Kaub (bis 1933 Caub geschrieben) ist eine Stadt am Rhein im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Loreley an, die ihren Verwaltungssitz in St. Goarshausen hat. Kaub ist nach der Zahl seiner Bevölkerung mit etwa 860 Einwohnern die kleinste Stadt in Rheinland-Pfalz und vor allem bekannt durch die im Rhein gelegene Burg Pfalzgrafenstein. Die Stadt ist seit 2002 Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.
Geographie mini|Lage Kaubs im Rheintal, Ansicht von Süden mini|Kaub, Ansicht von Nordwesten mini|Kaub (Gesamtansicht von Südwesten)
Geographische Lage Kaub liegt am rechten Ufer des Rheins bei Stromkilometer 546 und damit genau in der Mitte zwischen Mainz (Stromkilometer 500) und Koblenz (Stromkilometer 592). Die Stadt liegt malerisch zwischen dem Rheinufer und den steil aufragenden Felsabhängen des Rheinischen Schiefergebirges, in die der Fluss sich eingeschnitten hat. Bei Kaub haben der Volkenbach und der Holzbach mit großem Gefälle zwei Täler in die den Rhein begleitenden Steilhänge geschnitten. Auf dem dazwischen gelegenen Bergrücken der Kauber Platte trägt ein Felssporn die Burg Gutenfels.Topografische Karte 1:25.000
Im Rhein in Höhe des Volkenbachtals ist auf der kleinen Felseninsel die Burg Pfalzgrafenstein errichtet. Einen Kilometer oberhalb dieser Felseninsel und mit dieser durch ein Leitwerk verbunden, beginnt der Kauber Werth. Es liegt neben dem Wilden Gefähr, einer früheren Stromschnelle des Rheins. Wenige hundert Meter weiter stromaufwärts in Höhe des Bacharacher Werth endet das Niedertal am Rheinufer, kenntlich an zwei dort stehenden Wohngebäuden. Der steil ansteigende Talgrund des Niedertals war für Jahrhunderte die Grenze zwischen der Kurpfalz und dem Rheingau (Kurmainz). Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier die Zonengrenze zwischen der Französischen Besatzungszone, zu der Kaub gehörte, und der Amerikanischen Besatzungszone. Zugleich wurde das Niedertal zur Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen. Stromabwärts gehört auch noch der Roßstein gegenüber von Oberwesel zu Kaub.
Zwischen dem Blüchertal, durch das der Holzbach (seit 1894 Blücherbach) fließt, und dem Niedertal erstreckt sich der Kauber Stadtwald zwischen Weisel und Sauerthal hindurch 5 Kilometer weit bis kurz vor die Ortslage von Ransel. In diesem Gebiet liegen mehrere aufgegebene Schiefergruben. Im Stadtwald liegt die höchste Erhebung in der Kauber Gemarkung mit einer Höhe von .
mini|Kaub vom linken Rheinufer mini|Kaub im 17. Jahrhundert (Matthäus Merian) Stadtgliederung Zu Kaub gehören neben dem Stadtgebiet folgende Wohnplätze: Auf dem Hainbusch Burg Gutenfels Ernestineschacht im Volkenbachtal Kauber Platte Niedertal Rennseiterstollen Viktoriastollen (Teilweise) Wasserhaus
Nachbargemeinden Die Gemarkungsgrenze von Kaub liegt auf einer Länge von acht Kilometern in der Fahrrinne des Rheins. Am gegenüberliegenden Ufer grenzt Kaub im Süden an Bacharach und im Norden an Oberwesel. Am Rheinufer in Höhe des Urbachtals hat Kaub eine ganz kurze gemeinsame Grenze mit Sankt Goarshausen. Dann folgen im Norden als Nachbarorte die Höhengemeinden Dörscheid und Weisel. Im Osten gibt es eine gemeinsame Grenze mit dem Lorcher Stadtteil Ransel und mit Sauerthal. Abgeschlossen wird die Reihe der Nachbarorte im Süden mit dem Lorcher Stadtteil Lorchhausen.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Die Gemarkung wurde bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Bei Grabungsarbeiten am Dicken Turm wurden Scherben eines Tongefäßes gefunden, die der Latènezeit um 500 vor Christus zugerechnet werden. Ein römischer Einhenkelkrug, gefunden beim Bau eines Weinkellers im Bereich des Kauber Bahnhofs, wird auf die Zeit um 260 nach Christus datiert. Zur Zeit der Karolinger gehörte die Gemarkung zum Einrichgau.
Zur Herkunft des Ortsnamens gab oder gibt es diverse Theorien. So könnte er sich vom keltischen „cabi“ (Häuschen) oder vom lateinischen „cubile“ (Lagerstätte, Schieferlager) oder „cupa“ (Weinfass, Kufe) herleiten. Die Legende führt den Namen auf den Mainzer Bischof Theonest zurück. Er soll von den arianischen Germanen im Jahr 406 gesteinigt, in ein durchlöchertes Weinfass (Kufe) gesteckt und dann in den Rhein gestoßen worden sein. Das Fass wurde bei Kaub an Land gespült. Als Dank für seine Rettung lehrte Theonest die Einwohner das Christentum und den Weinbau. In historischen Quellen wird der Ort teils mit C und vereinzelt auch mit K geschrieben. Für den Ortsnamen überlieferte mittelalterliche/frühneuzeitliche Schreibweisen sind unter anderem aber auch: Cuba (983,1315); Cuoba (1250); Cubio (1255); Kuben (1257) Kawbe (1433); Kub (1434); Cub (1490); Caube (1581).
Am 14. Juni 983 wird der Ort als „Cuba villula“ (Dörflein Kaub) erstmals in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos II an Willigis (Veroneser SchenkungStadt Kaub. In: vg-loreley.de, abgerufen am 16. Februar 2024.) als Grenzort außerhalb des Rheingaues erwähnt.
Das mittelalterliche Kaub
mini|Ehemalige Zollschreiberei Um 1220 wurde die Burg Cuba (später Gutenfels) auf einem Felssporn über der Stadt erbaut. 1241 wurden erstmals Ritter oder Burgmannen in Kaub („in Kuben“) urkundlich genannt. 1252 belagerte König Wilhelm von Holland († 1256) Kaub mehrere Wochen erfolglos.
Im Jahr 1257 gewährte Philipp I. von Falkenstein-Münzenberg dem Kloster Eberbach Zollfreiheit am Kauber Rheinzoll. Dieses ist die erste urkundliche Erwähnung der Zollstation. 1261 wurde Burg Cuba („castrum meum cuben“) erstmals namentlich erwähnt. Bei einem Schiedsspruch in der Familie derer zu Falkenstein wurde Kaub am 19. August 1275 erstmals als ummauerte Stadt bezeichnet.
1277 verkaufte Philipp II. von Falkenstein-Münzenberg für 2100 Aachener Denare Burg Cuba und die darunter liegende befestigte Stadt mit allen Rechten, dem Kirchenpatronat zu Weisel und allen Zubehörungen, an den Pfalzgrafen Ludwig II. den Strengen. Im Jahr 1287 wurde Graf Adolf von Nassau Burgmann des Pfalzgrafen in Kaub. Dieser soll am 5. Mai 1292 die Nachricht von seiner Wahl zum deutschen König auf Burg Kaub erhalten haben. Zwei Jahre später wurde Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen in der Reihe der Kauber Burgmannen aufgenommen.
1315 wurde erstmals eine Kirche in Kaub erwähnt. Sie war vorübergehend eine Filialkirche der Pfarrei Weisel. Von Ludwig dem Bayern erhielt Kaub 1324 Stadtrechte wie sie die Stadt Boppard besitzt. Zu dieser Zeit wird die Stadtbefestigung um das vor der alten Stadtmauer liegende Markt- und Bäckerviertel herum erweitert. Im selben Jahr schenkte Ludwig der Bayer die Pfarrei Weisel an das Kloster Klarenthal bei Wiesbaden.
Nach dem Bau der Burg Pfalzgrafenstein (ab 1326/27) wurde Kaub neben Bacharach die bedeutendste Zollstelle der Pfalzgrafen. Die Durchführung der Zollerhebung oblag mehreren Beamten (Zollschreiber, Beseher, Nachgänger und Nachschreiber). Die Zollerhebung zu Kaub wurde von Papst Johannes XXII. als Begründung des Kirchenbanns gegen König Ludwig den Bayern angeführt.
mini|Ehemalige Lotsenstation, heute Sitz des Lotsenmuseums Neben dem Zoll erhielt Kaub seine Bedeutung im Laufe der Zeit vor allem durch den Weinbau sowie bis zur Mitte der 1980er Jahre durch die Schifffahrt und den Lotsendienst. Die Kauber Lotsenstation war die größte am Rhein.
Vermutlich in den 1330er Jahren wurde Kaub eine eigenständige Pfarrei. Eine Urkunde des Pfalzgrafen Rupprecht I. d. Ä. von 1353 belegt erstmals den Kauber Schieferbergbau. Schiefer war wegen seiner Verwitterungsbeständigkeit ein begehrter Baustoff. Zwischen 1368 und 1372 unterhielten die Pfalzgrafen eine Münze in der Stadt.
Das im Süden gelegene Zöllerviertel wurde 1485–1487 befestigt. Für 1477 ist erstmals eine Schule im Ort belegt.
Kaub war seit dem 15. Jahrhundert kurpfälzischer Amtssitz. Als Unteramt des Oberamtes Bacharach umfasste es neben Kaub noch die Dörfer Weisel, Ober- und Niederdörscheid, Sauerthal sowie den Hof Fronborn, die Sauerburg, die Burg Rheinberg, den Sachsenhäuser Hof (bei Prath) und das linksrheinische Holzfeld.
Die erhaltenen Rats- und Gerichtsprotokolle geben Aufschluss über die Stadtverfassung im 15. Jahrhundert. An der Spitze der Stadt stand ein gewählter Schultheiß, der vom kurpfälzischen Amtmann bestätigt wurde. Der Schultheiß wurde durch einen juristisch ausgebildeten Stadtschreiber unterstützt. Der Stadtrat bestand aus sechs Mitgliedern (Schöffen). Weiterhin gab es den Rats- und den gemeinen Bürgermeister. Der Ratsbürgermeister wurde von den Schöffen gewählt. Ihm oblag die Führung der laufenden Amtsgeschäfte. Der gemeine Bürgermeister wurde von den Viertelsmeistern und den Schöffen gemeinsam gewählt. Ihm oblag eine Kontrollfunktion. Die Viertelsmeister waren Vertreter der Stadtviertel: Bächerviertel, Linderviertel, Städterviertel und Zöllerviertel. Die städtische Gerichtsbarkeit oblag dem Stadtgericht aus Schultheiß und Schöffen. Es hatte die „Hals- und Haupt-Gerichtsbarkeit“ und war auch für Eigentumsfragen zuständig. Das Gericht führte ein eigenes Siegel. Dieses zeigte einen segnenden Bischof über einer Quadermauer mit rundbogiger Toröffnung. Der Bischof wird fälschlicherweise als St. Theonest gedeutet. Der Stadtpatron von Kaub ist aber der heilige Nikolaus, wie auch die älteste Kauber Kirchenglocke „St. Nikolaus“ von 1379 bezeugt. Die mittelalterliche Stadtverfassung hatte bis 1803 Bestand.
Die Belagerung von 1504 mini|Über die Belagerung von 1504, Steintext auf Zollhaus
Infolge des Landshuter oder Bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieges kam es zu einer 5½-wöchigen Belagerung Kaubs. König Maximilian I. beauftragte 1504 den Landgrafen Wilhelm von Hessen mit der Vollziehung der Reichsacht gegen die Kurpfalz. Der Landgraf begann am 18. August mit der Belagerung von Stadt und Burg Kaub. Obwohl die Hessen Burg und Stadt intensiv unter Beschuss nahmen, gelang ihnen nicht deren Eroberung. Als Folge eines Unfalls mit Schießpulver brach ein Feuer in der Stadt aus, bei dem 11 Menschen starben und 20 Gebäude zerstört wurden. Am 7. September traf der junge Pfalzgraf Ruprecht mit seinen Truppen zur Verstärkung der Belagerten bei Kaub ein. Die Hessen zogen daraufhin unter erheblichen Verlusten an Menschen und Geschützen wieder ab. [Die oft zu lesende Behauptung, Burg Kaub sei wegen der tapferen Verteidigung erst nach 1504 in Burg Gutenfels umbenannt worden, ist falsch. Die Burg wurde schon vor ihrer Belagerung im „Reißbuch“ (Kriegsbuch) der Kurpfalz als „Guttnfels“ und „Gudenfels“ bezeichnet. Zu diesem Ehrennamen muss sie also schon früher gekommen sein.]
In diese Zeit gehört auch die Legende vom Elslein von Kaub, die Tochter des lokalen Geschützgießermeisters, die als Soldat verkleidet den kurpfälzischen Verstärkungstruppen den richtigen Weg in die Stadt gewiesen hat. Eine Gedenktafel am Amtshaus rekapituliert, dass Kaub trotz 900 verschossener Steinkugeln und 830 gusseiserner Kugeln am Ende kurpfälzisch blieb.
Frühe Neuzeit mini|Gedenktafel für den alten jüdischen Friedhof am Schlossweg Mitte des 16. Jahrhunderts setzte verstärkt die Reformation in der Kurpfalz ein. Die Einwohner von Kaub konvertierten zum neuen Glauben und das Kirchenwesen wurde umfassend umgestaltet. 1578 lebten in der Stadt 90 Bürger.
Während des Dreißigjährigen Krieges war Kaub als wichtige Zollstation der Rheinschifffahrt wiederholt Eroberungsziel der Kriegsparteien. Die Kurpfalz war Gründungsmitglied der Protestantischen Union.