Fujian (), in der Umschrift des Weltpostvereins Fukien und in der lokalen Min-Nan-Sprache Hokkien, ist eine Provinz im Südosten der Volksrepublik China. Der Name für diese Provinz wurde während der Tang-Dynastie aus den Namen der beiden Städte Fuzhou und Jian’ou zusammengesetzt.
Die geographisch zu Fujian gehörenden, unmittelbar vor der Küste liegenden Inselgruppen Kinmen () und Matsu () werden von der Republik China (Taiwan) kontrolliert und als Provinz Fujian verwaltet. Somit gibt es die Provinz als Verwaltungseinheit zweimal: innerhalb der Volksrepublik China, die den größten Teil von Fujian kontrolliert, sowie innerhalb der Republik China, wo Fujian eine der zwei verbliebenen Provinzen (neben Taiwan) ist.
Geographie Allgemeine Beschreibung mini|Deutschland und Fujian im gleichen Maßstab
Die Provinz liegt an der Südostküste Chinas. Die Provinz ist mit ihrer Fläche von Quadratkilometern etwas größer als die frühere DDR, hat aber die doppelte Einwohnerzahl. Sie grenzt an die Provinzen Zhejiang im Norden, Jiangxi im Westen und Guangdong im Südwesten. Im Osten und Süden liegen das Ostchinesische Meer, das Südchinesische Meer und die Taiwanstraße. Fujian ist mit der Insel Taiwan auf der anderen Seite der Taiwanstraße kulturell stark verbunden. Mehrere kleine Inseln in der Taiwanstraße gehören zu Fujian, während die Matsu-Inseln und Quemoy von der Republik China kontrolliert werden.
Fujian ist geographisch vom Rest Festlandchinas durch mehrere bewaldete Bergketten isoliert, wobei diese Bergketten parallel zur Küste verlaufen. Ihre Höhe nimmt in Richtung Hinterland zu, auf der Grenze zu Jiangxi liegt das Wuyi-Gebirge, das mit bis zu 2.100 m ü. d. M. die höchste Erhebung der Provinz ist. Insgesamt nimmt das Bergland etwa 90 % der Oberfläche ein. Die Küste ist sehr buchten- und inselreich, zwischen dem Bergland und der Küste sind nur wenige ebene Flächen. Das Relief wird von den Einwohnern Fujians mit dem Sprichwort „八山一水一分田 – bashan yishui yi fen tian“, also acht Teile Gebirge, ein Teil Wasser und ein Teil Feld, beschrieben.Siegfried Englert: Die Provinz Fujian in der VR China. Annweiler: Plöger, 2013, ISBN 978-3-89857-289-7.
Der Hauptsiedlungsraum Fujians mit einer Bevölkerungsdichte von teilweise über 1000 Einwohnern pro Quadratkilometer befindet sich zwischen den beiden Deltaregionen der Flüsse Min und Jiulong. Größere Städte sind Fuzhou, Putian, Quanzhou, Xiamen, Zhangzhou (von Norden nach Süden an der Küste) sowie Nanping, Sanming und Longyan (im Hinterland auf einer Parallelen zur Küste).
Gewässer Aufgrund der Topographie der Provinz entspringen fast alle Flüsse in der Provinz und münden auch an der Küste Fujians ins Meer. Das Wuyi-Gebirge bildet die Wasserscheide zwischen Fujian und Jiangxi, das Donggong-Gebirge die Wasserscheide zwischen Fujian und Zhejiang. Der längste Fluss, der Min-Fluss gab der Provinz ihren Kurznamen Min. Weitere wichtige Flüsse sind der Jiulong-Fluss, Ting-Fluss, Jin-Fluss, Jiao Xi, Ao-Fluss, Huotong Xi, Mulan-Fluss, Zhaoandong Xi, Zhang-Fluss, Qiulu-Fluss und Long-Fluss. Alle haben ein Einzugsgebiet größer als 500 km². Eine große Anzahl kleinerer Wasserläufe entspringt in den Bergen im Zentrum der Provinz und fließt von dort direkt ins Meer. Die größten vier Flüsse entwässern drei Viertel des Territoriums von Fujian. Aufgrund des niederschlagsreichen Klimas führen die Flüsse Fujians jährlich 116,8 Milliarden Kubikmeter Wasser ins Meer ab. Auf den größten Fluss Min entfällt davon fast die Hälfte.
Den größten Teil des Wassers nehmen die Flüsse der Provinz in ihren Ober- und Mittelläufen auf. Da sie im regenreichen Gebirge entspringen, nehmen sie hier viel Wasser auf, was an den Unterläufen zu häufigen Überschwemmungen führt. Die jährliche Abflusshöhe beträgt im Provinzdurchschnitt 962 mm, abhängig von den Regenmengen liegt sie zwischen 500 und 1400 Millimetern. Innerhalb Chinas haben nur Taiwan und Guangdong mehr jährlichen Abfluss.
Die Küste der Provinz Fujian wäre in gerader Linie 530 Kilometer lang. Durch die zahlreichen Buchten und Halbinseln verlängert sich die Küste aber um ein Vielfaches auf etwa 3.080 Kilometer.
Klima mini|Klimadiagramm Fuzhou
Die Provinz Fujian ist von warmfeuchtem und subtropischem Monsunklima geprägt. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt zwischen 17 und 21 °C. Die Julitemperatur liegt an der Küste im Schnitt bei 30 °C, die Januartemperatur bei 10 °C; im Bergland sind diese Werte geringer. Die durchschnittliche Regenmenge liegt zwischen 1.100 und 2.000 mm (1.670 mm im Provinzdurchschnitt), wobei der Hauptanteil (80–85 %) des Regens zwischen Mai und September fällt. Das westliche Bergland bekommt mehr Regenfälle als die Küstenregionen, insgesamt gehört Fujian zu den Regionen mit den meisten Niederschlägen Festlandchinas. Taifune treten jährlich im Sommer und Herbst auf und bedingen ausgedehnte Evakuierungen, wie im September 2005, als Menschen vor dem Taifun Talim in Sicherheit gebracht werden mussten.
Geschichte Frühe Geschichte Archäologische Funde zeigen, dass der Norden Fujians vor etwa 8.000 Jahren in die Neusteinzeit eintrat. Dies beweisen etwa die Fundstücke von Keqiutou (, Insel Pingtan 70 km südöstlich von Fuzhou), die auf ein Alter zwischen 7.450 und 5.590 Jahren datiert wurden. Darunter finden sich Werkzeuge aus Steinen, Knochen, Muscheln und Jade; entdeckte Nadeln und Spinnräder beweisen etwa, dass die Bewohner damals schon die Webkunst beherrschten. In Tanshishan () wurden halb-unterirdische kreisförmige Gebäude gefunden. Die Funde in Huangtulun (, datiert auf etwa 3.300 Jahre und ebenfalls in der Nähe Fuzhous) deuten auf den Eintritt in die Bronzezeit hin.
Die Funde zeigen auch, dass die Ureinwohner der Provinz, Austronesier, die wahrscheinlich übers Meer aus Südostasien eingewandert waren, Landwirtschaft fast nicht kannten und sich vom Fischfang ernährten. Diese Menschen mit großen Augen, flacher Nase und tätowierten Körpern besiedelten vor allem die Regionen entlang des Min-Flusses. Die Besiedelung des restlichen, dicht bewaldeten Territoriums war äußerst dünn. Erst während der Qin- und Han-Dynastien wurde das Gebiet durch die Chinesen erforscht, und erste Beamte wurden entsandt, um Verwaltungsstrukturen aufzubauen. Die Ureinwohner wurden ab der Han-Dynastie in Richtung Norden, nördlich des heutigen Shanghai, verdrängt.
mini|Der Min-Fluss in Fujian Das Gebiet konnte jedoch nicht sofort in chinesisches Stammterritorium einverleibt werden, denn während der Zeit der Streitenden Reiche war ein rivalisierendes Reich im heutigen Fujian entstanden. Der Volksstamm der Yue hatte das Reich im 3. Jh. v. Chr. gegründet, als ihr Stammterritorium vom Königreich Chu eingenommen worden war. Unter der Qin-Dynastie wurde das Königreich zwar formell ins Qin-Gebiet eingegliedert. Als die kurzlebige Qin-Dynastie in sich zusammenbrach und Bürgerkrieg herrschte, unterstützte König Wuzhu von Minyue den Kriegsherren Liu Bang im Kampf gegen Xiang Yu. Liu Bang errichtete mit Wuzhus Hilfe später die Han-Dynastie, und im Jahr 202 v. Chr. bekam Minyue den Status eines formell unabhängigen, aber tributpflichtigen Königreiches zurück. Minyue wurde erlaubt, Festungen (etwa in Fuzhou und in den Wuyi-Bergen) zu errichten und ihr Territorium über jenes der heutigen Provinz hinaus zu vergrößern. Minyue umfasste dann neben dem heutigen Fujian auch das östliche Guangdong, das südliche Zhejiang und den Osten von Jiangxi. Kulturell wurde Minyue sinisiert, und seine Kultur bestand aus einer Mischung aus austronesischen und Han-Elementen.
Nach dem Tod des Königs Wuzhu hielt das Königreich die militärische Tradition aufrecht und griff wiederholt seine Nachbarn an. Im Jahre 111 v. Chr. entschied der Han-Kaiser, die potenzielle Gefahr zu beseitigen, und griff das Königreich zeitgleich zu Land und See an, womit Minyue ausgelöscht wurde. Um große Zerstörungen zu vermeiden, gaben die Herrscher in Fuzhou den Kampf frühzeitig auf, das Minyue-Reich kam somit zu einem sehr abrupten Ende. Im Norden Fujians gibt es jedoch nach wie vor zahlreiche Tempel, die zur Verehrung der ersten Könige Fujians errichtet wurden.
Die Han-Dynastie brach im 2. Jahrhundert n. Chr. zusammen. Das Gebiet des heutigen Fujian wurde während der Zeit der Drei Reiche vom Königreich Wu beherrscht. Der Gründer von Wu, Sun Quan, brauchte fast zwanzig Jahre, um die Shan Yue (die Yue in den Bergen) zu unterwerfen.
Im frühen 4. Jahrhundert, nach dem Zusammenbruch der Westlichen Jin-Dynastie, wurde Nordchina von Nomaden aus dem Norden angegriffen, und es herrschte Bürgerkrieg. Somit kam die erste Welle von Immigranten nach Fujian. Die Immigranten stammten hauptsächlich von zentralchinesischen Clans, nämlich Lin (), Huang (), Chen (), Zheng (), Zhan (), Qiu (), He (), und Hu (), wobei die ersten vier die wichtigsten Familiennamen des modernen Fujian bleiben.
Wegen der rauen Topographie des Gebietes blieb Fujian relativ dünn besiedelt, die wirtschaftliche Entwicklung blieb hinter dem restlichen China zurück, und es wurden auch nur zwei Kommandanturen und sechzehn Bezirke eingerichtet. Ähnlich wie die anderen Provinzen des Südens diente Fujian nicht zuletzt als Ziel für Gefangene oder Dissidenten. Es begann jedoch der Prozess der langsamen Integration Fujians in das chinesische Reich und die Assimilierung der nicht-chinesischen Völker.
Während der Zeit der Nord- und Süd-Dynastien war Fujian im Einflussgebiet der Südlichen Dynastien. Ihre Herrscher machten große Anstrengungen, um das Gebiet mit Han zu besiedeln.
Erste Blüte während der Tang- bis Ming-Dynastie mini|Das Zeichen Min –
Während der Tang-Dynastie (618–907) war Fujian ein integraler Bestandteil des chinesischen Kaiserreiches. Ab diesem Zeitpunkt sind Seefahrt und Handel mit der Geschichte der Provinz eng verbunden, während der Rest Chinas traditionell landwärts ausgerichtet ist. Während der Tang- und Song-Dynastie bewegte sich das wirtschaftliche Schwergewicht Chinas in Richtung Süden, und speziell nach der An-Lushan-Rebellion im 8. Jhdt. gab es massive Südmigration. Die Immigranten während der Periode der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche wurden von General Wang angeführt, welcher das Min-Königreich mit Fuzhou als Hauptstadt gründete. Nach Wangs Tod wurde das Min-Königreich durch interne Kämpfe jedoch so geschwächt, dass es von den Südlichen Tang geschluckt wurde.
In 150 Jahren versechsfachte sich die Bevölkerung der Provinz. Dies brachte einerseits Druck, die vielen Menschen zu ernähren, andererseits auch genug Arbeitskräfte für Landgewinnung, das Anlegen von Terrassenfeldern und für das Graben von Bewässerungskanälen. In diesen Punkten erlangte Fujian bis ins 10. Jahrhundert die technologische Führerschaft in China. Die Stadt Fuzhou stieg zu einer bedeutenden Hafen- und Handelsstadt auf, durch die vor allem Tee ausgeführt wurde.
Ab dem 9. Jh. waren arabische Händler in China, speziell in Quanzhou ansässig, um mit den Chinesen Handel zu treiben. Quanzhou überholte langsam Fuzhou und Guangzhou in ihrem Umschlag und wurde zum damals wahrscheinlich größten Hafen der östlichen Welt. Während der frühen Ming-Dynastie, in einer seltenen Phase der Außen-Orientierung, war Quanzhou Ausgangspunkt für die Expeditionen des Admirals Zheng He. Seine erste Expedition startete 1405. Sehr bekannt sind seine Reisen um 1421 über Singapur, Sri Lanka bis Hormus und Sansibar. Die Reisen wurden teils mit den wahrscheinlich größten jemals gebauten Holzschiffen mit über 120 Metern Länge unternommen. Neben Handel und Seefahrt erlebten auch Handwerk, Kunst und Wissenschaft einen großen Aufschwung. Fujian gehörte zu den wohlhabendsten Gebieten Chinas. Aus Fujian stammte eine relativ hohe Anzahl von hohen Würdenträgern des Kaiserreiches der Song- bis Yuan-Dynastie. Die Zeit vom 11. bis zum 14. Jahrhundert ist deshalb das Goldene Zeitalter von Fujian.