mini|Seefelden mit Bodensee von Norden Uhldingen-Mühlhofen ist eine Gemeinde im Bodenseekreis, in Baden-Württemberg, Deutschland. Die Gemeinde ist staatlich anerkannter Erholungsort.Uhldingen-Mühlhofen. Gemeinsam stark! In: Die Region stellt sich vor. Wir sind hier. Sonderbeilage des Südkurier vom 19. November 2010, S. 11.

Geographie Geographische Lage Uhldingen-Mühlhofen liegt am Nordufer des Bodensees etwa sieben Kilometer östlich von Überlingen und drei Kilometer westlich von Meersburg, mit Blick auf die Insel Mainau, den Bodanrück und nach Süden in die am anderen Ufer angrenzenden Ländern Schweiz und Österreich, auf das Alpenmassiv. Die Gemeindefläche beträgt 15,66 Quadratkilometer. Zwischen der Ortschaft Unteruhldingen (südwestlicher Gemeindeteil von Uhldingen-Mühlhofen) im Süden und dem Weiler Seefelden (westlicher Gemeindeteil von Uhldingen-Mühlhofen) im Norden fließt die Seefelder Aach im Naturschutzgebiet Seefelder Aachmündung in den Überlinger See (Nordwestteil des Obersees). Das rund 55 Hektar große Naturschutzgebiet ist Lebensraum zahlreicher seltener und zum Teil vom Aussterben bedrohter Fische, Insekten, Wasservögel, Reptilien und Amphibien. Als Tierbestand ist der Haubentaucher und die Tafelente, als Pflanzen die Silberweide und der Gewöhnliche Schneeball zu nennen.

Gliederung Die Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen entstand durch den Zusammenschluss der früheren selbstständigen Gemeinden Oberuhldingen, Mühlhofen und Unteruhldingen im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg. Sie setzt sich zusammen aus den Ortsteilen Mühlhofen (mit dem Weiler Gebhardsweiler, dem Gehöft Hallendorf und den Häusern Im Fölle), Oberuhldingen (mit den Weilern Obermaurach und Seefelden, dem Gehöft Oberhof und den Häusern Birnau, Reißmühle, Schloss Maurach und Wilhelmshof) und Unteruhldingen.Holger Kleinstück: Uhldingen-Mühlhofen. Von der Steinzeit zur Neuzeit. In: Die Region stellt sich vor. Wir sind hier. Sonderbeilage des Südkurier vom 19. November 2010, S. 11. Mit einer Fläche von 811 Hektar bildet Oberuhldingen das Zentrum der Gemeinde und deren bevölkerungsreichsten Ortsteil. Unteruhldingen ist ein verkehrsberuhigter Erholungsort und bildet den touristischen Mittelpunkt der Gemeinde.

Wappen Teilort Fläche 30px|Mühlhofen Mühlhofen 631 ha 30px|Oberuhldingen Oberuhldingen 811 ha 30px|Unteruhldingen Unteruhldingen 122 ha

Klima Uhldingen-Mühlhofen hat ein sonniges Klima mit 2077 Sonnenstunden im Jahr 2008, das sind die drittmeisten in Deutschland.Rügen hält die Spitze. In: Südkurier vom 3. Januar 2009Die Sonnenstunden des vergangenen Jahres auf t-online.de vom 2. Januar 2009 Die Wetterstation Unteruhldingen-Pfahlbaumuseum (; ), die diese Daten lieferte, ist vom Wetterdienst Meteomedia vernetzt.

Geschichte mini|Seefelden, Maurach und die Wallfahrtskirche Birnau um 1809 mini|Luftbild der Gemeinde und der Insel Mainau im Hintergrund Bis zum 19. Jahrhundert Das Bodenseeufer in der Gegend von Unteruhldingen war nachweislich bereits in der Steinzeit und der Bronzezeit, also zwischen 4000 und 850 Jahren vor Christus, von Jägern und Fischern besiedelt, wie archäologische Funde belegen. Zur Zeit des Römischen Reiches mag es dort eine Hafenanlage gegeben haben; Münzfunde aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. sprechen dafür. Oberuhldingen lag an dem Römerweg von Meersburg ins heutige Salemer Tal. Dort wurden auch Reste eines römischen Gutshofs gefunden.

Die Pfarrei Seefelden wurde möglicherweise bereits im 7. Jahrhundert gegründet (urkundlich erwähnt wurde sie erstmals 1165) und gehört mit Bermatingen, Aufkirch und Kloster Reichenau zu den Urkirchen des nördlichen Bodenseegebiets, wäre also ein Zeuge der ersten Christianisierungswelle durch das Fränkische Reich. Sie war dem Bischof von Konstanz unterstellt.

Der Ortsname Uhldingen ist 1058 als Oweltinga/Ouweltingen erstmals urkundlich belegt; später Uoldingen und Ueldingen. Der Ort trägt den Namen des Sippenältesten Owalt aus alemannischer Zeit. Mühlhofen wird erstmals 1165 als Mulnhoven erwähnt.

Im 12. Jahrhundert begann die Reichsabtei Salem, in Uhldingen und Umgebung gezielt Besitz anzukaufen. Vermutlich in Seefelden wurde 1227 ein Kloster der Zisterzienserinnen gegründet, das unter Salemer Obhut stand. Wenige Jahre später wurde es auf Veranlassung des Salemer Abtes Eberhard von Rohrdorf nach Baindt verlegt.

1348 suchte die Pest die Gegend heim; zwei Bildstöcke im Flurgebiet Herberge erinnern daran.

Am Hügel Zihlbühl, in der sogenannten Knappenhöhle, wurde im Mittelalter nach Gold gegraben, das sich in dem weichen Molassesand jedoch nur in spärlichen Mengen fand.

Auf dem unteren Lichtenberg stand eine Burg, die 1499 im Schwabenkrieg zerstört und 1525 abgetragen wurde. Sie war der Sitz der Herren von Oberrieden.

mini|Das Salemer Gebiet um 1765Im unteren Bereich ist das Bodenseeufer zu sehen, das von Nußdorf bis kurz vor Unteruhldingen zu Salem gehörte Ab 1264 gehörten die Dörfer Oberuhldingen, Mühlhofen und Seefelden zum Territorium der Reichsabtei Salem. Unteruhldingen lag auf dem benachbarten Gebiet der Grafschaft Heiligenberg, die ab 1516 dem Fürstenhaus Fürstenberg gehörte. Für das Jahr 1175 dokumentiert eine Urkunde von Kaiser Friedrich Barbarossa den bestehenden Schiffsverkehr zwischen Unteruhldingen und Konstanz. Seit 1222 werden die Ortsteile (Unter-)Uhldingen als Hafen und Oberuhldingen unterschieden.

Die Hafenorte Maurach und Unteruhldingen waren Warenumschlagplätze für Güter aus dem Salemer Tal und für das Salz, das Salem aus den klostereigenen Salzminen im Salzkammergut importierte. Ein versunkenes Salzschiff liegt heute noch auf dem Grund des Sees vor der Unteruhldinger Schiffslandestelle. Auch der Bischof von Konstanz hatte hier Besitz. Ab 1733 war der Uhldinger Hafen der Hauptausfuhrhafen der Grafschaft Heiligenberg.

Nach der Säkularisation 1803/1804 gingen die Orte an das Großherzogtum Baden über und wurden zu den selbständigen Gemeinden Oberuhldingen, Unteruhldingen und Mühlhofen.

Gemeindearchiv An einer Außenstelle in Ortsteil Mühlhofen werden ca. 800 Amtsbücher, sowie Akten und Urkunden gelagert, die aus den Jahren vor der Gemeindereform 1972 stammen. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1429. Eine Erbschaftsurkunde, die vom Heiligenberger Landgericht ausgestellt wurde, stammt aus dem Jahr 1580. Mit Hilfe eines Projektförderungzuschusses der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) wurde im Jahr 2026 der Bestand gesichtet und ausgewertet, um ein Schadensbild zu erstellen und ggf. einen Restaurierungsplan für die kommenden Jahren zu erstellen.

Eingemeindungen Von 1939 bis zur Kreisreform 1973 gehörten diese Gemeinden dem Landkreis Überlingen an, seither dem Bodenseekreis. Am 1. Januar 1972 wurden Unteruhldingen, Oberuhldingen und Mühlhofen zur Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung Jahr 1871 1900 1933 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2005 2010 2011 (Zensus) 2015 Einwohner 888 1.752 1.734 2.433 3.194 4.539 5.521 6.480 7.243 8.003 7.910 7.809 8.068

Politik

Verwaltungsverband Uhldingen-Mühlhofen hat sich mit der Stadt Meersburg und den Gemeinden Daisendorf, Hagnau und Stetten zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen.

Gemeinderat Der Gemeinderat in Uhldingen-Mühlhofen besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem ErgebnisWahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums.

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 JB Junge Bürger 30,74 6 24,3 4 FW Freie Wähler 18,97 3 14,6 3 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 18,24 3 28,8 3 BUF Bürger- und Umweltforum 15,35 3 19,9 4 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 11,57 2 11,3 2 FDP Freie Demokratische Partei 3,21 1 4,9 1 AWG Aktive Wählergemeinschaft 1,92 – 8,1 1 gesamt 100,0 18 100,0 18 Wahlbeteiligung 61,51 % 61,9

Bürgermeister Ehemalige Gemeinde Oberuhldingen bis 1972: Anton Keßler

Ehemalige Gemeinde Unteruhldingen 1967–1972: Walter Bühler

Ehemalige Gemeinde Mühlhofen bis 1972: Eugen Schaible

Uhldingen-Mühlhofen 1972 (Amtsverweser): Walter Bühler 1972–1996: Karl-Heinz Weber (Freie Wähler) 1996–2004: Ralph Bürk (GRÜNE) 2004–2020: Edgar Lamm (CDU) seit 2020: Dominik Männle (parteilos)

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfahlbauten in Unteruhldingen mini|Rekonstruierte Pfahlbauten

Wege Parallel zum Seeufer führt der Bodensee-Radweg von Meersburg entlang des Ufers bis nach Unteruhldingen, durchquert dann das Naturschutzgebiet vor Seefelden und führt dann weiter nach Überlingen. Der Bodensee-Rundweg führt ebenfalls über Unteruhldingen und weicht teilweise vom Bodensee-Radweg ab. Aber auch der ufernähere Weg von Meersburg nach Überlingen kann von Wanderern benutzt werden. Des Weiteren gibt es den rund zwei Kilometer langen historischen Zeitweg, der 10.000 Jahre Landschafts- und Kulturgeschichte an über 20 Stationen widerspiegelt. Er beinhaltet steinzeitliche Versuchsanpflanzungen und Informationen von der Eiszeit bis in die Neuzeit.

Museen Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen ist ein Freilichtmuseum, das archäologische Funde und Nachbauten von Pfahldörfern aus der Stein- und Bronzezeit präsentiert. Es stellt den touristischen Anziehungspunkt in der Gemeinde mit jährlich bis zu 300.000 Besuchern dar. Die ersten Pfahlbauten waren Rekonstruktionen aus dem Jahr 1922, die auf Grundlage der Ausgrabungen im Moor bei Bad Schussenried und am Federsee gestaltet wurden. Die Idee zur Errichtung der ersten beiden Häuser in Unteruhldingen wurde vom örtlichen Bürgermeister Georg Sulger, vom Überlinger Stadtarchivar Victor Mezger und vom dortigen Amtsvorstand Hermann Levinger 1921 gefasst und unterstützt nach einem Vortrag Hans Reinerths über die Ausgrabungen am Federsee. Das Museum befindet sich seit seiner Gründung im Jahre 1922 in der Trägerschaft des Vereins für Pfahlbau- und Heimatkunde e. V., mit aktuell 710 Mitgliedern. Der wegen seiner Nazi-Vergangenheit umstrittene Archäologe Hans Reinerth leitete nach 1945 bis 1990 das Museum in Unteruhldingen. Seit 1990 ist der Archäologe Gunter Schöbel für das Museum mit angegliedertem Forschungsinstitut verantwortlich. 1996 erfolgte der Ausbau eines neuen Museums mit Archiv- und Ausstellungsräumen. Der Bestand an rekonstruierten Pfahlbauhäusern wuchs auch durch die Unterstützung mehrerer europäischer Projekte von 13 auf inzwischen 23.Die Pfahlbauten gehören zum 2011 geschaffenen UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen. mini|Baumschnüffler im Reptilienhaus Ebenfalls als Museum, allerdings mit lebenden Tieren, gilt das 1975 in Unteruhldingen gegründete und staatlich anerkannte Reptilienhaus, in dem Schlangen, Echsen und Spinnen gehalten werden. Zuerst war es im alten Schulgebäude untergebracht, das heute das Haus des Gastes beherbergt. Von 1993 bis 2005 war das Reptilienhaus in Sipplingen beheimatet, seit 2005 ist es in einem neuen Gebäude direkt am Ortsrandparkplatz in Unteruhldingen untergebracht. Das Reptilienhaus finanziert sich ausschließlich selbst über die Eintrittsgelder und den Verkauf von Souvenirs. Als Auffangstation für Reptilien hat das Haus über die Jahre immer mehr Tiere bekommen, die beschlagnahmt wurden, oder die der ursprüngliche Besitzer nicht mehr länger halten konnte oder wollte. Dass es allen Tieren hier sehr gut geht, ist auch am Alter der Tiere zu bemerken: Das älteste Tier, eine Kapkobra (Naja nivea), ist schon seit 1976 im Reptilienhaus. In der Spek’schen Fabrik in Mühlhofen, die jahrzehntelang eine Maschinenweberei war, hat sich ein Kulturbetrieb mit angeschlossener Gastronomie etabliert.