Rheinfelden (Baden) (bis zum 7. Mai 1963 Rheinfelden, alemannisch Badisch-Rhyfälde []) ist eine Stadt im Südwesten Baden-Württembergs unmittelbar an der Schweizer Grenze. Sie ist nach Lörrach die zweitgrößte Stadt des Landkreises Lörrach und ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Die Stadt ist geschichtlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich eng mit der Schweizer Stadt Rheinfelden auf der gegenüberliegenden Rheinseite (Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz) verbunden.
Seit dem 1. Januar 1975 ist Rheinfelden (Baden) Große Kreisstadt. Mit der Gemeinde Schwörstadt ist die Stadt eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Geografie mini|Rheinfelden im Dreiländereck
Lage Rheinfelden liegt unmittelbar südlich der Ausläufer des Südschwarzwalds am bis 535 m hohen Gebirgszug Dinkelberg, der sich nördlich der Kernstadt erhebt. Es befindet sich etwa 15 km (Luftlinie) östlich von Basel am rechten bzw. nördlichen Ufer des Hochrheins gegenüber der gleichnamigen Schweizer Stadt. In Rheinfelden mündet der Dürrenbach in den Rhein.
Geologie Siehe Ausführungen zu den Teilorten
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Rheinfelden (Baden) (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Grenzach-Wyhlen, Inzlingen, Lörrach, Steinen, Maulburg, Schopfheim, Schwörstadt (alle Landkreis Lörrach) sowie Rheinfelden AG (Kanton Aargau/Schweiz).
Stadtgliederung mini|hochkant=1.7|Stadtgliederung von Rheinfelden
Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt, zu welcher heute auch die ehemaligen Gemeinden Nollingen und Warmbach gehören, und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten Gemeinden.
+ Stadtgliederung Rheinfeldens Stadtteil Fläche in km² EinwohnerStand Dezember 2018 Adelhausen 7,13 747 Degerfelden 9,89 1.474 Eichsel 5,00 844 Herten 8,17 4.652 Karsau 8,42 3.668 Minseln 9,44 1.979 Nordschwaben 3,45 318 Kernstadt 11,32 13.271 Gesamt 62,82 26.953
mini|Luftbild auf Rheinfelden von westlicher Richtung, im Vordergrund der Stadtteil Degerfelden Die sieben von 1972 bis 1975 eingegliederten Gemeinden sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat, mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. Die Zahl der Ortschaftsräte beträgt je nach Größe der Ortschaft zwischen sechs und zwölf.
Zu den meisten Stadtteilen gehören weitere räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die oft sehr wenige Einwohner haben oder Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Mit der Eingemeindung in den 1970er Jahren verfünffachte sich die Gemarkungsfläche auf 62,85 Quadratkilometer, wodurch Rheinfelden zur größten Gemeinde am Dinkelberg und zur drittgrößten im Landkreis geworden ist.Abteilung Landesbeschreibung des Staatsarchivs Freiburg im Breisgau: Der Landkreis Lörrach. Band 2: B. Gemeindebeschreibungen Kandern bis Zell im Wiesental. Herausgegeben von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Lörrach. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 243.
Raumplanung Rheinfelden (Baden) bildet ein Mittelzentrum im Bereich des Oberzentrums Lörrach/Weil am Rhein der Region Hochrhein-Bodensee. Zum Mittelbereich Rheinfelden gehören neben der Stadt Rheinfelden (Baden) noch die Gemeinden Grenzach-Wyhlen und Schwörstadt. Darüber hinaus gibt es grenzüberschreitende Verflechtungen mit den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Aargau in der Schweiz.
Geschichte mini|Notgeld der Stadtgemeinde Rheinfelden aus den 1920er Jahren mini|Bau des Alten Wasserkraftwerks
Das Gebiet der heutigen Kernstadt Rheinfelden (Baden) lag ursprünglich in der Landschaft Rheintal der Kameralherrschaft Rheinfelden in Vorderösterreich. Deren Verwaltungssitz, die heutige Schweizer Stadt Rheinfelden, besaß am rechten Rheinufer einen kleinen Uferstreifen im Bereich der alten BrückeHochreiter et al.: Drinnen, draussen, dabei. S. 201., der große Rest entfiel auf die Gemeinde Nollingen. Abgesehen vom Befund eines römischen Betriebs zum Abbau von Ton für die ZiegelherstellungUlrich Brandl, Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel (= Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61). Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0. war die heutige Kernstadt nicht bebaut. Die Geschichte ist daher bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts eng mit jener des schweizerischen Rheinfelden verknüpft. Die Kämpfe in der Schlacht bei Rheinfelden im Jahr 1638 und jene der Schlacht bei Rheinfelden 1678 spielten sich hauptsächlich hier auf der rechtsrheinischen Seite ab.
Infolge der Grenzziehung nach den Frieden von Lunéville und Pressburg 1801 bzw. 1805 wurde der Rhein zur Grenze zwischen Baden und der Schweiz. 1836 wurde gegenüber von Rheinfelden ein badisches Zollhaus errichtet, bei dem sich bald ein kleiner, zu Nollingen gehörender Weiler entwickelte. Am 4. Februar 1856 erfolgte die Eröffnung des ersten Abschnitts der Hochrheinbahn zwischen Basel Badischer Bahnhof und Bad Säckingen. Unweit des Zollhauses ging an der Strecke die Station bei Rheinfelden in Betrieb. Kennzeichnend für die Entwicklungsgeschichte ist, dass das Empfangsgebäude auf der Südseite der Bahntrasse errichtet wurde, in Richtung des schweizerischen Rheinfelden orientiert, Rheinfelden (Baden) jedoch bis heute nur über eine Unterführung angebunden ist.
1894 erteilten das Großherzogtum Baden und der Kanton Aargau dem Unternehmen Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR) die Konzession für den Bau von Europas erstem bedeutenden Laufwasserkraftwerk. Um dessen Rentabilität zu erhöhen, schuf die KWR die Voraussetzungen zur Ansiedlung energieintensiver Industriebetriebe, die den Strom als Großkunden abnehmen sollten. Zu diesem Zweck erwarb sie insgesamt 84,5 Hektar Land, ebenso übernahm sie die Erschließung und Planung des Geländes mit Straßen, Gleisen, Wohnhäusern und Versorgungsleitungen. Kurz darauf siedelten sich große Industriebetriebe an (Seidenweberei, Aluminiumhütte, elektrochemische Werke). Die vielen, in kurzer Zeit zugezogenen Arbeiter lebten in rasch aus dem Boden gestampften Mietskasernen, die elenden Verhältnisse verbesserten sich erst im Laufe der Jahre.Hochreiter et al.: Drinnen, draussen, dabei. S. 201–202.
Die Gemeinde Nollingen, auf deren Gebiet die Arbeitersiedlung stand, war mit der Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur überfordert. Grund dafür war, dass die Industriebetriebe auf dem Gemeindegebiet von Karsau lagen, das somit alleine von den hohen Steuereinnahmen profitierte. Mit Genehmigung der großherzoglichen Behörden durfte Nollingen im Jahr 1900 den Karsauer Teil der Industriesiedlung für 200.000 Mark erwerben. Das badische Innenministerium gab 1901 dem neuen Nollinger Ortsteil den Namen Badisch Rheinfelden. Nollingen gehörte seinerzeit zum Bezirksamt Säckingen. 1921 wurde die Nachbargemeinde Warmbach, die bis dahin zum Bezirksamt Lörrach gehört hatte, in die Gemeinde Nollingen eingegliedert. Am 7. Oktober 1922 erhielt Nollingen die Stadtrechte. Dabei entschied man sich dafür, auch auf deutscher Seite den Namen der Schweizer Schwesterstadt Rheinfelden zu übernehmen.Hochreiter et al.: Drinnen, draussen, dabei. S. 204. Seit der Kreisreform 1939 gehörte Rheinfelden (Baden) zum Landkreis Säckingen.
Der Anteil der Grenzgänger aus der Schweiz war hoch, auch während des Ersten Weltkriegs. Infolge der Hyperinflation von 1923 sank er rapide und nahm auch danach weiter ab.Hochreiter et al.: Drinnen, draussen, dabei. S. 220. Aufgrund des großen Einflusses der Arbeiterbewegung und des hohen katholischen Bevölkerungsanteils blieben die Wahlergebnisse der NSDAP in Rheinfelden deutlich hinter jenen im übrigen Baden und im Reich zurück. Im Zuge der Gleichschaltung wurde Bürgermeister Eugen Walz (Zentrum) am 1. Juni 1933 zum Rücktritt gezwungen. Die grenzüberschreitenden Beziehungen zur Schweizer Nachbarschaft verschlechterten sich rasch. Entlang der Grenze bildete sich ein sozialdemokratisches Untergrundnetzwerk, das politisch Verfolgte in die Schweiz brachte und von dort Propagandamaterial schmuggelte. Der Rheinfelder SPD-Gemeinderat Franz Fischer (der erste Nachkriegsbürgermeister) veranstaltete auch nach der Machtergreifung eine Parteiversammlung im schweizerischen Rheinfelden.Hochreiter et al.: Drinnen, draussen, dabei. S. 225–229.
Im Zweiten Weltkrieg bildeten die Rheinfelder Industriebetriebe, insbesondere die Aluminiumproduktion, ein wichtiges Element der deutschen Kriegswirtschaft. Kurz nach Beginn des Westfeldzugs wurden die ersten Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter zugeführt, insgesamt waren es 4074. Sämtlichen französischen Zwangsarbeitern gelang es im Herbst 1941, durch eine Massenflucht zu entkommen. Wie viele Flüchtlinge im Verlaufe des Krieges durch Ertrinken im Rhein oder durch Beschuss durch deutsche Grenzwächter ums Leben kamen, ist nicht eindeutig bezifferbar. Am 25. April 1945 nahmen französische Truppen die Stadt kampflos ein, an den vier Tagen zuvor strömten über 3000 Flüchtlinge über die Grenze. Die Franzosen riegelten die Grenze danach hermetisch ab und öffneten sie erst 1948 wieder.Hochreiter et al.: Drinnen, draussen, dabei. S. 233–235.
Nach dem Krieg gehörte die Stadt zum Land Baden und nach Bildung von Baden-Württemberg 1952 zum Regierungsbezirk Südbaden. Die grenzüberschreitenden Beziehungen auf lokalpolitischer Ebene wurden 1954 wieder aufgenommen, waren aber sogleich einer Belastungsprobe ausgesetzt. Grund dafür waren zunehmende Fluor-Emissionen der Aluminium Rheinfelden, die vor allem auf der Schweizer Seite Schäden verursachten. Da das Unternehmen die hohen Investitionskosten für Absorptionsanlagen scheute und die Behörden aus Angst vor Arbeitsplatzverlusten nicht tätig werden wollten, kam es zum so genannten „Fluorkrieg“. Über 5000 Demonstranten zogen am 22. Juli 1958 von Möhlin zur Rheinfelder Brücke, um die sofortige Stilllegung aller nichtsanierten Öfen zu fordern. Weitere Proteste gab es in den 1970er Jahren gegen Chlor-Emissionen und in den 1980er Jahren gegen Dioxin-Emissionen.Hochreiter et al.: Drinnen, draussen, dabei. S. 258–259.
Seit der Kreisreform 1973 gehört Rheinfelden zum Landkreis Lörrach und zur Region Hochrhein-Bodensee. Durch die Eingliederung der Nachbargemeinden überschritt die Einwohnerzahl 1973 die 20.000-Grenze. Danach stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg dann mit Wirkung vom 1. Januar 1975 beschloss. 1998 wurden die Deutschen Straßen-Radmeisterschaften in Rheinfelden abgehalten, nachdem im Jahr davor der in Südbaden beheimatete Jan Ullrich die Tour de France gewann.
Unter dem Motto „Elemente, die bewegen“ fand vom 16. Juni bis 9. September 2007 in grenzübergreifender Zusammenarbeit mit der Schweizer Nachbarstadt Rheinfelden eine „Kleine Landesgartenschau“, das „Grünprojekt 2007 beider Rheinfelden“ („Grün 07“), statt. Es stieß im Vorfeld aufgrund der Kosten zunächst auf starke Widerstände in der Bevölkerung, ein Bürgerentscheid zeigte eine deutliche Mehrheit ablehnender Stimmen, scheiterte jedoch knapp am Beteiligungsquorum.
Eingemeindungen mini|hochkant=1.7|Karte der Gemeinde Rheinfelden (Baden) mit den Hauptverkehrsstraßen und den Stadtteilgrenzen Folgende Gemeinden wurden in die Stadt Rheinfelden (Baden) eingemeindet:
1. Januar 1972: Degerfelden (Landkreis Lörrach), Minseln 1. Oktober 1973: Herten 1. Januar 1974: Eichsel 1. März 1974: Nordschwaben 1. Juli 1974: Adelhausen 1. Januar 1975: Karsau
Einwohnerentwicklung
Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1919 handelt es sich um Zahlen der Gemeinde Nollingen. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Rheinfelden von 1755 bis 2016