Die Lockheed Corporation (ursprünglich Loughead Aircraft Manufacturing Company) war ein US-amerikanisches Luft- und Raumfahrtunternehmen in Burbank (Los Angeles County, Kalifornien). Der 1916 gegründete Hersteller fusionierte 1995 mit Martin Marietta zu Lockheed Martin.

Geschichte Ursprünge 1912 gründeten die Brüder Allan und Malcolm Loughead die Alco Hydro-Aeroplane Company, die jedoch schnell insolvent wurde, nachdem man für das erste Produkt, Loughead Modell G, keine Kunden finden konnte. 1916 gründete man die Loughead Aircraft Manufacturing Company, die das Flugzeug Loughead F-1 entwickelte. Man hielt sich während des Ersten Weltkrieges mit Lizenzprodukten über Wasser, musste aber 1921 Insolvenz anmelden. alternativtext=Aktie der Lockheed Aircraft Company, ausgestellt am 10. Juni 1929, unterschrieben im Original von dem Firmengründer Allan H. Loughead als Vize-Präsident|mini|Aktie der Lockheed Aircraft Company, ausgestellt am 10. Juni 1929, unterschrieben im Original von dem Firmengründer Allan H. Loughead als Vize-Präsident Nach dem Zusammenbruch des Unternehmens schuf Allan Loughead 1926 in Hollywood, Kalifornien, die Lockheed Aircraft Company, die eigentliche Keimzelle des heute bekannten Unternehmens. Der neue Name leitete sich von der Aussprache des Namens Loughead ab und später übernahmen die Brüder Loughead diesen Namen auch als Familiennamen. 1929 erwarb die Detroit Aircraft Corporation das Unternehmen.

Die Große Depression ruinierte den Flugzeugmarkt. Eine Investorengruppe um die Brüder Robert und Courtland Gross übernahm 1932 die zahlungsunfähige Detroit Aircraft für 40.000 US-Dollar.

1934 übernahm Robert E. Gross die Leitung der neuen Lockheed Corporation mit Sitz am Flughafen von Burbank. Einige Jahre später zog die Firma um nach Calabasas.

Das erste erfolgreiche Flugzeug war die Vega, von der 141 Exemplare gebaut wurden. Mit ihr wurden zahlreiche Flugrekorde aufgestellt.

In den 1930er-Jahren entwickelte Lockheed für 139.400 Dollar die L-10 Electra, ein kleines zweimotoriges Transportflugzeug. Im ersten Produktionsjahr konnten vierzig Maschinen verkauft werden. Auf der Basis der Electra entstand der Bomber Hudson, der während des Zweiten Weltkriegs bei den US-Marinefliegern und der Royal Air Force vor allem zur U-Bootbekämpfung eingesetzt wurde.

Kriegsproduktion Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entwarf Lockheeds Chefentwickler Clarence Johnson den zweimotorigen Abfangjäger P-38 Lightning. Die P-38 war das einzige amerikanische Kampfflugzeug, das den gesamten Krieg hindurch gebaut wurde.

Lockheed und seine Tochter Vega produzierten während des Krieges 19.278 Flugzeuge, darunter 2600 Lockheed Ventura, 2750 B-17 (Boeing-Lizenzbauten), 2900 Hudsons und 9000 Lightnings.

Nachkriegsproduktion Während des Krieges entwickelte Lockheed, zusammen mit Trans World Airlines (TWA), die L049 Constellation, die in der Lage war, 43 Passagiere in dreizehn Stunden von New York nach London zu befördern. Die ersten Exemplare der Constellation (oder „Connie“) wurden an das Militär geliefert. Erst nach dem Krieg erhielten die Fluggesellschaften ihre bestellten Flugzeuge. Dennoch hatte sich Lockheed mehr als ein Jahr Vorsprung vor der Konkurrenz gesichert und war daher maßgeblich an der Modernisierung des zivilen Luftverkehrs beteiligt.

Lockheed entwickelte später eine größere Transportmaschine, die mit zwei Decks versehene R6V Constitution, mit der die Constellation abgelöst werden sollte. Von diesem unzureichend motorisierten Flugzeug sind letztlich nur zwei Prototypen gebaut worden.

Skunk Works mini|Lockheed U-2 mini|Lockheed SR-71 mini|C-130 Hercules

1943 begann Lockheed im Geheimen mit der Entwicklung eines strahlgetriebenen Kampfflugzeugs. Diese P-80 Shooting Star, später F-80 genannt, war der erste amerikanische Düsenjäger, dem ein Abschuss gelang.

Mit der P-80 begann Lockheeds geheime Entwicklungsarbeit, die von der Advanced Development Division geleistet wurde, besser bekannt als Skunk Works (deutsch: Stinktierwerk). Diese Abteilung war für zahlreiche Entwürfe verantwortlich, darunter die U-2 aus den späten 1950er-Jahren, die SR-71 Blackbird von 1962 und die F-117 Nighthawk aus den 1970ern. Skunk Works schuf oft sehr leistungsfähige Modelle in sehr kurzer Zeit und mit begrenzten Mitteln. Der Name „Skunk Works“ wurde später zum Synonym für Geheimprojekte.

Projekte während des Kalten Krieges 1954 absolvierte die C-130 Hercules, ein viermotoriges Transportflugzeug, seinen Jungfernflug. Die Version C-130J wird bis heute (2022) gebaut.

Ab 1956 entwickelte Lockheed die Mittelstreckenrakete Polaris für den Start von U-Booten aus. Später folgten als Nachfolger die ballistischen Raketen Poseidon und Trident.

In den 1960er-Jahren begann Lockheed mit der Entwicklung zweier großer Flugzeuge: des C-5-Galaxy-Militärtransporters und der L-1011 TriStar, einem zivilen Großraumflugzeug. Beide Projekte waren durch Verzögerungen und Kostenüberschreitungen gekennzeichnet. Die Konstruktionsfehler der C-5 musste Lockheed auf eigene Rechnung beseitigen. Die Tristar, die in direkter Konkurrenz zur McDonnell Douglas DC-10 stand, litt unter der verspäteten Lieferung der neu entwickelten Rolls-Royce-RB211-Triebwerke. Beide Projekte brachten dem Unternehmen in den 1970er-Jahren hohe Verluste ein.

Zu den übrigen Lockheed-Entwürfen gehören die F-104 Starfighter aus den späten 1950er-Jahren, das weltweit erste Kampfflugzeug mit doppelter Schallgeschwindigkeit, und die C-141 Starlifter.

Die Lockheed-Bestechungsaffären Die Lockheed-Skandale umfassen eine Reihe von Bestechungen durch Lockheed-Offizielle in den 1950er- bis 1970er-Jahren. Um die Jahreswende 1975/76 fand ein Unterausschuss des US-Senats heraus, dass Angehörige der Lockheed-Geschäftsführung Mitglieder befreundeter Regierungen bezahlten, um den Verkauf von Militärflugzeugen sicherzustellen. 1976 wurde bekannt, dass insgesamt 22 Millionen US-Dollar an Bestechungsgeldern gezahlt worden waren.

Der Skandal verursachte heftige politische Auseinandersetzungen in der Bundesrepublik Deutschland, in den Niederlanden, in Italien und in Japan. Der Skandal trug zum Niedergang von Lockheed bei, nachdem sich schon die Tristar als finanzieller Fehlschlag erwiesen hatte.

mini|Eine L-1011 TriStar der ANA

Unternehmenschronik 1912: die Alco Hydro-Aeroplane Company wird gegründet 1916: das Unternehmen wird umbenannt in Lougheed Aircraft Manufacturing Company 1926: Lockheed Aircraft Company wird gebildet 1929: Lockheed wird Teil der Detroit Aircraft 1932: Robert und Courtland Gross übernehmen die Gesellschaft nach dem Zusammenbruch von Detroit Aircraft; Umbenennung in Lockheed Aircraft Corporation 1933: „Kelly“ Johnson nimmt eine Stelle bei Lockheed an 1939: Erstflug der Lockheed P-38 (10.000 gebaut) 1943: Erstflug der Lockheed Constellation 1943: Lockheed gründet in Burbank, Kalifornien, die Tochtergesellschaft Skunk Works 1944: Erstflug der Lockheed P-80 1948: Aus der P-80 wird das Erfolgsmodell T-33 abgeleitet (6500 gebaut) 1950: Erstflug der Lockheed Super Constellation 1954: Erstflug der C-130 Hercules 1954: Erstflug der F-104 Starfighter 1955: Erstflug der U-2 1962: Erstflug der Lockheed A-12 1963: Erstflug der Lockheed C-141 Starlifter 1968: Erstflug der Lockheed C-5 Galaxy 1970: Erstflug der Lockheed L-1011 Tristar 1975: Chefkonstrukteur „Kelly“ Johnson geht in den Ruhestand 1976: Lockheed-Skandal 1977: das Unternehmen wird im Hinblick auf die Aktivitäten außerhalb des Luftfahrtsektors in Lockheed Corporation umbenannt 1984: Das TriStar-Programm wird mangels weiterer Bestellungen eingestellt 1985: Übernahme der Metier Management Systems 1986: Übernahme der Sanders Associates 1991: Lockheed, General Dynamics und Boeing beginnen mit der Entwicklung der F-22 Raptor 1993: Übernahme der Flugzeugbautochter von General Dynamics, Hersteller der F-16 Fighting Falcon 1995: Lockheed Corporation vereinigt sich mit Martin Marietta zur neuen Gesellschaft Lockheed Martin 2001: Sieger im Joint Strike Fighter (JSF) Wettbewerb 2006: Erstflug der Lockheed Martin F-35 2014: Die Hercules ist seit 60 Jahren in Produktion 2015: Lockheed Martin kauft Sikorsky 2017: Lockheed stellt eine neue Zivilversion der Hercules vor (L-100J)

Divisionen Lockheeds Aktivitäten waren auf eine Vielzahl von Gruppen und Divisionen aufgeteilt, einige existieren bis heute als Teil von Lockheed Martin.

Aeronautical Systems Group Lockheed-California Company (CALAC), Burbank, Kalifornien Lockheed-Georgia Company (GELAC), Marietta, Georgia Lockheed Advanced Aeronautics Company, Saugus, Kalifornien Lockheed Aircraft Service Company (LAS), Ontario, Kalifornien Lockheed Air Terminal, Inc. (LAT), Burbank, Kalifornien

Missiles, Space, and Electronics Systems Group Lockheed Missiles & Space Company, Inc. Sunnyvale, Kalifornien Lockheed Space Operations Company Titusville, Florida Lockheed Engineering and Management Services Company, Inc., Houston, Texas Lockheed Electronics Company, Inc., Plainfield, New Jersey

Marine Systems Group Lockheed Shipbuilding and Construction Company, Seattle, Washington Lockport Marine Company, Portland, Oregon Advanced Marine Systems, Santa Clara, Kalifornien

Information Systems Group Datacom Systems Corporation, Teaneck, New Jersey CADAM Inc., Burbank, Kalifornien Lockheed Data Plan, Inc., Los Gatos, Kalifornien DIALOG Information Services, Inc, Palo Alto, Kalifornien Metier Management Systems, London, England Integrated Systems and Solutions, Gaithersburg, Maryland

Produkte mini|L-1011 Tristar mini|Trident II mini|Agena

Eine Liste der wichtigsten Flugzeuge und sonstigen Produkte von Lockheed.

Zivile Flugzeuge Vega Orion Model 10 Electra Model 12 Electra Junior Model 14 Super Electra Model 18 Lodestar Saturn Constellation Super Constellation Starliner L-188 Electra Jetstar L-1011 TriStar

Militärische Transportflugzeuge C-69/C-121, Militärversion der Constellation Lockheed R6V Constitution C-130 Hercules C-141 Starlifter C-5 Galaxy

Kampfflugzeuge P-38 Lightning P-80 Shooting Star T-33 T-Bird F-94 Starfire F-104 Starfighter F-117 Nighthawk F-22 Raptor F-35 Lightning 2

Aufklärer Lockheed Hudson PV-1 Ventura und PV-2 Harpoon P2V Neptune P-3 Orion Lockheed U-2 (TR-1) SR-71 Blackbird (A-12) (M-21) (YF-12) S-3 Viking YO-3A Quiet Star

Hubschrauber CL-475 Model 186/Model 286/CL-575/CL-595/XH-51 AH-56A Cheyenne

Lenkwaffen Polaris Poseidon Trident

Weltraumtechnik X-7 X-17 Corona Agena Apollo Launch Escape System Hubble-Weltraumteleskop

Schiffe Sea Shadow

Weblinks

Lockheed Martin (englisch) (englisch) (englisch)

Lockheed-Werbefilm zur Unternehmensgeschichte, Entwicklung und Produktion, ca. 1940 Look to Lockheed for Leadership (Part I) Look to Lockheed for Leadership (Part II)

Kategorie:Ehemaliger Flugzeughersteller Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Burbank, Los Angeles County) Kategorie:Flugzeughersteller (Vereinigte Staaten) Kategorie:Hubschrauberhersteller Kategorie:Rüstungshersteller (Vereinigte Staaten) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Burbank, Los Angeles County) Kategorie:Mitglied im Council on Foreign Relations Kategorie:Unternehmensgründung 1916 Kategorie:Aufgelöst 1995 Lockheed