Die Grenzpolizei (GP) wurde 1946 zunächst als Hilfsorgan der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) bei den Polizeien der Länder vorrangig zur Überwachung der Demarkationslinie zwischen den Besatzungszonen in Deutschland gebildet und von den Abschnittskommandos der sowjetischen Truppen operativ geführt.Bundesarchiv, BArch, DVH 27. In: Kommando der Deutschen Volkspolizei. Institutionengeschichte. Aufstellung.

Nach Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1949 entwickelte sich die Grenzpolizei zu einem eigenständigen Teil der Bewaffneten Organe der DDR, wurde 1952 in Deutsche Grenzpolizei (DGP) umbenannt und erhielt ab 1957 zunehmend paramilitärischen Charakter.

Die Grenzpolizei am Ring um Berlin hatte ab 1948 Währungsspekulation, Schmuggel und unkontrollierte Personen- und Fahrzeugbewegung über die offene Grenze zur Viersektorenstadt Berlin einzudämmen.

Neben der innerdeutschen Grenze sicherte sie ab 1950 die Seegrenze der DDR sowie die Oder-Neiße-Grenze und die Grenze zur Tschechoslowakischen Republik.

Nach Bau der Berliner Mauer wurde 1961 die Deutsche Grenzpolizei in die Grenztruppen der NVA überführt.Lemma Grenztruppen der DDR. In: Autorenkollektiv: Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte. A–Me, Mi–Z. 2., durchgesehene Auflage, zwei Bände. Berlin 1987, (Schriften des Militärgeschichtlichen Instituts der Deutschen Demokratischen Republik). ISBN 3-327-00239-8. S. 258–262.

Vorgeschichte der Polizeiorgane (1945–1946)

An den territorialen Abgrenzungslinien der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) stand die Rote Armee, die zu ihrer Unterstützung 1945 einzelne deutsche Polizisten heranzog. Im Sommer 1945 waren in der Sowjetischen Besatzungszone neue Polizeiorgane in den einzelnen Ländern geschaffen worden.Die Entscheidung zur Aufstellung der Polizeiorgane fiel nach alliierter Erklärung vom 15. Juli 1945 in die Kompetenz der Besatzungsmächte und bestimmte, dass „zivile Polizeiabteilungen, die zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung und der Leistung des Wachdienstes nur mit Handwaffen auszurüsten sind, […] von den Alliierten Vertretern“ bestimmt werden. (Zitiert in: Wilfried Hanisch: Zur Entwicklung der Grenzschutzorgane in den Jahren 1946 bis 1960. In: Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 104.) Ende 1946 umfassten diese etwa 40.000 Polizeiangehörige.

Schwerpunkte für die Grenzpolitik waren die illegalen Güter- und Warenströme (der „Schwarzhandel“, das Schiebertum) über die Zonengrenzen beziehungsweise die Berliner Sektorengrenzen und illegalen Interzonen-Kompensationsgeschäfte großen Stils, das Bandenunwesen sowie die Kanalisierung der Flüchtlingsströme.Torsten Diedrich: Die Grenzpolizei der SBZ/DDR (1946–1961). In Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.): Im Dienste der Partei – Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. Berlin, 1998 S. 202–212.

Grenzpolizei in den Ländern (1946–1952) Aufstellung, Zugehörigkeit, Aufgaben (1946–1947) mini|Sowjetische Besatzungszone SBZ: Länder und Sektoren von Berlin Die Anfänge der Grenzpolizei in der SBZ reichen in das Nachkriegsjahr 1946 zurück. Ende 1946 wurde mit Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) vom 1. Dezember 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) eine Grenzpolizei im Gesamtumfang von rund 2.500 Polizisten formiert. Organisatorisch war die Grenzpolizei an die Innenministerien der jeweiligen Länder in der SBZ angegliedert. Struktur und Gliederung wiesen in den einzelnen Ländern große Unterschiede auf. WaffenDie Direktive Nr. 16 des Alliierten Kontrollrats vom 6. November 1945 spezifizierte die Bewaffnung – für die Grenzpolizei auf Karabiner, für die Polizei auf Pistolen, Revolver und Knüttel, jedoch keine automatischen Waffen. (Amtsblatt Nr. 3, 31. Januar 1946, S. 42. (Zitiert in: Wilfried Hanisch: Zur Entwicklung der Grenzschutzorgane in den Jahren 1946 bis 1960. In: Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 105.)) und Uniformen waren nur teilweise vorhanden; Unterbringung war privat organisiert, „Dienstzimmer“ befanden sich in Gaststätten oder Gemeindeverwaltungen.

Die Grenzpolizeieinheiten gehörten zunächst zum Dienstzweig Schutzpolizei des jeweiligen Landes. Sie setzten sich aus ausgewählten Kräften aus den Dienststellen der Orts-, Kreis- und Landespolizei zusammen. Diese betätigte sich zunächst als Hilfsdienst der sowjetischen Besatzungstruppen, unter deren Kommando sie Dienst verrichteten.

Bei allen Unterschieden zwischen den Ländern der SBZ lässt sich die Aufgabenstellung an die Grenzpolizei, gemäß den Weisungen der SMAD, wie folgt zusammenfassen: gemeinsam mit sowjetischen Truppen die Grenzen der SBZ gegenüber Polen und der Tschechoslowakei sowie die Demarkationslinie zu den westlichen Zonen überwachen; Ordnung in den Grenzverkehr einbringen, illegales Überschreiten der Grenzlinien und Schwarzhandel verhindern; Bandenwesen bekämpfen. Die Grenzstreife bzw. Einzelposten hatten an 2.236 Kilometer Landgrenze einen Grenzabschnitt von circa 6 bis 15 Kilometer zu überwachen. Der Entwicklungsstand der Grenzpolizei erlaubte es, dass sich die sowjetischen Truppen ab März/April 1947 an der Demarkationslinie aus der ersten Sicherungslinie zurückzogen und an den Ost- und Südgrenzen nur die offiziellen Grenzübergänge kontrollierte.Wilfried Hanisch: Zur Entwicklung der Grenzschutzorgane in den Jahren 1946 bis 1960. In: Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 113.

Formierung, Unterstellung, Gliederung (ab 1947) Die ursprünglich administrative Abgrenzung der Militärverwaltungsbereiche der Alliierten an der Demarkationslinie zur SBZ erhielt Anfang 1947 durch den Zusammenschluss der amerikanischen und britischen Besatzungszonen zur Bizone eine neue, politische Bedeutung. Sie wurde in den Augen der SMAD als ein erster Schritt zu einer separaten deutschen (Teil-)Staatsbildung gedeutet und gab einen zusätzlichen Auftrieb zur Zentralisierung der sowjetischen Grenzsicherung. Auf Anweisung der SMAD wurde, beginnend im Herbst 1947, die Grenzpolizei neu strukturiert und länderübergreifend vereinheitlicht. Verwaltungsmäßig unterstand die Grenzpolizei in den Ländern zukünftig dem Chef des jeweiligen Landespolizeiamtes, in allen operativen dienstlichen Fragen direkt dem Abschnittskommando der sowjetischen Truppen.Wilfried Hanisch: Zur Entwicklung der Grenzschutzorgane in den Jahren 1946 bis 1960. In: Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 109.

1948 erfolgte die Zentralisierung verschiedener Institutionen in der SBZ, unter anderen die Deutsche Verwaltung des Innern (DVdI). Die Grenzpolizei wurde an diese zentrale Institution gebunden. Die Grenzpolizei umfasste bis dahin 3.779 Angehörige (Sollstärke 6.000). Die Gliederung bestand aus Abteilungen mit jeweils vier bis fünf Kommandanturen (je 10 bis 15 Kommandos – aus je acht bis zehn Polizisten). Bis April 1948 wuchs die Personalstärke auf etwa 9.000 an.

In demselben Jahr wurden erstmals den Kommandeuren der Grenzpolizei Polit-Kultur-Leiter (später bezeichnet als Politoffiziere) beigeordnet.Befehle der Kommandeure wurden künftig nur wirksam, wenn sie auch die Unterschrift des Polit-Kultur-Leiters trugen. Damit war de facto das sowjetische „Kommissar-Prinzip“ zeitweilig eingeführt. Aus den anfänglichen Polit-Kultur-Organen entwickelten sich in den 1950er Jahren die Politorgane, die schließlich zu leitenden Parteiorganen ernannt wurden. In: Wilfried Hanisch, S. 119–120.

Der „Ring um Berlin“ mini|Zonengrenze Thür.–Bayern Kontrollpunkt Mödlareuth (Juli 1949) Während der ersten Berlin-Krise begann die SMAD am 1. April 1948 damit, die westalliierten Militär- und Gütertransporte nach Berlin zu erschweren und zu behindern sowie Kontrollpunkte an den Grenzen der Viersektorenstadt Berlin zur SBZ zu errichten. Die dafür aufgestellte Einheit der Deutschen Volkspolizei unterstand als „Ring um Berlin“ der Landespolizeibehörde Brandenburg.Gerhard Sälter, Johanna Dietrich, Fabian Kuhn: Die vergessenen Toten. Todesopfer des DDR-Grenzregimes in Berlin von der Teilung bis zum Mauerbau (1948–1961). Ch. Links, Berlin 2016, ISBN 978-3-86153-933-9, S. 69 f.

Während der folgenden sowjetischen Berlin-Blockade ab dem 8. Juni 1948 war die Grenzpolizei für die Unterbrechung der Verkehrswege zwischen den Westzonen und den Westsektoren Berlins über SBZ-Territorium zuständig.

Aus der bisherigen Demarkationslinie und den Grenzen zu den Westsektoren Berlins waren über Nacht Währungsgrenzen geworden, die unweigerlich Konsequenzen bei der Grenzsicherung auslösen mussten. Dazu gehörten: Die bisherige Aufgabenstellung „Überwachung“ der Demarkationslinie wurde zur Hauptaufgabe „Schutz der Demarkationslinie und der Grenzen“ verändert. Die geschlossene Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften (mobile Baracken) begann; deren Bau dauerte bis weit in das Jahr 1949 an. Die Grenzpolizei wurde zahlenmäßig verstärkt auf 9.000 bis 10.000 Angehörige (bis Ende 1948). Territoriale Polizeibereitschaften mit 10.000 Angehörigen wurden gebildet.Wilfried Hanisch: Zur Entwicklung der Grenzschutzorgane in den Jahren 1946 bis 1960. In: Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 116. Im August 1948 wurden bei der DVdI eine Hauptabteilung Grenzpolizei und Bereitschaften (HA GP/B) geschaffen. Die bisherigen Abteilungen der Grenzpolizei wurden umbenannt in Grenzbereitschaften.

Mit Wirkung vom 15. November 1948 wurden die Grenzpolizei und die Bereitschaften aus der Länderunterstellung herausgelöst und zwischenzeitlich, für acht Monate, direkt von der DVdI geführt. Im Juli 1949 wurde die Grenzpolizei erneut den Chefs der Landespolizeibehörden unterstellt, bei der DVdI wurde wieder eine Hauptabteilung Grenzpolizei (HA GP) eingerichtet, die für die SBZ hinsichtlich des operativen Einsatzes und der Koordinierung ein Weisungsrecht erhielt. Diese Zuordnung galt bis Ende 1950.

Am 7. April 1949 wurde der „Ring um Berlin“ in eine selbstständige Grenzbereitschaft und kurz darauf in eine Grenzpolizei-Abteilung „Ring um Berlin“ mit drei Grenzbereitschaften formiert und direkt vom Präsidenten der DVdI geführt.Wilfried Hanisch: Zur Entwicklung der Grenzschutzorgane in den Jahren 1946 bis 1960. In: Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag (Hrsg.): Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-360-01057-4. S. 120–123.

Mit Zunahme der Intensität des Kalten Krieges wurde auch das Grenzregime restriktiver und Verstöße dagegen häufiger. Vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 1949 starben 30 Menschen an der Grenze der SBZ beziehungsweise DDR, hierunter auch Angehörige der Grenzpolizei.

Folgen der beiden Staatsgründungen (1949–1951) Veränderungen in Führung und Funktion In operativer Hinsicht blieb die Grenzpolizei den Kommandeuren der sowjetischen Truppen unterstellt.Die UdSSR behielt sich – ähnlich wie die Westmächte gegenüber der Bundesrepublik – zunächst weiterhin alle Vollmachten für den äußeren Schutz und die innere Sicherheit vor.