mini|Reisebüros im Flughafen München (2006)Ein Reisebüro (häufig auch als Reiseagentur bezeichnet) ist eine Unternehmensform im Tourismus. Es bietet alle Formen der Urlaubs- und Geschäftsreisen an. Dabei kann es als Reiseveranstalter oder als Reisevermittler auftreten. In der Baukastentouristik unterstützen Reiseberater den Kunden bei der Auswahl und Zusammenstellung von Reiseangeboten und können hierbei im Gegensatz zu Pauschalreisen auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden eingehen. Leistungsträger Reiseveranstalter Fluggesellschaften Beförderungsunternehmen (z. B. Eisenbahnverkehrsunternehmen, Autovermieter, Reedereien, Busunternehmen) Versicherungsunternehmen (Reiseversicherungen) Beherbergungsunternehmen

Umsatz- und Ertragsentwicklung Für die Vermittlung von Aufträgen erhalten Reisebüros je nach ihrem Status Provision von den jeweiligen Leistungsträgern, die zwischen 4 % und 13 % des Reisepreises liegen, in Ausnahmefällen auch höher oder niedriger (Eisenbahn) ausfallen können. Dabei werden große Umsatzvolumen am Jahresende durch sogenannte Overridings in Form von einem erhöhten Provisionssatz zusätzlich abgegolten.

In den letzten Jahren hat sich hier auch eine Entwicklung angebahnt, die Umsatzrückgänge in einem Jahr mit Provisionsrückzahlungen oder -kürzungen im nächsten Jahr nach sich ziehen, das so genannte ‚Malus-System‘. Damit versuchen große Reiseveranstalter die Umsätze auf sich zu steuern. Dieses System birgt auch für die Konsumenten Nachteile, denn das Reisebüro ist dadurch gezwungen, die Produkte eines oder weniger Leitreiseveranstalter bevorzugt anzubieten, um die Umsatz- und Provisionsvorgaben erfüllen zu können. Jedoch scheint 2007 hier schon wieder eine Trendwende einzusetzen, da sich eben Kundenwünsche nicht alleine durch Bestrafung oder Belohnung bei Provisionen steuern lassen.

Seit den 1960er Jahren wuchsen Umsatz und Passagierzahlen jährlich. Dadurch konnten Reisebüros, wie die Tourismusbranche insgesamt, bis zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 mit guten Renditen rechnen. Danach durchlebte die Branche einen tiefgehenden Wandel mit teils erheblichen Umsatzrückgängen, aber auch Einbußen oder gar völligem Wegfall von Einkünften (wie zum Beispiel den Provisionen bei Flugtickets).

Diese Entwicklung wird durch weitere Faktoren verschärft: Zunahme der Arbeitslosigkeit Konsumzurückhaltung, Verunsicherung, Zukunftsangst das rasante Wachstum der Kommunikationsmöglichkeiten (Internet, Fax, Telefonie) Änderungen im Kaufverhalten der Konsumenten – Abnehmen der Treue zum Stammreisebüro

Veranstalter und Fluggesellschaften suchen nach neuen und kostengünstigeren Vertriebswegen wie Internetauftritte (Kunden können direkt bei Leistungsträgern buchen) Reisekanäle im TV Callcenter Absatzwege von Reisen z. B. über Supermärkte

Damit geht das Reiseveranstaltergeschäft teilweise am Reisebüro vorbei.

Null-Provision im Luftverkehr 2003 kündigte die Lufthansa als erster bedeutender Partner im Tourismus den Reisebüros den traditionellen Vermittlerstatus auf. Vermittlerstatus bedeutet für den Wiederverkäufer, er erhält vom Handelsherren für seine Vermittlungstätigkeit eine Provision.

Seitdem sind die Reisebüros gezwungen, die Flugtickets bei der Fluggesellschaft netto einzukaufen (was bedeutet, dass das Reisebüro keine Provision mehr von der Lufthansa erhält) und mit einem Aufschlag (Serviceentgelt, Bearbeitungsgebühr, Buchungsgebühr, Handling-Fee) an den Kunden weiter zu verkaufen. Der Aufschlag ist notwendigerweise zu erheben, damit das Reisebüro seine eigenen Kosten (Telefonkosten, Miete für die Computer-Terminals etc.) weiterhin decken und so sein weiteres Bestehen in der Wirtschaft sichern kann. Der ursprüngliche Gedanke der Servicegebühr fand auch schnell Einzug bei Online-Reiseportalen, speziell bei Flugportalen. Während einige EU-Staaten gegen die Intransparenz dieser Gebühren Sanktionen verhängen, fehlt in Deutschland eine weitgehende behördliche Regulierung.

Ein großes Konfliktpotential birgt die Tatsache, dass Fluggesellschaften ihre Tickets im Direktverkauf (Callcenter, Internet) teilweise preiswerter anbieten, als dies einem Reisebüro möglich ist. Eine Einschränkung hierbei ist, dass sie jeweils nur ihre eigenen Verbindungen und Preise anbieten können und nicht wie Reisebüros, auch Tarife anderer Fluggesellschaften auf einen Blick in ihren Computersystemen sehen können.

Bei dieser Entwicklung spielte die Lufthansa lediglich eine Vorreiterrolle. 99 % der Fluggesellschaften haben sich mittlerweile dieser Praxis angeschlossen. Auch die Deutsche Bahn AG hat den Reisebüros mit DB Agenturen die Grundprovision seit Anfang 2005 auf 6 % reduziert und Anfang 2023 für die meisten Reisebüros gestrichen. Agenturen erheben einen Teil der entgangenen Provision vom Kunden, in Form von Serviceentgelten.

Computersysteme im Reisebüro

Reservierungssysteme Wichtige Reservierungssysteme auf dem deutschen Markt sind gegenwärtig noch Amadeus (ehemals START – Marktführer in Deutschland) mit der Flugbuchungsmaske „AMADEUS Air“ und der Touristikbuchungsmaske „TOMA“. Daneben gibt es weitere Buchungssysteme, beispielsweise MySabre+merlin, Worldspan oder Galileo. Preisvergleichssysteme Darüber hinaus gibt es Hilfssysteme, wie Traffics Cosmo, Bistro Portal oder LM-PLUS, die Preisvergleiche ausführen, noch buchbare Angebote herausfiltern und den Urlaubswünschen der Kunden entsprechende Reisen und Reisebausteine bei verschiedenen Veranstaltern finden.

Arten von Reisebüros Vollreisebüro mini|Quittung eines West-Berliner Reisebüros für RAF-Mitglieder zur Flucht nach Jordanien, ausgestellt im Haus der Geschichte (1970) Volle Lizenzierung: IATA, Bahn, DER sowie mindestens ein Leitveranstalter. Das Vollreisebüro verkauft also neben den normalen Reisen/Pauschalreisen, auch Linienflugscheine und Bahnwerte. Das Vollreisebüro vertritt außerdem meist einen Großveranstalter wie TUI, DER Touristik oder Thomas Cook sowie viele kleinere Reiseveranstalter. Zahlreiche Vollreisebüros treten auch selbst als Reiseveranstalter auf und haben manchmal einen eigenen Reisekatalog.

Merkmale: oft Kettenreisebüro, Jahresumsatz je nach Lage und Kettenzugehörigkeit ca. 1,5 Millionen Euro, kann auch hohen Umsatzanteil mit Geschäftskunden haben.

Touristik-Reisebüro Die Vermittlungsleistung beschränkt sich auf die Angebote der Reiseveranstalter und anderen Leistungsträgern wie Hotels, Fluglinien oder Reiseversicherungen. Sie können auch über eine IATA (Berechtigung zur eigenen Ausstellung von Flugscheinen) verfügen.

Reisebüroketten Wie in anderen Bereichen der Wirtschaft hat vor Jahren die Kooperation auch in der Reisebranche begonnen. Der ursprüngliche Zweck dieser Zusammenschlüsse war es, bessere Einkaufsbedingungen bei den Leistungsträgern zu erhalten („Gemeinsam sind wir stark!“). Doch reichte bei vielen die finanziellen Reserven nicht für das Überleben aus und so wurde ein Teil der bestehenden Reisebüroketten von den großen Reiseveranstaltern aufgekauft und in deren Vertriebsnetz integriert und weiter ausgebaut.

So teilen sich drei große Reisebüroketten im Privatkundengeschäft mehr als 2/3 des Umsatzes. Zu den Marktführern zählen: die Vertriebsmarken der REWE-Touristik – circa 600 Reisebüros der Marken DER Reisebüro, DERPART und ATLASREISEN zuzüglich ca. 1200 Kooperationsreisebüros TUI Leisure Travel mit Reisebüros der Marken Hapag-Lloyd, FIRST, TUI Reisecenter und deren Franchise- und Kooperationspartner Thomas Cook/Neckermann sowie deren Franchise- und Kooperationspartner

Buchungsstelle Sie sind dadurch charakterisiert, das sie vornehmlich Reisen des eigenen Veranstalters verkaufen, jedoch über Agenturverträge mit anderen Reiseveranstaltern verfügen. Es können zwei Typen von Buchungsstellen unterschieden werden:

Die unternehmenseigene Buchungsstelle eines Reiseveranstalters Zum Beispiel Verkaufsbüro eines Sportreiseunternehmens, hier wird im direkten Vertrieb die Leistungen des Reiseveranstalters vertrieben.

Reiseabteilungen in branchenfremden Unternehmen Tankstellen, Banken, Buchclubs, Lottoannahmestellen und andere.

Consolidator Die Tätigkeit eines Consolidators umfasste bis vor wenigen Jahren unter anderem den Verkauf von so genannten Graumarkttickets. Dies sind Linienflugtickets, die „inoffiziell“, aber mit Duldung der Anbieter, zu Sondertarifen unterhalb der staatlich genehmigten Flugpreise verkauft werden.

Durch die rasante Veränderung am Flugpreismarkt (die Freigabe aller Preise bedeutet den Wegfall der Genehmigungspflicht innerhalb des gesamten europäischen Flugverkehrsgebietes) haben inzwischen Graumarkttarife ihren Stellenwert verloren. Für Langstreckenverbindungen wurden sie durch zwei neue Tarife ersetzt: dies sind verhandelte Nettotarife zwischen Consolidator oder Kette oder auch großen Unternehmen auf der einen Seite und Fluggesellschaften auf der anderen und Tarife, die nur zusammen mit dem Verkauf einer Landleistung (z. B. Unterkunft, Mietwagen) gelten.

Trotzdem haben Consolidatoren durchaus noch ihre Daseinsberechtigung. Denn mehr als zwei Drittel aller Reisebüros haben keine Lizenz zum Ausstellen von Flugtickets (sind keine so genannten IATA-Agenturen). Diese Reisebüros müssen ihre Tickets beim Consolidator beziehen. Auch die meisten Internetportale wickeln ihre Reisen nicht selbst ab, sondern beauftragen hiermit einen Consolidator oder andere Dienstleister, man spricht dann von Fulfilment Center.

Für Privatkunden mit der Idee, über den Consolidator einen günstigeren Flugpreis zu erzielen, ergibt der Versuch, einen solchen ausfindig zu machen, jedoch keinen Sinn. Erstens ist durch die heute weitgehend vollautomatisierte Abwicklung die Spanne mit circa 5 Euro zu gering, als dass es sich lohnen würde, und zweitens ist keine Infrastruktur für die nötige Beratung vorhanden.

Der Consolidator ist die Schnittstelle zwischen Reisebüros und Fluggesellschaften

Ein Consolidator nimmt eine Vermittlerposition zwischen Reisebüro und Fluggesellschaften ein. Im Wesentlichen gehören folgende Aufgabenbereiche zum Consolidator-Geschäft: Verträge mit Fluggesellschaften Veröffentlichung und Pflege von Flugtarifen in Datenbanken Verträge mit Reisebüros Service, telefonische Beratung für Reisebüros Ticketerstellung (Etix, Tickethinterlegung, Papierticket …) Versandabteilung, Botendienst Buchhalterische Organisation

Durch die vielfältigen Aufgaben im Großkundengeschäft ist eine Betreuung von Privatkunden in der Regel nicht möglich. Eine Struktur für eine Endkundenbetreuung ist nicht vorgesehen und auch nicht erwünscht. Daher erhalten nur die Partner aus der Reisebürobranche Flugtickets zu Sonderkonditionen, nicht aber der Endkunde.

Für Reisebüros ohne IATA-Lizenz ist der Anschluss an einen Consolidator besonders wichtig. Ohne eine solche Lizenz ist ein Reisebüro nicht berechtigt, Flugtickets zu erstellen. Um diesen jedoch wichtigen Bereich in der Reisebürobranche abzudecken, erfolgt notwendigerweise ein Vertrag mit einem Consolidator. Für eine Grundgebühr, die weit unter der Provision des Reisebüros liegt, erstellt der Consolidator die Flugtickets, unter Beachtung der tariflichen Bedingungen.

Aber auch für Reisebüros mit einer IATA-Lizenz lohnt sich ein Vertrag mit einem Consolidator. Durch die hohe Anzahl der ausgestellten Flugtickets erhält ein Consolidator bessere Bedingungen für den Einkauf bei den Fluggesellschaften als ein Reisebüro. Diese Preise werden dann an die Reisebüros weitergegeben, die dadurch günstigere Reisen verkaufen können. Vor Jahren wurden Graumarktpreise mit Duldung der Fluggesellschaften an die Reisebüros kommuniziert. Mittlerweile ist ein ganzer Tarifdschungel neben den Published-Tarifen entstanden, wie zum Beispiel Nego-Tarife, Bulk-Tarife, Corporate-Tarife oder Unifares.