mini|hochkant|Tafel an Bodmers Geburtshaus in Zürich mini|hochkant|Bodmers Geburtshaus an der Oberdorfstrasse 15 in Zürich Johann Carl BodmerBei Carl Brun: Schweizerisches Künstler-Lexikon (1905) findet sich der Zusatz von Meilen. Der Zusatz enthält keinen Adelstitel, sondern einen Hinweis darauf, dass Johann Carl Bodmer aus dem Bürgerort Meilen stammt und dass seine Familie seit alters her in Meilen im Bürgerregister verzeichnet ist. (* 11. Februar 1809 in Zürich; † 30. Oktober 1893 in Paris), Ritter der Ehrenlegion, war Grafiker, Radierer, Lithograf, Zinkstecher, Zeichner, Maler, Illustrator und Jäger. Ab etwa 1850 lautete sein Name Johann Karl Bodmer, abgekürzt und später in der Literatur allgemein gebräuchlich: Karl Bodmer. Als gebürtiger Schweizer nahm er 1843 die französische Staatsbürgerschaft an und nannte sich auch Jean-Charles Bodmer oder (ebenso wie sein Sohn Karl-Henry) Charles Bodmer; diese Namensgleichheit kann zu Verwechslungen zwischen Vater und Sohn führen. Als Signatur verwendete Karl Bodmer auch nach dem Jahr 1843 K Bodmer, während vermutlich sein Sohn Karl-Henry die Signatur Ch. Bodmer Barbizon benutzte.
Karl Bodmer wurde in Deutschland bekannt durch seine Aquarelle, Zeichnungen und Aquatinten der Städte und Landschaften des Rheins, der Mosel und der Lahn. In Frankreich werden seine Ölbilder mit Wald- und Tiermotiven und seine Kupferstiche, Zeichnungen und Buchillustrationen geschätzt, die er als Mitglied der Schule von Barbizon anfertigte.
Eine grosse Bedeutung für die Ethnologie haben seine von 1832 bis 1834 in Nordamerika gezeichneten und aquarellierten Indianer- und Landschaftsbilder, die sein Auftraggeber Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied ab 1839 in dem Werk Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 als kolorierte Aquatinten veröffentlichte. Sie zeigen den Wilden Westen zwar subjektiv, doch realitätsnah; dass seine Bilder Karl May beeinflusst haben, liegt nahe, ist aber völlig unbelegt.
Heute gehören Bodmers Bilder und die Reisebeschreibung von Maximilian zu Wied-Neuwied zu den wichtigsten Dokumenten über die untergegangenen Indianerkulturen in den Great Plains am Missouri River.
Die Druckplatten sowie 386 Zeichnungen und Aquarelle befinden sich zusammen mit dem schriftlichen Nachlass von Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied in dem amerikanischen Joslyn Art Museum in Omaha (Nebraska). Eine weitere wichtige Sammlung wird in der Newberry Library Bodmer Collection in Chicago aufbewahrt.
Leben und Werk Ausbildung als Schweizer Kleinmeister mini|Ölgemälde Die feindlichen Brüder bei Bornhofen am Rhein mit Kloster und Dorfansicht von dem 21-jährigen Karl Bodmer, um 1830, Privatbesitz mini|Ölgemälde Blick auf die Godesburg und das Siebengebirge, um 1836 mini|Burg Stolzenfels, im Hintergrund Burg Lahneck, Aquarell über Bleistiftvorzeichnung, 1836 Karl Bodmer wurde als fünftes Kind des Baumwollhändlers Heinrich Bodmer und seiner zweiten Frau Elisabeth geb. Meier in Zürich an der Oberdorfstrasse 15 im Haus zum Till geboren. Er wurde am Mittwoch, 15. Februar 1809, im Grossmünster getauft. Paten waren sein Onkel Johann Jakob Meyer aus Meilen und seine Tante Ester Bodmer geb. Meier aus Esslingen.
1811 zog die Familie Bodmer in das Nachbarhaus an der Oberdorfstrasse 17 und 1812 in das Haus am Rennweg 16. Karl Bodmer kam 1815 als Sechsjähriger in die Schule, in der damals lediglich Buchstabieren, Lesen, Beten, Schreiben, Singen und Rechnen unterrichtet wurden. Die wirtschaftliche Lage war während seiner Kindheit aufgrund der Napoleonischen Kriege schwierig, hinzu kamen Hungersnöte in ganz Europa durch das Jahr ohne Sommer 1816.
Im Alter von 13 Jahren begann Karl Bodmer, ebenso wie zuvor sein älterer Bruder Rudolf Bodmer (1805–1841), eine Ausbildung zum Radierer, Lithografen und Kupferstecher bei seinem Patenonkel Johann Jakob Meyer (* 4. März 1787; † 3. Dezember 1858).
Johann Jakob Meyer war ein angesehener und weitgereister Landschaftsmaler und Kupferstecher. Auf den Rat von David Hess gab er Unterricht in Malen und Zeichnen. Er hatte 1817 geheiratet und lebte seit Ostern 1819 in Zürich. Er gehörte zu den sogenannten Schweizer Kleinmeistern.
So wurden die Maler genannt, die ihre Landschafts- und Stadtmotive vor Ort in ihren Skizzenbüchern festhielten, um sie später in ihrer Werkstatt radieren zu lassen, und die ihre Veduten auf kleiner Leinwand in freier Natur malten und dann an wohlhabende Touristen verkauften. Daneben stellten die Kleinmeister auch Zeichnungen und Aquarelle her. In ihrer Werkstatt arbeiteten Lehrlinge und Gesellen, die von der Vorlage ihres Meisters einen Stich oder eine Aquatinta anfertigten, ausdruckten, kolorierten und an Sammler verkauften, so wie Karl und Rudolf das bei ihrem Onkel taten. Die Kleinmeister machten auf ihrer Suche nach Motiven auch Kunstreisen in die Alpen. Auf einer solchen Kunstreise lernte Karl Bodmer die Kleinmeister Gabriel und Mathias Lory sowie Johann Jakob Wetzel kennen.
Im Jahr 1824 zog seine Familie aus Zürich in den damaligen Vorort Riesbach um. Karl und Rudolf Bodmer wohnten dort unter der Adresse Hof 77 in einem Doppelhaus an der Südstrasse 6 und 10.Das damalige Haus Südstraße 10 besteht nicht mehr. Die Hausnummer nutzt heute ein Haus, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut worden ist. Hans Läng vermutet, dass auch die Familie bis Mai 1826 in einem der beiden Häuser gewohnt hat. 1825 wurde Karl Bodmer als Sechzehnjähriger konfirmiert. Nun machten sich die beiden Brüder Karl und Rudolf selbständig und verdienten ihren Lebensunterhalt durch Gravieren von Veduten und Vignetten für den Verlag F. S. Füssli in Zürich. 50 kolorierte Aquatinten wurden dort 1828 und in weiteren Auflagen 1829 und 1831 mit einem achtseitigen Begleitheft unter dem folgenden Titel veröffentlicht: Promenade Pittoresque par les lieux les plus intéressants de la Suisse et des pays limitrophes composée de cinquante vues en miniature. Dessinées et cravées par C. Bodmer, S. Corrodi & R. Bodmer. Auch in dieser Zeit beriet Johann Jakob Meyer seine Neffen und begleitete sie bei der Suche nach lohnenden Motiven für ihre Veduten und Vignetten.
Im Jahr 1828 entschloss sich Karl Bodmer, auf Wanderschaft zu gehen und sein Glück in Koblenz zu versuchen, weil die Touristen Rhein und Mosel als Ausflugsziel entdeckt hatten und ihre Lieblingsansichten als Radierung oder Ölgemälde nach Hause mitnehmen wollten (Rheinromantik). Rudolf zog am 14. Oktober 1828 nach Zürich und richtete sich in seiner Wohnung an der Oberdorfstrasse 2 ein Atelier ein, in dem er bis zu seinem Tod am 6. September 1841 auch für seinen Bruder Karl tätig war.
Karl Bodmer in Koblenz Malerische Ansichten der Mosel, des Rheins und der Lahn mini|Cusanusstift in Bernkastel-Kues. Aquatinta von F. Hegi nach einer Vorlage von Karl Bodmer. Hier wurde die schwarzweisse Aquatinta von Bodmer oder einem Angestellten der Firma Hölscher koloriert. 1828 verliess Karl Bodmer mit 19 Jahren die Schweiz und wanderte über Basel rheinabwärts nach Koblenz. Er aquarellierte und zeichnete etwa 60 Veduten von Stadtansichten und romantischen Rhein- und Mosellandschaften; sein Bruder Rudolf in Zürich oder ein Verlagsangestellter der Firma Hölscher in Koblenz fertigten davon Kupferstiche in Aquatinta-Technik an; der Verleger und Buchhändler Jakob Hölscher in Koblenz gab sie zunächst 1831 als Einzelbilder heraus. Die unsignierten Aquarelle und Tuschzeichnungen von Karl Bodmer, die als Vorlage für die Aquatinten und deren Kolorierung dienten, blieben im Besitz des Verlages Hölscher. Vier von ihnen kamen später in das Mittelrhein-Museum Koblenz.Es handelt sich dabei um die Aquarelle über Bleistiftvorzeichnung „Ansicht von Bingen mit der Burg Klopp“ 1835 (29,7 × 43,8 cm), „Ansicht von Godesburg und Siebengebirge“ 1836 (31 × 43,4 cm), „Burg Stolzenfeld, im Hintergrund die Burg Lahneck“ 1836 (29,6 × 38,7 cm) und die Tuschzeichnung in Schwarz und Grau „Die feindlichen Brüder bei Bornhofen am Rhein, im Vordergrund eine Prozession“ 1836 (30,5 × 43,8 cm). Die Herkunft dieser vier Originale ist in Vermerken auf der Rückseite der Blätter angegeben. Literatur: Bestandskataloge des Mittelrhein-Museums Koblenz Bd. VI: Die Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts. Koblenz 1999. Seiten 116–118 (Nr. 350–353), Abb. Seiten 223 und 384–385. Abb. und Beschreibungen auch bei Othmar Metzger: Rudolf und Karl Bodmers Tätigkeit im Rheinland (1832–1841). In: Jahrbuch für Geschichte und Kunst des Mittelrheins und seiner Nachbargebiete. Bd. 12/13, 1960. Reiffeisendr., Neuwied Rh. 1962, S. 71–77. Es folgte ein Album mit 24 losen Blättern unter dem Titel: Malerische Ansichten der Mosel von Trier bis Coblenz. Nach der Natur gezeichnet von C. Bodmer. In acqua tinta geätzt von R. Bodmer. Durch diese für Touristen und Sammler gefertigten Landschafts- und Städteansichten wurde der in der Nähe von Koblenz wohnende Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied auf Karl Bodmer aufmerksam.
1831 bis 1833 folgte im Verlag Hölscher ein erweitertes Album mit 30 losen Blättern unter dem Titel Das Moselthal von Trier bis Coblenz. In malerischen Ansichten, nach der Natur gezeichnet von C. Bodmer, in acqua tinta geätzt von R. Bodmer. Die Blätter erschienen in drei Ausführungen zu unterschiedlichen Preisen: in Aquatinta, in Color und fein gemalt. Die Formulierung fein gemalt weist darauf hin, dass neben der unkolorierten und der kolorierten Aquatinta ein Aquarell vom gleichen Motiv in gleicher Größe angeboten wurde. Da bereits die von Karl Bodmer für den Verlag J. Hölscher angefertigten Aquarelle, die als Vorlagen dienen sollten, nicht datiert und signiert waren, ist es bei diesen verkauften fein gemalten Aquarellen wegen der ebenfalls fehlenden Signierung und Datierung schwierig festzustellen, ob sie von Karl Bodmer oder von einem anderen Maler in der Werkstatt des Verlages J. Hölscher gemalt wurden.In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass das Museum Georg Schäfer acht qualitätsvolle Aquarelle mit Mosellandschaften im Format 9 × 14 cm mit Motiven von Karl Bodmer besitzt („Bernkastel und Kues“, „Burg Eltz“, „Lehmen“, „Neumagen“, „Piesport“, „St. Maximin in Trier“, „Trarbach, Traben und die Gräfinburg“ und „Zeltingen“), bei denen ebenfalls die Signierung und Datierung von Karl Bodmer fehlt.
mini|Die Stadt Traben-Trarbach und die Grevenburg an der Mosel; ein Beispiel für die unkolorierten Aquatinten, die Bodmer ab 1831 bei Hölscher in Koblenz herausgab. Dieses Album enthielt nur einen kurzen erläuternden Text. Bodmer achtete darauf, dass seine in diesem Loseblattalbum veröffentlichten Veduten auch als Illustrationen in literarischen Reisetagebüchern erschienen, die den Touristen zur Vorbereitung ihrer Reise dienten. Zunächst kamen im Jahr 1836 seine Moselansichten zusammen mit einem umfangreichen Text als Buchausgabe heraus: L.K.E. Seidler: Das Moselthal zwischen Coblenz und Trier. Als erläuternde Zugabe zu Bodmer’s malerischen Ansichten der Mosel. qu. 4., Hölscher, Koblenz 1836.
1841 erschienen Malerische Ansichten der Mosel in 30 Blättern, gezeichnet von Carl Bodmer und gestochen von Rudolph Bodmer, Hegy und anderen gr. 4. in drei Ausfertigungen: Aquatinta, coloriert oder fein gemalt im Verlag Hölscher in Koblenz ohne Jahresangabe.
Ebenfalls 1841 veröffentlichte Hölscher das Buch Die Mosel und ihre nächsten Umgebungen von Metz bis Coblenz; historisch-topographisch mit einem Text von Otto von Czarnowsky und 32 Blättern von Karl Bodmer.Fast die ganze Serie in kolorierter Fassung befindet sich im Mittelmosel-Museum in Traben-Trarbach. Dieses Museum ist auch im Besitz der Originaldruckplatten der Bilder Kröv, Piesport, Starkenburg und Trarbach. Das Stadtmuseum Simeonstift Trier besitzt ebenfalls eine Sammlung der Moselansichten von Karl Bodmer. Die dem Buch von 1841 beigelegten Bilder erschienen als fotomechanische Nachdrucke in den folgenden Veröffentlichungen: