mini|Thomas de Maizière (2017)rahmenlos|hochkant
Karl Ernst Thomas de Maizière [] (* 21. Januar 1954 in Bonn) ist ein deutscher Politiker (CDU).
Er war von 1990 bis 1994 Staatssekretär im Kultusministerium von Mecklenburg-Vorpommern sowie von 1994 bis 1998 Leiter der Staatskanzlei unter Berndt Seite. Im Anschluss war er von 1999 bis 2001 Chef der Sächsischen Staatskanzlei, von 2001 bis 2002 Sächsischer Staatsminister der Finanzen, von 2002 bis 2004 Sächsischer Staatsminister der Justiz und von 2004 bis 2005 Sächsischer Staatsminister des Innern. Von 2005 bis 2009 war er Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes. Von 2009 bis 2011 war de Maizière Bundesminister des Innern im Kabinett Merkel II. Anschließend war er von 2011 bis 2013 Bundesminister der Verteidigung. Von 2013 bis 2018 war er erneut Bundesminister des Innern im Kabinett Merkel III.
Herkunft, Ausbildung und Beruf mini|Thomas de Maizière (ca. 1970er) Thomas de Maizière wurde als viertes Kind des späteren Generalinspekteurs der Bundeswehr Ulrich de Maizière (1912–2006) und dessen Frau Eva, geb. Werner (1915–2003), einer Bildhauerin und Graphikerin, in Bonn geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte de Maizière in Hannover, wo er im Frühjahr 1960 eingeschult wurde, Koblenz und Hamburg, bevor die Familie 1964 wieder nach Bonn zog. Ab 1967 besuchte er, nach mehreren Schulwechseln, das humanistische Aloisiuskolleg in Bonn, an dem er 1972 das Abitur ablegte. Von 1972 bis 1974 leistete de Maizière seinen Wehrdienst als Reserveoffizieranwärter beim Panzergrenadierbataillon 342 in Koblenz ab und wurde als Fähnrich der Reserve entlassen. 1974 wurde er zum Leutnant und 1977 zum Oberleutnant der Reserve befördert. Er leistete mehrere Wehrübungen ab, u. a. an der Schule für Nachrichtenwesen der Bundeswehr (SNBw).
Nach seinem Wehrdienst studierte de Maizière ab 1974 Rechtswissenschaft, Geschichte und Politikwissenschaft an den Universitäten Münster und Freiburg. Im August 1979 bestand er in Münster die erste juristische Staatsprüfung und begann im Herbst 1979 seine Referendarzeit beim Oberlandesgericht Hamm. Im April 1982 legte er das Assessorexamen ab. Während seiner Studienzeit engagierte er sich im Ring Christlich-Demokratischer Studenten Münster. Nach dem Studium wurde de Maizière Stipendiat in der Graduiertenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im April 1983 wurde er Mitarbeiter des Regierenden Bürgermeisters von Berlin (Richard von Weizsäcker; ab 1984 Eberhard Diepgen) in der Senatskanzlei des Landes Berlin, wo er von Juli 1985 bis 1989 das Grundsatzreferat leitete. Gleichzeitig war de Maizière Pressesprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin.
Im Februar 1986 wurde er bei Helmut Kollhosser und Otto Sandrock an der Westfälischen Wilhelms-Universität mit der Dissertation Die Praxis der informellen Verfahren beim Bundeskartellamt. Darstellung und rechtliche Würdigung eines verborgenen Vorgehens zum Dr. jur. promoviert. 1989 absolvierte de Maizière das Young Leader Program des American Council on Germany, ein Partnerprojekt der deutschen Denkfabrik Atlantik-Brücke und des American Council on Germany. 1990 arbeitete er für seinen Cousin Lothar de Maizière am Aufbau des Amtes des Ministerpräsidenten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mit und gehörte auch der Verhandlungsdelegation für den deutsch-deutschen Einigungsvertrag an.
Er ist seit 2003 Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages – und war von 2021 bis 2023 dessen Präsident. Seit Oktober 2010 war de Maizière Honorarprofessor für Staatsrecht an der später aufgelösten Juristischen Fakultät der Technischen Universität Dresden. Seit November 2018 ist er Vorsitzender der Deutschen Telekom Stiftung. De Maizière war bis 2018 Mitglied im Kuratorium der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Darüber hinaus ist er der Vorsitzende der Ethikkommission des DOSB und Vorsitzender im Kuratorium des Moritzburger Festivals. Er ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung 20. Juli 1944 und seit 2019 im Kuratorium der ZEIT-Stiftung. Des Weiteren ist de Maizière auch als selbstständiger Rechtsanwalt tätig. Seit März 2020 ist er Mitglied im strategischen und wissenschaftlichen Beirat von GEMoaB Monoclonals und seit 2021 Beiratsmitglied bei axxessio.
Familie Die Hugenottenfamilie de Maizière, aus der Nähe von Metz stammend, floh im 17. Jahrhundert nach Brandenburg, wo ihr Kurfürst Friedrich Wilhelm Zuflucht bot. Der Nachname leitet sich vom Herkunftsort der Familie ab, der Gemeinde Maizières bei Metz in Lothringen. De Maizières Mutter ist eine Tochter des Hannoveraner Bankiers Klaus Hermann Werner und dessen Frau Eleonore Dorothee Nanny Anna (Nora), geb. Lemmermann. Sein älterer Bruder Andreas de Maizière ist Bankmanager. Seine Schwester Barbara Pieper wirkt als Feldenkrais-Therapeutin, Cornelia von Ilsemann ist eine prominente Reformpädagogin. Darüber hinaus ist er ein Cousin des CDU-Politikers Lothar de Maizière, des letzten Ministerpräsidenten der DDR.
De Maizière ist evangelisch. Mit seiner aus Detmold (Kreis Lippe) stammenden Frau Martina de Maizière, geb. Willeke, lebt er in Dresden und hat drei Kinder.
Partei De Maizière wurde 1971 als Schüler Mitglied der CDU.
1990 empfahl de Maizière seinem Cousin Lothar de Maizière, dem ersten frei gewählten Ministerpräsidenten der DDR, nach der Volkskammerwahl Angela Merkel als Pressemitarbeiterin in sein Team aufzunehmen, in das er dann ebenfalls als Berater aufgenommen wurde.
Abgeordneter De Maizière war von 2004 bis zu seiner Berufung zum Chef des Bundeskanzleramtes Mitglied des Sächsischen Landtages. Im Wahlkreis 51 (Bautzen I) war er mit 47,9 % der Stimmen direkt gewählter Landtagsabgeordneter. De Maizière trat auf Platz 1 der Landesliste Sachsen für die Bundestagswahl 2009 an und bewarb sich um ein Direktmandat im Bundestagswahlkreis 155 (Meißen), wo er mit 45,2 % gewählt wurde. Bei der Bundestagswahl 2013 konnte er seinen Stimmenanteil noch auf 53,6 % ausbauen. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann er das Direktmandat nur noch knapp mit 34,1 % der Erststimmen.
Im 19. Deutschen Bundestag war de Maizière ordentliches Mitglied des Finanzausschusses. Am 13. Februar 2020 wurde er als Nachfolger von Uwe Feiler in das Gremium gewählt, weil Feiler parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geworden war. Bei der Bundestagswahl 2021 kandidierte de Maizière nicht erneut.
Öffentliche Ämter mini|Thomas de Maizière als Verteidigungsminister (2012) beim Besuch der ISAF-Truppen im OP North
Im November 1990 wurde de Maizière zum Staatssekretär im Kultusministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern ernannt. Anschließend war er ab Dezember 1994 Chef der Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern unter Ministerpräsident Berndt Seite. Nachdem die CDU nach der Landtagswahl 1998 aus der Regierung ausgeschieden war, wurde de Maizière in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
Am 26. Oktober 1999 übernahm er dann die Leitung der Sächsischen Staatskanzlei in der von Ministerpräsident Kurt Biedenkopf geführten Sächsischen Staatsregierung. Am 30. Januar 2001 wurde er – nach der Entlassung von Georg Milbradt – zum Sächsischen Staatsminister der Finanzen ernannt. Nachdem Milbradt zum Nachfolger von Kurt Biedenkopf im Amt des Ministerpräsidenten gewählt worden war, übernahm de Maizière am 2. Mai 2002 die Leitung des Sächsischen Staatsministeriums der Justiz. Nach der Landtagswahl 2004 wurde er am 11. November 2004 zum Sächsischen Staatsminister des Innern ernannt. In dieser Position wurden ihm Akten vorgelegt, die das Referat für Organisierte Kriminalität (OK) beim sächsischen Verfassungsschutz zu einem Komplex mutmaßlicher Verstrickungen von Justizvertretern und Lokalpolitikern in kriminelle Netzwerke (später als sogenannter „Sachsensumpf“ bekannt) gesammelt hatte. Nachdem er sie geprüft hatte, sah er eine Gefährdung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung für gegeben an und wies das Referat an, die Beobachtung fortzusetzen. Die Parlamentarische Kontrollkommission des Landtags oder die Staatsanwaltschaft informierte er aber nicht, weil er – wie er später angab – die Erkenntnisdichte für zu gering erachtete.
Nach der Bundestagswahl 2005 wurde de Maizière am 22. November 2005 als Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Bundesregierung berufen (Kabinett Merkel I). In dieser Funktion war de Maizière auch der Beauftragte der Bundesregierung für die Nachrichtendienste. Im Juni 2007 geriet das Verhalten de Maizières im Zusammenhang mit der „Sachsensumpf“-Affäre in die Kritik. Ein Rechtsanwalt aus Dresden erstattete Strafanzeige wegen Strafvereitelung im Amt. Vertreter der Fraktionen der FDP und Linken forderten de Maizière auf, seine Funktion als Geheimdienstekoordinator ruhen zu lassen.
Nach der Bundestagswahl 2009 wurde er am 28. Oktober 2009 zum Bundesminister des Innern im Kabinett Merkel II ernannt.
Am 9. Mai 2010 vertrat de Maizière in Brüssel den erkrankten Bundesfinanzminister Schäuble bei den Beratungen im Rat für Wirtschaft und Finanzen zur Euro-Krise und den Verhandlungen zum Europäischen Stabilisierungsmechanismus.
Im Januar 2011 setzte de Maizière Überstellungen entsprechend der Dublin-II-Verordnung nach Griechenland für ein Jahr aus und ordnete in entsprechenden Fällen die Anwendung des sogenannten Selbsteintrittsrechts durch die Bundesrepublik, d. h. die Prüfung des Asylverfahrens in Deutschland, an. Vorausgegangen war eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 2009, Überstellungen nach Griechenland vorläufig aufgrund der dortigen Behandlung von Asylsuchenden auszusetzen. Das Bundesverfassungsgericht hatte daraufhin ab Oktober 2010 über eine entsprechende Verfassungsbeschwerde verhandelt. Aufgrund der Anweisung de Maizières kam es dann zu keiner Entscheidung des Gerichts mehr. Die Anweisung, keine Überstellungen nach Griechenland durchzuführen, wurde im Folgenden von Jahr zu Jahr verlängert und dann noch einmal im Januar 2016 für ein halbes Jahr.
Am 3. März 2011 wurde de Maizière als Amtsnachfolger des zurückgetretenen Karl-Theodor zu Guttenberg zum Bundesverteidigungsminister ernannt. Im Mai 2011 verkündete er Pläne zur Verkleinerung der Bundeswehr. In seiner Amtszeit wurde die von seinem Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg vorbereitete Aussetzung der Wehrpflicht vollzogen. Aufgrund der Äußerung im Februar 2013, die Bundeswehrsoldaten gierten nach Anerkennung, wurde ihm vorgeworfen, sich nicht genügend hinter die Soldaten zu stellen.
Am 17. Dezember 2013 wurde de Maizière im Kabinett Merkel III erneut zum Bundesinnenminister ernannt. Er amtierte bis zum 14. März 2018.
Deutsche Medien berichten am 23. Februar 2014, dass 230 deutsche Politiker, Entscheidungsträger und Wirtschaftsvertreter durch den US-amerikanischen Geheimdienst abgehört werden, darunter auch de Maizière. Dafür habe die NSA in Deutschland 297 Mitarbeiter stationiert.
Während der sogenannten Flüchtlingskrise 2015/16 galt weiterhin die Anweisung de Maizières, keine Überstellungen nach Griechenland durchzuführen. Bei der nun geltenden Dublin-III-Verordnung führte dies bei über Griechenland illegal in die Europäische Union eingereisten Personen in der Regel zu einer Übernahme des Verfahrens durch Deutschland.
Als amtierender, gewählter Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentag 2023 forderte Thomas de Maizière im Oktober 2021 mehr Debatten-Qualität der öffentlichen Diskussionsbeiträge der Kirchen. Eine traditionelle Selbstverständlichkeit, nach der die Mehrheit der Bevölkerung den Argumenten der Kirche folge, sei nicht mehr gegeben. Das könne man nur durch besondere Qualität ersetzen, um für die eigenen ethisch-moralischen Positionen zu werben.
De Maizière war Mitglied der Jury für die Vergabe des Standorts des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation.