mini|Abluft-Wäschetrockner (erkennbar an dem Abluftschlauch, der die feuchte Luft ins Freie leitet)
Ein Wäschetrockner ist ein Haushaltsgerät, um feuchte Textilien unter Zufuhr von warmer Luft maschinell in kurzer Zeit zu trocknen. Standardgeräte haben Form und Größe eines Waschvollautomaten und werden häufig einfach Trockner genannt. Geräte mit den Funktionen Waschen und Trocknen in einem Gerät heißen Waschtrockner.
Trommel-Wäschetrockner werden in der Schweiz nach dem englischen Ausdruck tumble dryer (abgeleitet von der in der Trommel stürzenden Wäsche) als Tumbler bezeichnet. In Hamburg wird auch die Bezeichnung TümmlerSuperSlang.de www.superslang.de, abgerufen am 29. September 2013. verwendet, die niederdeutsche Entsprechung des englischen „tumbler“.
Geschichte Bereits um 1800 erfand M. Pochon aus Frankreich den ersten handbetriebenen Wäschetrockner. Der erste elektrische Wäschetrockner kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Markt. In den 1940er Jahren konstruierte der Industriedesigner Brooks Stevens den ersten Wäschetrockner mit einem Glasfenster. Den ersten europäischen Wäschetrockner entwickelte 1958 Miele. Allerdings fanden diese Geräte zunächst noch kaum Eingang in Privathaushalte, da die Wäsche meist traditionell zum Trocknen aufgehängt wurde, wofür in vielen Häusern eigene Trockenräume (meist auf dem Dachboden) oder Wäscheleinen im Freien zur Verfügung standen. Erst ab den 1980er Jahren wurden Wäschetrockner auch in Europa zunehmend in Privathaushalten eingesetzt. Grund hierfür waren einerseits geänderte Lebensgewohnheiten (durch die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen war die Zeitersparnis durch den Wäschetrockner willkommen, während die klassische Hausfrau die Zeit für das Auf- und Abhängen der Wäsche erübrigen konnte), andererseits verschwanden in vielen Mehrfamilienhäusern die Trockenräume zunehmend zugunsten von Wohnraum.
Seitdem ist das Grundprinzip des Wäschetrockners gleich geblieben, nur das Design und die weiteren Funktionen haben sich verändert.
Physik des Trocknens mini|Video: Harte Handtücher werden im Wäschetrockner wieder weich (1:11 min) Um Wäsche zu trocknen, sollte das Wasser zunächst mechanisch entfernt werden. Eine Wäscheschleuder reduziert, je nach Umdrehungszahl und Trommelgröße, die Wassermenge auf 30 bis 50 % Wasseranteil, bezogen auf das Trockengewicht der Wäsche. Höhere Trocknungsgrade sind auf diesem Weg schwer zu erreichen, da das Wasser kapillar an den Fasern gebunden ist.
Die anschließende Trocknung über Verdampfen des Wassers ist energieintensiv. Das Verdampfen von 1 kg Wasser mit einer Ausgangstemperatur von 25 °C erfordert 2600 kJ bzw. 0,73 kWh. Das Trocknen von 1 kg Wäsche mit einer Restfeuchte um 60 % erfordert ca. 0,5 kWh. Es gibt Modelle mit Wärmepumpe, um die bei der Verdunstung aufgewendete Energie in einem geschlossenen Luftkreislauf zu nutzen (siehe dazu Abschnitt Trockner mit Wärmepumpe).
Um 6 kg Wäsche eines Waschgangs in einem einfachen Wäschetrockner zu trocknen, müssen ca. 3 kWh an Energie eingesetzt werden. Bei einem Energiepreis von 0,30 €/kWh kostet eine Trocknung von 6 kg Feuchtwäsche ca. 0,90 €.
Selbstentzündung von Wäsche
Pflanzenöle oder tierische Fette können bei unsachgemäß gereinigter und erwärmter Wäsche bei Temperaturen über 70° Celsius durch Selbstentzündung in Brand geraten.Selbstentzündung von Wäsche – Fette und Öle sind schuld. Brandverhütungsstelle Vorarlberg, abgerufen am 8. August 2018. Bei der Verwendung von Wäschetrocknern besteht eine erhöhte Gefahr für diese Vorgänge, die schnell zu einem Brand des gesamten Gerätes führen können.Selbstentzündung von Wäsche. Hetzel Wäschereimaschinen, abgerufen am 8. August 2018. Je nach Trocknerart werden im Inneren Temperaturen bis etwa 120° Celsius erreicht.
Trocknerarten
Trommeltrockner Die zu trocknende Wäsche befindet sich in einer horizontal umlaufenden Trommel. Dadurch wird die Wäsche dauernd umgewälzt und eine große wirksame Oberfläche der Wäsche erzielt.
Erwärmte Luft strömt längs der Trommeldrehachse durch die feuchte Wäsche in Richtung Tür. Dabei ist die trockene, warme Luft in der Lage, die Feuchtigkeit der Wäsche bis zur Sättigungsgrenze aufzunehmen. Nachdem die feuchte Luft ein Flusensieb passiert hat, wird sie – je nach Bauart – durch Kondensation getrocknet oder ins Freie geblasen.
Im Gegensatz zu Waschmaschinen haben Trockner häufig kein durchsichtiges Fenster in der Fronttür. Es gibt aber auch Geräte mit durchsichtiger Ladeluke und sogar mit Innenbeleuchtung, damit die Wäsche beim Trocknen beobachtet werden kann.
Ablufttrockner Ein Ablufttrockner führt die feuchte Luft z. B. über einen Abluftschlauch oder eine fest installierte Leitung ins Freie. Neben der Feuchtigkeit werden auch feine Flusen ausgetragen. Damit der Staudruck nicht unnötig erhöht wird, hat die Abluftleitung einen Durchmesser von 10 cm, die Leitungslänge ist üblicherweise geringer als drei Meter. Damit Kondenswasser nicht in der Abluftleitung stehenbleibt, wird ein leichtes Gefälle von etwa 2° zum Austritt hin empfohlen. Wenn sich im Aufstellungsraum oder in angrenzenden Räumen Feuerstätten (Öfen, Heizkessel, Gasthermen) befinden, kann der geringe Unterdruck, den der Wäschetrockner im Raum erzeugt, dazu führen, dass die Feuerstätten nicht ziehen, also Vergiftungsgefahr durch Abgase besteht. Es muss dann (z. B. durch ein spaltweit geöffnetes Fenster) sichergestellt sein, dass Zuluft von außen nachströmen kann, so dass im Raum kein Unterdruck entsteht. Auch der Trockner funktioniert dann besser. Wenig bekannt ist, dass bereits ein geringer Unterdruck in Gebäuden das radioaktive Gas Radon aus dem Erdreich ansaugen kann, was zu einer erhöhten Strahlenbelastung führt.Bundesamt für Strahlenschutz (PDF; 1,3 MB) www.bfs.de, abgerufen am 9. April 2017
Kondensatorbox Um Ablufttrockner auch in geschlossenen Räumen betreiben zu können, werden verschiedene externe Kondensatorboxen angeboten. Diese werden an den Abluftschlauch angeschlossen und sollen die Luft abkühlen und das kondensierte Wasser auffangen. Effizient funktionieren kann dies jedoch nur mit einer Kühlung, wenn das Gerät nicht in einem kühlen Keller aufgestellt ist. Einige Modelle verwenden dafür Wasser oder Kühlakkus, die zuvor im Kühlschrank eingefroren werden müssen. Damit erübrigen sich Energiespar-Überlegungen, solche Boxen nur anzuschließen, um im Winter die Wärme der Abluft im Raum zu behalten.
Kondensationstrockner mini|Entnehmbarer Kondensator mit Flusen aus einem Kondensationstrockner. Bei einem Kondensationstrockner (auch Kondenstrockner) befindet sich die Luft innerhalb des Trockners in einem weitgehend geschlossenen Kreislauf. Die zunächst kühle Umwälzluft wird durch ein elektromotorisch betriebenes Gebläse umgewälzt und anschließend überwiegend elektrisch, seltener auch durch eine Feuerung oder Heißwasserheizung erwärmt. Dadurch sinkt die relative Luftfeuchtigkeit. Das ist für die Trocknung erforderlich, da warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kalte. Diese trocken-warme Luft wird durch die in einer Trommel umgewälzte, feuchte Wäsche geblasen und nimmt durch Verdunstung deren Feuchte auf. Der unter der Trommel angeordnete Kondensator hat die Aufgabe, die Feuchtigkeit aus der Maschinenumluft zu entfernen. Dazu wird die warm-feuchte Luft abgekühlt. Ein mit dem Trommelmotor gekoppeltes, zweites Gebläse fördert kühle Umgebungsluft durch den Kondensator und kühlt durch metallische Wärmeleitung die durch Bleche räumlich getrennt strömende feuchtwarme Maschinenumluft. Dabei wird im Kondensator der Taupunkt unterschritten und die überschüssige Feuchtigkeit kondensiert als flüssiges Wasser, das sich zunächst in einer nachgeschalteten Wanne sammelt. Die abgekühlte Umwälzluft wird erneut durch das Umwälzgebläse angetrieben, danach wieder angewärmt, der Kreislauf ist geschlossen. Die beim Durchströmen des Kondensators erwärmte Umgebungsluft wird in den Umgebungsraum abgeführt; sie kann wegen des geringeren Temperaturniveaus nicht zum Wiederaufheizen verwendet werden. Diese umgebungsluftgekühlten Trockner funktionieren umso besser, je kühler der Aufstellungsraum ist.
Das Kondenswasser wird über eine zyklisch arbeitende Pumpe in einen meist neben der Bedientafel angebrachten Behälter gepumpt, der regelmäßig zu entleeren ist. Wahlweise kann ein Kondensationstrockner auch über einen Schlauch mit einem vorhandenen Abwasseranschluss verbunden werden. Dazu ist üblicherweise an der Rückseite des Geräts eine trennbare Schlauchverbindung vorgesehen.
Flusen werden im Flusensieb gesammelt, das nach jedem Trockenvorgang gereinigt werden muss. Auch der Kondensator muss regelmäßig gesäubert werden. Ferner benötigen solche Geräte etwas mehr Energie als Ablufttrockner (~10 %); anders als bei diesem wird die Energie jedoch nicht ins Freie abgeleitet, sondern als Wärme an den Aufstellungsraum abgegeben. Dies ist bei Aufstellung in Wohnräumen im Winter ein Vorteil, da Heizenergie eingespart wird, im Sommer hingegen eher ein Nachteil.
Kondensationstrockner sind von einem Ausgang (Wanddurchlass o. ä.) für den Abluftschlauch unabhängig. In der Anschaffung sind sie teurer als ein Ablufttrockner.
Der gemessene Energiebedarf liegt beispielsweise bei einem Siemens S46.51 bestückt mit 6 T-Shirts und 4 Hosen, schranktrocken bei 2,4 kWh.
Marktreife konventionelle Geräte erreichen gegenwärtig nur die Energieeffizienzklasse B. Für Ablufttrockner und Kondensationstrockner gelten unterschiedlich strenge Bewertungskriterien; so kommt es vor, dass ein Kondensationstrockner der Energie-Effizienzklasse B für die gleiche Menge Wäsche mehr Strom benötigt als ein Ablufttrockner der Energie-Effizienzklasse C.
Trockner mit Wärmepumpe Es gibt Kondensationstrockner, die eine Wärmepumpe enthalten. Ihr Marktanteil betrug im Jahr 2011 22 Prozent (2010: 14 Prozent).Wäschetrockner-Test der Stiftung Warentest, test 1/2012 und test.de, abgerufen am 3. Januar 2015
mini|Wäschetrockner mit Wärmepumpe
Der Ventilator fördert wie beim Kondenstrockner in einem geschlossenen Kreislauf trockene, vorgewärmte Prozessluft durch die Wäschetrommel und die darin enthaltene feuchte Wäsche. Der Vorteil eines geschlossenen Prozessluftkreislaufs ist wie beim Kondenstrockner, dass die Umgebungsluft im Aufstellungsraum (z. B. Waschküche) nicht befeuchtet wird. Die Umgebungsluft des Raumes erwärmt sich dabei nur geringfügig. Ein Wäschetrockner mit Wärmepumpe benötigt ebenso wie ein Kondenstrockner keinen Abluftanschluss. Das Wasser in der Wäsche verdunstet wie bei anderen Trocknern durch die in die Wäsche geblasene Luft und wird von ihr aufgenommen. Die Luft kühlt sich durch die Wasseraufnahme ab und wird feucht. Anschließend strömt sie (meist an der Gehäusevorderseite) in ein Bauteil, das vom Hersteller und vom Servicetechniker Kondensator genannt wird, weil dort der Wasserdampf an gekühlten Blechen kondensiert. Aus Sicht des Wärmepumpenkreislaufs handelt es sich bei diesen Blechen allerdings um den Verdampfer, in dem das Kältemittel den Aggregatzustand von flüssig zu gasförmig wechselt. Durch die so entstehende Verdunstungskälte werden die Bleche markant unter den Taupunkt der warmen, relativ feuchten Luft aus der Wäschetrommel abgekühlt. Als Folge kondensiert der Wasserdampf an der kalten Oberfläche des Verdampfers aus. So wird die Luft partiell entfeuchtet. Das flüssige Wasser wird abgeführt und im sogenannten Flusensumpf gesammelt, von wo es durch eine Pumpe in den von der Gehäusevorderseite entnehmbaren Kondenswasserbehälter gepumpt wird. Im Verdampfer (der Wärmepumpe) wird dabei ein Wärmestrom auf das Kältemittel übertragen, welches dadurch verdampft. Die kalte, entfeuchtete Prozessluft fließt anschließend in den Kondensator der Wärmepumpe (warme Seite), in welchem sie erwärmt wird. Im Kondensator wird dabei der Wärmestrom vom verdichteten Kältemittel auf die Prozessluft übertragen und das Kältemittel kondensiert. Die erwärmte, trockene Luft wird wiederum in die Wäschetrommel geführt.