencia wurden 1949 die sogenannten unabhängigen Republiken (repúblicas independientes) von der Kommunistischen Partei Kolumbiens sowie linken und radikalen Bauern in abgelegenen Teilen des Landes gegründet, um eine politische Autonomie zu erreichen und um die gegnerischen Angriffe der verfeindeten Parteien abzuwehren. In diesen Republiken, unter denen sich auch die Republica de Marquetalia befand, gründeten die Bewohner oftmals weitere paramilitärische Kampfgruppen, um gegen die gegnerischen Banden, die oft von den anderen Parteien finanziert wurden, oder gegen die kolumbianische Armee zu kämpfen. Einige dieser marxistischen Kampfgruppen erhielten den Namen Fuerzas Armadas Revolucionarias Colombianas.

1964 eroberten die Streitkräfte Kolumbiens mit Hilfe eines amerikanischen Aufstandsbekämpfungsteams der CIA die Republik Marquetalia, indem sie deren wichtigste Ortschaften einnahmen und mehrere Kämpfer der aus dem ländlichen Raum stammenden Verteidigungsgruppen während der Kämpfe töteten. Die überlebenden Bewohner sammelten sich um die beiden wichtigsten Führer der ruralen Kampfgruppen Manuel Marulanda und Jacobo Arenas und gründeten die Guerillakampforganisation Bloque Sur, nachdem die einflussreichsten und wichtigsten Führer am 20. Juli 1964 eine Konferenz abgehalten hatten. Der Bloque Sur bestand anfangs nur aus den überlebenden Kämpfern der Verteidigungsgruppen der Republik, doch die Organisation nahm durch die Rekrutierung von Freiwilligen, oft junge Bauern und Schullehrer, zu. Ende des Jahres 1965 vermuteten amerikanische und kolumbianische Behörden, dass diese Vereinigung über mehr als 3000 Mitglieder und Kämpfer verfüge. 1966 ging der Bloque Sur nach einem Bündnis mit einigen Splittergruppen des ELN und anderen Guerillaorganisationen in der FARC auf.

Die Organisation Fuerzas Armadas Revolucionarias Colombianas wurde am 5. Mai 1966 offiziell von Marulanda und Arenas als militärischer Arm der Kommunistischen Partei Kolumbiens gegründet. Marulanda selbst stieg wenige Monate später zusammen mit Arenas im Secretariat der FARC auf, bis er schließlich um 1967 das komplette Kommando über die FARC übernahm. Die FARC bezeichnete sich selbst als eine marxistisch-leninistische Kampfgruppe des kolumbianischen Volkes.As FARC reafirmam a opção comunista Interview mit Ricardo González, einem hohen FARC-EP Offizier. avante.pt, 22. April 2004 (portugiesisch). Seit den 1990er Jahren betrieb die FARC auch den Untergrundradiosender Cadena Radial Bolivariana, Voz de la Resistencia auf UKW und auf Kurzwelle.Voz de la Resistencia le puso fin a 25 años de clandestinidad verdadabierta.com, 19. Mai 2017.

Entwicklung 1966–1980 mini|Der ehemalige Anführer Manuel Marulanda (1928–2008) Aktivitäten 1966–1970 Die ersten Kampfgruppen der FARC-EP bestanden vor allem aus Bauern und ruralen Schullehrern. Die ersten Aktivitäten der FARC-EP im Süden des Landes, vor allem in den Departamentos Amazonas, Caquetá und Putumayo, beschränkten sich auf militärische Angriffe gegen kolumbianische Patrouillen oder größere Einheiten, wodurch die Operationen der kolumbianischen Armee in diesen Gebieten erschwert wurden. Die schlechte Infrastruktur und der dichte amazonische Urwald in diesen drei Departamentos verhinderten schnelle Operationen und Angriffe der kolumbianischen Truppen, während die FARC-Einheiten schneller marschieren konnten und Guerillataktiken gegen die feindlichen Verbände anwendeten. Die hohen Verluste der kolumbianischen Truppen während dieser Angriffe führten zu einer Krise in diesen Departamentos, in der oft der Ausnahmezustand ausgerufen wurde. Die FARC-EP Guerillakämpfer verwendeten während der Angriffe auch schwere Waffen, wie die schultergestützten Raketenwerfer RPG-2 und RPG-7. Manchmal wurden von den FARC-Kämpfern auch Mörser oder erbeutete Artilleriegeschütze kleinen Kalibers eingesetzt, die vor allem dazu benutzt wurden, feindliche Polizeistationen oder militärische Lager für relativ kurze Zeit zu beschießen. Zugleich begannen die FARC-Kämpfer Angriffe gegen Polizeitruppen oder rechtsgerichtete paramilitärische Gruppen wie die Autodefensas Unidas de Colombia oder Los Rastrojos. Zu diesen Kämpfen gehören auch gegenseitige Erpressung, Repressalien, Racheexpeditionen und Geiselnahmen. Auch Repressalien gegen die Familien der feindlichen Kämpfer wurden oft von den paramilitärischen Kampfgruppen durchgeführt. Da sich die Aktivitäten der FARC-EP bis Mitte der 1970er Jahre ausschließlich auf die ländlichen Gebiete Kolumbiens beschränkten und die Organisation fast ausschließlich aus Bauern bestand, reisten einige hohe Mitglieder, darunter Timoleón Jiménez, Kampfname Timoschenko, durch Lateinamerika. Ziel dieser Reisen war es, Information bezüglich der Strategien anderer kommunistisch orientierter Guerillaorganisationen zu erhalten, mögliche Bündnisse zu erstellen und die Ausbildung der FARC-Kämpfer durch die Beobachtung anderer Guerillakämpfer zu verbessern. Die FARC-Mitglieder besuchten unter anderem die besonders aktiven Guerillakampfgruppen Sendero Luminoso, welche in Peru operierte, die Tupamaros, die in Uruguay aktiv waren, und der MIR, eine Guerillaorganisation und politische Partei die in Chile operierte. Ende der 1960er Jahre wurde eine Schulungsstätte für revolutionäre Ideologie für FARC-Offiziere und -Soldaten ins Leben gerufen, und in den von der FARC-EP kontrollierten Gebieten wurden verschiedene Schulen und zwei Militärakademien gegründet. Trotzdem ging das politische Programm bis 1980 nicht über Agrarthemen und revolutionäre Ideologie hinaus, während das militärische Programm vor allem Guerillataktiken und Kommunikationsmöglichkeiten im Dschungel vorsah. 1973 wurden das Generalkommando, auch Secretariat genannt, und der Generalstab der FARC-EP offiziell gegründet, denen Manuel Marulanda, Raúl Reyes und Alfonso Cano bis zu ihrem Tod angehörten.

Modernisierung und Internationalisierung