Der 48. Eurovision Song Contest fand am 24. Mai 2003 in der lettischen Hauptstadt Riga statt. Der Abend in der Skonto Arena wurde von Vorjahresgewinnerin Marie N und Renārs Kaupers, dem lettischen Leadsänger der Gruppe Brainstorm vom Eurovision Song Contest 2000, moderiert. Als Favoriten galten im Vorfeld die Beiträge aus Spanien, Schweden, der Türkei, Island und Russland, das mit dem Duo t.A.T.u. international erfolgreiche Superstars zum Wettbewerb sendete. Den Wettbewerb gewann die türkische Sängerin Sertab Erener mit ihrem selbst geschriebenen Lied Everyway that I Can. Es war der erste Sieg für die Türkei beim Eurovision Song Contest.
Austragungsort Die Städte Ventspils, Jūrmala und die lettische Hauptstadt Riga bewarben sich um die Austragung. Ventspils bewarb sich mit dem Ventspils Olympic Center. Der Bürgermeister der Stadt, Aivars Lembergs, bot an, während der Veranstaltungswoche bis zu 8.000 Gäste in zwei Kreuzfahrtfähren unterzubringen. Der Stadtrat von Jūrmala stellte eine Austragung in der Dzintaru koncertzāle in Aussicht. Eine Zusage wäre mit einer Erweiterung und Modernisierung der Anlage und der umgebenden Infrastruktur verbunden gewesen. Die öffentlich-rechtliche Fernsehgesellschaft Latvijas Televīzija (LTV) wählte die Städte Riga und Ventspils für die zweite Runde des Auswahlprozesses aus. Am 15. Juni 2002 verkündeten die Europäische Rundfunkunion (EBU) und LTV, dass Riga den Wettbewerb in der Skonto-Halle austragen wird.
Stadt Austragungsort Max. Kapazität(bei Konzerten) Jūrmala Dzintaru koncertzāle 2.024 Riga Mežaparka Lielā estrāde 70.000 Skonto-Halle 6.500 Ķīpsala International Exhibition Centre 3.500–6.500 Ventspils Ventspils Olympic Center 4.500
Besonderheiten mini|hochkant|links|Interpretin des Siegertitels, Sertab Erener im Jahre 2004
Der österreichische Teilnehmer Alf Poier, ein steirischer Kabarettist, sorgte in der Probewoche in Riga für Aufsehen. Er hielt die Fangemeinde des Wettbewerbs für humorlos und zu ernst und versuchte sie lächerlich zu machen. Am Ende bekam Weil der Mensch zählt den sechsten Platz, Deutschlands Beitrag Let’s Get Happy (Musik: Ralph Siegel, Text: Bernd Meinunger, Gesang: Lou) musste sich jedoch mit dem 12. Platz begnügen, punktgleich mit Irland.
Der irische Beitrag We’ve Got the World von Mickey Harte stand im Verdacht, ein Plagiat von Fly on the Wings of Love zu sein, das Gewinnerlied der Olsen Brothers 2000. Großbritannien, eines der bisher erfolgreichsten Länder, erhielt für seinen Beitrag Cry Baby des Duos Jemini keinen einzigen Punkt. In der schrittweisen Verlesung der Länderwertungen setzte sich zunächst Norwegen an die Spitze. Doch in weiterer Folge wechselten sich die Türkei und das nicht unter die Favoriten gereihte Belgien mehrfach an der Spitze ab, knapp verfolgt von Russland auf den Plätzen 2–3. Erst mit der allerletzten Wertung aus Slowenien stand der türkische Beitrag mit zwei Punkten Vorsprung vor Belgien und drei vor Russland als Sieger fest.
Die Eurovision-Veranstalter hatten vor dem Auftritt des russischen Beitrags Ne wer, ne boisja von t.A.T.u. angekündigt, die Übertragung abbrechen zu wollen, wenn sich die Künstlerinnen auf der Bühne küssen oder entkleiden sollten. Das weibliche Duo hatte sich zuvor immer wieder homosexuell und erotisch inszeniert.
In diesem Jahr wurde der von einer Fanseite initiierte Barbara Dex Award zum siebten Mal vergeben. Mit diesen nicht ganz ernst zu nehmenden Preis soll das „schlechteste“ Outfit des Wettbewerbes ausgezeichnet werden. Die diesjährigen Gewinner waren t.A.T.u aus Russland: Sie traten in weißen T-Shirts mit der Aufschrift „1“ auf.
Dies war der letzte Wettbewerb, der an einem Abend stattfand. Die EBU gab bekannt, dass sie dem Wettbewerb eine Halbfinalshow hinzufügen würde, um der wachsenden Zahl interessierter Länder entgegenzukommen, die an dem Wettbewerb teilnehmen möchten und bei dem ein Abstiegssystem verwendet wurde, um zu bestimmen, welche Länder am Wettbewerb des folgenden Jahres teilnehmen würden.
Teilnehmer mini|hochkant=1.33|
Mit 26 teilnehmenden Ländern stellte der Wettbewerb einen neuen Rekord auf. Niederlande, Polen, Irland, Island und Norwegen durften nach ihrem Aussetzen 2002 wieder am Wettbewerb teilnehmen. Mazedonien, Finnland, Schweiz, Litauen und Dänemark mussten aufgrund des schlechten Abschneidens im vorhergehenden Jahr aussetzen. Portugal kehrte zum Wettbewerb nach dem freiwilligen Aussetzen im Jahr 2002 wieder zurück. Die Ukraine nahm zum ersten Mal teil. Albanien wollte zum ersten Mal teilnehmen, wurde aber von der EBU abgelehnt, da man mit der Ukraine nur einen Neuteilnehmer etablieren wollte.
Wiederkehrende Interpreten
Land Interpret Vorherige(s) Teilnahmejahr(e) Karmen Stavec Begleitung: 1998
Abstimmungsverfahren Die meisten Teilnehmerländer beteiligen die Fernsehzuschauer mittels Televoting an der Punktevergabe. Bei technischen Problemen oder in jenen Ländern, in denen aufgrund des unzureichend ausgebauten Telefonnetzes kein Televoting durchgeführt werden konnte, vergab eine Jury die Punkte: 2003 war dies in Bosnien und Herzegowina, Irland und Russland der Fall.
Kontroverse um die Punktevergabe aus Irland Unmittelbar nach dem Eurovision Song Contest 2003 kam es in Russland zu Debatten um das Ergebnis. Am 29. Mai legte der staatliche russische Fernsehsender Perwy kanal eine offizielle Beschwerde bei der European Broadcasting Union ein. Laut dem Fernsehsender hätten t.A.T.u. aus einigen Ländern eine „unwahrscheinlich geringe Punktzahl“ erhalten. Explizit genannt wurden Großbritannien und Irland, die als einzige 0 Punkte für das russische Duo vergeben hatten.news.bbc.co.uk Tatsächlich stellte sich heraus, dass das in Irland durchgeführte Telefonvoting, welches eigentlich die Punktevergabe bestimmen sollte, nicht berücksichtigt wurde, und stattdessen die Punktevergabe durch eine Jury vorgenommen worden war. Als Begründung wurde genannt, dass nicht genügend Zeit zur Auswertung des Telefonvotings zur Verfügung gestanden habe, und deshalb das Voting der Jury herangezogen worden war. Später wurde bekannt, dass t.A.T.u. unter Berücksichtigung des Telefonvotings aus Irland ebenfalls 0 Punkte erhalten hätten, Urban Trad aus Belgien allerdings gleichzeitig anstatt 10 lediglich 2 Punkte. t.A.T.u. wären damit auf dem zweiten Platz vor Urban Trad gelandet, am Sieg Sertab Ereners aus der Türkei hingegen hätte sich nichts geändert. Trotzdem war die Entscheidung der irischen Verantwortlichen korrekt und das Ergebnis damit nicht anfechtbar.laut.de
Platzierungen Platz Startnr. Land Interpret TitelMusik (M) und Text (T) Sprache Übersetzung(Inoffiziell) Punkte 1. 4 Sertab Erener Everyway that I CanM: Demir Demirkan, Sertab Erener; T: Demir Demirkan Englisch In jeder nur möglichen Weise 167 2. 22 Urban Trad SanomiM/T: Yves Barbieux Konstruierte Sprache – 165 3. 11 t.A.T.u.Тату Ne Ver', Ne BoysiaНе верь, не бойсяM: Valeriy Polienko; T: Mars Lasar Russisch Glaube nicht, hab keine Angst 164 4. 18 Jostein Hasselgård I’m Not Afraid to Move OnM/T: Arve Furset, VJ Strøm Englisch Ich habe keine Angst, weiter zu gehen 123 5. 25 Fame Give Me Your LoveM/T: Carl Lösnitz, Calle Kindbom Englisch Gib mir deine Liebe 107 6. 2 Alf Poier Weil der Mensch zähltM/T: Alf Poier Steirisch – 101 7. 20 Ich Troje Keine Grenzen – Żadnych GranicM: André Franke; T: Joachim Horn-Bernges, Michał Krystian Wiśniewski, Jacek Łągwa Deutsch, Polnisch, Russisch – 90 8. 1 Birgitta Open Your HeartM: Hallgrímur Óskarsson, Birgitta Haukdal Brynjarsdóttir; T: Hallgrímur Óskarsson Englisch Öffne dein Herz 81 12 Beth DimeM/T: Jesús María Pérez, Amaya Martínez Spanisch Sag mir 81 10. 24 Nicola Don’t Break My HeartM: Mihai Alexandru; T: Nicola Englisch Brich mein Herz nicht 73 11. 3 Mickey Harte We’ve Got the WorldM/T: Martin Brannigan, Keith Molloy Englisch Uns gehört heute die Welt 53 10 Lou Let’s Get HappyM: Ralph Siegel; T: Bernd Meinunger Englisch Lasst uns glücklich werden 53 13. 14 Esther Hart One More NightM/T: Tjeerd van Zanen, Alan Michael Englisch Noch eine Nacht 45 14. 16 OleksandrОлександр Hasta la vistaM: Svika Pick; T: Mirit Shem Or Englisch Auf Wiedersehen 30 15. 8 Claudia Beni Više nisam tvojaM/T: Andrej Babić Kroatisch, Englisch Ich bin nicht mehr dein 29 16. 6 Mija Martina Ne brini (Could It Be?)M: Ines Prajo; T: Arjana Kunštek Kroatisch, Englisch Mach dir keine Sorgen (kann es sein?) 27 17. 17 MandoΜαντώ Never Let You GoM: Mando; T: Teri Siganos Englisch Dich niemals gehen lassen 25 18. 19 Louisa Baïleche Monts et merveillesM/T: Hocine Hallaf Französisch Das Blaue vom Himmel 19 19. 13 Lior Narkis Milim La'Ahava (Words For Love)( (Words For Love))M: Yoni Ro`en; T: Yossi Gispan Hebräisch, Englisch Worte der Liebe 17 20. 9 Stelios KonstantasΣτέλιος Κωνσταντάς Feeling AliveM/T: Stelios Konstantas Englisch Ich fühle mich lebendig 15 21. 23 Ruffus Eighties Coming BackM/T: Vaiko Eplik Englisch Die Achtziger kehren zurück 14 22. 7 Rita Guerra Deixa-me sonhar (Só mais uma vez)M/T: Paulo Martins Portugiesisch, Englisch Lass mich träumen (nur noch einmal) 13 23. 26 Karmen NananaM: Martin Štibernik; T: Karmen Stavec Englisch Na na na 7 24. 21 F.L.Y. Hello from MarsM/T: Mārtiņš Freimanis, Lauris Reiniks Englisch Hallo vom Mars 5 25. 5 Lynn Chircop To Dream AgainM: Alfred Zammit; T: Cynthia Sammut Englisch Wieder zu träumen 4 26. 15 Jemini Cry BabyM/T: Martin Isherwood Englisch Weine, Liebling 0
Der Sieger und die grün markierten Länder waren im folgenden Jahr automatisch für das Finale qualifiziert.
Punktevergabe Land Abstimmungsergebnisse Punkte IS AT IE TR MT BA PT HR CY DE RU ES IL NL UK UA GR NO FR PL LV BE EE RO SE SI Votings 81 – 7 8 12 – – 6 5 1 – – – 6 – 4 – 12 1 1 3 3 1 – 7 4 16 101 10 – 6 – 5 10 5 4 2 – 8 – 8 8 – 2 8 – – 4 2 6 – 6 7 17 53 2 – 5 5 – 7 4 7 – – – – – 12 1 – 6 – – 1 1 – – – 2 12 167 3 12 – 4 12 8 10 8 10 – 3 7 12 7 2 7 10 10 2 – 12 – 10 8 10 21 4 – – 3 – – 1 – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 2 27 – 7 – 12 – 8 – – – – – – – – – – – – – – – – – – 3 13 – – 2 – – – – – – – 2 – – – 3 – – 6 – – – – – – – 4 29 – 5 6 3 – 6 – – – – – – – – – 1 – – – – – – – – 8 6 15 – – – – 2 – – – – – – 1 – – – 12 – – – – – – – – – 3 53 8 1 4 – 3 – – – – 7 4 – 2 4 – – – – 5 2 – 2 1 10 – 13 164 4 8 – 10 1 3 4 12 10 8 6 10 1 – 12 10 2 7 4 12 7 12 7 2 12 23 81 6 – – 2 – – 12 7 6 – 6 12 5 – – 5 – – – – 10 – 5 4 1 13 17 – – – – – – – – – – 5 1 – – – 3 – 8 – – – – – – – 4 45 – – 5 – 7 2 – – – – 10 – 2 1 – – 5 – – – 8 – – 5 – 9 0 – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 0 30 – – – – – – – – – – 8 – 4 – – – – – 10 5 – 3 – – – 5 25 – – 1 4 – – – – 12 5 1 – – – – – – – – – – – 2 – – 6 123 12 2 12 – 6 – 5 – – 7 4 – 3 7 6 7 – 3 6 7 6 10 3 12 5 19 19 – – – – – 8 2 – – – – – – – – – – – 3 – – – 6 – – 4 90 – 10 – – 10 – – – – 12 – 5 – 4 2 8 6 4 5 8 5 4 4 3 – 15 5 – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 5 – – – 1 165 7 4 10 7 – 10 6 – 3 6 3 12 8 10 5 10 8 3 12 12 10 8 8 – 3 22 14 1 – 8 – – – – – – – 2 – – – 3 – – – – – – – – – – 4 73 – 6 – 1 – 7 – 1 2 4 12 10 6 – – 6 4 1 4 8 – – – 1 – 15 107 5 3 – – 8 1 3 2 1 3 – 7 5 3 10 5 – 7 2 7 6 4 7 12 6 21 7 – – – – – 4 – 3 – – – – – – – – – – – – – – – – – 2 Die Tabelle ist senkrecht nach der Auftrittsreihenfolge geordnet, waagerecht nach der chronologischen Punkteverlesung. mini|Karte der Punktevergabe für den Siegertitel aus der Türkei nach Ländern
Statistik der Zwölf-Punkte-Vergabe Anzahl Land erhalten von 5 Estland, Kroatien, Lettland, Slowenien, Ukraine 4 Belgien, Bosnien und Herzegowina, Niederlande, Österreich 3 Frankreich, Polen, Spanien Irland, Island, Schweden 2 Malta, Norwegen Israel, Portugal 1 Türkei Zypern Vereinigtes Königreich Deutschland Russland Rumänien Griechenland
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