Das Federal Reserve System [], oft auch Federal Reserve oder kurz Fed genannt, ist das Zentralbank-System und die Notenbank der Vereinigten Staaten von Amerika.
Es wurde im Jahr 1913 als ein dezentral aufgebautes System gegründet, das eine Mindestreserve an Gold bei den Mitgliedsbanken garantieren sollte. Für die angestrebte Dezentralisation unterteilte man das Staatsgebiet der USA in zwölf Bezirke (Federal Reserve Districts) und etablierte in jedem Bezirk eine Federal Reserve Bank als Notenbank. Zusammen bilden sie das Federal Reserve System („Bundes-Reserve-System“).
Dieses weist sowohl privatrechtliche als auch öffentlich-rechtliche Elemente auf. Es besteht im Wesentlichen aus drei Institutionen: dem Board of Governors dem Federal Open Market Committee (FOMC) den zwölf regionalen Federal Reserve Banken außerdem aus einer Vielzahl von Mitgliedsbanken (Mitgliedspflicht ab einer bestimmten Größe).
Die US-Zentralbank Federal Reserve legt die Geldpolitik der USA fest, beaufsichtigt und reguliert Banken, soll die Stabilität des Finanzsystems aufrechterhalten und stellt Finanzdienstleistungen für Depotinstitute, die US-Regierung und ausländische Institutionen bereit. Die Fed berichtet regelmäßig an den Kongress der Vereinigten Staaten über ihre Aktivitäten und Pläne zur Geldpolitik. Das Tagesgeschäft und die operativen Entscheidungen der Fed werden eigenständig bestimmt. Der Kongress kann mit Gesetzen über die Geschäftstätigkeit Einfluss nehmen.Das Federal Reserve System. Entstehungsgeschichte, Grundlagen, Aufbau, Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages (2008), S. 3, 4, 5. (PDF, 56 KB)Politik und Sachverstand im Kreditwährungswesen. Die Verfassungsstaatlichen Gewalten und die Funktion von Zentralbanken. Von Hans-Joachim Arndt, mit Genehmigung von Duncker & Humblot (1963), S. 128, abgerufen am 25. Mai 2021
Geschichte Vorgänger 1781 wurde die Bank of North America vom Kontinentalkongress gegründet und nahm am 7. Januar 1782 in Philadelphia ihre Arbeit auf. Sie war die erste moderne Bank der Vereinigten Staaten.
Es folgte 1790 auf Initiative des damaligen US-Finanzministers Alexander Hamilton die First Bank of the United States. Die Zentralbank war mit ein Grund für die Gründung der ersten politischen Parteien der USA. Die Föderalisten befürworteten eine Nationalbank, während Thomas Jeffersons Republikaner sie ablehnten. Der Konzessionsvertrag dieser ersten Zentralbank der USA lief 1811 während der Amtszeit des demokratisch-republikanischen Präsidenten James Madison aus und wurde nicht verlängert.
Madison sah sich durch eine nicht zu kontrollierende Inflation Ende 1815 gezwungen, zusammen mit dem Kongress einen Kompromiss zur Stabilisierung der Währung auszuarbeiten, der 1816 zur Gründung der Second Bank of the United States führte. Die Second Bank entsprach in ihrer Aufgabe und Struktur weitestgehend der First Bank. Die Erneuerung der Charta der Second Bank wurde jedoch von Präsident Andrew Jackson durch sein Veto 1832 verhindert, und es setzte ein langsamer Auflösungsprozess ein, der mit dem Auslaufen der Charta 1836 sein Ende fand.
1863 und 1864 wurden basierend auf den National Bank Acts Nationalbanken geschaffen, welche durch das US-Finanzministerium abgesicherte und gedruckte Banknoten ausgeben durften. Hauptziel dieser Gesetze war die Schaffung einer einheitlichen Währung und die Lösung des Problems, dass Banknoten von verschiedenen Mitgliedsstaaten gleichzeitig in Umlauf waren.Gale Encyclopedia of U.S. Economic History. Detroit: Gale, 2000.Grossman, Richard S.: Economic History Services. 2010.
Zustandekommen mini|hochkant=1.5|Hauptsitz der Fed: Marriner S. Eccles Federal Reserve Board Building, Washington, D.C., 2007
Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die amerikanische Wirtschaft eine der schlimmsten Finanzkrisen, durch Bankzusammenbrüche und mehrfache Geldsystemschwankungen.Edward Flaherty: A Brief History of Central Banking in the United States. University of Groningen, Niederlande.
Der Vorschlag zur Etablierung einer Zentralbank nach europäischem Vorbild stammte vom Bankier Paul Moritz Warburg aus der Hamburger Bankiersdynastie Warburg. Paul M. Warburg war nach seiner Ankunft 1902 in New York fassungslos über den primitiven Zustand des amerikanischen Bankensystems. Als ausgemachter Experte auf dem Gebiet nationaler Zentralbanken in Europa bemängelte Warburg das Fehlen einer US-Zentralbank und schlug die Etablierung einer privaten amerikanischen Zentralbank nach Muster der deutschen Reichsbank vor, um die Geldhoheit vom Staat zu übernehmen. 1903 erstellte Warburg eine Schrift mit dem Titel „Plan für eine Zentralbank“. Jakob Heinrich Schiff, Warburgs Schwager und Seniorpartner bei der führenden Wall-Street-Bank Kuhn, Loeb & Co., nahm diese Expertise und präsentierte sie seinem Geschäftspartner James Jewett Stillman, dem Vorstandsvorsitzenden der National City Bank (heute Citibank), der damals größten Bank der USA.
Einige Tage später trafen sich dann auch Warburg und Stillman und es kam zu einer konfliktreichen Unterhaltung. Stillman warnte Warburg, seine Expertise irgendjemand anderem zu zeigen, da das amerikanische Volk eine Zentralbank strikt ablehnen würde, in der nur wenige die Einlagen aller kontrollieren können. Die Frage der Etablierung einer Zentralbank war Teil des dauerhaften inneramerikanischen Konflikts zwischen Befürwortern zentralstaatlicher Gewalt, die die Rechte des Gesamtstaates ausbauen wollten (Föderalisten) und denen, die die Einhaltung und Wahrung der Gesetze den einzelnen US-Bundesstaaten überlassen wollten (Anti-Föderalisten). Warburg wies Stillman darauf hin, dass Stillman im Falle einer Panik an den Finanzmärkten das Fehlen einer Zentralbank bereuen werde, woraufhin Stillman das Treffen mit Groll verließ.
Nach der Lektüre von Warburgs Plädoyer für eine US-Zentralbank warnte Jakob Schiff über Jahre hinweg vor den Folgen einer Finanzkrise und ließ die New Yorker Handelskammer bei einer Rede Anfang 1907 wissen: „Wenn wir keine Zentralbank mit einer ausreichenden Kontrolle über die Kreditbeschaffung bekommen, dann wird dieses Land die schärfste und tiefgreifendste Geldpanik seiner Geschichte erleben.“Richard W. Fischer, Präsident und Vorstandsvorsitzender der Federal Reserve Bank of Dallas A U.S. Economic Update and Perspective on Monetary Policy. Rede vor dem Australian Business Economists am 4. November 2013Federal Reserve Bank of St. Louis: Chapter Two – Banking Reform 1907–1913 Offizielle Geschichte der FED der Federal Reserve Bank of St. Louis Bereits im Herbst desselben Jahres kam es infolge einer vorübergehenden Zahlungsunfähigkeit der Knickerbocker Trust Company, der damals drittgrößten Bank New Yorks, tatsächlich zu einer schweren Finanzkrise, der Panik von 1907. Die Krise zwang Stillman zum Rücktritt von seinem Vorstandsposten bei der National City Bank und verlieh zeitgleich Warburgs und Schiffs Forderung zur Gründung einer US-Zentralbank neue Aktualität.
Infolge der Finanzkrise beschloss der US-Kongress nach dem Ende der Wirtschaftskrise, Rahmenbedingungen für ein sicheres und flexibleres Bankensystem zu schaffen. Warburg wurde als inoffizieller Berater der neu gegründeten National Monetary Commission einberufen, die Vorschläge zu einer Reform des US-Bankensystems ausarbeitete. Die National Monetary Commission beantragte die Gründung einer Institution, welche die Banken lenkt, Kreditbeschaffungen kontrolliert und Finanz- und Geldkrisen vorbeugt beziehungsweise diese vermindert. Paul M. Warburg publizierte zahlreiche Zeitungsartikel und hielt Reden, die die Notwendigkeit zur Etablierung einer Zentralbank thematisierten. Ein weiterer Meilenstein in Paul M. Warburgs Bemühungen war ein 10-tägiges Treffen im überaus elitären Jekyll Island Club (Besitzer: John D. Rockefeller und J.P. Morgan) auf Jekyll Island vor der Küste Georgias im November 1910. Warburg traf sich hier mit drei weiteren US-Bankiers (Frank Vanderlip, Henry P. Davison, Arthur Shelton), dem einflussreichen Senator Nelson W. Aldrich sowie Andrew Piatt, einem führenden Wirtschaftsökonom aus Harvard. Die fünf anderen Teilnehmer standen Warburg zunächst aufgrund seines Status als Ausländer und Jude skeptisch gegenüber, doch konnte er sie letztlich durch seine Brillanz überzeugen. In den nächsten Tagen wurde ein detaillierter und umfassender Plan zur Gründung einer US-Zentralbank ausgearbeitet, der als Aldrich-Plan zunächst in der Gründung der National Reserve Association mündete. Das Geheimnis um die Teilnehmer sowie den Zweck des Treffens vom 20. bis 30. November 1910 auf Jekyll Island wurde bis in die 1930er Jahre streng gehütet.Gary Richardson, Jessie Romero: The Meeting at Jekyll Island. Federal Reserve Bank of Richmond / Offizielle Darstellung der Federal Reserve History
Das Federal Reserve System wurde vom Kongress der Vereinigten Staaten geschaffen, um ein „Zentralbanksystem zu etablieren, das so gestaltet wurde, dem nationalen Finanzsystem sowohl Flexibilität als auch Stärke hinzuzufügen“.„[…] established a new central bank designed to add both flexibility and strength to the nation’s financial system“, Federal Reserve Act of 1913 Das Bundesgesetz wurde am 18. September 1913 vom Kongress mit 287 zu 85 Stimmen angenommen; der Senat stimmte nach mehreren Anhörungen am 19. Dezember 1913 mit 54 zu 34 Stimmen ebenfalls zu. Unterschiede der abgestimmten Fassungen wurden von einer gemeinsamen Kommission überarbeitet; die Überarbeitung wurde vom Kongress am 22. Dezember 1913 mit 298 zu 60 Stimmen und vom Senat am folgenden Tag mit 43 zu 25 Stimmen angenommen und am 23. Dezember 1913 von Präsident Woodrow Wilson als Federal Reserve Act in Kraft gesetzt. Das Gesetz sah ein System aus mehreren Regionalbanken und einem siebenköpfigen Verwaltungsrat vor. Banken, die auf nationaler Ebene agierten, mussten sich dem Federal Reserve System anschließen, anderen Banken war die Beteiligung freigestellt. Für ihre Anteile erhalten die Mitgliedsbanken eine festgelegte Dividende von 6 %, sind jedoch nicht am Gewinn beteiligt, der dem Finanzministerium zufällt.http://www.law.cornell.edu/uscode/12/usc_sec_12_00000290----000-.html United States Code 12/290 (englisch)
Gründung 1913 Das Resultat der Bemühungen der Zentralbank-Befürworter war schließlich nach der Wahl Woodrow Wilsons zum US-Präsidenten der Federal Reserve Act vom 23. Dezember 1913, der noch am selben Tag die Gründung der US-Zentralbank Fed besiegelte. Dem Federal Reserve Act war eine Untersuchung des Kongresses durch Samuel Untermyer, die Pujo Money Trust Investigation, vorangegangen. Untermyer, als Anwalt Teilhaber der Kanzlei Guggenheimer, Untermyer & Marshall, assistierte auch beim Entwurf des Gesetzes. Der Federal Reserve Act ermöglicht es der Federal Reserve bis heute, (Fiat-)Geld als Kreditgeld zu schaffen und es beispielsweise der US-Regierung gegen Zinsen zu leihen. Den ihm angebotenen Vorsitz der Zentralbank lehnte Paul Moritz Warburg als eben erst eingebürgerter deutscher Jude ab. Stattdessen wurde Warburg Mitglied des ersten Aufsichtsrates in der Geschichte der Fed. Während des Ersten Weltkriegs wurde Warburg am 10. August 1916 zum stellvertretenden Vorsitzenden des Federal-Reserve-Aufsichtsrats bestellt. Diese Funktion erfüllte er bis zum 9. August 1918. Als Mitglied des Beraterstabes (Federal Advisory Council) blieb Warburg der US-Zentralbank noch zwischen 1921 und 1926 verbunden.Roger Lowenstein: Haaretz, 30. November 2015Biografie von Paul M. Warburg. Offizielle Paul M.Warburg-Biografie der Federal Reserve History
Weitere Entwicklungen Banking Act 1933 Seit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Herbst 1929 gab es Kritik am Federal Reserve System sowie an der Wirtschaftspolitik des damaligen Präsidenten, des Republikaners Herbert Hoover. Sie war 1932 auch Wahlkampfthema und trug dazu bei, dass Roosevelt die Präsidentschaftswahl Ende 1932 gewann.