Französisch-Polynesien (tahitianisch Porinetia Farani, ), ursprünglich Französisch-Ozeanien, ist ein französisches Überseegebiet in Polynesien. Französisch-Polynesien hat eine eigene parlamentarische Verfassung (mit der Assemblée de la Polynésie française) und eine eigene Flagge und zählt nicht zum Gebiet der Europäischen Union und auch nicht zum Schengen-Raum.

Französisch-Polynesien besteht aus einer Ansammlung kleinerer Inseln, Atolle und Archipele im südlichen Pazifik etwa bei 15° Süd und 140° West. Die bekannteste und bevölkerungsreichste Insel ist Tahiti. Die Atolle Fangataufa und Mururoa, auf denen die französische Nuklearstreitmacht Atomwaffen testete, gehört ebenfalls zu Französisch-Polynesien.

Geographie Französisch-Polynesien liegt im südöstlichen Teil Polynesiens – weiter östlich liegen nur die als britisches Überseegebiet organisierten Pitcairninseln und die zu Chile gehörige Osterinsel. Im Westen schließen sich die mit Neuseeland assoziierten Cookinseln an, im Nordwesten die zu Kiribati gehörigen Line Islands. Das Gebiet besteht aus insgesamt 118 Inseln und Atollen, die zu fünf Archipelen gehören:

Flagge Karte Name Anzahl Fläche[km²] Einwohner 70px 60px Gesellschaftsinseln 14 Inseln 1.647 235.295 70px 60px Tuamotu-Archipel 76 Atolle 850 15.410 70px 60px Marquesasinseln 12 Inseln 1.274 9.261 70px 60px Austral-Inseln 6 Inseln 148 6.820 70px 60px Gambierinseln 26 Inseln 31 1.421

Die Inseln verteilen sich auf eine Wasserfläche von etwa 4.000.000 km² bei einer Landfläche von nur etwas mehr als 4.000 km². Die höchste Erhebung ist der Mont Orohena mit .

Bevölkerung Völker Etwa 78 % der Bevölkerung sind Polynesier, die in verschiedenen Volksgruppen organisiert sind. Die größte Minderheit mit 12 % sind Chinesen, die vor allem in der Wirtschaft einen großen Einfluss haben. Nachkommen eingewanderter französischer Siedler machen 6 % und Franzosen, die nicht in Französisch-Polynesien, sondern in Frankreich geboren sind, inzwischen 4 % der Gesamtbevölkerung aus. Ein gewisser Anteil der Bevölkerung ist gemischter ethnischer Herkunft.

Entwicklung Jahr Einwohner 1950 60.266 1960 78.076 1970 110.495 1980 151.708 1990 198.375 2000 237.258 2010 267.820 2017 283.007 Quelle: UN

Sprachen Obwohl in Französisch-Polynesien zahlreiche verschiedene Sprachen gesprochen werden, ist Französisch die einzige Amtssprache des Gebietes., RFO (französisch, abgerufen am 18. Mai 2013). Ein Gesetz mit Verfassungsrang vom 12. April 1996 besagt, dass Französisch die offizielle Sprache ist, Tahitianisch und andere polynesische Sprachen regional verwendet werden können. Die französische Sprachpolitik ist wie in allen französischen Gebieten sehr rigide und zielt darauf ab, die Frankophonie zu fördern. Dies führt dazu, dass einheimische polynesische Sprachen einen schlechten sozialen Status von Seiten der Regierung erhalten und selbst von den Muttersprachlern immer weniger verwendet werden. Zahlreiche polynesische Sprachen sind daher vom Aussterben bedroht.

So sprechen gemäß der Volkszählung 2007 unter dem über 15-jährigen Teil der Bevölkerung inzwischen 68,5 % zuhause normalerweise Französisch und nur noch 29,9 % sprechen zuhause noch eine der polynesischen Sprachen, davon vier Fünftel Tahitianisch. 1 % sprechen zuhause eine der chinesischen Sprachen, davon die Hälfte Hakka, und 0,6 % eine andere Sprache. (PDF; 396 kB).

Insgesamt können inzwischen sogar 94,7 % der über 15-Jährigen Französisch sprechen, lesen und schreiben, während nur 2 % keine Französischkenntnisse haben. Dagegen können nur noch 74,6 % eine der polynesischen Sprachen sprechen, schreiben und lesen, während mittlerweile 13,6 % keine Kenntnisse irgendeiner polynesischen Sprache mehr haben.

Religion Eine Mehrheit von 54 % der Bevölkerung gehören protestantischen Religionsgemeinschaften an, 30 % sind römisch-katholische Christen, 11 % bekennen sich zu anderen Konfessionen und Glaubensgemeinschaften. 6 % gehören keiner Religionsgemeinschaft an.

Geschichte der Inselgruppen Gesellschaftsinseln

Die Gesellschaftsinseln wurden etwa um 200 v. Chr. von Tonga und Samoa aus besiedelt.

Die Aufzeichnungen über die Gesellschaftsinseln begannen, als Ferdinand Magellan 1521 den Tuamotu-Archipel entdeckte.

Zusammen mit den Marquesas bildeten sie das polynesische Kernland und damit das Sprungbrett zur Besiedlung von Hawaii, Neuseeland, den Gambierinseln und der Osterinsel.

Von der Geografie der Inseln mit ihren abgeschlossenen, sich zum Meer hin öffnenden Tälern begünstigt, bildeten sich alsbald neun unabhängige Stammesfürstentümer heraus. Dies führte zu einem streng stratifizierten Gesellschaftsmodell, die Gesellschaft war in mehrere getrennte soziale Ebenen gegliedert.

Im Wesentlichen gab es drei Kasten: Der Adel, polynesisch ari’i oder ariki: Er stand an der Spitze der Gesellschaft und stellte die großen Landbesitzer. Ganz oben standen die ariki rahi (deutsch: „Große Ariki“), die Souveräne, die sich aus den alten Adelsfamilien rekrutierten. Auf Tahiti gab es deren acht, die jeweils einem Stamm vorstanden. Diese Familien stellten auch die höchsten Priester, in der Regel nachgeborene Söhne. Die Freien, polynesisch raatira, das waren im Wesentlichen die Kleingrundbesitzer, Handwerker, Bootsbauer, Tätowierer und Künstler. Im Kriege waren sie die engsten Gefolgsleute der Ariki. Die Grenzen zwischen den Raatira und den untersten Stufen des Kleinadels waren fließend. Die Hörigen, polynesisch manahune: Sie bestellten die Felder in Abhängigkeit von den Grundherren. Die Produkte mussten sie größtenteils abführen.

Das Herrschaftssystem Tahitis bezog sowohl Merkmale der mittelalterlich-europäischen Feudalgesellschaft als auch der Kastengesellschaft hinduistischer Prägung ein. Religiöse und weltliche Macht waren eng verzahnt und teilweise in denselben Personen vereint.

Eine besondere Rolle innerhalb der polynesischen Gesellschaft Tahitis nahm der Geheimbund der Arioi ein, der sowohl religiöse als auch machtpolitische Bedeutung hatte, letzteres durch Repräsentation und Prachtentfaltung zum Ruhm der Herrscherhäuser.

Zur Zeit der Kulturblüte vor der europäischen Entdeckung im 18. Jahrhundert hatte Tahiti vermutlich 35.000 Einwohner. Zur Ernährung der Bevölkerung war ein ausgeklügeltes System der Landnutzung angelegt worden, dessen kunstvoll be- und entwässerte Anbauterrassen für Taro stellenweise heute noch archäologisch nachweisbar sind. Weitere bedeutende Kulturpflanzen waren die Brotfrucht, die Kokospalme und die Tahitikastanie (Inocarpus fagifer aus der Familie der Fabaceae).

Im Gegensatz zu seiner heutigen Bedeutung war Tahiti vor der europäischen Okkupation nicht das politische und religiöse Zentrum der Gesellschaftsinseln. Raiatea wurde bald das geistige und religiöse Zentrum der Gesellschaftsinseln. Sehr anschaulich beschreibt das Jacques Antoine Moerenhout (1796–1879, Kaufmann, Ethnologe und Konsul von Frankreich für Tahiti):

Das Opoa-Tal gilt als die Geburtsstätte von Oro, so dass die Bedeutung des Marae Taputapuatea mit dem Aufkommen des Geheimbundes der Arioi im 17. Jahrhundert noch zunahm.

Mit der Bedeutung von Taputapuatea wuchs auch der Einfluss der aus Opoa stammenden Tamatoa-Dynastie, die schließlich die anderen Stammesfürstentümer dominierte.

Die Machtverhältnisse der Gesellschaftsinseln waren bis zum Eingreifen der Europäer weitgehend ausgeglichen, auf Tahiti gelang es zunächst keinem Stamm die Oberherrschaft zu erringen.

In den abgeschlossenen Tälern Mooreas bildeten sich neun Stammesfürstentümer heraus, die sich wiederum in einzelne Clans untergliederten. Die stratifizierte Gesellschaft war gekennzeichnet von einer hierarchischen Führung, deren Elite sowohl die politische als auch die religiöse Macht auf sich vereinigte. Die führenden Familien Mooreas blieben durch Heirat und Verwandtschaft seit Jahrhunderten mit denen der Nachbarinsel Tahiti verbunden. Diese Verbindungen führten zu bedeutenden Allianzen, waren zu anderen Zeiten aber auch Quelle blutiger Auseinandersetzungen.

Die intensive, bis heute andauernde Erforschung des Opunohu-Tales, beginnend mit Kenneth P. Emory (1897–1992) in den 1920er Jahren und fortgesetzt in den 1960er Jahren von dem Archäologen Roger C. Green von der Universität Auckland, ermöglicht ein beispielhaftes Bild von der Entwicklung der Gesellschaft Mooreas. Die Interaktion zwischen zunehmender Bevölkerungsdichte und der Modifizierung der Umwelt durch den Menschen führte zu deutlichen Veränderungen in der Gesellschaftsform.

Die sog. Pre-Atiro’o-Phase, vor 1000 n. Chr., ist gekennzeichnet durch umfangreiche Rodungen und die Kultivierung der talwärts gelegenen Hänge, die zum Ende der Periode bereits Erosion und die Bildung von Alluvialböden zur Folge hatten. Die Gesellschaft war noch nicht stratifiziert, sondern relativ homogen.

In der Atiro’o-Periode (1000 bis 1650 n. Chr.) wurden künstliche Anbauterrassen an den Hängen und einfache Steinbauten, beispielsweise der Marae Tapauruuru, errichtet. Überreste von rechteckigen Häusern (fare haupape) und solchen mit länglich-ovalem Grundriss (fare pote’e), die der Machtelite vorbehalten waren, deuten auf eine streng stratifizierte, hierarchische Gesellschaftsform hin.

Die nachfolgende Marama-Periode (1650 bis 1788 n. Chr.) ist gekennzeichnet von der Eroberung des Opunohu-Tales durch die Häuptlinge (ariki) des ursprünglich an der Küste ansässigen Marama-Stammes, denen es gelang, alle anderen Clans des Tales unter ihrer Oberherrschaft zu vereinigen. Neben einer weiteren Zunahme der Bevölkerung ist in dieser Phase auch eine rege Bautätigkeit repräsentativer Kultbauten – große Marae in der Art einer Stufenpyramide – zu beobachten. Gegen Ende dieser Periode wurde das Opunohu-Tal eine Zuflucht für Ariki, die sich der europäischen Einflussnahme widersetzten.

Der Erste, der die Insel Maupiti für Europa entdeckte, war der Niederländer Jakob Roggeveen im Jahre 1722.

Es ist nicht abschließend geklärt, welcher Europäer als „Entdecker“ Tahitis gelten kann. Der Portugiese Pedro Fernández de Quirós sichtete am 10. Februar 1606 eine bewohnte Insel, die er Sagittaria nannte und bei der es sich um Tahiti gehandelt haben könnte. Eine Bestätigung dafür gibt es jedoch nicht. So gilt heute der Engländer Samuel Wallis als erster Europäer, der am 21. Juni 1767 Tahiti betrat. Auch die Insel Moorea betrat er in der Zeit und nannte sie York Island. Reste des Entdeckerdorfes des Atolls Scilly existieren immer noch auf dem nördlichen Teil der Insel. Auch das Atoll Maupihaa mit den benachbarten Atollen Motu One und Manuae wurden von ihm zu dieser Zeit entdeckt. In manchen Quellen wird Motu One auch Bellingshausen oder Bellinghausen genannt. Dieser Name geht auf Otto von Kotzebue zurück, der das Atoll nach dem deutschbaltischen Entdecker Fabian Gottlieb von Bellingshausen taufte.

Samuel Wallis benannte die Hauptinsel, das heutige Tahiti, nach dem Auftraggeber und Sponsor seiner Weltumsegelung. Fortan hieß die Insel King George Island. Bereits im folgenden Jahr, am 6. April 1768, landete der Franzose Louis Antoine de Bougainville, blieb neun Tage und bezeichnete Tahiti euphorisch als „La Nouvelle Cythère“ (das neue Kythera; gemeint ist die Liebesinsel der Aphrodite).

Im Bewusstsein der Europäer sind besonders die Besuche von James Cook geblieben. Auf seiner ersten Reise ankerte er am 13. April 1769 mit seinem Schiff Endeavour in der Matavai Bucht, ca. 10 km nördlich des heutigen Papeete. Er hatte den Auftrag den Venustransit zu beobachten und errichtete zu diesem Zweck ein Observatorium. Heute befindet sich an dieser Stelle der Leuchtturm Pointe Vénus. Raiatea entdeckte er am 20. Juli 1769. Von Tahiti kommend fuhr er mit der Endeavour durch die den Polynesiern heilige Riffpassage Avamo'a, ankerte in der Bucht von Opoa und ging in der Nähe des Marae Taputapuatea an Land. Er hisste den „Union Jack“ und nahm die Insel in einer kurzen Zeremonie für die englische Krone in Besitz.