Magstadt ist eine Gemeinde im Landkreis Böblingen, die zwischen Sindelfingen und Renningen liegt.

Geografie Lage und Gemeindegliederung Magstadt liegt am Rande des Gäus und am westlichen Rand des Glemswalds. Durch den Ort fließt der Planbach, der ab der Gemarkungsgrenze Magstadt/Renningen Rankbach genannt wird. Zu Magstadt gehört neben dem Hauptort selbst, die Höfe Grundhof, Talmühle und das Haus Talziegelei.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 114–116.

Schutzgebiete

Östlich von Magstadt liegt das Naturschutzgebiet Oberes Hölzertal. Der östliche Teil des Stadtgebiets gehört zum Landschaftsschutzgebiet Glemswald. Nördlich der Stadt liegt das Landschaftsschutzgebiet Ratberg mit Umgebung. Die Gemeinde hat überdies Anteile an den FFH-Gebieten Glemswald und Stuttgarter Bucht und Gäulandschaft an der Würm.Daten- und Kartendienst der LUBW.

Geschichte mini|Magstadt im Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1681 mini|rechts|Luftbild von Magstadt, August 1918 Mittelalter Magstadt wurde erstmals 1110 in einer Urkunde des Klosters Hirsau genannt. Der Ort unterstand damals den Markgrafen von Hildrizhausen, die ihn später an die Markgrafen von Tübingen abtraten. Über die Herren von Weißenstein, die Herren von Roßwag und die Herren von Börstingen kam Magstadt 1308 an die Grafschaft Württemberg.

Württembergische Zeit Bis zur Reformation gehörte die Magstadter Pfarrei zum Landkapitel Weil der Stadt im Archidiakonat Trinitatis des Bistums Speyer. 1534 setzte Herzog Ulrich die Reformation in Württemberg durch. Im Dreißigjährigen Krieg „schrumpfte die Einwohnerzahl in Magstadt auf ein Minimum“. Lange Zeit gehörte Magstadt zum Amt Leonberg, ab 1767 jedoch zum Oberamt Böblingen, bei dem es auch nach Gründung des Königreichs Württemberg 1806 blieb. 1817 wurde Magstadt das Marktrecht gewährt.

1850 hatte Magstadt 2207 evangelische und zwei katholische Einwohner, die in 236 Haupt- und 185 Nebengebäuden lebten und arbeiteten.Beschreibung des Oberamts Böblingen – Tabelle I.

Im Weltkriegsjahr 1915 war die Eisenbahnstrecke zwischen Böblingen und Magstadt betriebsbereit und stellte somit den Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Staatsbahnen her.

Im Jahr 1927 ließen sich in Magstadt zwei Industriebetriebe nieder: die Malzfabrik Dr. Karl Flik und das Pflanzensaftwerk Schoenenberger, wobei Letzteres noch heute besteht.

NS-Zeit Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Magstadt 1938 zum Landkreis Böblingen.

mini|Mahnmal zur Erinnerung an die deportierten Magstadter Sinti|alternativtext=Eine Stele des Mahnmals in Magstadt zur Erinnerung an die nach Auschwitz-Birkenau deportierten Sinti, kurz nach der Enthüllung am 24. September 2021, Foto: Manuel Werner Am 15. März 1943 deportierten lokale Polizisten wie andernorts auchMagdalena Guttenberger, Manuel Werner: „Die Kinder von Auschwitz singen so laut“. Das erschütterte Leben der Sintiza Martha Guttenberger aus Ummenwinkel, Norderstedt 2020, S. 56 ff. 26 Magstadter Sinti, teils vom Arbeitsplatz bei Daimler, nach Auschwitz-Birkenau. Von den 26 Sinti kehrten nur 9 aus Konzentrationslagern nach Magstadt zurück.Karlheinz Reichert: Magstadt: Stelen zur Erinnerung an deportierte Sinti. In: Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung, 24. September 2021. Das jüngste Opfer war 18 Monate alt.Siehe Inschrift des Mahnmals Am 24. September 2021 wurde für die ermordeten und verfolgten Magstadter Sinti ein vor allem aus zwei Stelen bestehendes Mahnmal enthüllt. Es wurde von der Steinbildhauerin Carla Mausch geschaffen, die im Entwurfsstadium Magstadter Sinti einbezog. In den Jahrzehnten zuvor „gedachte man in der Gemeinde nur der gefallenen Soldaten und der zivilen Opfer des Bombenangriffes vom 10. September 1944“.Karlheinz Reichert: Mahnmal für die ermordeten Sinti. In: Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung, 19. Mai 2012.

Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Ortskerns von Magstadt durch alliierte Bomberangriffe zerstört. Am 20. April besetzten französische Truppen Magstadt. In der folgenden Nacht kam es zu einer Vergewaltigungsserie durch marokkanische Soldaten, die französischen Offiziere schritten nicht ein.Volker Koop: Besetzt – Französische Besatzungspolitik in Deutschland. Berlin 2005, S. 40 f.

Nachkriegszeit Da Magstadt nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte die Gemeinde seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Beim Wiederaufbau des zerstörten Ortskerns entstand östlich der Kirche ein neuer Marktplatz.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (*) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Zahlen seit 1871 vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.Statistisches Landesamt B-W. Jahr Einwohner 1525 500 1634 800 1655 400 1850 2209 1. Dezember 1871 * 2027 1. Dezember 1880 * 2160 1. Dezember 1890 * 2127 1. Dezember 1900 * 1994 1. Dezember 1910 * 2130 16. Juni 1925 * 2320 16. Juni 1933 * 2452 17. Mai 1939 * 2784 13. September 1950 * 3965 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 * 5114 27. Mai 1970 * 6982 31. Dezember 1975 7969 31. Dezember 1980 7973 27. Mai 1987 * 7585 31. Dezember 1990 8233 31. Dezember 1995 8616 31. Dezember 2000 8989 31. Dezember 2005 8930 31. Dezember 2010 8793 31. Dezember 2015 9323 31. Dezember 2020 9671

Politik Bürgermeister 1902–1933: Ernst Wilhelm Bissinger (seit 1930 mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister, davor Schultheiß) 1933–1945: Alfred Stumpf 1945–1948: Robert Burkhardt 1948–1986: Erich Bohlinger 1986–2001: Hans Benzinger 2001–2018: Hans Ulrich Merz seit 2018: Florian Glock (FDP)Ergebnis der Bewerber. In: Magstadt – Endgültiges Wahlergebnis Bürgermeisterwahl 2018, Stand: 16.01.18 / 07:42. Kommunale Datenverarbeitung Region Stuttgart. Auf KDRS.de, abgerufen am 4. August 2021.wi/Arno: Magstadt: Langjähriger Schultes tritt nicht mehr an. In: Leonberger Kreiszeitung, 10. Januar 2017. Auf Leonberger-Kreiszeitung.de, abgerufen am 4. August 2021.

Gemeinderat Der Gemeinderat in Magstadt besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzenden, der ebenfalls stimmberechtigt ist.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FLM Freie Liste Magstadt 35,03 7 32,7 6FW Freie Wähler Magstadt 24,12 4 27,0 5CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 23,97 4 17,7 3SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 16,85 3 22,6 4 Gesamt 100 18 100 18 Wahlbeteiligung 57,30 % 55,4 %

Wappen und Flagge Wappen

Flagge 1979 beantrage die Gemeindeverwaltung bei der Landesarchivdirektion das „Recht zur Führung einer Flagge“; diesem wurde Ende des Jahres stattgegeben. Im Juni 1986 wurde die grün-weiße Magstadter Fahne auch förmlich vom Magstadter Gemeinderat beschlossen.Flaggenbeschreibung bei www.ortswappen.de; abgerufen am 1. Februar 2024.

Gemeindepartnerschaften Magstadt unterhält mit folgenden Gemeinden offizielle Partnerschaften: Bernsdorf, Sachsen, seit der deutschen Wiedervereinigung Celenza sul Trigno, Italien, seit 1997 Gemeinsam mit der italienischen Partnergemeinde wurde regelmäßig das Brauereiplatzfest als traditionelles Straßenfest gefeiert.

Wirtschaft und Infrastruktur Bis ins 19. Jahrhundert lebten die Einwohner überwiegend von der Landwirtschaft. Nach und nach entwickelten sich Handwerk und Gewerbe im Ort, der große Gemeindewald wirkte hierbei förderlich. In den Jahren 1823/24 gab es innerhalb der knapp 2000 Einwohner 116 Handwerker.

Eine erste Industrialisierungswelle nutzte die großen Steinbrüche und die Korsettweberei. Sie endete in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts krisenhaft. Eine zweite Welle setzte dann um die Wende zum 20. Jahrhundert ein und hält – unterstützt durch die Großindustrie in Sindelfingen – an.

Verkehr mini|Ortsdurchfahrt von Magstadt (2011) Ende März 2014 wurde der letzte Bauabschnitt der B 464 eingeweiht. Die Ortsdurchfahrt von Magstadt, die vorher zu einer der meist belasteten mit rund 20.000 PKW pro Tag in Baden-Württembergs gehörte, wurde damit wirkungsvoll vom Durchgangsverkehr entlastet. Im Rahmen des Magstadter Verkehrskonzepts wurden zusätzlich eine Südumfahrung errichtet und alle höhengleichen Bahnübergänge beseitigt. Zugleich wurde ein LKW-Durchfahrtsverbot mit Ausnahme des Lieferverkehrs erlassen.Ulrich Hanselmann: Ortsmitte von Magstadt – Alles so schön ruhig hier, in Stuttgarter Nachrichten vom 4. Februar 2013 Ursprünglich war geplant, Magstadt an die Bundesautobahn 81 anzuschließen. Dieses Vorhaben wurde durch den Bau der B 464 und B 295 ersetzt. Die im Jahr 2003 begonnene Westumgehung wird als Ausweichstrecke für den Ausbau der A 81 bei Böblingen und Sindelfingen benötigt.

Um das Gewerbegebiet Ost an die überörtlichen Straßen anzubinden, befindet sich seit vielen Jahren eine Osttangente in Planung. Wegen Streitigkeiten und daraus resultierenden notwendigen Gutachten verzögert sich der Baubeginn. Ob und wann diese Maßnahme umgesetzt werden kann, ist nicht absehbar. mini|S-Bahn-Station Magstadt Magstadt liegt an der Rankbachbahn (Renningen–Böblingen). 1970 wurde der Personenverkehr zwischen Sindelfingen und Renningen eingestellt, da im Zuge der geplanten Aufnahme des S-Bahn-Verkehrs Trassenkapazitäten für den Güterverkehr in Richtung Singen benötigt wurden. Ab 2008 wurde die Rankbachbahn zweigleisig ausgebaut und 2012 der S-Bahn-Betrieb aufgenommen. Die Linie S60 verbindet nun Magstadt mit Böblingen und Renningen. In Böblingen bestehen Übergangsmöglichkeiten zur S1 Richtung Herrenberg und Stuttgart sowie zur Schönbuchbahn. Werktags sind die Fahrten in Renningen über Leonberg nach Stuttgart durchgebunden, sonntags und abends muss umgestiegen werden; auch nach Weil der Stadt besteht direkte Umsteigemöglichkeit. Mit Aufnahme des Verkehrs der S60 wurde die frühere Buslinie 757 aufgegeben.

Es verkehrt die Buslinie 745 nach Maichingen. Zudem wird Magstadt durch die Schnellbuslinie X74 (Weil der Stadt–Ihinger Hof–Magstadt–Büsnau–Stuttgart Universität) des Magstadter Unternehmens Stäbler bedient. S-Bahn und Buslinien sind in den Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) integriert.

Bildungseinrichtungen Magstadt verfügt mit der Johannes-Kepler-Schule über eine Gemeinschaftsschule mit Ganztagesbetreuung. Die fünf Kindergärten komplettieren das Bildungsangebot für Jüngere. Eine ebenfalls im Ort befindliche Ortsbücherei richtet sich an alle Bevölkerungsgruppen. Zusätzlich besteht im Neuen Schulhaus eine Zweigstelle der Volkshochschule Sindelfingen/Böblingen.

Unternehmen Mit Arlt hat eine der größten deutschen Computer-Handelsketten ihren Hauptsitz in Magstadt, ebenso der Fahrradhersteller Merida & Centurion. Außerdem ist die Salus-Gruppe mit dem Pflanzensaftwerk Walther Schoenenberger im Ort vertreten.

Die Gemeinde engagiert sich für Start-Ups und wurde dafür beim baden-württembergischen Landeswettbewerb als gründungsfreundliche Kommune 2018/2019 ausgezeichnet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Evangelische Kirche

mini|Evangelische Kirche (2004)