Französisch-GuayanaGuyaneCollectivité Territoriale de Guyane Französisch-Guayana als Teil Frankreichs führt offiziell keine eigene Flagge Flagge des Départements 100px|Wappen Französisch-GuayanasWappen Französisch-Guayanas Basisdaten Amtssprache Französisch Hauptort Cayenne Fläche 83.846 km² Einwohnerzahl 304.557 (2022)Wikipedia (Liste von Staaten und Territorien nach Einwohnerzahl)Anteil der Weltbevölkerung0,004 % Bevölkerungsdichte Einwohner / km² Arrondissements 3 Gemeindeverbände 4 Gemeinden 22 Präfekt Antoine Poussier Präsident der Assemblée de Guyane Gabriel Serville Währung Euro (EUR) Zeitzone UTC−3 (GFT) ISO 3166-2:FR FR-973 ISO 3166 GF, GUF, 254 Internet-TLD .gf Vorwahl +594 Karte 300px|Reliefkarte von Französisch-Guayana

Französisch-Guayana, auch Französisch-Guyana, , ist das Überseedépartement mit der Ordnungsnummer 973 und eine Region Frankreichs. Französisch-Guayana liegt im Nordosten Südamerikas am Atlantischen Ozean zwischen Brasilien und Suriname bei 4° nördlicher Breite und 53° westlicher Länge.

In Französisch-Guayana gelten ebenso wie in den anderen Überseedépartements die französischen Gesetze, sofern keine ausdrückliche Ausnahme vorgesehen ist. Seit 2015 besteht auf dem Gebiet Französisch-Guayanas die Collectivité Territoriale de Guyane als einheitliche Gebietskörperschaft, die die Aufgaben sowohl eines Départements als auch einer Region wahrnimmt. Ihr beschlussfassendes Organ ist die Assemblée de Guyane, deren Präsident zugleich an der Spitze der Exekutive der Gebietskörperschaft steht.

Französisch-Guayana gehört zum Gebiet der Europäischen Union und verwendet den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel, ist jedoch nicht Teil des Schengen-Raums.

Geographie Das Departement umfasst eine Fläche von 83.846 km² und ist damit fast so groß wie Österreich. Es hat eine 378 km lange Küste am Atlantik, eine 730 km (französ.) lange Grenze zu Brasilien und 510 km zu Suriname. Die Grenze zu Brasilien stellt somit die längste Grenze zwischen Frankreich und einem anderen Land dar.

Das Gebiet hat Anteil am Guayanischen Bergland, das sich über 1,5 Millionen km² im Nordosten des südamerikanischen Kontinents erstreckt. Dieses Hochland weist aufgrund seiner klimatischen Isolation vom Regenwald eine endemische Tier- und Pflanzenwelt auf.

Die höchste Erhebung ist der Bellevue de l’Inini mit 851 m Seehöhe. Im Süden des Landes erstreckt sich ein kleineres Mittelgebirge mit maximalen Erhebungen um 800 m, das Massif Tabulaire. Die wichtigsten Flüsse sind von West nach Ost der Maroni, der die Grenze zu Suriname bildet, der Sinnamary, der Approuague und der Oyapock, zugleich die Grenze zu Brasilien. Auf der hier abgebildeten Positionskarte ist das im Süden des Landes mit Suriname umstrittene Gebiet Französisch-Guayana zugeschlagen.

Französisch-Guayana weist das größte zusammenhängende Waldgebiet Frankreichs und der Europäischen Union auf. 90 % des Landes sind mit tropischen Regenwäldern bedeckt. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung lebt an der Küste, wo sich die größten Städte befinden.

Diese sind (Stand ): Cayenne, Einwohner, Hauptstadt Saint-Laurent-du-Maroni, Einwohner Matoury, Einwohner, gehört zur Agglomeration Cayenne Remire-Montjoly, Einwohner, gehört zur Agglomeration Cayenne Kourou, Einwohner

Klima Das Klima ist tropisch. Über das gesamte Jahr hinweg gibt es konstante Temperaturen, die im Mittel um 28 °C liegen. Von August bis Dezember herrscht Trockenzeit, in den übrigen Monaten ist Regenzeit. Die durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 80 und 90 %. Die Küstenregion profitiert von den Passatwinden des Atlantiks und der Kühle des Regenwaldes im Süden und Westen. Durch die Nähe zum Äquator und die vorherrschenden Luftströmungen ist, anders als über dem Karibischen Meer, das Auftreten tropischer Wirbelstürme praktisch unmöglich.

Das Klima ist als Tropisches Monsunklima (Am-Klima) nach Köppen und Geiger klassifiziert. Die Angaben von Temperatur, Wassertemperatur, Niederschlag, Regentag und Luftfeuchtigkeit basieren auf Daten von 1991 bis 2021, Sonnenstunden auf Daten von 1999 bis 2019.

Geschichte mini|Strafanstalt der Îles du Salut

Bereits 1498 kam Christoph Kolumbus an der Küste Guayanas an. Aber erst etwa hundert Jahre später siedelten sich dort europäische Auswanderer an – zunächst Niederländer und ab 1604 Franzosen und Engländer. Als Reparation des im Orangen-Krieg unterlegenen Portugal wurde die französische Kolonie 1801 im Frieden von Badajoz durch Abtretung eines Gebiets von Portugiesisch-Brasilien an Frankreich vergrößert.

Bekannt wurde Französisch-Guayana für den „Archipel der Verdammten“ auf den Îles du Salut, eine französische Strafkolonie, die von 1852 bis 1951 bestand. Dazu gehörte auch die Teufelsinsel. Bis zu 70.000 Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten waren dort inhaftiert.

1946 wurde Französisch-Guayana als Überseedépartement ein integraler Bestandteil Frankreichs und erhielt so eine eingeschränkte Selbstverwaltung. In der französischen Nationalversammlung und im Senat ist das Département seitdem mit zwei Mitgliedern vertreten.

1968 bauten die Europäer in Kourou das – geografisch günstig, weil äquatornah liegende – Raketenabschussgelände Centre Spatial Guyanais, welches im Laufe der Zeit erweitert wurde. Der Erfolg des Ariane-Programms und eine geschickte Unternehmensstrategie der Betreibergesellschaft Arianespace trugen erheblich dazu bei.

Seit den Dezentralisierungsgesetzen von 1982 bildete Französisch-Guayana zugleich ein Département und eine Region Frankreichs. Die beiden Gebietskörperschaften waren deckungsgleich, jedoch rechtlich getrennt, so dass parallel der Generalrat des Départements und der Regionalrat der Region existierten, die nach dem jeweils im europäischen Frankreich für das jeweilige Gremium geltenden Wahlrecht gewählt wurden und ihre Befugnisse getrennt ausübten.

Bei einer vom französischen Staat initiierten Volksabstimmung über die Umwandlung Französisch-Guayanas in eine Collectivité d’outre-mer mit erweiterter Autonomie gemäß Artikel 74 der Französischen Verfassung am 10. Januar 2010 stimmten bei einer Wahlbeteiligung von 55 Prozent 69,8 Prozent der Abstimmenden dagegen. (Abgerufen am 11. Januar 2010) Bei einer weiteren Abstimmung am 24. Januar 2010 stimmte eine Mehrheit mit 57,58 % für eine Zusammenlegung von Département und Region. Allerdings lag die Wahlbeteiligung nur bei 27,44 %.

Seit Dezember 2015 bildet Französisch-Guayana infolge der Fusion von Département und Region eine einheitliche Gebietskörperschaft unter der Bezeichnung Collectivité Territoriale de Guyane. Mit der Abschaffung des Generalrats des Départements wurden die bis dahin in Französisch-Guayana bestehenden 19 Kantone obsolet und aufgelöst.

Die Assemblée de Guyane als höchstes Organ der neugeschaffenen Gebietskörperschaft wurde erstmals im Dezember 2015 parallel zu den Regionalwahlen in den anderen Teilen Frankreichs gewählt. Bei den Wahlen von Dezember 2015 siegte im zweiten Wahlgang die Liste von Rodolphe Alexandre, der zuvor Präsident des Regionalrates gewesen war und jetzt der erste Präsident der Assemblée de Guyane wurde.Océlia Cartesse, Catherine Lama: Rodolphe Alexandre élu pour 6 ans à la tête de la Collectivité Territoriale de Guyane. la1ere.francetvinfo.fr, 18.12.2015.Eline Ulysses: Elections territoriales 2015 : Rodolphe Alexandre élu premier président de la collectivité de Guyane. outremers360.com, 18.12.2015. Nach den Wahlen von Juni 2021 wurde er durch Gabriel Serville abgelöst.

Bevölkerung Übersicht Zum hatte Französisch-Guayana Einwohner. Die Bevölkerung wächst aufgrund der hohen Geburtenrate sehr schnell, 1999 hatte das Überseedépartement noch 157.000 Einwohner. So ist Französisch-Guayana das französische Département mit der höchsten Geburtenrate. Zudem ist die Bevölkerung mit durchschnittlich 28,6 Jahren sehr jung. Das Bevölkerungswachstum beträgt 3,3 % und liegt damit fast so hoch wie das von Neukaledonien. mini|Bevölkerungsentwicklung in 1000 Einwohnern Die Bevölkerung wächst zudem auch durch Einwanderung. Die meisten Einwanderer kommen aus nahen Staaten wie Guyana, Suriname, Brasilien und Haiti. Bedeutende Immigration wird auch aus Südasien verzeichnet. Am 6. September 1977 trafen die ersten von 2100 Hmong ein, die aus China und Laos geflohen waren. Sie wurden in den Dörfern Cacao und Javouhey (Gemeinde Mana) angesiedelt.François-Marie Morvan: Courrier de l’Évêché de Cayenne, Ausgabe Noël 1995, S. 1. Innerhalb weniger Jahrzehnte erreichten sie einen gewissen Wohlstand und ernteten bereits in den 2010er Jahren bis zu 90 % des im Land verkauften Obstes und Gemüses.Sven Barske: Markttag in Cacao – Ein „asiatisches“ Dorf in Französisch-Guayana (Südamerika). Deutschlandfunk, 13. Januar 2013.

Bevölkerungsentwicklung Jahr EinwohnerzahlUnited Nations, Population Division: 195025.472196032.032197047.930198066.9771990115.7842000163.1652010234.1692017282.7312022304.557 Ethnien Die Bevölkerung ist ethnisch sehr durchmischt. Die Mehrheit der Bevölkerung wird durch Kreolen und Afroguyaner gebildet, deren Vorfahren in der Kolonialzeit von Westafrika nach Französisch-Guayana als Sklaven verschifft wurden. Die Nachfahren der europäischen Einwanderer machen 12 % der Einwohner aus. Weitere bedeutende Minderheiten sind die indigenen Ureinwohner mit etwa 5–10 % und die Südostasiaten, vor allem Laoten und Vietnamesen aus der ehemaligen französischen Kolonie Indochina.

Eine Besonderheit stellen die Nachfahren entflohener afrikanischer Sklaven dar, die als Maroons oder Bushinengue bezeichnet werden, die seit Jahrhunderten abgeschieden in den Uferwäldern des Maroni leben. Man unterscheidet vier Ethnien, die die Bevölkerungsmehrheit entlang des Maroni stellen: Alukus (oder Bonis), Ndyukas, Paramaccaner und die Saramaccaner. Die letztgenannte Gruppe lebt zum großen Teil in Suriname, einige flohen jedoch während des dortigen Bürgerkriegs in den 1980er Jahren vor der herrschenden Militärdiktatur nach Guayana. Die entflohenen Sklaven fanden in den Urwäldern nahezu die gleichen Lebensbedingungen wie in der Urheimat, den Regenwäldern Zentral- und Westafrikas, von wo sie zuvor verschleppt worden waren. Sie konnten daher ihre ursprüngliche Lebensweise mehr oder weniger unverändert auf dem neuen Kontinent fortführen, obwohl die neue Heimat tausende Kilometer vom Herkunftsland entfernt lag. Sie leben meist in Subsistenzwirtschaft von Jagd und Fischfang, andere sind als Goldwäscher oder im Tourismus tätig. Sie sind deutlich ärmer als der Durchschnitt der Bevölkerung Guayanas und in politischen Gremien stark unterrepräsentiert.

Religionen Nach einem französischen Zensus vom 31. Dezember 2007 sind 84,4 % der Einwohner Christen, davon sind wiederum über 90 % Katholiken. Zum chinesischen Universismus bekennen sich 3,6 %. Dem Spiritismus rechnet man 3,3 % zu, und 2,9 % sind Agnostiker. Zwischen einem Viertel und der Hälfte der Indigenen des Landes halten außerdem an traditionellen Religionen fest; der Zensus gibt dazu 2,2 % der Gesamtbevölkerung an.Michel Dylong: Religion in Französisch-Guyana. In: Markus Porsche-Ludwig, Jürgen Bellers (Hrsg.): Handbuch der Religionen der Welt, Band 1: Amerika und Europa. Traugott Bautz, Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-727-5, S. 553–556, hier S. 554–555.

Politik

Seit 2016 besteht auf dem Gebiet Französisch-Guayanas die Collectivité Territoriale de Guyane (Gebietskörperschaft Guyane) als einheitliche Gebietskörperschaft, die die Aufgaben sowohl eines Départements als auch einer Region wahrnimmt.

In Französisch-Guayana gelten ebenso wie in den anderen Überseedépartements die französischen Gesetze direkt, sofern nicht Ausnahmen ausdrücklich vorgesehen sind. Jedoch kann nach Artikel 73 der französischen Verfassung auf lokale Besonderheiten Rücksicht genommen werden.