Wales [] (walisisch Cymru , deutsch veraltet Walisien oder Wallis, lateinisch Cambria) ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Es liegt im Westen der Insel Großbritannien und grenzt an England sowie die Keltische und Irische See. Die Hauptstadt von Wales ist Cardiff (walisisch Caerdydd). Das Land wird zu den sechs keltischen Nationen gezählt.

Herkunft der Landesnamen Der walisische Landesname Cymru oder altkymrisch Cymry stammt von keltisch *kom-broges „die auf gemeinsamem Land wohnen“Wolfgang Meid: Die Kelten (= Reclams Universal-Bibliothek. 17053). Reclam, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-15-017053-3, S. 77. bzw. *kom-brogi „Landsleute“Bernhard Maier: Das Sagenbuch der walisischen Kelten. Die vier Zweige des Mabinogi. Dtv, München 1999, ISBN 3-423-12628-0, S. 134, Anm. 44,19..

Der englische Landesname Wales ist eine Fremdbezeichnung und geht über altenglisch wēales (Mehrzahl von wēalh „Kelte, Brite“) auf den keltischen Stammesnamen der Volcae zurück, deren Territorium südwestlich an das Gebiet grenzte, in dem germanische Dialekte gesprochen wurden.Oxford English Dictionary, Band XX, S. 145, Stichwort Welsh; John Davis: A History of Wales. Penguin, London 1994; J. R. R. Tolkien: English and Welsh, an O'Donnell Lecture delivered at Oxford on 21 October 1955. University of Wales Press, Cardiff 1963. Sprachverwandt sind das deutsche Wort welsch sowie der Name der belgischen Region Wallonien und das Hinterglied im Namen der englischen Grafschaft Cornwall.

Geschichte

Wales hat eine ausgeprägte Vorgeschichte, in der viele Megalithanlagen entstanden und Menhire aufgerichtet wurden. Bei Llyn Cerrig Bach auf Anglesey (Ynys Môn) wurde das wichtigste eisenzeitliche Opferdepot Großbritanniens gefunden.

Die Römer errichteten im südlichen Teil des Landes eine Reihe von Kastellen, von denen das westlichste bei Carmarthen () lag. In der Nähe von Caerleon (Caerllion) wurde ein Legionslager errichtet. Das dazugehörende Amphitheater zählt zu den am besten erhaltenen in ganz Großbritannien. Die Römer waren auch im Norden von Wales aktiv.

Mittelalter Wales wurde aufgrund des heftigen Widerstands der Bevölkerung und wegen des bergigen Terrains nie durch die Angelsachsen erobert und blieb so eine keltische Region. mini|Caernarfon Castle, Gwynedd

Als sich die Angelsachsen im 5. und 6. Jahrhundert im Südosten Britanniens ausbreiteten, zogen sich viele romanisierte Kelten nach Westen zurück, also ins heutige Cornwall und nach Wales, die auf diese Weise zu ihren Namen kamen. Dort versuchte man recht lange, am Christentum und an der lateinischen Sprache festzuhalten, wie etwa die Funde aus Tintagel Castle belegen. Doch letztlich ging die römisch-spätantike Kultur in Wales unter, und ältere keltische Traditionen setzten sich wieder durch, wobei auch Kontakte zu Irland eine Rolle spielten.

Wales wurde angeblich schon vor England und Schottland rechristianisiert. Der Nationalheilige Sankt David (Dewi Sant) unternahm laut späterer Überlieferung im späten 6. Jahrhundert eine Pilgerreise nach Rom und diente nach seiner Rückkehr als Bischof. Zu dieser Zeit hatte die erneute Christianisierung im angelsächsischen Gebiet gerade erst begonnen. Die druidischen Bräuche, die sich bis heute erhalten haben sollen und angeblich in Teilen von Wales gepflegt werden, sind hingegen eine Erfindung von Historikern des 19. Jahrhunderts. Über die tatsächlichen Sitten der Druiden, die von den Römern ausgerottet wurden, ist nichts bekannt.

Bereits kurz nach der normannischen Eroberung Englands (1066) begannen die Normannen, Teile von Wales zu erobern. Obwohl die walisischen Fürstentümer vielfach untereinander zerstritten waren, konnten die Eroberer nur Teile des Landes unter ihre Herrschaft bringen. Die eroberten Gebiete bildeten die Welsh Marches (Y Mers), deren Barone eine größere Autonomie gegenüber den englischen Königen besaßen. Im 13. Jahrhundert erreichten die Fürsten von Gwynedd die Vormachtstellung gegenüber den anderen walisischen Fürsten, und 1267 musste der englische König Llywelyn ap Glyndŵr als Fürsten von Wales anerkennen. In zwei Feldzügen konnte König Eduard I. bis 1283 jedoch die Waliser schlagen und Wales erobern. Der englische, später britische, Thronfolger trägt seit dieser Zeit den Titel Prince of Wales („Fürst von Wales“, Tywysog Cymru). Gegen die strenge englische Herrschaft gab es mehrere Rebellionen, deren bedeutendste die Rebellion von Owain Glyndŵr war, der sich 1400 zum Fürsten von Wales erklärte und weite Teile von Wales eroberte. Ab 1405 gelang es den englischen Truppen jedoch, die Rebellen zurückzudrängen, und um 1409 war Owain Glyndŵr geschlagen.

Frühe Neuzeit mini|Eine Statue von Owain Glyndwr, dem letzten einheimischen Fürsten von Wales Der Act of Union, die Gesetze zur Eingliederung von Wales 1535–1542, beendete endgültig die Sonderstellung der Welsh Marches und unterteilte Wales in dreizehn Grafschaften. Das englische Recht galt nun auch in Wales. Dies bedeutete, dass das Englische als Amtssprache eingeführt wurde, was die meisten Einheimischen von öffentlichen Ämtern fernhielt.

19. und 20. Jahrhundert Wales wurde in der Neuzeit auf der Grundlage umfangreicher Kohlevorkommen stark industrialisiert. Der Penrhyn-Steinbruch war Ende des 19. Jahrhunderts das größte von Menschenhand ausgehobene Loch im Erdboden. Die Zeit zwischen 1830 und 1850 war von Unruhen und Aufständen geprägt. 1831 wurde ein Aufstand in Merthyr Tydfil (Merthyr Tudful) blutig niedergeschlagen. 1839 rebellierten Chartisten in der Region um Newport (Casnewydd). Im selben Jahr sowie 1842 bis 1843 wurden von Vertretern der Landbevölkerung in Südwest-Wales mit Zentrum in Carmarthenshire (Sir Gaerfyrddin) die sogenannten Rebecca Riots (Helyntion Beca) durchgeführt, die die Abschaffung der Maut auf den neuen Turnpike Roads zur Folge hatten.John Davies: A History of Wales. Penguin, London 1994, S. 366–367 und S. 377–382. Für zusätzliche Spannungen sorgte 1847 die Publikation eines im Wesentlichen von anglikanischen Geistlichen erarbeiteten Parlamentsreports (Blue book), der die Bevölkerung von Wales als faul und moralisch schwach bezeichnete und die Schuld dafür der Zugehörigkeit zu nonkonformistischen Kirchen und der Nichtbeherrschung der englischen Sprache gab.John Davies: A History of Wales. Penguin, London 1994, S. 391–393. Wales wurde in den folgenden Jahrzehnten eine Hochburg der Gewerkschaften, des Syndikalismus und des Sozialismus. Von 1901 bis 1903 wurde die Mine von Penrhyn bestreikt, wobei gelegentliche Auseinandersetzungen nicht ausblieben. Wiederholt wurde in dieser Zeit auch das Militär eingesetzt, um Streiks niederzuschlagen. Bei einem Eisenbahnerstreik wurden 1911 zwei Arbeiter durch das Militär erschossen. Das erste Mitglied der Labour Party (Plaid Lafur) im britischen Parlament, Keir Hardie, wurde 1900 für den walisischen Wahlkreis Merthyr Tydfil (Merthyr Tudful) gewählt. In dieser Zeit prägte religiöser Nonkonformismus die walisische Gesellschaft.

Unabhängigkeitsbewegung mini|start=7:09|end=58:10|Mark Drakeford, First Minister, bei einer der täglichen COVID-19-Pressekonferenzen der walisischen Regierung. Der walisische Nationalismus nahm im 20. Jahrhundert an Bedeutung zu. Die Partei Plaid Cymru (Party of Wales), die 1966 ihren ersten Parlamentssitz erringen konnte, setzte sich für mehr Autonomie und die Wiederbelebung der walisischen Sprache ein. Größtenteils hierdurch wurde die Devolution zu einem Hauptanliegen der Labour Party, und 1998 wurde schließlich nach einem Referendum die Nationalversammlung für Wales (National Assembly for Wales, Cynulliad Cenedlaethol Cymru), welche im Mai 2020 in Walisisches Parlament (Senedd Cymru, Welsh Parliament) umbenannt wurde, konstituiert. Sie erhielt die Vollmacht über die öffentlichen Ausgaben innerhalb von Wales. Am 2. März 2006 wurde in Cardiff (Caerdydd) ein neues Parlamentsgebäude eröffnet.

Siehe auch: Geschichte Britanniens, Geschichte des Vereinigten Königreiches, Liste der walisischen Herrscher

Geographie mini|Satellitenbild von Wales Mit 20.735 km² ist Wales der kleinste Landesteil der Insel Großbritannien. Wales liegt westlich von England. Im Norden grenzt Wales an die Irische See (Môr Iwerddon), im Westen an den St.-Georgs-Kanal (Sianel San Siôr) und im Süden an den Bristolkanal (Môr Hafren). Die Küste wird durch Steilküsten und weitauslaufende Strände geprägt und ist über 1200 Kilometer lang. Das Landesinnere ist durch das Kambrische Gebirge (Elenydd) gekennzeichnet, das sich beinahe durch ganz Wales zieht.

Landschaften Wales ist durch weitläufige Wiesen, hügelige Landschaften, Moore und Gebirge geprägt. Große Bereiche von Wales sind Landschaftsschutzgebiete. Zudem liegen in Wales drei Nationalparks:

Eryri-Nationalpark (bis 2022 Snowdonia-Nationalpark) Bannau-Brycheiniog-Nationalpark (bis 2023 Brecon-Beacons-Nationalpark) Pembrokeshire-Coast-Nationalpark (Parc Cenedlaethol Arfordir Penfro)

Die höchsten Berge in Wales sind der Snowdon (Yr Wyddfa, ), der Carnedd Llewelyn () und der Glyder Fawr (), alle in Gwynedd und im Eryri-Nationalpark gelegen.

Bedeutende Flüsse in Wales sind River Dee (Afon Dyfrdwy), River Clwyd (Afon Clwyd) und River Conwy (Afon Conwy), die in die Liverpool Bay (Bae Lerpwl) im Norden von Wales münden, die nach Westen in die Irische See mündenden Flüsse Afon Glaslyn, Mawddach, Ystwyth und River Teifi sowie Afon Tywi, Tawe, River Neath, River Taff und River Wye, die in den Bristolkanal münden.

Klima Wales befindet sich in der nördlichen gemäßigten Zone. Es hat ein wechselhaft maritimes Klima und ist eines der feuchtesten Länder Europas. Das Wetter von Wales ist oft bewölkt, nass und windig, mit warmen Sommern und milden Wintern. Die langen Sommertage und kurzen Wintertage lassen sich durch die nördlichen Breiten erklären. An der Südküste ist das Klima dabei aufgrund warmer Meeresströmungen erheblich milder als im Rest des Landes.

Tierwelt mini|240x240px|Rotmilan, Rhaeadr (Rhayader) Wegen seiner langen Küste beherbergt Wales eine Vielzahl von Seevögeln. Die Küsten und umliegenden Inseln sind die Heimat von Basstölpeln, Papageitauchern, Dreizehenmöwen, Kormoranen und Tordalken. Das Land unterstützt auch Vögel, die im Hochland leben, wie Kolkraben oder Ringdrosseln. Greifvögel, ein nationales Symbol der walisischen Tierwelt, sind ebenfalls in Wales zu finden, darunter Merlin, Kornweihe und Rotmilan.

Die größten walisischen Säugetiere sind während der Normannenzeit ausgestorben. Zu den heutigen Säugetieren gehören vor allem Mäuse, Dachse, Otter, Igel und rund fünfzehn Fledermausarten.

Das Meer bei Wales zieht zahlreiche Meerestiere an, darunter Riesenhaie, Kegelrobben, Lederschildkröten, Delfine, Schweinswale und vergleichsweise kleine Tiere wie Krabben oder Krebse.

Bodenschätze Wales hat reiche Vorkommen an Kohle, Eisen, Kupfer, Kalk, Schiefer, Blei, Zinn, Zink und Silber. Die küstennahen Vorkommen an Kohle, Eisen und Kalk haben die Region im 18. und 19. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Schauplätze der Industriellen Revolution werden lassen.

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