Action Painting (auch Actionpainting „Aktionsmalerei“) bezeichnet eine Kunstrichtung der modernen Malerei innerhalb des abstrakten Expressionismus. Sie trat ab 1950 in den USA auf und ist durch Jackson Pollock international bekannt geworden. Vergleichbar ist der europäische Tachismus oder Informel.
Begriff
Entstehung Der Begriff geht auf den US-amerikanischen Kunstkritiker Harold Rosenberg zurück, der in den 1950er Jahren die Malerei der amerikanischen Abstrakten Expressionisten als Action Painting bezeichnete. Neuere Forschungen legen nahe, dass der Exilsurrealist Wolfgang Paalen den Begriff als erster einführte. In seiner Theorie des beobachterabhängigen Möglichkeitsraumes, die vermittelt durch seine Publikationen der abstrakten Malerei in den vierziger Jahren in New York neue Schwungkraft und ein einheitliches, neues Weltbild vermittelte, verarbeitete Paalen ebenso Erkenntnisse der Quantenphysik, wie eigenwillige Interpretationen der totemistische Weltauffassung und der räumliche Strukturen indianischer Malerei der Nord-West-Küste. Sein langer Aufsatz Totem Art hatte Einfluss auf Künstler wie Martha Graham, Isamu Noguchi, Jackson Pollock, Mark Rothko und Barnett Newman; Paalen entwickelt darin eine hochgradig künstlerische Vision der totemistischen Kunst als Teil einer ekstatischen „Aktion“, die in der Lage ist, eine psychische Verbindung zu dem generischen Gedächtnis aufzubauen.Andreas Neufert, Auf Liebe und Tod, Das Leben des Surrealisten Wolfgang Paalen, Berlin (Parthas) 2015, S. 494ff.
Problem der Abgrenzung Action Painting ist eine Unterkategorie der abstrakten Malerei bzw. des abstrakten Expressionismus. Jackson Pollocks Hauptwerk wird zwar dem Action Painting zugeordnet, aber seine Gemälde werden ebenso als Drip-Painting-Werke definiert. Auch die Technik des Schüttbilds, bekannt geworden durch Hermann Nitsch, fällt unter den Begriff Action Painting. Diese Beispiele zeigen die Schwierigkeit, den Begriff klar abzugrenzen.
Charakteristik mini|Action Painting – links gespritzt, rechts getröpfelt mini|Josef Trattner, abstrakt-expressionistisches Weinbild, 2010 Action Painting bezeichnet eine unmittelbare und dynamische Maltechnik, die jenseits von bewusster Beeinflussung durch den Künstler ihre Kraft erhält. Daher besteht keine Komposition im Sinne eines geplanten Bildaufbaus. Auf eine komplexe Technik in Bezug auf Farbmischung oder Ausarbeitung wird verzichtet. Die Materialien sind einfach und sind auf den Prozess der Farbauftragung auf den Malgrund reduziert. Die Farbe wird mit Pinsel oder direkt aus Farbtöpfen und -behälter grob gemalt, geschüttet, getropft oder auf die Leinwand gespritzt. Einige Künstler verzichteten völlig auf eine direkte Bearbeitungsweise und überließen die Bildgestaltung dem Zufall. Als Vorgänger kann man sowohl den Surrealismus (Automatismus) als auch die Dada-Bewegung nennen.
Hauptvertreter
Kunstvermittlung und Freizeitangebote Techniken des Action Paintings werden auch in der Kunstvermittlung aufgegriffen. Das Museum of Fine Arts in Houston stellt dazu eine Familienaktivität vor, die von Jackson Pollocks Gemälde Number 6 ausgeht und zu eigenen Malversuchen anregt.Let’s Make a Painting: Inspired by Action. In: Inside the MFAH. Museum of Fine Arts, Houston, abgerufen am 6. September 2026 (englisch). Die Kunstsammlungen Chemnitz nennen körperliche Bewegung, das Experimentieren mit Farben und den Malprozess als Schwerpunkte eines entsprechenden Workshops.Workshop: AUSGEBUCHT I Action Painting. Kunstsammlungen Chemnitz, Veranstaltungsankündigung für den 30. Januar 2026 im Museum Gunzenhauser, abgerufen am 6. September 2026.
Unter der Bezeichnung Action Painting werden außerdem kommerzielle Freizeitveranstaltungen angeboten. Neben Pinseln kommen weitere Werkzeuge zum Einsatz; gearbeitet wird mit Schutzkleidung in entsprechend abgedeckten Räumen.Katrin Maier-Sohn: Neuer Pop-up in Stuttgart: Farbschlacht mit Freunden. In: Stuttgarter Zeitung. 5. Dezember 2025, abgerufen am 6. September 2026. Zu den Veranstaltungsformen gehören offene Termine für Einzelbuchungen und geschlossene Gruppenveranstaltungen, etwa für Geburtstage oder Firmenfeiern.Johannes Spätling: Bei „Art Wave“ malen wie Jackson Pollock – hier gibt es echte Farb-Gaudi. In: Kölnische Rundschau. 16. Dezember 2025, abgerufen am 6. September 2026.
Siehe auch
Informel bzw. Tachismus Drip Painting Lyrische Abstraktion
Literatur Harold Rosenberg: The American Action Painters. In: Art News 51,8 (December 1952), S. 22–23 und S. 48–50. Anthony Everitt: Abstract Expressionism. Thames and Hudson, London 1975, ISBN 0-500-41059-3. Dieter Honisch (Hrsg.): Amerikanische Kunst von 1945 bis heute. DuMont, Köln 1977, ISBN 3-7701-0914-7. Barbara Hess, Uta Grosenick (Hrsg.): Abstrakter Expressionismus. Taschen, Köln 2005, ISBN 978-3-8228-2967-7.
Weblinks
Erläuterung und Beispiele
Quellen
Kategorie:Stilrichtung in der Malerei Kategorie:Jackson Pollock