mini|300px|Heidenheim, vom Schloss Hellenstein aus gesehen mini|Heidenheim im Jahr 2007
Heidenheim an der Brenz (schwäbisch „Hoidna“, auch „Hoirna“Gschichtla aus Hoirna: Herbert Demel veröffentlicht Buch, Bericht in der Heidenheimer Zeitung vom 22. August 2019, abgerufen am 10. Dezember 2021.Siehe auch die doppelte Dialektvariante in der Alemannischen Wikipedia. Hans Wulz kennt sogar drei Mundart-Varianten „HOIRNA Heidenheim Haidahoim Hoidna“. Mundartliche Besonderheiten Mundart-Lexikon, Heidenheim 1999.) ist eine Stadt im Osten Baden-Württembergs an der Grenze zu Bayern, etwa 17 Kilometer südlich von Aalen und 33 Kilometer nördlich von Ulm. Sie ist die Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises Heidenheim und nach Aalen und Schwäbisch Gmünd die drittgrößte Stadt der Region Ostwürttemberg.
Heidenheim bildet ein Mittelzentrum, zu dessen Mittelbereich alle Gemeinden des Landkreises Heidenheim gehören. Seit 1. April 1956 ist Heidenheim Große Kreisstadt. Mit der Gemeinde Nattheim ist die Stadt Heidenheim eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Geographie Lage Heidenheim liegt auf 478 bis 645 Metern Höhe zwischen Albuch und Härtsfeld am nordöstlichen Ende der Schwäbischen Alb in einer Talweitung der Brenz bei der Einmündung des Stubentals am Fuß des Hellensteins. Die Brenz betritt von Königsbronn kommend, wo sie entspringt, im Nordwesten das Stadtgebiet, durchfließt es in Nord-Süd-Richtung und teilt dabei nacheinander die Siedlungsflächen der Stadtteile Aufhausen und Schnaitheim, anschließend die der Kernstadt und schließlich die des Stadtteils Mergelstetten, um es im Süden in Richtung Herbrechtingen wieder zu verlassen.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Heidenheim an der Brenz. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Aalen und Neresheim (Ostalbkreis), Nattheim (Landkreis Heidenheim), Syrgenstein (Landkreis Dillingen, Bayern) sowie Giengen an der Brenz, Herbrechtingen, Steinheim am Albuch und Königsbronn (alle Landkreis Heidenheim).
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Heidenheim an der Brenz besteht aus der Kernstadt (mit der abgegangenen Ortschaft Bintzwangen und dem in Heidenheim aufgegangenen Ort Niederhofen) und den folgenden von 1910 bis 1974 eingegliederten Gemeinden: mini|Brenzufer bei Mergelstetten 40px|Schnaitheim Schnaitheim (mit Aufhausen und dem Wohngebiet Mittelrain) 40px|Mergelstetten Mergelstetten (mit dem Wohngebiet Reutenen) 40px|Oggenhausen Oggenhausen (mit Heuhof) 40px|Großkuchen Großkuchen (mit Kleinkuchen und den Weilern: Nietheim und Rotensohl sowie den abgegangenen Ortschaften Hagenbucher Hof, Hubertsweiler und Norderenhausen) mini|Oggenhausen, Luftaufnahme (2016)
Die beiden erst bei der jüngsten Gebietsreform 1971 bzw. 1974 eingegliederten Gemeinden Oggenhausen und Großkuchen sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von der Bevölkerung bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat, dessen Vorsitzender der Ortsvorsteher ist. auf: heidenheim.de.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 579–632. mini|Klimadiagramm von Heidenheim 1961–1990
Klima Heidenheim an der Brenz hat eine Durchschnittstemperatur von 8,1 °C. Die Niederschlagsmenge beträgt im Jahresdurchschnitt 880 Millimeter. Insbesondere im Herbst tritt häufiger Nebel auf. In den Wintermonaten fällt in der Regel Schnee, allerdings reicht dieser nicht immer für eine geschlossene Schneedecke aus. Das normalerweise trockene Bett des Wedels, der von westlicher Richtung die Stadt erreicht, führt zur Zeit der Schneeschmelze Wasser, und auch die Brenz weist dann einen erhöhten Wasserstand auf. Aufgrund von Hochwasserrückhaltebecken in den umliegenden Trockentälern und der Verdolung des Wedels stellt Hochwasser mittlerweile kein großes Problem mehr dar.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Heidenheim an der Brenz.
Schutzgebiete
Nördlich von Aufhausen liegt das Naturschutzgebiet Brünneleswiesen, östlich von Großkuchen das Naturschutzgebiet Buchhalde-Neresheimer Tal. Darüber hinaus liegen im Stadtgebiet insgesamt 17 Landschaftsschutzgebiete: Krätzental Großer Bühl Kleiner Bühl Siechenberg mit Vohberg und Umgebung Flönstäle Schloßberg Ugental mit Vorderem und Hinterem Teil und Arphalde Ugental zwischen Ochsenhau und Buchhalde Heide zwischen Jahnstraße und Fuchssteige (Reute) Hangteile um den Hahnenschnabel Teile der Hirschhalde und Laiberberges sowie Talhang nördlich der Vorderen Enggasse Weidmichele, Eichelesäcker und anschließender Talgrund Burren mit Westhang des Kreuzbühls, Fuchsloch Südwesthang des Moldenberges mit Verbindung über Enges Feld zum Kelzberg mit Heidestreifen am südlichen Möhntalrand Teile der Blässhalde, der Täsch, Buchschorren, Lindle- und Gampfertal Heinzental Brenztalaue beim Brünneleskopf
Ebenfalls nördlich von Aufhausen liegt der Bannwald Siebter Fuß.
Heidenheim hat Anteile an den FFH-Gebieten Härtsfeld, Heiden und Wälder zwischen Aalen und Heidenheim, Steinheimer Becken und Giengener Alb und Eselsburger Tal sowie am Vogelschutzgebiet Albuch.Daten- und Kartendienst der LUBW mini|Das Türmle und die letzten Reste der Stadtbefestigung.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Erste Anzeichen menschlicher Anwesenheit hat es auf dem Stadtgebiet Heidenheims im Abri Heidenschmiede schon vor etwa 70.000 Jahren gegeben. Als ältester Nachweis für die Anwesenheit von Neandertalern auf dem Gebiet des heutigen Heidenheim gilt der 1999 gefundene Faustkeil von Schnaitheim. Der Fund stammt aus der Endphase des Neandertalers.
Eine dauerhafte Besiedelung reicht bis etwa 1300 v. Chr. zurück. Umfangreiche Siedlungsreste sind vor allem im Gewann Fürsamen aus der Zeit zwischen 1200 und 800 v. Chr. sowie der Hallstatt- und Latènezeit erhalten geblieben.
In römischer Zeit ab etwa 85 n. Chr. befand sich in Heidenheim das Kastell Aquileia mit über 1.000 berittenen Soldaten. Die dort stationierte Einheit – die Ala II Flavia milliaria – wurde später, vermutlich im Jahre 159 n. Chr., weiter nördlich nach Aalen verlegt. Das Kastell Aquileia bildete zunächst den östlichen Endpunkt des sogenannten Alblimes. Doch schon bald entstand an diesem strategisch wichtigen Ort und Schnittpunkt von fünf Römerstraßen auch eine Zivilsiedlung, eine der größten römischen Städte im heutigen Baden-Württemberg. Funde belegen eine besiedelte Fläche von mindestens 15, wenn nicht 20 Hektar. Außerdem wurden unlängst bei Ausgrabungen die Reste eines repräsentativen römischen Verwaltungsgebäudes gefunden, dessen genaue Funktion noch nicht vollständig geklärt ist (Stand Mai 2005). Seit 233 griffen Alamannen wiederholt die römischen Grenzbefestigungen (Obergermanisch-Raetischer Limes) an. Die Aufgabe des Limes durch die Römer 260 brachte das Ende des römischen Heidenheim. In welchem Umfang römische Bevölkerungsteile unter der neuen alemannischen Herrschaft weiterexistierten, ist unklar; sehr wahrscheinlich war dies der Fall.
Über das Aquileia/Heidenheim der Völkerwanderungszeit wissen wir nichts. Doch schon im 8. Jahrhundert wird Heidenheim erstmals (wieder) urkundlich erwähnt. Die Gründung der mittelalterlichen Stadt geht mit dem Bau des Schlosses Hellenstein einher. Stadtmauern wurden abschnittsweise 1190 und 1420 errichtet. Das Marktrecht wurde der Stadt 1356 von Kaiser Karl IV. verliehen bzw. bestätigt. Über die Herrschaft der Grafen von Helfenstein kam die Stadt 1448 an Württemberg. 1462 bis 1504 gehörte die Stadt vorübergehend zu Bayern, später für kurze Zeit zu Ulm. Sie war in württembergischer Zeit stets Sitz eines Amtes, das bis 1803 eine Exklave des Herzogtums Württemberg darstellte. Die damaligen territorialen Zugewinne Württembergs stellten dann die direkte Verbindung zum Hauptteil des Landes her, das 1806 als Königreich Württemberg in den neu gegründeten Rheinbund eintrat. 1807 wurde das Amt Heidenheim zum Oberamt erhoben (Oberamt Heidenheim), aus dem 1938 der Landkreis Heidenheim hervorging, der bei der Kreisreform 1973 kaum verändert wurde.
Bereits im Jahr 1590 existierte in Heidenheim ein funktionstüchtiges Wasserversorgungssystem. Es wurde Quellwasser aus der Brunnenmühlenquelle in einen Hochdruckbehälter in der Nähe des Schlosses gefördert, womit das Gebiet der heutigen Altstadt versorgt wurde.Die Geschichte der Wasserversorgung der Stadt Heidenheim, opencoaching.de.
Von den Hexenverfolgungen von 1607–1632 waren zehn Frauen betroffen. Die meisten Hexenprozesse endeten mit der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Das erste Opfer war Maria Öchsle aus Heuchlingen, genannt „die groß Maria“.
Die Entwicklung von Dorf und Stadt in wirtschaftlicher Hinsicht ist vor allem auf Abbau und Verhüttung von Bohnerzvorkommen zurückzuführen, die bereits in der Römerzeit ausgebeutet wurden. Die Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs schwand jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts durch die große Konkurrenz zunächst aus Wasseralfingen und dann dem Rheinland. Es kam allmählich zur Industrialisierung. mini|Poststempel der Oberamtsstadt Heidenheim im Königreich Württemberg des Jahres 1897
1864 wurde Heidenheim über die im Bau befindliche Brenzbahn an das Netz der Württembergischen Eisenbahn angeschlossen.
20. und 21. Jahrhundert Auch in der Herstellung von Stoffen erlangte Heidenheim Bedeutung. Der auf der Ostalb angebaute Flachs wurde zu Leinwand verarbeitet. Mit dem Import von Baumwolle Anfang des 19. Jahrhunderts nahm die Textilindustrie ihren Anfang, die jedoch durch die internationale Konkurrenz nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung verloren hat. 1920 entluden sich wirtschaftliche Spannungen in den Protestaktionen des Heidenheimer Kirschenkriegs.
Am 1. August 1926 kommt es beim Heidenheimer Flugtag auf dem VfR-Platz zu einem Unglück. Beim Landeanflug wird das Flugzeug (Heinkel HD 21) durch eine Fallböe nach unten gedrückt und reißt eine Bretterwand mit Zuschauern ein. Das Flugzeug überschlug sich und blieb zerschmettert liegen. 5 Zuschauer kommen ums Leben und sieben wurden verletzt, der Pilot blieb unverletzt.
Bereits 1925 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt Heidenheim die 20.000-Einwohner-Grenze. 1935 wurde Heidenheim nach der Deutschen Gemeindeordnung zum Stadtkreis erklärt, blieb aber weiterhin Teil des Oberamtes bzw. ab 1938 des Landkreises Heidenheim.
Im Zweiten Weltkrieg war zwischen Oktober 1941 und November 1942 der Polizeischule oberhalb der Stadt ein Außenlager des KZ Dachau mit 50 Häftlingen angegliedert. Von Dezember 1944 bis April 1945 war darin ein 20-köpfiges Arbeitskommando des KZ Natzweiler-Struthof untergebracht, das Dienste für das ab 1944 in der Polizeischule untergebrachte SS-Helferinnenkorps der Waffen-SS leisten musste.Jutta Mühlenberg: Das SS-Helferinnenkorps. Ausbildung, Einsatz und Entnazifizierung der weiblichen Angehörigen der Waffen-SS 1942–1949, Hamburg 2011, S. 264. Nach Kriegsende wurde im ehemaligen KZ-Außenlager ein DP-Lager eingerichtet. Ein zweites DP-Lager bestand ab Oktober 1945 in der Voithsiedlung, die von der deutschen Wohnbevölkerung dafür vollkommen geräumt werden musste. Es handelte sich dabei hauptsächlich um polnische, 1946 fast nur noch um jüdische Displaced Persons. Die beiden Lager, in denen zeitweise bis zu 2620 Personen lebten, wurden im August 1949 aufgelöst.
1948 wurde Heidenheim zur unmittelbaren Kreisstadt und am 1. April 1956 mit Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung zur Großen Kreisstadt erklärt. Am 19. Oktober 1957 erhielt der Stadtname offiziell den Zusatz an der Brenz.
Durch die Eingliederung von zwei Nachbargemeinden im Rahmen der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre erreichte Heidenheim seine heutige Gebietsausdehnung.